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Chlorosebekämpfung derzeit sinnvoll?

Rebenchlorose.jpg (22173 Byte)

Kühle Witterungsphasen verbunden mit hoher Bodenfeuchtigkeit, sowie rasche Wachstumsschübe nach kurzfristigem Witterungsumschwung führen nahezu alljährlich in der Vorblütephase zu Chloroseerscheinungen. Betroffen sind allgemein anfällige Sorten wie Müller-Thurgau, Traminer, Burgunderarten sowie Dornfelder. Nachdem die Symptome an einzelnen Stöcken besonders ausgeprägt sind, ist davon auszugehen, dass eine mangelnde Reservestoffeinlagerung infolge Überbehangees im Vorjahr hier die Hauptursache ist (Schwächechlorose).

Das verbreitete Auftreten, unabhängig von der Bodenpflege, spricht jedoch für Ursachen die nicht vom Bodenpflegezustand oder nasskalter Witterung herrühren. Vielmehr kann davon ausgegangen werden, dass infolge des extrem raschen Wachstums und damit hohem Energieverbrauch der wachsenden Triebspitze ein relativer Energiemangel an den Wurzelspitzen auftritt. Dem hohen Eisenbedarf zur Chlorophyllbildung am Laubzuwachs steht somit eine durch "Energiemangel" an den Wurzelspitzen reduzierte Eisenaufnahme entgegen. Kommt eine weniger gute Reservestoffeinlagerung der Reborgane (Altholz, Wurzelstange, ältere Wurzeln) infolge hoher Vorjahreserträge hinzu, kann der "energieverbrauchende" Vorgang Eisenaufnahme nicht dem Bedarf entsprechend ablaufen. Mangelnde Eisenaufnahme führt zu mangelnder Chlorophyllbildung am Neuzuwachs was seinerseits die Assimilation reduziert und damit den "Energiestatus" der Pflanze nochmals verschlechtert. 

Kommen hohe Niederschläge und niedrige Temperaturen hinzu (Schlechtwetterchlorose) ist zu erwarten, dass sich die Situation für die Rebe verschärft.

Eisenpräparate den Pflanzenschutzbehandlungen zusetzen

Unter den o. a. Bedingungen wirkt die Blattapplikation am raschesten und verursacht relativ geringe Kosten bei in der Regel guten Wirkungsgraden. Inwieweit eine, zwei oder gar drei Behandlungen sinnvoll sind, ist von der weiteren Entwicklung abhängig. Je früher jedoch behandelt wird, umso rascher "erholen" sich die Reben. Sind bereits starke Symptome mit Nekrosen vorhanden, kann das Blatt die Nährstoffe nicht oder nicht mehr so gut aufnehmen und es kommt, wenn überhaupt, erst nach Wochen zur "Ergrünung". Die Ausbringung bietet sich in Kombination mit dem Pflanzenschutz an. Hierbei ist entsprechend den Packungsaufschriften auf die Mischbarkeit zu achten. Um rasche Erfolge zu erzielen, hat sich eine Wiederholung der Maßnahme im drei- bis fünftägigen Abstand als günstig erwiesen. Während der Rebblüte sollte die Anwendung wegen möglicher Förderung der Verrieselung unterbleiben. 

Streugranulate oder auch "Gießmittel" sollen nicht unerwähnt bleiben, da auch diese bei sachgerechter Anwendung gute Erfolge bringen können.

 

R. Fox
LVWO Weinsberg
E-Mail: rudolf.fox@lvwo.bwl.de

Stand: 20.06.2006

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