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Bewässerung im Weinbau - Aufbau und Bauteile einer Tropfbewässerungsanlage

 

Dr. Dietmar Rupp
LVWO Weinsberg
E-Mail: dietmar.rupp@lvwo.bwl.de


Bei der Tropfbewässerung soll mit geringen Wassermengen eine gute Wirkung erreicht werden.
Dies gelingt nur, wenn die Wasserverteilung in der Fläche bedarfsgerecht und vor allem gleichmäßig erfolgt.
Besonders im hängigen Rebgelände sollte daher ein druckunabhängiger und an allen Tropfstellen gleicher Wasseraustritt angestrebt werden.

Filter und Verteiler

Die Wassereinspeisung in die Tropfbewässerungsanlage erfolgt an der Kopfstation . Die Kopfstation befindet sich normalerweise am höchstgelegenen Punkt der Rebanlage und beinhaltet in der Grundausstattung Absperrschieber, Filter, Druckregler und eine Einspeisevorrichtung. Der Siebfilter soll Sand oder andere Schmutzpartikel von der Anlage fernhalten. Der Druckregler soll den vom Hersteller empfohlenen Betriebsdruck gewährleisten und das Auftreten eines schädigenden Überdrucks verhindern.

Die Einspeisevorrichtung ist hilfreich beim Reinigen der Anlage (z.B. Durchspülen mit verdünnter Salpetersäure zum Entfernen von Kalkablagerungen).

In der Verteiler- oder Kopfleitung wird das Wasser zu den Rebzeilen geleitet. Sie kann während des Beregnungszeitraums als "fliegende Leitung" zeitweilig ausgelegt oder als Dauerinstallation frostsicher im Boden verlegt werden (z.B. als PE-Kunststoffrohr DN 50). Die Abzweigung zu den einzelnen Tropfrohrsträngen erfolgt mittels Anbohrschellen. Bei unterirdischer Verlegung der Verteilerleitung sollte die Ausführung der Tropfrohre am Zeilenende gegen mechanische Beschädigung geschützt werden. Dies geschieht am besten bereits beim Einbau durch Überstülpen eines Rohrstücks aus Metall (z.B. Wasserleitungsrohr ¾ Zoll).

Tropfkörper und Tropfschläuche

Die eigentliche Wasserverteilung erfolgt durch die Tropferleitungen , die am unteren Biegdraht befestigt oder in nicht mechanisierbaren Terrassenlagen auf den Boden gelegt werden. Hierbei ist zwischen zwei grundsätzlichen Bautypen zu unterscheiden. Bei Tropfrohren mit eingestecktem Tropfer, wird der eigentliche Wasserauslass, der Tropfkörper , nach dem Auslegen des Rohres (meist ½ Zoll) an der Stelle des gewünschten Wasseraustritts (z.B. ein Tropfer pro Stock) eingesteckt. Die Hersteller und Lieferanten halten hierfür geeignete Speziallochzangen bereit. Bewährt hat es sich, den von der Rolle abgewickelten Tropfrohren einige Wochen "Streckung" zu gönnen, und dann erst die Tropfer einzusetzen.

Bei den Tropfrohren oder -schläuchen (z.B. Eurodrip ® , Netafim-RAM ® , T-Tape ® u.a.) sind die Wasserauslassstellen bereits werkseitig vorgefertigt. Gemeinsam ist allen druckkompensierten Systemen, dass mit Hilfe von Membranen oder sogenannter Labyrinthe, sowohl bei Tropfkörpern als auch bei in den Schlauch integrierten Tropfern, die abgegebene Wassermenge vom Wasserdruck abhängt. Ein hoher Wasserdruck, wie er im unteren Bereich einer Rebanlage auftritt, führt zu einem Verschließen der Auslassstelle, ein geringer Druck zu einem Öffnen des Miniaturreglers. Bei den meisten der angebotenen Systeme ist damit innerhalb eines Bereichs von 40 bis 50 Höhenmetern ein weitgehend gleichmäßiger Wasseraustritt zu erreichen. Da bei den vorkonfektionierten Rohren mit eingebauten Tropfern die Wasserauslasspunkte und der Stockabstand meist nicht übereinstimmen, müssen an jeder Pflanzstelle spezielle Haltehaken als "Abtropfnasen" eingesetzt werden. Damit lässt sich zudem verhindern, dass das Beregnungswasser am Rohr entlang rinnt und unkontrolliert abtropft . Tropfschläuche, Tropfrohre und Tropfer sollten UV-stabil sein. Zum Entleeren (Frostschutz) werden die Tropferleitungen nach der Saison am unteren Ende geöffnet. Ein Probelauf vor Beginn der neuen Bewässerungsperiode informiert über verstopfte oder abgerissene Tropfer sowie über beschädigte Leitungen (Rebschnitt, Hasenfraß u.a.).

Regeln und Steuern

Für eine Feinverteilung des Wassers innerhalb der Anlage sind Rohrstrangabsperrungen (Kugelhähne) unerlässlich. Einzelne Zeilen mit üppigem Wuchs und/oder geringem Wasserbedarf können so von der Anlage abgetrennt und bei Bedarf wieder zugeschaltet werden.

Ob zum Betrieb größerer Anlagen der Einsatz von automatisierter Regel- und Fernwirktechnik sinnvoll ist, muss im Einzelfall entschieden werden. So sind zum Absperren oder Öffnen großdimensionierter Zuleitungsstränge elektromagnetische oder mit speziellen Steuerleitungen angefahrene hydraulisch betriebene Schieber einsetzbar.

Grundsätzlich ist eine Aufteilung der Beregnungsfläche in einzelne Abschnitte ratsam. Ganz gleich ob die Wasserversorgung aus dem Ortsnetz, einem Brunnen oder mit Hilfe eines Tankwagens erfolgt, in den seltensten Fällen werden die verfügbaren Wassermengen ausreichen, um die ganze Beregnungsfläche gleichzeitig zu versorgen. Zuleitungen, Pumpen oder Tankwagen müssten unverhältnismäßig groß dimensioniert sein. Dies hat jedoch technische und vor allem finanzielle Grenzen.

Materialbedarf und Wassermengen

Ob nun einem System mit einsteckbaren Tropfern oder mit vorgefertigten Tropfschläuchen der Vorzug gegeben wird, muss von der jeweiligen Situation abhängig gemacht werden. In terrassierten Lagen mit unregelmäßiger Pflanzdichte und quer verlaufenden Zeilen ist mit einsteckbaren Tropfern eine optimale Anpassung möglich. Tropfrohre mit vorgefertigten Auslassstellen sind für flurbereinigte Direktzuglagen mit einheitlicher "Geometrie" gut geeignet. Die meist fehlende Übereinstimmung zwischen Tropferauslass und Stockabstand wird durch die hangabwärts gerichtete Wasserbewegung ausgeglichen.

Der Materialbedarf für die Erstellung einer Tropfbewässerungsanlage ist leicht zu ermitteln. Die mittlere Zeilenlänge multipliziert mit der Zeilenzahl ergibt den Bedarf an Verteilerrohr bzw. Tropfschlauch. Die Länge der Kopfleitung ergibt sich aus der Grundstücksbreite. Sollen Einstecktropfer verwendet werden, so entspricht die Tropferzahl der Stockzahl pro Hektar.

Bei einem Pflanzabstand von 2,0 m x 1,25 m benötigt man damit für ein Hektar 4.000 Tropfer, rund 100 m Kopfleitung und etwa 5.000 m Tropferleitung.

Der Wasserbedarf einer Anlage errechnet sich als Produkt aus Tropferzahl/Fläche und stündlicher Tropferleistung. Würde im vorgenannten Beispiel ein 2-Liter-Tropfer eingesetzt, hätte die Anlage einen Bedarf von 8 m 3 / ha / Stunde. Wassergaben von mehr als 20 Liter pro Tropfer und Termin (= 8 l/m 2 ) sollten vermieden werden.

 

Tropfbewässerungsanlage - schematisch

 


 

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