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10. Bundesbeerenseminar in Weinsberg

Kulturführung unter den aktuellen Rahmenbedingungen

Das 10. Bundesbeerenseminar fand am 5. und 6. Februar 2019 wieder mit rund 120 Teilnehmern aus Deutschland und angrenzenden Ländern statt. Die Teilnehmer konnten von vielen Vorträgen, dem Austausch zwischen Kollegen und Referenten profitieren, sowie Kontakte zu Ausstellern knüpfen. In gewohnter Weise zog sich der „rote Faden“ durch das Programm. Die Präsentationen starteten mit Grundlagen zum Verhalten von Wasser in Boden, Atmosphäre und Pflanze (Dr. D. Rupp). Bereits hier erfolgte der Verweis auf die speziellen Anforderungen an Wasser als Gießwasser (U. Bußmann, V. Hersping) bzw. als Medium für die Düngelösung (M. Boonen). Auch Bodenbearbeitung und Bodendämpfung haben mit den speziellen Eigenschaften von Boden (Porenverteilung) und Wasser (Wärmeleitung) zu tun. Diese Themen wurden am 2. Vortragstag aufgegriffen (M. Keller, F. Koschnick, A. Fried). Es spiegelten sich die unterschiedlichen Produktionsverfahren wider: Freilandanbau mit Problemen und Lösungen bei der Unkrautbekämpfung bzw. der Bodenmüdigkeit und den damit verbundenen Aspekten zum Flächenwechsel (M. Keller, T. Diehl, A. Fried, F. Fried) einerseits und andererseits die zunehmende Intensivierung durch den Anbau im Tunnel bei Erdbeere, Himbeere und Johannisbeere (L. Linnemannstöns, G. Muster, A. van Eck, N. Wörner). Durch den Anbau im Tunnel wird der erforderliche Flächenwechsel bei wiederholtem Anbau einer Kultur vermieden. Durch veränderte Anbaumethoden im Tunnel (Frigopflanzen, Kühllagerung von long canes, Verfrühung), aber auch durch die Klimaveränderung, die auch den Freilandanbau betrifft, sind Winterruhe und Kältebedürfnis in den Fokus gerückt (E. Krüger). Diese genetischen Eigenheiten sind bei veränderten Kulturverfahren zu berücksichtigen, um Ertragsniveau und Fruchtqualität nicht zu gefährden. Sie wirken sich aber auch je nach Jahr auf die Pflanzen im Freilandanbau aus. Das Jahr 2018 mit Hitze im Sommer und Trockenheit bis in den November hinein hat sich auf die Erfüllung des Kältebedarfs sicherlich ausgewirkt. Leider sind noch nicht alle Faktoren soweit geklärt, um eine genaue Prognose bzgl. Austrieb, Wuchs und Ertrag bei allen Kulturen und insbesondere bei allen Sorten sicher prognostizieren zu können. Neben ausreichender Winterkälte, optimalen Kulturverfahren und Gesunderhaltung, wirkt sich die Qualität des Ausgangsmaterials entscheidend auf den Anbauerfolg aus. M. Petruschke erläuterte die neue Anbaumaterialverordnung, die auch jetzt für Beerenobst die Möglichkeit der Zertifizierung bietet. Durch die Vorarbeiten des AK Strauchbeeren Baden-Württemberg, wie die Selektion von einigen Johannisbeer- und Stachelbeersorten an der LVWO Weinsberg, der Kontrolle auf die bestimmten Krankheiten, Schädlinge und Virosen sowie den Aufbau des Vorstufenmaterials (LTZ Augustenberg), den Aufbau eines Mutterquartieres für Basismaterial (Baumschulen Kiefer und Kimmig), ist selektioniertes Pflanzmaterial über die o.g. Baumschulen erhältlich. Sind Ausgangspflanzen virusverseucht, können durch Wärmetherapie (Firma virutherm) und in vitro Vermehrung (z.B. hortilab) gesunde und leistungsstarke Mutterpflanzenbestände aufgebaut werden.
Kurzfassungen der Vorträge des Bundesbeerenseminares können im Tagungsband nachgelesen werden. Dieser kann für 15 Euro über die LVWO Weinsberg bezogen werden (email: Angelika.Lehn@lvwo.bwl.de oder Telefon: 07134 / 504141).
An der LVWO Weinsberg werden Himbeersorten auf ihre Eignung für den Anbau im Freiland und im Tunnel geprüft (G. Muster). Die Sorte Lagorai ist beispielsweise für lange Transportwege geeignet. Daneben zeichnet sich Aurora durch ein gutes shelf life aus, hat im Versuchsanbau bzgl. ihrer Ertragsleistung jedoch bislang nicht überzeugt. Im Versuchsgut Heuchlingen haben sich die Sorten Mapema und Enrosadira als ertragreich sowohl im frühen Sommer (je nach Jahr ab 20. Mai im Tunnel) wie auch im Herbst erwiesen. Die Früchte beider Sorten sind optisch ansprechend und werden geschmacklich gut bewertet. Da Mapema eine dunkelrote Fruchtfarbe aufweist, ist sie eher für die Direktvermarktung geeignet.

Vajolet ist eine früh reifende Himbeersorte mit guter Fruchtqualität. Sie entwickelt im Herbst an der oberen Rutenspitze eine kleine Herbsternte
Lagorai wurde ebenfalls in Italien gezüchtet. Sie reift etwas später als Vajolet, ist sehr ertragreich und weist ein sehr gutes shelf life auf.
 
 
Mapema-Früchte weisen einen ähnlich guten Geschmack wie Polka auf. Die Früchte sind sehr einheitlich in Form und Farbe
Enrosadira-Pflanzen sind leich bewehrt und die Früchte sind optisch sehr ansprechend


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