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Abwehrmechanismen und Resistenzen bei Kernobst

Beim Anbau von Äpfeln oder Birnen hat man in der Regel mit einer Reihe von Krankheiten und Schaderregern zu kämpfen, die die Kultur stark beeinträchtigen oder an entsprechenden Standorten mit starkem Befallsdruck sogar unmöglich machen. Bei beiden Kulturen stellen vor allem Schorf (venturia inaequalis bzw . pirina) und Feuerbrand (erwinia amylovora) große Probleme dar. Beim Apfel kommt zusätzlich noch der Mehltau (podosphaera leucotricha) hinzu.

Die Sortenauswahl und die Sortenzüchtung der vergangenen Jahrzehnte bewirkte eine Verschmalerung der genetischen Basis bei unseren Obstgehölzen. Nahezu alle modernen Sorten im Anbau wurden aus qualitativ hochwertigen aber krankheitsanfälligen Sorten wie z.B. ‘Golden Delicious’ gezüchtet. Die Qualität neuer Sorten wurde dadurch zwar weiter verbessert, ihre Abwehrkraft gegenüber Schaderregern jedoch eher verschlechtert. Dieser Mangel muß durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ausgeglichen werden.

In letzter Zeit gewinnt neben den Kriterien Qualität, Ertrag und Lagerfähigkeit auch die Resistenz gegenüber Schaderregern als Züchtungsziel an Bedeutung. Mittlerweile können diese Züchtungsprogramme Entwicklungszeiten von über 60 Jahren aufweisen. Am Beginn der Arbeiten stand die Suche nach geeigneten Resistenzträgern. Diese wurden in verschiedenen Wildarten, aber auch bei älteren Kultursorten gefunden. Bei Schorf sind die Resistenz-quellen von Malus floribunda (Vf), Malus micromalus (Vm), Malus pumila (Vr), Malus baccata jackii (Vbj), Hansens baccata (Vb) und Antonovka (Va) bekannt. Bei Mehltau geht die Resistenz ebenfalls auf Wildsorten zurück (z.B. Malus zumi). Resistenzen für die Züchtungsarbeit gegen Feuerbrand wurden aus älteren Kultursorten gewonnen, wie z.B. aus den Birnensorten ‘Old Home’, ‘Farmingdale’ oder ‘Maxine’.

Die Resistenzen zur Abwehr von Krankheiten beruhen auf der Fähigkeit zur Ausbildung von bestimmten sekundären Pflanzeninhaltsstoffen. Bei Apfel und Birne ist dies die Gruppe der Phenole mit den Untergruppen Catechine und Proanthocyanidine, die früher unter dem Begriff "Gerbstoffe" zusammengefaßt wurden. Resistente Sorten weisen in den Blättern höhere Gehalte an Gerbstoffen auf als anfällige Sorten.

Viele Resistenzen können heute mittels genetischer Marker (ähnlich einem Vaterschaftstest in der Humanmedizin) nachgewiesen werden. Dadurch wird die Züchtungsarbeit wesentlich beschleunigt. Während früher von der Kreuzung der Elternsorten bis zur Markteinführung der neuen Sorte nahezu 20 Jahre vergingen, wird heute nur noch die Hälfte der Zeit benötigt.

Nahezu 95% der heutigen schorfresistenten Apfelsorten stützt sich auf die Vf-Resistenz von malus floribunda 821 (siehe Züchtungsschema). Diese Resistenz wurde inzwischen an mehreren Standorten durchbrochen. Weltweit sind sieben Schorfrassen bekannt, die in der Lage sind Schorfresistenzen zu durchbrechen. In Europa existieren jedoch nicht alle davon und die Wahrscheinlichkeit , daß sich ein Resistenzdurchbruch an einem bestimmten Standort spontan ergibt ist relativ gering.

Nichtsdestotrotz gilt es die Dauerhaftigkeit der Resistenz zu sichern. In jedem Fall ist beim Bezug von Pflanzmaterial auf schorffreie Ware zu achten. Ein Großteil des Resistenzdurchbruchs an verschiedenen Standorten ist vermutlich auf die Verschleppung von verseuchtem Pflanzmaterial innerhalb Europas zurückzuführen.

Bei großflächigem Anbau von schorfresistenten Sorten müssen neue Schorftypen während des Ascosporenfluges im Frühjahr vorbeugend durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln eliminiert werden. Auch die Förderung des Fallaubabbaus durch Mulchen und Düngen sind geeignete Maßnahmen, um den Befallsdruck im Frühjahr zu senken.

Im Hausgarten und Hobbyanbau sollte bei der Sortenwahl auf eine Mischpflanzung geachtet werden. Darunter versteht man die Anpflanzung möglichst vieler verschiedener Sorten mit unterschiedlichen Resistenzquellen (z.B. ‘Topaz’ mit Vf-Resistenz, ‘Reglindis’ mit VA-Resistenz und ‘Releta’ mit Vr-Resistenz). Auf die genetische Vielfalt durch Mischpflanzung ist auch die Robustheit der Streuobstbestände gegenüber Schaderregern zurückzuführen. In der Züchtungsarbeit werden heute schon diese Resistenzquellen miteinander kombiniert, um eine breitere genetische Basis für die Schorfresistenz zu schaffen.

Insgesamt betrachtet hat die Entwicklung resistenter Kernobstsorten in den vergangenen Jahren sehr große Fortschritte gemacht. Das Leistungsniveau mancher resistenter Sorten hinsichtlich Ertrag und Qualität ist durchaus mit unseren derzeitigen Standardsorten vergleichbar und stellt in jedem Fall eine Bereicherung des Sortiments dar. Ein Anbau ohne jede Kulturführung und Pflanzenschutz bringt aber zwangsläufig auch bei diesen Sorten Einbußen mit sich, da es eine Totalresistenz gegen alle Schadursachen nicht gibt.

 hier finden Sie nähere Informationen zu resitenten und robusten Kernobstsorten (bitte anklicken!)

 

Quellen:

Crosby, J.A. et al., 1992
Breeding Apples for Scab Resistance: 1945-1990,
www.hort.purdue.edu

Kienzle, J. und C. Zebitz, 1998
Biologische Pflanzenschutzverfahren im Erwerbsobstbau, Tagungsband 1998

Schäfer, H.-J. und M. Kellerhals, 2000
Schorfdurchbruch bei Vf-resistenten Apfelsorten? Schweiz.Z. Obst-Weinbau Nr 7/00

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