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Biotechnische Bekämpfung des Ungleichen Holzbohrers 
( Anisandrus dispar ) in Rebanlagen

von Dr. W. K. Kast, LVWO Weinsberg
E-Mail: walter.kast@lvwo.bwl.de

 

Ungleiche Holzbohrer gehören zu den Gelegenheitsschädlingen, die in Rebanlagen häufig übersehen werden. Sie befallen ausschließlich bereits geschädigte oder geschwächte Reben. An normalen, gesunden Stöcken können sie sich nicht halten, weil sie durch Blutungssaft bei gutem Wurzeldruck (hohe Wurzelaktivität) ertränkt werden, sobald sie Leitbahnen anbohren.  
Nach Frostjahren, aber auch durch vorangegangene Jahre mit extremen Erträgen, sind in vielen Rebanlagen geschwächte, abgängige Stöcke vorhanden, die eine ideale Nahrungsgrundlage für diese Holzbohrkäferart darstellen. Durch Fröste traten z. B. in den Jahren 1986 - 1988 vermehrt Schäden auf ( Kast 1988). Im Obstbau sind diese Schädlinge häufiger. Dort werden sie oft "Borkenkäfer“ genannt, obwohl sie nicht in der Borke sondern im Holzteil leben. Aber auch an Laubbäumen im Wald richtet der Ungleiche Holzbohrer Schäden an ( Schick und Thinnes 1988).

Schadbild + Lebensweise

An abgängigen, schwachwachsenden Stöcken sind kleine, ca. 2 mm große Bohrlöcher, vorhanden. Diese befinden sich immer im noch lebenden Teil des Stammes oder an der Grenzschicht zum toten Holz. Andere Holzbohrer-Arten besiedeln nur totes Holz und sind deshalb nicht als Schädlinge im eigentlichen Sinne anzusehen. Von Ungleichen Holzbohrer befallene Stämme sterben dagegen langfristig ab. Frischer Befall ist im April/Mai am vorhandenen Bohrmehl zu erkennen. Im Inneren solcher Stämme befindet sich ein Gangsystem.

 

Bohrlöcher des Ungleichen Holzbohrers in einem Rebstamm

 

Gangsystem des Ungleichen Holzbohrers in einem aufgeschnittenen Rebstamm


Im Zeitraum April bis Anfang Juni werden die Rebstöcke besiedelt. Bei warmem Wetter (ab etwa 18° C) fliegen die Weibchen und suchen neue Wirtspflanzen. In Frage kommen geschwächte Obstgehölze und Reben. Die Weibchen bohren sich zunächst senkrecht an geeigneten Stellen ein und legen dann im Inneren Gänge für die Eiablage an. Die Käfer schleppen gleichzeitig eine Pilzart (Ambrosiapilze) in die Gänge ein, die im Holz ein dichtes Myzel entwickeln. Aus den Eiern schlüpfen fußlose Larven, die sich von den genannten Pilzen ernähren. Im Juli/August erfolgt die Verpuppung. Die Käfer bleiben jedoch über Winter in ihren Gängen. Die Begattung erfolgt im Gangsystem. Ausgangspunkte des Befalls sind häufig Waldbäume, Obstanlagen und vor allem Streuobstbäume.

Bekämpfung

Eine Befallsminderung ist durch das rechtzeitige Entfernen und Vernichten befallener Teile möglich. Wichtig für das Niederhalten dieses Schädlings ist auch das Entfernen der Nahrungsgrundlage, d. h. abgängiger Pflanzenteile. Vollständig abgestorbene Stämme sind jedoch unproblematisch, da sie keine Lebensmöglichkeit für die Ungleichen Holzbohrer bieten. Ebenso entziehen gute Wüchsigkeit des Bestandes, insbesondere ein kräftiger Austrieb, den Holzbohrern die Nahrungsgrundlage. Im Vorjahr überlastete Stöcke treiben aber meist nur schwach und langsam aus und sind somit befallsbedroht. Eine vernünftige Ertragsregulierung ist deshalb ebenfalls von großer Bedeutung.
Eine chemische Bekämpfung ist extrem schwierig, da die Käfer sich nur sehr kurz an der Oberfläche des Holzes aufhalten. Im Gangsystem sind sie nur schwer abzutöten. Wegen des langen Fluges (2 - 3 Monate) wäre eine Vielzahl von Behandlungen notwendig, um Befall zu vermeiden. Eine chemische Behandlung ist deshalb nicht praktikabel, es existiert auch kein zugelassenes Pflanzenschutzmittel.
Eine erhebliche Reduzierung des Befalls ist jedoch durch Abfangen der Weibchen beim Aufsuchen der neuen Wirtspflanzen möglich ( Mani und Schwaller 1983, Mani et. al. 1983). Die Käfer-Weibchen werden durch Äthylalkohol angelockt. Wobei mindestens 1 Falle für 20 Ar notwendig ist; bei starkem Befall entsprechend mehr. Entsprechende Fallen sind erhältlich bei:  
Fa. Großmann, 88048 Friedrichshafen 5 (Unterraderach).

Im Obstbau haben sich sehr einfache in Eigenbau herstellbare Fallen bewährt.  

Für den Bau und Betrieb einer Falle werden benötigt:

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1 Kunststoffrohr, braun (Regenrohr, Abwasserrohr) 30 - 50 cm lang

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1 Fläschchen (am besten aus Kunststoff), verschließbar mit ca. 200 ml Inhalt

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Draht

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Insektenleim (z. B. Brunonia-Leim hell der Firma Schacht)

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  0,2 l Äthylalkohol rein, 50 %ig (teuer) oder

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Methyl-Äthyl-Keton-Alkohol (spezieller Alkohol, nur mit Zollfreigabeschein erhältlich; Bescheinigung über Verwendung erteilt das Landwirtschaftsamt; erhältlich ist er über Chemikalienhandlungen)

-

kein Spiritus!

-

1 Docht aus Schnürsenkel oder ähnlich saugfähigem Material.

 
 

Selbst gebaute Falle aus einem
handelsüblichen Abflussrohr

Selbst gebaute Falle von oben
mit Blick auf die den Alkohol
enthaltende Flasche

Schematische Darstellung
einer selbst gebauten Falle

 

 
 

In das Rohr werden oben 4 und unten 2 Löcher gebohrt. Zwei der oberen und die unteren Löcher dienen zum Befestigen der Falle mit Drähten am Drahtrahmen. Zwei der oberen Löcher werden für das Einhängen des Fläschchens benötigt.

In den Verschluss des Fläschchens wird ein Loch gebohrt, in das der Docht aus Schnürsenkel eingesetzt wird, so dass er bis zum Boden der Flasche reicht. Er sorgt für eine Abgabe geringer Alkoholmengen als Duftstoff (Lockstoff). Nach dem Befüllen mit Alkohol wird das Fläschchen im Inneren des Rohrs befestigt. Die Fallen werden spätestens Anfang April (bei warmer Witterung früher) mit 200 ml Alkohol gefüllt, das Rohr wird mit Insektenleim bestrichen oder besprüht und die fertige Falle am Drahtrahmen befestigt. Eine Kontrolle ist nur gelegentlich erforderlich. Die Fallen sollten unbedingt nach Ende der Fangsaison (Mitte Juni) entfernt werden, um unnötige Fänge wichtiger Nützlinge zu vermeiden.

 
Literatur

Kast, W. K . (1988): Verstärktes Auftreten des Ungleichen Holzbohrers
Der Deutsche Weinbau 43 (10), 492.

Mani, E
.; Remund, U .; Schwaller, F . (1986): Alkoholfalle zur Flugkontrolle und Befallsreduktion beim Ungleichen Holzbohrer
Schweiz. Zeitschr. Obst- und Weinbau 122 , 203 - 207.

Mani, E
.; Schwaller, F . (1983):
Zur Flugüberwachung und Bekämpfung des Ungleichen Holzbohrers Xyleborus (Anisandrus) dispar F.
Schweiz. Zeitschr. Obst- und Weinbau 119 , 104 - 108. 

Schick, W .; Thinnes, G . (1988): Der Ungleiche Holzbohrer - eine Plage in vielen Apfelanlagen
Obst und Garten 107 , (2), 290 - 292. 

Schruft, G . (1983): Der Ungleiche Holzbohrer oder Obstbaumborkenkäfer Anisandrus (Xyleborus) dispar Ferrari an Reben
Weinwissenschaft 18 , 410 - 419. 

Stellwaag, F . (1928): Die Weinbauinsekten der Kulturländer
Parey-Verlag, Berlin

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