Service-Navigation

Suchfunktion

Die Rebblütengallmücke (Contarinia viticola Rübs.)

von Dr. W. K. Kast
LVWO Weinsberg
E-Mail:
walter.kast@lvwo.bwl.de

1994 sind in verschiedenen Weinbergen im Anbaugebiet Württemberg eine große Zahl von Gescheinen aufgefallen, bei denen kurz vor der Blüte ein Teil der Einzelblütchen plötzlich braun wurde und bei Blütebeginn dann mit dem Stielchen abfiel (Abb. 1 + 2). Häufig wurden diese Symptome mit Gescheinsbotrytis verwechselt und eine intensive Botrytisbekämpfung eingeleitet. Botrytis zerstört aber größere, zusammenhängende Gescheine. Im vorliegenden Fall handelte es sich jedoch um im Geschein zufällig verstreut liegende Einzelblüten. Sporenträger, wie bei Botrytis unter feuchten Bedingungen meist vorhanden, fehlten. In den Einzelblüten befanden sich mehrere 1 - 2 mm große, weiße, sehr lebhafte „Würmchen", ohne Beine und Kopf-Kapsel, die Maden der Rebblütengallmücke (Abb. 3).

 

Abbildungen 1+2: Gescheine mit bräunlich verfärbten Einzelblüten bei Blütebeginn

 

 

 

 

Abb. 3: Made der Rebblütengallmücke

 

Abb. 4. : Rebblütengallmücke, männliches, erwachsenes Tier ca. 2mm groß (aus Rübsaamen 1909)

Die Rebblütengallmücke ist ein alter Rebschädling, der bei geringem Befall völlig unbeachtet bleibt. Eine genauere Beschreibung ist in einem Buch des Erstbeschreibers zu finden (Rübsaamen 1909). Durch chemische Insektizide gegen Heuwürmer eingesetzt, wurde die Rebblütengallmücke weitgehend ausgerottet. Unterbleibt die Heuwurmbekämpfung, tritt das Tier allmählich wieder auf.

Die Rebblütengallmücke (Abb. 4) ist ein ca. 2 mm großes Insekt. Kurz nach dem Austrieb schlüpfen die Tiere aus den am Boden überwinternden Puppen. Mit Hilfe ihres Legestachels bohren die Weibchen einzelne Blütenkäppchen an und legen meist mehrere winzige Eier darin ab. Die daraus schlüpfenden Maden saugen am Fruchtknoten und den Staubgefäßen. Diese wachsen zunächst dadurch eher stärker. Erst wenn die Larven nahezu ausgewachsen sind, stirbt die Blüte allmählich ab. Mit den abfallenden Blüten gelangen die Tiere in den Boden, wo sie sich verpuppen.

Wirtschaftlicher Schaden

Ein wirtschaftlicher Schaden ist unter den heutigen Rahmenbedingungen wohl ähnlich wie beim Heuwurmbefall nur in Ausnahmefällen, z. B. bei extrem geringem Gescheinsansatz und sehr starkem Befall zu befürchten. Die auftretenden Verluste an Einzelblüten werden durch die geringere Verrieselung der verbleibenden Blüten normalerweise vollständig ausgeglichen.

Sollten im Extremfall die Trauben etwas lockerbeeriger sein, ist das bei den heutigen Klonen oft eine Verbesserung, da die Botrytisgefahr verringert ist. Eine gezielte Bekämpfung wäre deshalb absolut unsinnig.

Literatur

Rübsaamen, E. H. (1909): Die wichtigsten deutschen Reben-Schädlinge und Reben-Nützlinge. Verlagshaus Beng u. Co. Berlin - Leipzig - Stuttgart - Wien, 125.

Fußleiste