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GEOLOGIE UND WEINBERGSBÖDEN WÜRTTEMBERGS

Kerf, Kies und Letten - das Keuperland

von Dr. Dietmar Rupp, LVWO Weinsberg

Ein Tortenstück der Erdgeschichte

Obwohl nicht aus Schokolade oder Buttercreme, erinnern Geländeanschnitte im Keuperland an eine kunstvoll bereitete Schichttorte. Was hier wie Tortenschichten aussieht, sind rötlich-braune Tonmergellagen, unterbrochen durch grünlich-blaue Steinmergelbänke oder weißliche Gipshorizonte.

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Bei den Gesteinen des Keupers handelt es sich wie beim Muschelkalk um die Ablagerungen eines urzeitlichen Meeres. Damals, vor rund 210 Millionen Jahren war der Bereich des heutigen Mitteleuropas die Ausbuchtung eines großen Meeres, in das von Norden und Südosten große Mengen ton- und kalkreichen Materials eingeschwemmt wurden. An den Ufern des Meeres herrschte ein warmes Klima mit beschleunigter Verwitterung. Deshalb sind vor allem die Schichtungen der Bunten Mergel als Folge von Oxidationen rötlich gefärbt. Nicht umsonst heißen die Oberen Bunten Mergel, die rund um den Stuttgarter Talkessel anstehen auch "Rote Wand".

Die Ausbildung der heutigen Keuperlandschaft ist die Folge des Aufeinandertreffens von Wasser und Gestein, es ist die Folge von Erosion, Nachgeben und Widerstand. Überall dort, wo weiche Tonmergel ungeschützt zu Tage traten, haben Flüsse und Bäche das Land abgetragen. Entstanden sind Täler, "Klingen" oder gar regelrechte Schluchten.

Aus Tälern werden Berge

Ob nun im Stromberg, im Bottwartal oder am Beispiel der Weinsberger Weibertreu: immer sind es die Sandsteinschichten, die als Deckel für den Schutz der Keuperberge zuständig sind. Diese meist länglichen Sandsteinstränge ziehen sich entlang des Keuperstufenrands von Waldenburg im Hohenlohischen über den Wartberg bei Heilbronn bis hin zum Korber Kopf im Remstal oder dem Spitzberg bei Tübingen. Nach einer allerdings nicht unumstrittenen Theorie sind vor allem die Schilfsandsteinvorkommen ursprünglich Sandablagerungen im Mündungsbereich urzeitlicher Flüsse. In Jahrmillionen haben sie sich zu Felsmaterial verfestigt und wurden durch andere Keupersedimente überdeckt. Für diese Erklärung sprechen zumindest die vielen namensgebenden Schilfblättchen, die man als Versteinerungen im Schilfsandstein findet und die an eine Ufer- und Flußlandschaft erinnern.

Zwischen diesen steingewordenen Sandbänken wurde das deutlich weichere Material im Lauf der Zeit herausgelöst: wo einst versandete Rinnen waren, finden sich heute längliche Bergkuppen. Der Weinsberger Schemelsberg, der Wunnenstein im Bottwartal oder der Michaelsberg bei Cleebronn sind hierfür passende Beispiele.

Die Schutzschichten des Schilf-, Kiesel- oder Stubensandsteins bildeten weiter östlich im Bereich der Löwensteiner Berge oder des Schwäbischen Waldes weite Hochflächen aus. Die rebenbewachsenen Vorsprünge oder frei stehengebliebenen Kuppen am Keuperstufenrand verweisen auf die frühere Ausdehnung dieser Hochflächen. Sie sind daher sogenannte "Zeugenberge".

Der Sand kommt von oben

Am Heuchelberg, bei Heilbronn und im Unteren Weinsberger Tal sind vor allem die Hänge des Gipskeupers mit Reben bestockt. Im Bottwartal, am Stromberg, rund um Stuttgart oder im Remstal liegen die Mehrzahl der Weinberge oberhalb des Schilfsandsteinbandes in den Schichten der Bunten Mergel. Unterbrochen durch wechselnd mächtige Kieselsandsteinbänke werden sie dort in einer Meereshöhe von 450 m von mehreren Stubensandsteinfolgen abgelöst. Während eine Vielzahl von Brüchen im Schilfsandstein auf dessen Beliebtheit als Baumaterial zurückzuführen sind, wurden die körnigen Sande des Stubensandsteins in früheren Zeiten als Fegesand im Haushalt benutzt.

Kennzeichnend für die meisten Böden der Keuperlandschaft ist der hohe Gehalt an Kalk und Ton. Vor allem am Fuß der Gipskeuperhänge finden sich daher oft schwere, schlecht durchlüftete "Pelosol"-Böden. Anfällige Sorten wie beispielsweise der Müller-Thurgau haben dort häufig mit Kalk- und Verdichtungschlorose zu kämpfen. Weiter oben, im Bereich der Bunten Mergel, wo die meist rötlichen Tonsteine zunächst blättrig-grusig zum "Kerf" aufwittern, ist diese Verdichtungstendenz deutlich geringer. Nicht zuletzt "erleichtern" hier die Sandbeimengungen aus dem darüberliegenden Kiesel- oder Stubensandstein die Bodenart und verbessern damit die Bodenstruktur. Mit zunehmendem Sandanteil kann daher die Bodenart von lehmigem Ton zum sandigen Lehm überwechseln und der Kalküberschuß punktuell mit pH-Werten um 6 sogar ins Gegenteil umschlagen. Nicht ohne Grund finden sich an den Waldrändern oberhalb der Keuperweinberge säureliebende Pflanzen wie Ginster oder Heidelbeere.

Viele Nährstoffe und wenig Luft

In Verbindung mit dem hohen Tongehalt sind die Keupermergel mit Kaliumvorräten gut ausgestattet und reich an Magnesium. Keuperböden benötigen daher in der Regel keine Magnesiumdüngung. Das Material aus den vielen ehemaligen "Kies-" oder "Kerfgruben" welches früher zum "Übermergeln" diente, galt daher nicht nur dem Ersatz von Erdabschwemmungen, sondern brachte daneben eine nicht unbedeutende Nährstoffzufuhr. Spurenelemente sind in Keupermergeln ausreichend vorhanden, lediglich deren Verfügbarkeit für die Reben kann wegen der hohen Ton- und Kalkgehalte oder Trockenheit vermindert sein.

Problematisch ist der Wasser- und Lufthaushalt von Keuperstandorten. Sind sie im Frühjahr oder nach starken Regenfällen naß und wegen der aufgequollenen Tonminerale luftarm, so kommt es im Sommer zur raschen Austrocknung und Rißbildung. So ist die pflanzenverfügbare Wasserspeicherung von Keuperböden aufgrund des Tonreichtums vergleichsweise gering, große Niederschlagsmengen wiederum dringen schwer ein und im Gegensatz dazu ist die Bodenverdunstung hoch. Wo vor der Neuanlage einer Rebfläche der Rigolhorizont nicht ausreichend eingetieft wurde, ziehen sich daher in manchen Jahren die Trockenschäden streifenartig quer zum Hang. Als Trockenstandort stehen manche Keuperweinberge den Muschelkalkhängen also in nichts nach. Deutlich macht dies auch die Systematik der Bodentypen: während aus Muschelkalk die sogenannte "Rendzina" entsteht, spricht man wegen des geringeren Kalkgehalts beim Keuper vom Typ der "Pararendzina".

Unterschiede hinsichtlich der auf den jeweiligen Böden erzeugten Weine hat der Vorsitzende einer Neckartäler Genossenschaft schon vor Jahren ausgemacht: "Trollinger vom Muschelkalk send wie a Sinfonieorchester, die vom Keuper so wie d'Blasmusik!"

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