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Oidium-Modelle zur Bewertung des Witterungseinflusses auf die Ausbreitung von Oidium - Stand der Forschung 2005

 

Dr. Walter K. Kast
LVWO Weinsberg

 

Neben dem Erreger der Rebenperonospora verursacht der Echte Rebenmehltau (Oidium/Uncinula necator) ebenfalls erhebliche Ertragsverluste und mindert insbesondere die Weinqualität. Da der Erreger erst im 19. Jahrhundert aus Nordamerika nach Europa eingeschleppt wurde, besitzen die alten, europäischen Kulturrebsorten eine relativ geringe Widerstandsfähigkeit. Neuere Untersuchungen (Gadoury et al., 1998; Kast 1999) zeigen eine ausgeprägte Anfälligkeit in der Phase der Streckung der Gescheine, bis die Beeren Schrotkorngröße erreichen. In dieser Phase sind auch pilzwiderstandsfähige Sorten und sogar hoch widerstandsfähige Vitis Labrusca-Sorten empfindlich.

Der Rebenmehltau überwintert überwiegend in den Rebknospen. Die Besiedlung erfolgt bereits im Mai des Vorjahres, so dass die dortige Witterungssituation wichtig für ein frühzeitiges Auftreten ist. Des weiteren gibt es Hinweise auf Einflüsse der Witterung im Winter und Frühjahr (Hill 1990, Kast 1997).

Entscheidend für die Ausbreitung im Sommer ist die Temperatur (Delp 1954) und nach neueren Erkenntnissen auch die Luftfeuchte (Kast 1997, Caroll and Wilcox 2002).

Für die Bewertung der Witterungseinflüsse existieren einfache Bewertungsprogramme: OiDiag  (Kast 1997) und UC Davis Risk Assessment Model (Gubler and Thomas, 2000), für die fertige Empfehlungen zu Spritzabständen bei konventionellen Mitteln existieren (Kast 1994), die durch Versuche belegt sind (Kast 2000, Pscheid et al. 2000).

Bisher nicht berücksichtigt in den Modellen ist die stadienspezifische Anfälligkeit der Trauben. Keine ausreichenden Erfahrungen liegen vor über die notwendigen Spritzintervalle bei Mitteln des ökologischen Anbaus in Abhängigkeit von Witterung und phänologischen Stadien. Die im ökologischen Weinbau derzeit zur Verfügung stehenden Mittel wurden u. a. auch von den Antragstellern in vielen Versuchen hinsichtlich ihrer Wirksamkeit verglichen. Eine aktuelle Übersicht gibt Hofmann (2003). Alle bisherigen Erkenntnisse zur Wirkung beruhen auf kontinuierlichen Spritzabständen von zumeist 10 ‑12 Tagen. In vielen Fällen war eine derartige Strategie in Versuchen und in der Praxis des Öko-Weinbaus nicht ausreichend erfolgreich. Es fehlen Ergebnisse, bei denen die Spritzabstände witterungs- und stadienspezifisch variiert werden.

 

Zitierte Literatur

Gubler, W. D.; Thomas, C. S. (2000): Control of Grapevine Powdery Mildew Using the UC Davis Risk Assessment Model. SARDI Research Report Series 50, 133 134.

Gadoury, D. A.; Seem, R. C.; Wilcox, W. F. (1988): The early development of ontogenetic resistance to powdery mildew in fruit of Vitis labrusca and Vitis vinifera grapevines. SARDI Research Report Series 22, 36.

Kast, W. K. (1999): Development of ontogenetic resistance to powdery mildew in fruit of differently susceptible grapevines (cvs. Trollinger and Lemberger). Mitteilungen Klosterneuburg 49, 186 ‑ 189.

Hill, G. K. (1990): The influence of annual weather patterns on epidemics of Uncinula necator in Rheinhessen. Weinwissenschaft 45, 43 ‑ 46.

Delp, L. J. (1954): Effect of temperature and humidity on the grape powdery mildew fungus. Phytopathology 44, 615 ‑ 626.

Kast, W. K. (1997): A step by step risk analysis (SRA) used for planning sprays against powdery mildew (OiDiag-System). Weinwissenschaft 52, 230 ‑ 231.

Caroll, J. E.; Wilcox, W. F. (2002): Effect of humidity on Uncinula necator and grapevine powdery mildew. In Gadoury et al. (Eds): Proceedings of the 4th International Workshop on Powdery and Downy Mildew in Grapevine (UC-Davis), 44 ‑ 45.

Pscheidt, J. W.; Wittig, H. P. P.; Wallace, L. D.; Hall, T.; Mahaffee, W. (2000): Evaluation of Three Grape Powdery Mildew Forecasting Programs in Corvallis, Oregon, USA. SARDI Research Report Series 50, 143 ‑ 144.

Tabelle 1: OiDiag-Bewertung

1. Tagesbewertung

Basisdaten

Std1  = Stunden mit Luftfeuchte > 69 % (ohne Nässe)

      + ½  x Stunden mit Luftfeuchte > 59 % (ohne Nässe)

°C     = Tagesdurchschnittstemperatur aus Stundenmittelwerten

Std2  = Blatt-Benetzungszeiten in Stunden

2. Temperaturfunktionen

X = (−0,64 + 0,11 ´ °C −0,0025 ´ °C2)

3. Luftfeuchtefunktion

Y = Std./24

4. Benetzungsfunktion

Z = Stdz./24

5. Gesamtbewertung des Tages i (aus 2.,3. und 4.) 

m(i) = X (i) ´ Y (i) ´ 2 - 1/3 Z (i)                      (if <0: = 0)

6. Gleitende Mittelwerte (über die jeweils letzten 7 Tage)

m % = {∑ m (i, i = –7 ,– 1)}/7 ´ 100             (if > 100: = 100)




Für die Oidium-Modellrechnungen (siehe KAST 1993) werden Tagesbewertungen berechnet, die grundsätzlich über die letzten 7 Tage gleitend gemittelt werden (Tabelle 1). In die Einzeltagesbewertungen geht eine Temperatur-Optimums-Funktion ein, die ihr Maximum bei Tagesmittelwerten von 20 – 24°C hat und bei 7° und 35°C 0 ergibt. Dieser Indexwert wird mit der Zahl  der Stunden multipliziert, an denen die Luftfeuchte 70 % erreicht, aber noch keine Blattnässe eintritt. Negativ geht in den Indexwert die Blattnässedauer ein. Hohe Indexwerte werden vorzugsweise bei anhaltenden Hochdruckwetterlagen mit starker nächtlicher Abkühlung und für schwül-warme aber niederschlagsarme Perioden berechnet. Die errechneten Werte werden vom System als Kurve angezeigt. Kritische Situationen sind durch einen mehrtägigen Anstieg oder hohe Werte (>60) zu erkennen.

 

 

Table 1:OiDiag-Calculations

1. values for single days

      Basic data

Std1  = hours with humidity > 69 % (without leaf wetness)

      + ½  x hours with humidity > 59 % (without leaf wetness)

°C     = mean temperature of the day

Std2  = leaf wetness in hours

2. temperature-function

X = (-0.64 + 0.11 ´ °C -0.0025 ´ °C2)

3. humidity-function

Y = Std1./24

4. leaf wetness-function

Z = Std2./24

5. value for day i (calculated from 2.,3. and 4.) 

m(i) = X (i) ´ Y (i) ´ 2 - 1/3 Z (i)                      (if <0: = 0)

6. sliding means (means over the last 7 days)

m % = {åm (i, i = –7 ,– 1) }/7 ´ 100  (if > 100: = 100)





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