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Neues Berechnungsschema für Pflanzenschutzmittel im Weinbau

Von Hanns-Christoph Schiefer
Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt
für Wein und Obstbau Weinsberg
E-Mail: schiefer@lvwo.bwl.de

Sprühgerät Solo-Minor 

 

Mit dem Inkrafttreten des neuen Pflanzenschutzgesetzes wurde nun die Berechnung des Pflanzenschutzmittelaufwandes in Raumkulturen EU - einheitlich von der Anwendungskonzentration in Prozent auf absolute Einheiten in Kilogramm umgestellt. Bei der Zulassung werden bereits seit dem 1.1.1999 die Mittelaufwandmengen für Fungizide, Insektizide und Akarizide in den absoluten Einheiten angegeben.

Von Prozent zu Kilogramm

Durch den Laubzuwachs ändert sich die Gesamtblattfläche der Rebe ständig. Deshalb muß die Wasseraufwandmenge dem Entwicklungszustand angepaßt werden. Mit der Anpassung des Wasseraufwandes ändert sich aber auch mit jeder weiteren Behandlung die Mittelmenge. Die Aufwandmenge an Pflanzenschutzmittel ist entsprechend eng an die phänologischen Stadien der Rebe angepaßt. Im Gegensatz zur Landwirtschaft wird im Weinbau eine Raumbehandlung und keine Flächenbehandlung durchgeführt. Ausgehend vom Spritzverfahren wurde die Mittelaufwandmenge bisher in Prozent des Wasseraufwandes angegeben. Der Wasseraufwand liegt, entsprechend der sich ständig vergrößernden Zielfläche, in Normallagen zwischen 400 und 1600 l/ha (siehe Tabelle). Durch Konzentration liegt die Ausbringwassermenge zwischen 200 und 800 l/ha, so daß bei der Reduzierung des Ausbringwasseraufwandes pro Hektar der nach dem jeweiligen Entwicklungsstadium der Reben entsprechend errechnete Mittelaufwand gleichbleibt.

Zur Vereinfachung der Angaben wurde auf die bisherige Differenzierung verzichtet und vier Blöcke gebildet. Die Angaben beziehen sich auf die Entwicklungsstadien (ES) der Rebe. Der erste Wert stellt den zur Austriebsbehandlung notwendigen Mittelaufwand dar und wird als Basisaufwand bezeichnet. Wie bisher wird die Aufwandmenge im weiteren Verlauf dem vegetativen Wachstum der Rebe angepaßt. Weitere Stufen folgen entsprechend den Entwicklungsstadien, zum ES 61 (Blütebeginn), zum ES 71 (Fruchtansatz) und zum ES 75 (Erbsengröße). Die entsprechenden Aufwandmengen errechnen sich aus dem Basisaufwand, indem dieser mit dem Faktor 2 für das ES 61, mit dem Faktor 3 für das ES 71 und mit dem Faktor 4 für das ES 75 multipliziert wird. Die Aufwandmenge ab dem ES 75 (Basisaufwand x 4) gilt dann bis zur Abschlußspitzung. Die Angaben sind sowohl in der Gebrauchsanleitung als auch auf der Packung aufgedruckt. Leider wird auf die Prozentangabe verzichtet. Zur genaueren Anpassung an die Blattflächenentwicklung können und sollten vom Anwender bei den Hektarangaben Zwischenstufen eingefügt werden. Der sich errechnende Pflanzenschutzmittelaufwand pro Flächeneinheit ist nach jedem Verfahren gleich hoch.

 

Aufwandmengen in Abhängigkeit vom Rebstadium

Rebstadium BBCH-Skala

Entwicklungsstadien

Bezugsmenge
Spritzen
l/ha Wasser **

Erhöhung *
des
Basisaufwands

00 - 61

Austrieb bis Blütebeginn

400 - 800

1 x - 2 x

61 - 71

Beginn der Blüte bis Fruchtansatz

800 - 1200

2 x - 3 x

71 - 75

Fruchtansatz bis Beeren erbsengroß

1200 - 1600

3 x - 4 x

75 - 81

Beeren erbsengroß bis Beginn der Reife

1600

4 x

* Die Aufwandmengen müssen dem Laubzuwachs angepaßt werden.
** Beim Sprühen ist die Konzentration entsprechend der Verminderung der Wassermenge zu erhöhen. Max. Wasserausbringmenge 800 l/ha.

 
Eine gute Verteilung ist wichtig

Die biologische Wirksamkeit einer Spritzung hängt nicht grundsätzlich vom Brüheaufwand ab. Wichtig ist, daß eine bestimmte Wirkstoffmenge gleichmäßig auf die Zielfläche verteilt wird. Abhängig von der Spritztechnik kann sowohl mit 250 l Brühe pro ha Rebfläche als auch mit 100 l/ha ein guter Bekämpfungserfolg erreicht werden, wenn die Konzentration entsprechend gesteigert wird. Ist eine Rebanlage im Sommer voll belaubt, kann sie 800 bis 1000 l/ha Brühe aufnehmen. Bei höheren Brühemengen kommt es meist zu Abtropfverlusten. Im Weinbau hat sich auf den meisten Flächen die Applikation mit Sprühgeräten durchgesetzt. Durch die geringe Tropfengröße bei diesem Verfahren nimmt die Abtrift unter 400 l/ha stark zu. In der Praxis haben sich Brüheaufwandmengen im Bereich von 500 - 700 l/ha durchgesetzt, da sowohl sehr niedrige als auch sehr hohe Brüheaufwandmengen eine sachgerechte Ausbringung der Mittel problematisch machen. Im Nachblütebereich hat sich das Sprühen mit 2-3 facher Konzentration bewährt. Überhöhte Aufwandmengen können eine schlechte Applikationstechnik nicht ausgleichen. Oft hat dies nur Schäden an den Blättern oder den Nützlingen zur Folge. Hauptproblem im Weinbau ist das Durchdringen der Laubwand. Eine sehr schlechte Verteilung erfolgt dann, wenn nach der Blüte bei dichter Laubwand mit den Sprühgeräten nur jede zweite Gasse befahren wird. So ist auf der befahrenen Seite eine hohe Überkonzentration zu finden, während auf der anderen Seite auf den Blättern und Trauben in der nichtbefahrenen Gasse Wirkstoff fehlt. Zwar ist bei den modernen Schräg- oder Querstromgebläsespritzen die Durchdringung besser als beim Solo-Minor, doch muß auch mit diesen Geräten zur optimalen Belagsbildung jede Gasse befahren werden. Voraussetzung für eine gleichmäßige Verteilung der Wirkstoffe ist auch die Einstellung des Gerätes, insbesondere ein gleichmäßiger Düsenausstoß. Die Gelegenheit an der bis jetzt noch freiwilligen Geräteüberprüfung teilzunehmen wird dringend empfohlen. Eine obligatorische Kontrolle erfolgt in Kürze. Nur ein optimal eingestelltes, technisch einwandfreies Gerät und die Befahrung jeder Rebgasse garantieren den gewünschten Bekämpfungserfolg.

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