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Botrytisbekämpfung: kulturtechnisch –chemisch - ökologisch

Von Dr. W. K. Kast
Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg

Schaden durch Botrytis

Die Kosten einer chemischen Botrytisbekämpfung sind mit ca. 220 Euro/ha relativ hoch. Prognosen existieren nicht. In vielen Jahren tritt nur wenig Botrytis auf, so dass sich die Bekämpfung am Ende der Vegetationsperiode als überflüssig herausstellt. Die Kosten für diese überflüssigen Behandlungen müssen sich in den Folgejahren amortisieren. Schon eine grobe Abschätzung zeigt deshalb, dass eine chemische Bekämpfung nicht immer wirtschaftlich sinnvoll sein muss, sondern dass eine detaillierte Betrachtung notwendig ist.

Die größten wirtschaftlichen Schäden entstehen durch Stielfäule (Abb.1) und die damit verbundenen Bodentrauben, weniger über Mengenverluste, sondern wegen der Beeinträchtigung der Weinqualität.

Abb.1: Stielbotrytis durch Stiellähme

 

Große Qualitätsprobleme, die typischen Schimmeltöne, entstehen auch, wenn der Botrytispilz die Beeren in der Reifephase befällt und nach einiger Zeit von anderen Schimmelpilzen wie Trichothecium oder Alternaria überwuchert wird (Abb.2).

 

 

Abb. 2: Alte Botrytis von anderen Fäulen überwuchert

 

Der Schaden durch Botrytis ist deshalb um so größer, je älter der Befall ist, d.h. je früher der Befall erfolgt. In günstigen Fällen dagegen kann ein Befall durch den Botrytispilz sogar erwünscht sein. Aus Lesegut, das erst sehr spät befallen und bei dem der Botrytispilz noch nicht von anderen Schimmelpilzen überwuchert wurde, können bei trockener Witterung bekanntlich sehr hochwertige Weine erzeugt werden. Bei einer wirksamen Botrytisbekämpfung sind die Mostgewichte meist geringer. Die Ursache ist nicht in den Auswirkungen der Fungizide zu suchen. Selbst bei geringfügig höherem Botrytisbefall kann durch den "Konzentrationseffekt", der bei trockener Witterung sehr rasch eintritt, das Mostgewicht aber deutlich erhöht sein. Botrytisfreie Trauben sind zwar leichter zu verarbeiten, die Weine werden fruchtiger und reintöniger. Weine aus Botrytis-Lesegut bestechen aber eher durch Fülle und Nachhaltigkeit. Diese Fülle kommt durch die wesentlich höheren Extraktwerte des edelfaulen Leseguts zustande. In Jahren mit später Reife ist die Edelfäule oft der einzige Weg, um doch noch Prädikatsweine zu erzeugen. In solchen Fällen könnte eine hochwirksame Bekämpfung wirtschaftliche Nachteile bringen. Besonders problematisch ist der Botrytisbefall bei der Rotweinbereitung, da der rote Farbstoff von Botrytis zerstört wird (Abb.3). Ist eine Maischegärung vorgesehen, müssen Botrytistrauben sauber ausgelesen werden. Bei Maischeerhitzung dagegen ist ein geringer Anteil von botrytisbefallenem Lesegut (nicht verschimmeltem) tolerierbar. Eine getrennte Lese von gesunden und botrytisbefallenen Trauben erhöht die Erntekosten.

 

Abb. 3: Große Schäden bei Rotweinsorten
durch Zerstören der Farbe

 

Der Botrytispilz kann unter für ihn besonders günstigen Bedingungen (Verletzungen) auch verholzte und grüne Triebe sowie Gescheine und Blätter befallen. (Abb.4) Bei einem normalen Gescheinsansatz tritt durch Gescheinsbefall aber kein wirtschaftlicher Schaden auf, da der Rebstock diese Verluste bei der Rebblüte regulieren kann.

 

Abb. 4: Gescheinsbotrytis ist
wirtschaftlich ohne Bedeutung

 

Massiver Befall der Triebe und Blätter tritt nur im Zusammenhang mit kulturtechnischen Fehlern, z.B. Verletzungen auf. Blattbotrytis wird häufig durch den Einsatz von Blattdüngern ausgelöst. Die wirtschaftliche Bewertung der Schädlichkeit muss aus den angeführten Gründen sehr differenziert je nach Produktionsziel und Verarbeitungsmethode vorgenommen werden. Allgemeine, pauschale Aussagen und Schadschwellen wie bei anderen Schaderregern sind deshalb nicht möglich. Am wirtschaftlichsten ist die Bekämpfung aber eindeutig bei kompakten Rotweinsorten insbesondere, wenn eine Handlese nicht möglich ist. Der Botrytis-Erreger unterscheidet sich sehr stark in seiner Biologie von Pilzen wie Peronospora und Oidium. Die Erreger von Peronospora und Oidium ernähren sich von lebenden Wirtszellen, die sie auf raffinierte Weise veranlassen, für sie die benötigten Substanzen zu produzieren; im Prinzip werden die Zellen "gemolken". Der Botrytispilz dagegen "schlachtet" die Zellen, d. h., er tötet sie ab, bevor er sie als Nahrung nutzt. Während die Peronospora- und der Oidiumerreger natürliche Abwehrmechanismen umgehen oder austricksen, wirken diese gegen den nach menschlichen Kriterien ziemlich primitiv vorgehenden Botrytispilz normalerweise sehr gut. Wesentlichen Befall verursacht der Botrytispilz deshalb meist nur im Zusammenhang mit Verletzungen oder wenn die natürliche Abwehr schwächer wird. Dies ist beispielsweise mit zunehmender Reife der Fall. Oft sind Schwachstellen, wie abgestorbene Teile, Verletzungen und Nekrosen (z. B. abgestorbene Zellen im Stielgerüst durch Stiellähme) Ausgangspunkt seiner Angriffe. Botrytis wird deshalb zu Recht als Schwächeparasit bezeichnet. Oft siedelt sich der Pilz sehr frühzeitig an solchen Schwachstellen an und wird vom gesunden Rebgewebe abgewehrt. Er geht dann in ein Ruhestadium über, d.h. er bleibt latent. Erst wenn die Abwehr der Pflanze, z. B. bei Reifebeginn allmählich nachläßt und wieder günstige Bedingungen herrschen, schlägt der Pilz wieder zu. Aus diesem Grund sind in vielen Fällen bereits Bekämpfungsmaßnahmen schon während der Blüte wirksam. Sie verhindern die latente Besiedlung.

Sortenunterschiede

Extrem unterschiedlich ist die Widerstandsfähigkeit der Rebsorten gegen Botrytis. Besonders problematisch verhalten sich Sorten wie Müller-Thurgau und Chardonnay. Bei diesen Sorten bricht die Widerstandsfähigkeit bei ca. 60 Öchsle schlagartig zusammen, so dass bei feuchter Witterung innerhalb weniger Tage massive Beerenfäulnis auftreten kann. Bei Riesling und Kerner liegt diese Schwelle erst bei ca. 80 Öchsle. Relativ robust gegen Botrytisbefall sind Trollinger, Lemberger und Dornfelder. Große Unterschiede in der Botrytisanfälligkeit bestehen bei Klonen der Burgundersorten bis hin zu sehr hoher Resistenz bei den L- und M-Klonen. Kompakte Sorten wie Schwarzriesling oder Samtrot sowie die kompakten Spätburgunderklone unterscheiden sich sehr stark in der Art des Befalls von Sorten wie Kerner, Müller-Thurgau oder Riesling. Bei den kompakten Rotweinsorten entwickelt sich Botrytis meist nestförmig und von der Ansatzstelle der Beeren am Stielgerüst ausgehend, weil dort in der Reifephase oft große Spannungen entstehen. Die Beerenhaut selbst ist bei diesen Sorten relativ widerstandsfähig.

Kulturtechnik: Schwachstellen vermeiden

Keine andere Krankheit der Rebe wird so stark von kulturtechnischen und anderen indirekten Maßnahmen beeinflusst wie der Schwächeparasit Botrytis. Verletzungen oder Nekrosen zu vermeiden ist ein wesentlicher Ansatzpunkt, von solchen Stellen geht der Botrytisbefall meist aus. Verletzungen durch Traubenwickler (Abb. 5) sind ein wesentlicher vermeidbarer Ansatzpunkt für frühe Fäulnis (Sauerfäule). In lockerbeerigen Sorten fallen die angestochenen Beeren oft ab, bevor sich Botrytis weiter ausbreitet. Bei kompakten Sorten aber ergibt jede Traubenwickler-Befallsstelle ein Botrytisnest, das oft zusätzlich von anderen, für den Weingeschmack gefährlicheren Schimmelpilzen besiedelt wird. Botrytis-Fungizide können die Ausbreitung eines durch den Sauerwurm ausgelösten Botrytisbefalls nur wenig eindämmen. Die Wirkung dieser Fungizide ist deshalb bei Wurmbefall immer sehr schlecht.

 

Abb. 5: Botrytisnest durch
Sauerwurmbefall (Traubenwickler)



Stiellähme verhindern

Weitere vermeidbare Schwachstellen sind Stiellähmenekrosen. Durch sachgerechte Bodenpflege (Begrünung) und ausgewogene Düngung (insbesondere K : Mg-Verhältnis) kann diese Schwachstelle vermieden werden oder zumindest das Problem vermindert werden. Wie bei dem Fall "Traubenwickler" ist auch bei Stiellähmebefall die Wirkung von Fungiziden beschränkt. Sollte die ausgewogene Düngung und optimierte Bodenpflege nicht ausreichend sein, ist deshalb in der Regel vor dem Einsatz von Botrytis-Fungiziden ein gezielter Blattdüngereinsatz zu erwägen. Die magnesiumhaltigen Blattdünger wirken allerdings optimal nur bei sehr später Anwendung, im Stadium Weichwerden. Sie können aber möglicherweise kellerwirtschaftliche Probleme (Bittertöne) verursachen, denn Düngemittel werden nicht wie Pflanzenschutzmittel routinemäßig auf Gär- und Geschmacksneutralität geprüft.

Traubenzone freistellen

Kräftig ausgebildete, äußere Zellwände der Traubenbeeren und der Stiele sind der beste Schutzschild vor Botrytis. Kräftige Zellwände entwickeln aber nur Pflanzenteile, die dem Licht (UV-Strahlung) ausgesetzt sind. Die Erziehungsart und die Formierung der Rebstöcke sollte deshalb unter diesem Gesichtspunkt "optimale Belichtung der Traubenzone" überprüft werden. Entscheidend ist aber auch das gezielte Entlauben der Traubenzone. Je früher dies erfolgt, desto größer ist der Effekt auf Botrytis. Werden die Trauben gezielt freigestellt, kann der Botrytisbefall etwa auf 50 % reduziert werden. Die Kosten für ein gezieltes Entlauben von Hand sind damit nicht wesentlich höher als die Kosten der chemischen Bekämpfung. Wird im Herbst von Hand gelesen, können die investierten ca. 30 Akh/ha sogar wieder eingespart werden. Fungizidanwendungen können diese Maßnahmen sowieso nicht vollständig ersetzen, weil die Wirkung der Fungizide nur bei freigestellter Traubenzone optimal zum Tragen kommt. Die Entlaubung der Traubenzone verbessert unabhängig von der Botrytiswirkung die Qualität der Trauben. Farbe und Fruchtaromen sind in belichteten Trauben deutlich erhöht. Vorsicht geboten ist bei dem Einsatz von mechanischen Entlaubungsgeräten! Werden sie zu spät eingesetzt, so kann durch unvermeidliche Verletzungen an Trauben die Botrytisgefahr sogar erhöht werden. Mit der Umstellung auf Zuckereinlagerung verlieren die Beeren die Fähigkeit, durch Korkzellenbildung die Verletzungen zu verschließen. Mechanisch sollte deshalb so früh wie technisch möglich entlaubt werden. Sobald die ersten Beeren mit der Umstellung zum Weichwerden beginnen, ist der Schaden bei Entlaubungsgeräten größer als der Nutzen. Ab diesem Zeitpunkt kommt nur noch Handentlaubung in Frage.

Stickstoffversorgung optimieren

Mit steigender Stickstoffdüngung nimmt nahezu linear der Botrytisbefall zu. Mit steigender Stickstoffdüngung werden die Zellwände dünner, die Beschattung der Trauben nimmt zu und der Stiellähmebefall wird häufiger. Zur Sicherung der Wuchskraft der Anlagen und nicht zuletzt für die Qualität ist aber eine ausbalancierte Mindestversorgung notwendig. Da für die Stickstoffversorgung nicht nur die Düngung, sondern auch Bodenpflege von großer Bedeutung ist und die Problematik sehr komplex ist, soll dieses Problem hier nicht weiter vertieft werden.

Abhärtung durch Spritzungen

Im ökologischen Weinbau tritt Botrytis ganz im Gegensatz z. B. zu Peronospora sehr wenig auf. Der Grund liegt unter anderem in der abhärtenden Wirkung der eingesetzten Mittel (Kupfer, Gesteinsmehle, Wasserglas), die alle einen zellwandverstärkenden Effekt haben. Der Effekt von Kupfer wurde im konventionellen Anbau bereits vor vielen Jahren beschrieben. Wasserglas (=Kieselsol), ein in Deutschland registriertes Pflanzenstärkungsmittel, ist im konventionellen Anbau dagegen weniger bekannt. In einem Vergleichsversuch neben konventionellen Fungiziden reduzierten die Wasserglaszusätze zu den Nachblütebehandlungen den Befall um über 40 %. Nur durch optimale Kombinationen der verschiedenen zugelassenen Fungizide (Botrylon, Scala, Switch, Teldor, ) lassen sich wesentlich höhere Wirkungsgrade erreichen. Im Gegensatz zu den Botrytis-Fungiziden verursacht Wasserglas keinerlei Rückstandsprobleme. Bisher traten in den Versuchen der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg und in Praxisbetrieben bei Wasserglas keine Schwierigkeiten mit zugemischten Peronospora- und Oidiumfungiziden auf. Geprüft wurden allerdings nur wenige Mittel (Aktuan, Topas, Polyram WG), deshalb muss zur Vorsicht geraten werden. Standzeiten sind möglichst gering zu halten.

Fungizideinsatz

Der Botrytispilz ist sehr variabel und anpassungsfähig. Gegen neue Fungizide resistente Stämme entwickelten sich in der Vergangenheit oft sehr rasch. Zur Zeit stehen mehrere neuere, hoch wirksame Fungizide (Botrylon, Scala, Switch, Teldor) mit unterschiedlichen Wirkungsmechanismen zur Verfügung. Weitere könnten in den nächsten Jahren folgen. Deshalb scheint eine dauerhafte, wirksame chemische Bekämpfung realistisch zu sein. Bei einem kompletten Einsatz der vorhandenen Mittelpalette sind sehr hohe Wirkungsgrade möglich. Eine grobe Abschätzung ergibt, dass die Fungizide vorzugsweise bei kompakten Rotweinsorten interessant sein können, auch besonders, wenn ein Vollerntereinsatz geplant ist und dadurch eine getrennte Lese der faulen Trauben nicht möglich ist. In allen anderen Fällen ist die Wirtschaftlichkeit dieser Fungizide zumindest fraglich.

  Einsatztermine für Fungizide

Von der Biologie der Erreger her lassen sich 3 Einsatzschwerpunkte ausmachen:

1.

Blüte - abgehende Blüte. Dieser Einsatz richtet sich gegen die Besiedlung der Blütereste. Von diesen ausgehend setzt sich bei feuchter Witterung der Pilz an der Ansatzstelle der Beere am Blütenboden fest. Dort wird er zunächst abgewehrt und bleibt inaktiv (latent) bis bei zunehmender Reife die Abwehr der Beere nachläßt. Dann beginnen die Trauben typischerweise frühzeitig von der Ansatzstelle der Beere aus zu faulen.

2.

Kurz vor Traubenschluss. Dies ist die letzte Möglichkeit, Fungizide auf das Stielgerüst und die Ansatzstelle der Beere zu bringen. Da der Belag dort anschließend von den Beeren überdeckt wird, bleibt er sehr lange erhalten. Auch eine solche Spritzung schützt besonders gegen Befall "von innen".

3.

Zur Abschlussspritzung Diese Spritzung bewirkt die höchsten Mengen an Wirksubstanz bis zur Lese und damit die beste Wirkung gegen Beerenfäule zum Zeitpunkt der Lese, allerdings auch die höchste Rückstandsbelastung.

Je nach Jahreswitterung ist der Effekt bei Spritzungen an diesen Terminen sehr unterschiedlich. Bei nasser Witterung während und nach der Blüte haben natürlich Spritzungen in diesem Zeitraum eine hohe Effizienz. Spritzungen im August wirken besonders gut gegen Fäulnis, die bei etwa 60 Öchsle in Regenperioden Ende September/Anfang Oktober bei Müller-Thurgau auftreten. Ein typisches Ergebnis für die besonders interessanten kompakten Rotweinsorten zeigt ein Praxisversuch aus dem Jahr 1996. Er wurde in 4 verschiedenen Weinbergen wiederholt. Alle vier Weinberge waren mit Schwarzriesling bestockt. Die Varianten, die zweimal behandelt wurden, unterschieden sich nicht signifikant von der Variante, die nur kurz vor Traubenschluss mit Botrylon behandelt wurde. Wenig erfolgreich war in diesem Versuch die Variante, in der zur Abschlussbehandlung ein Botrytizid zugesetzt wurde. Das Ergebnis dieses Versuches ist nach den Erfahrungen der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg typisch für kompakte Rotweinsorten. Regelmäßig hat dort eine Spritzung "kurz vor Traubenschluss" die beste Wirkung. Durch Behandlungen zu diesem Zeitpunkt wird die Schwachstelle dieser Sorten, die Ansatzstelle der Beeren noch mit behandelt. Bei anderen Sorten, z. B. Kerner oder Müller-Thurgau, sprechen die Ergebnisse nicht so eindeutig für diesen Termin. Da der Einsatz von Botrytismitteln meist nur bei den kompakten Rotweinsorten wirtschaftlich interessant ist, kann der Termin "kurz vor Traubenschluss" aber generell als wichtigster angesprochen werden. Dies gilt besonders in Jahren mit einer guten Blüte, in denen mit extrem kompakten Trauben gerechnet werden muss.

Bei einem späten Einsatz von Fungiziden, bei dem auch bei hoher Reife noch eine Wirkung gegen Botrytis vorhanden ist, besteht die Gefahr, daß andere Fäulniserreger wie Penicillium sich statt der normalen Edelfäule entwickeln. (Abb. 6) Da diese die Weinqualität stärker beeinträchtigen als Botrytis, besteht bei einer zu späten Anwendung sogar die Gefahr, daß der Einsatz von Fungiziden den wirtschaftlichen Schaden erhöht statt vermindert.


 

Abb. 6: Penicilliumbefall verursacht massive
Qualitätsprobleme


 

Zusammenfassung

Bei der Botrytisbekämpfung sind kulturtechnische Maßnahmen (Düngung [N + K], Bodenpflege, Stockaufbau, Laubarbeit und Traubenwicklerbekämpfung) vorrangig. Durch Spritzungen mit abhärtenden Mitteln (Kupfer/Wasserglas) kann der Befall weiter reduziert werden. Fungizide erzielen eine gute Wirkung nur bei optimaler Kulturtechnik. Wirtschaftlich interessant sind die neueren Botrytis-Fungizide (Botrylon, Scala, Switch, Teldor) vorzugsweise bei kompakten Rotweinsorten. Bei diesen Sorten bringt eine Behandlung kurz vor Traubenschluss am ehesten sichere Erfolge.

E-Mail: walter.kast@lvwo.bwl.de

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