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In reifende Beeren wird Kalium eingelagert

Düngung im Obstbau – 
ein Leitfaden


Nährstoffe sind unentbehrlich

Für Wachstum und Fruchten benötigen die Obstpflanzen Nährstoffe. Hauptnährstoffe, die in größeren Mengen von den Pflanzen benötigt werden sind Stickstoff (N), Phosphor (P), Kalium (K), Magnesium (Mg), Kalzium (Ca)  und Schwefel (S).

In geringen Mengen aufgenommen werden die Mikro- oder Spurennährstoffe Mangan (Mn), Eisen (Fe), Kupfer (Cu), Zink (Zn), Bor (B) und Molybdän (Mo).

Die Spurennährstoffe und Schwefel sind in den meisten Böden in ausreichender Menge vorhanden.

Bodenuntersuchung - Versorgung mit Grundnährstoffen

Bei den Grundnährstoffen (P2O5, K2O, Mg) ist im Abstand von 4-5 Jahren eine Bodenuntersuchung nötig, bei der die pflanzenverfügbaren Mengen der Nährstoffe sowie der pH-Wert und damit der Kalkbedarf (CaO) des Bodens festgestellt werden (Tabelle 1). Rechtlich vorgeschrieben ist im Erdbeeranbau die Untersuchung auf Phosphat mindestens alle 6 Jahre bei Schlägen größer als 1 ha, sofern sich dies nicht bereits durch die landwirtschaftliche Fruchtfolge (Wechselflächen) ergbit.

Die Proben werden aus der Bodenschicht von 0-20 cm entnommen, vor der Neupflanzung einer Obstkultur aus 0-20 cm und 20-40 cm.

Für Kernobst und Strauchbeeren gelten bei bestimmten Nährstoffgehalten im Boden die folgenden Düngeempfehlungen*:

Tabelle 1: Nährstoffgehaltsklassen und Düngebedarf * bei Kernobst und Strauchbeeren
Gehaltsklasse P2O5 K2O Magnesium
mg/100 g Boden **
alle leicht mittel schwer leicht mittel schwer
A <10 <8 <10 <15 <6 <10 <12
C 10 -15 8 - 20 10 -25 15 -30 6 - 10 10 -15  12 -20
E > 15 > 20 > 25 > 30 > 10 > 15 > 20
* Ertragsanlagen mit Mulchwirtschaft wenn Schnittholz und Grasschnitt in der Anlage bleiben
** mittelschwerer Boden
Düngung [kg/ha]
P2O5 K2O MgO
A C E A C E A C E
40 20 0 150 80 0 50 30 0

Bodenart, Durchwurzelbarkeit und Bodenstruktur beeinflussen die tatsächliche Nährstoffausnutzung, erhöhte oder deutlich verringerte Erträge wirken sich auf die Nährstoffabfuhr aus. Daher können Zu- und Abschläge zur Düngung notig sein.

Auf vernässten, verdichteten Standorten oder Böden mit hohem Kalkgehalt kann eine gestörte Eisenaufnahme zu Chlorose führen. Hier ist der Einsatz Fe-haltiger Blattdünger hilfreich.

Messen, Beobachten und Dokumentieren

Der Wert der Bodenuntersuchung liegt nicht in der einmaligen Untersuchung, sondern in der regelmäßigen Wiederholung. Gemeinsam mit dem Beobachten der Bestände gibt die Entwicklung der Nährstoffwerte wichtige Hinweise. Daher ist die Führung einer Schlagkartei von großem Nutzen.
Eine Schlagkartei erleichtert zudem das Erstellen des Nährstoffvergleiches nach der Düngeverordnung.

Stickstoffdüngung

Wie andere Dauerkulturen können auch Obstbäume und Beerensträucher Nährstoffe speichern und bei Bedarf aus dem Altholz freisetzen. Das aktuelle Ertragsverhalten wird durch kurzfristige Düngemaßnahmen kaum beeinflusst.
Im Vergleich zu Ackerkulturen ist der Stickstoffentzug durch Kern-, Steinobst- sowie Strauchbeerenkulturen relativ gering. Die tatsächliche Stickstoffabfuhr durch die Früchte liegt nochmals niedriger.

Den ersten Stickstoffbedarf für die Entfaltung von Blüten- und Blattknospen sowie den Fruchtansatz und die ersten Stadien der Neutriebbildung entnehmen Obstgehölze aus den im Vorjahr in den Holzkörper eingelagerten Reserven.

Nennenswerte Stickstoffaufnahmen sind vor allem kurz nach der Blüte zu beobachten. Für das weitere Blatt- und Triebwachstum, ebenso wie für die Blüteninduktion und -differenzierung muss jedoch rechtzeitig ausreichend Stickstoff im Wurzelraum zur Verfügung stehen. Auch für die Stickstoffeinlagerung, die schon im Sommer mit dem Nachlassen des Triebwachstums beginnt und mit der Herbstverfärbung ihren Höhepunkt erreicht, ist ein ausreichendes Stickstoffangebot nötig. Düngemaßnahmen müssen darauf abgestimmt werden.

Andererseits darf das Stickstoffangebot nicht zu hoch sein. Denn ein zuviel an Stickstoff führt zu wachsenden Triebe und übermäßiger Blattmassebildung. Dadurch entsteht eine Konkurrenz für die Früchte um Kohlenhydrate und Mineralstoffe, bzw. wird durch zu viele Blätter die Belichtung der Früchte behindert.

Steinobst hat einen etwas höheren Stickstoffbedarf. In jungen Früchten kann es bei N-Mangel zu Gewebezusammenbrüchen und nachfolgendem Fruchtfall kommen

Bei Erdbeeren liegen die Stickstoffentzüge bzw. die Stickstoffabfuhren ebenfalls auf mäßigem Niveau. Diese Kultur ist gegenüber einer zu hohen Stickstoffdüngung empfindlich und kann mit erhöhter Krankheitsanfälligkeit (Botrytis) und neben Qualitätseinbußen auch mit Ertragsminderung reagieren.
Vor allem in Foliendämmen werden bei günstigen Mineralisationsbedingungen oft so viel Stickstoff aus dem Boden freigesetzt, dass sich auf eine zusätzlich N-gabe verzichtet werden kann.
In der Praxis werden teils hohe Stickstoffmengen verabreicht. Die dabei erzielten guten Erträge sind aber weniger der hohen Nährstoffgabe, sondern mehr der durch die Beregnung bzw. durch die Fertigation bedingten guten Wasserversorgung zuzurechnen. Der nicht von den Pflanzen aufgenommene Stickstoff kann in tiefere Bodenschichten bzw. in das Grundwasser verlagert werden.

Um dies zu vermeiden, verlangt die Düngeverordnung vor einer Stickstoffgabe die Düngebedarfsermittlung auf der Basis einer Bodenuntersuchung. In der Regel ist dies die Nmin-Methode. Ersatzweise können Messwerte übertragen werden oder kann eine andere anerkannte Methode zum Einsatz kommen. Zu beachten ist die zusätzliche N-Lieferung aus den Humusvorräten oder der organischen Düngung.

Nmin-Methode, "Meßmethode" Probenahme aus 0-30 bzw. 0 - 60 cm Tiefe
 
- entweder Probe tiefgefrieren und Versand an Untersuchungslabor
 
- oder Nmin-Schnelltest mit "Teststäbchen" 1)   

1) nicht zulässig bei Dokumentationspflicht gemäß Düngeverordnung

Der ermittelte Nmin-Wert wird mit dem Bedarf der Kultur verglichen. Diesen "Sollwert" benötigen die Pflanzen für den jährlichen Aufbau von Früchten, Blättern, Wurzeln und Triebzuwachs.

Als Düngergabe erhalten die Pflanzen die Menge Stickstoff, die sich nach Abzug des vorhandenen Nmin-Gehalts und der zu erwartenden Stickstofflieferung des Bodens vom Bedarfswert ergibt.

Tabelle 2: Zu erwartende Stickstofflieferung auf obstbaulichen Standorten in Abhängigkeit von Humusgehalt1), Gründigkeit und Wasserführung des Bodens
Obstart Tiefgründige Standorte mit Flachgründige und/oder sommertrockene Standorte mit
HG* <3 % oder AZ** < 60 HG >3 % oder AZ >60 HG* <3 % oder AZ** < 40 HG >3 % oder AZ >40
Kernobst, Steinobst, Strauchbeeren
- mit Dauerbegrünung
- ohne Dauerbegrünung
 
10
20
 
20
30
 
5
15
 
15
25
Erdbeerneupflanzung
- nach Getreide
- nach Zwischenfrucht oder sonstiger Kultur

10
20

 20
30

5
15

10
15
Erdbeeren
- bei Düngung nach der Ernte
- bei Düngung im Frühjahr

10
15

15
20

5
10

10
15
* = Humusgehalt; **= Ackerzahl
1) Bei Humusgehalten > 4% sind nach der Düngeverordnung mindestens 20 kg N/ha anzusetzen
Probenahme (0 - 20 cm)  Bestimmung des Humusgehaltes (alle 4-5 Jahre)


Tabelle 3: Stickstoffbedarfswerte für Kern- und Steinobst sowie Strauchbeeren bei Anwendung der Messmethode

Kulturart

Ertragsniveau [dt/ha]

N-Sollwert [kg N/ha]

maßgebende Bodentiefe [cm]

Kernobst

200 - 300
300 - 400

50
60

0 - 60

Steinobst
- Zwetschen, Mirabellen, Süßkirschen

- sonstige Kirschen


100 - 150
150 - 250
250 - 350

150 - 200


50
70
90

60



0 -60 

Strauchbeeren

50 - 100
100 -200

50
70

0 - 60


Tabelle 4: Messmethode1)  - langjährige Empfehlungen der LVWO Weinsberg -
Kulturart
Erdbeere
Ertragsniveau [dt/ha] N-Sollwert       [kg N/ha] maßgebende Bodentiefe [cm]
Einjährige Kultur
- zur Pflanzung
- Frühjahr

100 - 200

40
60

0 - 30
0 - 60
Zwei- und mehrjährige Kulturen
- nach der Ernte
- Frühjahr


100 - 200


50
60


0 - 60
0 - 60
1)     Nach der Düngeverordnung (Stand Juni 2017) gelten für Erdbeeren folgende N-Bedarfswerte(jeweils maßgebende Bodentiefe 0-30 cm):
Pflanzung:                                            60 kg N/ha
Frühjahr: (Ertragsniveau 140 dt/ha)    60 kg N/ha
nach der Ernte (=mehrjährige Kultur)  60 kg N/ha


Berechnungsbeispiel für die Ermittlung der Stickstoff-Düngung nach der Messmethode
Bedarfswert Steinobst                               90 kg N/ha
Nmin-Wert/oder N-Lieferung (Tab.2)       - 20 kg N/ha
                                                         Düngung                                                    70 kg N/ha



 


 

Stickstoffgaben müssen sich außerdem am Kulturzustand, am Standort, der   Bodenbewirtschaftung und Besonderheiten der Witterung orientieren
Zuschläge bei: Abschläge bei:

- Neueinsaat einer Dauerbegrünung in die  
   Fahrgassen
- niedrigem Humusgehalt- zu
   geringer Wuchsleistung

- zu starkem Wuchs- Frostschaden- hohem Humusgehalt- hoher biologischer Aktivität des Bodens


Auf warmen Standorten mit ausreichenden, ausgeglichenen Niederschlägen und humusreichen Böden kann daher auf eine N-Düngung oft verzichtet werden.

Für Schwarze und Rote Johannisbeeren, Himbeeren und Erdbeeren wurden zusätzlich Schätzrahmen zur Stickstoffdüngung entwickelt, um eine sach- und umweltgerechte Stickstoffdüngung dieser Kulturen auch ohne Nmin-Werte zu ermöglichen.

Ausgehend von Ausgangswerten, die aus Versuchsergebnissen abgeleitet wurden, wird über Zu- und Abschläge Humusgehalt, Bodenfeuchteverhältnisse oder dem Triebwachstum im Vorjahr, die notwendige Stickstoffgabe ermittelt. Bestimmte Höchstgaben dürfen dabei nicht überschritten werden.

Diese Schätzmethode erfordert das genaue Beobachten der Kulturen.



Tabelle 6:

Schätzrahmen - Stickstoffdüngung bei Erdbeeren 1)

Ausgangswert

Erdbeere: 40 kg N/ha ganzflächig

Zu- und Abschläge (kg N/ha ganzflächig)

Alter der Erdbeerfläche*

Neupflanzung  
-20

einjährig Frühjahr        
0

Zweijährig

Frühjahr/n.Ernte
0

 

Humusgehalt

> 4 %
- 30

2 - 4 %
0

<2 %
+ 20

 

Bodenfeuchteverhältnisse**

feucht
0

ausgeglichen
0

sommertrocken
+ 10

 

Bodenabdeckung

stickstoffreich
- 30

keine
0

Folienpflanzung
- 20

 

Bodenart***

 

mittel-schwer
0

leicht
+20

 

Pilzkrankheiten
Befallsdruck

starker Befall
- 20

normal
0

gering
0

 

Steingehalt des Bodens

 

0 - 30 %
0

> 30 %
+ 10

 

Saldo Ausgangswert ± Zu- und Abschläge   


 

Auch wenn sich mehrere Zuschläge ergeben, sind die Gesamtstickstoffgaben auf 60 kg/ha Anbaufläche zu begrenzen.
Bei Streifendüngung ist eine entsprechende Reduzierung nötig.

* aufgrund der vorangegangenen Bodenbearbeitung und insbesondere bei Bewässerung ist die bodeneigene   Stickstofflieferung in der Regel für die Jungpflanzen ausreichend.
** beinhaltet Niederschlagsverteilung März- Oktober, Bewässerungsmöglichkeit und Wasserhaltekraft des Bodens
*** auf leichten Böden sind Gaben > 30 kg N/ha zu teilen

1) Zur Erfüllung der Dokumentationspflichten gemäß Düngeverordnung ist der Schätzrahmen nicht geeignet !


Größere Bedeutung als die Stickstoffdüngung haben bei der Erdbeerkultur:

- Qualität der Jungpflanzen
- Pflanztermin
- Wasserversorgung

Eine Rechenhilfe ermöglicht auf einfache Art ausgehend von der Anbaufläche die Ermittlung der Pflanzstreifenfläche, auf die der Dünger ausgebracht wird.

Tabelle 7: Rechenhilfe zur Ermittlung der Pflanzstreifenfläche bei Strauchbeerenobst (Umrechnungsfaktor) *
Streifenbreite
[m]
Reihenabstand [m]
1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 3,5
0,4 0,4 0,3 0,2 0,15 0,15 0,1
0,6 0,6 0,4 0,3 0,25 0,2 0,15
0,8 0,8 0,55 0,4 0,3* 0,25 0,25
1,0 1,0 0,7 0,5 0,4 0,35 0,3

* Beispiel: 
Reihenabstand 2,5 m; Pflanzstreifenbreite 0,8 m
- Tabelle: Umrechnungsfaktor = 0,3
Anbaufläche = 0,6 ha
Pflanzstreifenfläche = 0,6 ha x 0,3 = 0,2 ha (= 20 ar)

Düngung im Wasserschutzgebiet

In Zone II dürfen keine stickstoffbetonten organischen Dünger (Gülle und ähnliches) ausgebracht werden. Dies gilt auch für Stallmist auf auswaschungsgefährdeten Böden (A-Böden).
Nitratproblemgebiet: Bei Strauchbeeren und Erdbeeren ist die Messmethode anzuwenden. Bei Erdbeerneupflanzungen ist eine Übertragung von Messergebnissen nicht möglich. Bei Flächen größer als 10 Ar und einem Reihenabstand über 1 Meter und bei Erdbeerneupflanzungen ist die Reihendüngung vorgeschrieben.
Nitratsanierungsgebiet: Bei allen Obstkulturen ist vor jeder N-Düngung zusätzlich die Messmethode anzuwenden.

Blattdüngung

Die Blattdüngung ist nur bei akutem Nährstoffmangel oder Stresssituationen (z.B. Chlorose im Frühjahr, Trockenheit im Sommer) sowie in bestimmten Kulturen zur Förderung des Fruchtansatzes (Bor) und der Fruchtqualität sinnvoll.
Zur Stippebekämpfung bei Kernobst dienen frühzeitige Calcium-Spritzungen.
Bei einer Kombination mit Pflanzenschutzmitteln sind die diesbezüglichen Anwendungshinweise zu beachten.

Düngeverordnung und Bodenuntersuchung

In Abhängigkeit von der Betriebs- bzw. Schlaggröße und den Kulturen eines landwirtschaftlichen oder gärtnerischen Betriebes entstehen aufgrund der Düngeverordnung Vorgaben und Dokumentationspflichten

Sollen auf einer Erdbeerfläche wesentliche Stickstoffmengen (> 50 kg N/ha/Jahr) ausgebracht werden, ist die im Boden verfügbare N-Menge vor der Düngung zu ermitteln. Verfahren und Ergebnis sind bei Erdbeeren vor der Düngemaßnahme schriftlich zu dokumentieren. Ebenso ist ein Nährstoffvergleich zu erstellen. Die Ermittlung und Dokumentation der verfügbaren Phosphatgehalte ist notwendig bei Erdbeerschlägen > 1 ha. Betriebe mit insgesamt weniger als 2 ha Erdbeeren, Gemüse, Reben oder Hopfen sind von diesen Vorgaben befreit.
Bei allen Obstarten wird bei hohen Phosphatgehalten im Boden keine weitere P-Düngung empfohlen. Ab 20 mg P2O5/100 g Boden ist jedoch eine P-Zufuhr in Höhe der P-Abfuhr möglich.

Nützliche Adressen

Informationen zur Förderung von Bodenuntersuchungen, zur Teilnahme am Nitratinformationsdienst (NID), zu den weiteren Bestimmungen der SchALVO sowie zum Nährstoffvergleich laut Düngeverordnung sowie die Adressen geeigneter Bodenuntersuchungslabors sind beim zuständigen Amt für Landwirtschaft erhältlich.

Bodenuntersuchungen werden durch private Labors angeboten. Eine aktualisierte Liste hält das Landwirtschaftliche Technologiezentrum.
PDF-Liste des LTZ Augustenberg

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Stand: Mai 2018

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