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Botrytisbekämpfung -
was bringen Spritzungen
Ende August für die Qualität

 

H.-C. Schiefer und Dr. W. K. Kast
LVWO Weinsberg

E-mail:

hanns-christoph.schiefer@lvwo.bwl.de
walter.kast@lvwo.bwl.de


Wichtigstes Ziel einer Botrytisbekämpfung ist die Sicherung der Weinqualität. Die Anwendung von Fungiziden soll insbesondere bei Weißweinsorten die fruchttypischen Aromen erhalten. Bei Rotweinsorten steht der Erhalt der Rotweinfarbe im Vordergrund. Es ist zunächst naheliegend, dass die Wirkung und damit der Qualitätsvorteil umso größer ist, je später die Anwendung eines Fungizides erfolgt, denn damit ist beim Auftreten des Pilzes während der Reife die höchstmögliche Wirkstoffmenge auf den Trauben vorhanden. Andererseits ist dadurch auch die Rückstandsbelastung der Weine am höchsten. In einem im Jahr 1998 an der LVWO durchgeführten Versuch wurden in Weinen mit einer späten und intensiven (3 Einsätze) Anwendung von Teldor nicht wie erwartet eine bessere Weinqualität gefunden. In diesem Versuch wiesen die Weine der Botrytisfungizid-Variante sogar signifikant erhöhte Werte bei "unsauberen Tönen" auf. Dies war Anlass einer intensiven Überprüfung der Wirkung und der Auswirkungen einer späten Anwendung von Botrytiziden.

Versuchsbeschreibung

Im Jahr 2000 wurde ein Versuch in einer Riesling-Anlage (Weinsberg Ranzenberg) mit 3 Wiederholungen angelegt. Die Behandlungen erfolgten mit einem Tunnel-Spritzgerät. Die Behandlungen erfolgten an 1 bzw. 2 Terminen (29.6./23.8.) jeweils mit Teldor (1,6 kg/ha) und Switch (0,96 kg/ha). Ausgewertet wurde der Botrytis- und Penicilliumbefall an 4 Terminen vom 07.09. bis 17.10.. Die Trauben der 3 Wiederholungen wurden an 3 verschiedenen Terminen geerntet und daraus Wein hergestellt. Essigfäule und von Schimmelpilzen befallene Trauben wurden entfernt. Die Weine wurden am 25. April 2001 und 23. April 2002 von jeweils ca. 60 Verkostern deskriptiv beurteilt (Merkmale: Intensität von Zitronenaroma, jeweils von 0 - 9, unsauber/nasser Lappen, bitter, schimmelig) und nach Rangfolge geordnet.

Im Jahr 2001 wurde ein Versuch in einem Weinberg in Gundelsheim angelegt (Lage Himmelreich), der mit der Rebsorte Schwarzriesling, einer extrem kompakten Rotweinsorte, bestockt ist. Der Versuch wurde 4fach wiederholt. Geprüft wurden die Mittel Teldor und Switch an den Terminen "abgehende Blüte" (22.06.), "kurz vor Traubenschluss" (13.07.), "Abschlussspritzung" (25.07.) und eine "Spätbehandlung" (29.08.) und deren Kombination mit "Traubenschluss". Behandelt wurde wiederum mit einer Tunnelspritze. Der Traubenbefall wurde an 3 Terminen (26.09., 08.10. [normaler Lesetermin ], 23.10. [ 14 Tage nach der allgemeinen Lese ]) ausgewertet.

Ergebnisse der Wirkung auf Botrytis

Im Jahr 2000 trat durch feuchtwarme Witterung im September Botrytis sehr massiv auf. Der Befall war teilweise überlagert von Essigfäule und vereinzelt wurde auch der qualitativ besonders problematische Penicilliumbefall gefunden.

Eine Anwendung von Teldor oder Switch reduzierte im Versuchsjahr 2000 den Befall anfänglich drastisch (um bis zu 75 %). Bei späteren Auswertungsterminen ließ die Wirkung deutlich nach. Ein zusätzlicher 2. Einsatz der Mittel Ende August verbesserte die Wirkung nicht. Der Wirkungsabfall bei der letzten Auswertung am 17.10. trat bei der zusätzlich späten Anwendung genauso ein (Abbildung 1). Der höchste Penicilliumbefall wurde in der Variante festgestellt, die zweimal mit Teldor behandelt worden war (Abbildung 2).

Abbildung 1: Botrytis-Befallsstärke in % Riesling 2000

 

Abbildung 2: Penicilliumbefall Riesling 2000

Auch im Jahr 2001 fielen im September reichlich Niederschläge, so dass wiederum ein massiver Botrytisbefall auftrat. Allerdings waren die Temperaturen deutlich niedriger. Essigfäule und Penicillium traten deshalb kaum auf. Die Anwendung der Fungizide reduzierte den Befall Ende September drastisch. Besonders gut schnitt dabei der Termin kurz vor Traubenschluss mit einer Wirkung von über 85 % ab. Eine zweite Anwendung Ende September verbesserte das Ergebnis wiederum nicht (Abbildung 3). Wie im Vorjahr ließ die Wirkung im Oktober zunehmend nach (Abbildung 4). Selbst bei einer extrem späten Auswertung (ca. 14 Tage nach der praxisüblichen Lese) wurde in der Variante mit 2 Anwendungen (Traubenschluss + spät) keine bessere Wirkung als bei der alleinigen Spritzung zum Traubenschluss gefunden (Abbildung 5).

Abbildung 3: Botrytis-Befallsstärke in % Schwarzriesling 26.09.2001

 

Abbildung 4: Botrytis-Befallsstärke in % Schwarzriesling 08.10.2001

 

Abbildung 5: Botrytis-Befallsstärke in % Schwarzriesling 23.10.2001

Die vorgestellten Versuchsergebnisse bestätigen alte Erfahrungen der LVWO. Bereits vor mehr als 15 Jahren wurden mit anderen Wirkstoffen ähnliche Ergebnisse gefunden. Latente Infektionen, die in sehr frühen Entwicklungsstadien der Trauben erfolgen dürften die Ursache dafür sein, dass Spritzungen in die abgehende Blüte oft einen besseren Effekt haben als sehr späte Anwendungstermine. Botrytis kann die Trauben bereits ab der Blüte infizieren und latent (unsichtbar) auf geeignete Bedingungen warten. Diese Bedingungen treten erst ein, wenn die Beeren etwa 50° Oechsle erreicht haben und eine längere Niederschlagsperiode eintritt.

Ergebnisse zur Weinqualität

Die Anwendung der Botrytismittel verbesserte die Weinqualität deutlich. Die Weine der Fungizid-behandelten Varianten wurden tendenziell als fruchtiger beurteilt. Die Varianten mit 2 Anwendungen waren jedoch in keinem Fall besser, sondern schnitten in der Rangfolge eher sogar schlechter ab. Am schlechtesten beurteilten die Prüfer die Weine der spät (Ende August) mit Teldor behandelten Weine. Dieses Ergebnis bestätigt den Befund aus dem Jahr 1998, bei dem späte Anwendungen von Teldor negativ aufgefallen waren. Beurteilungen der Weine korrespondieren mit den Penicillium-Befallswerten (bei Teldor-Spätanwendung erhöht). Offensichtlich ist der Befall durch Schimmelpilze, Bakterien und Hefen ein Qualitätsproblem, das durch späten Fungizideinsatz eher gefördert wird.

Botrytismittel - Weinqualität Riesling 2000

Aroma-/Geschmacksmerkmal

Variante

Zitronenaroma§

Unsauber
nasser Lappen*

Bitter*

Schimmelton*

Qualität
(Rangziffer)*

1.Termin

2.Termin

1.Termin

2.Termin

1.Termin

2.Termin

1.Termin

2.Termin

1.Termin

2.Termin

Kontrolle

2,3

2,2

1,6

1,8

2,1

2,2

1,4

1,6

4,0

3,4

Teldor 1x

2,4

2,3

1,6

1,7

2,1

2,1

1,4

1,5

3,7

2,8

Teldor 2x

2,3

2,3

1,7

1,6

2,1

2,1

1,4

1,5

4,1

3,1

Switch 1x

2,5

2,4

1,6

1,7

1,8

2,1

1,3

1,5

3,2

2,7

Switch 2x

2,6

2,2

1,5

1,6

2,0

2,1

1,3

1,5

3,2

2,9

GD 5%

0,2

0,1

0,2

0,2

0,2

0,2

0,2

0,1

0,8

0,4

§ höhere Qualität = höhere Zahl
* höhere Qualität = niedrigere Zahl
1. Termin: 25.04.2000
2. Termin: 23.04.2001

Fazit

Eine Anwendung eines hoch wirksamen Spezial-Botrytizids kurz vor Traubenschluss wie z. B. Teldor oder Switch ist für die Weinqualität deutlich von Vorteil. Dieser Anwendungstermin garantiert auch nachhaltig eine hohe Wirkung. Zusätzliche späte Anwendungen im August und September verbessern die Wirkung auch bei sehr später Lese nicht oder unwesentlich. Die höhere Rückstandsbelastung und die Gefahr des Auftretens von Schimmelpilzen und Essigfäule sprechen gegen späte Anwendungen. Auch für die Premiumproduktion ist deshalb ein einmaliger Einsatz eines Botrytismittels optimal. Die eingesparten Gelder könnten sinnvoller genutzt werden, indem für rechtzeitige Laubarbeiten Aushilfskräfte eingestellt werden.

Fragen zu diesem Artikel können Sie im Weinbauforum http://weinbauforum.de öffentlich diskutieren oder die dortigen Diskussionen verfolgen.

 

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