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Erdbeeren - die Wahl des richtigen Pflanzmaterials

 

Gesundes Pflanzmaterial ist eine wichtige Voraussetzung für ein gutes und erfolgreiches Erdbeerjahr. Zur Anlage eines neuen Erdbeerfeldes sollte das Pflanzmaterial frei sein von Wurzelkrankheiten, Nematoden, Erdbeermilben und Virosen. Aus Ertragsquartieren Pflanzgut zu entnehmen, ist nicht zu empfehlen, da es zu Pflanzenschutzproblemen führen kann. Die Beschaffung von einwandfreien Setzlingen bei professionellen Vermehrungsbetrieben (anerkannte und kontrollierte Vermehrungsbetriebe) stellt die sicherste Strategie dar.

Der Erdbeeranbauer muss sich spätestens im Juni/Juli Gedanken über die zu pflanzenden Sorten und somit auch über das Pflanzmaterial machen. Die Bestellung der Frigopflanzen ist bereits in vollem Gange. Diese Aufstellung der unterschiedlichen Setzlingsarten mit ihren Vor- und Nachteilen soll bei der Entscheidung helfen.

Beim Pflanzmaterial unterscheidet man grundsätzlich zwischen Frigopflanzen und Grünpflanzen. Dem Erdbeeranbauer stehen folgende Setzlingstypen bei Frigopflanzen zur Auswahl:

·        Frigopflanzen

·        Frigowartebeetpflanzen

·        Traypflanzen (kräftige Topffrigos)

  Bei Grünpflanzen sind folgende Setzlinge erhältlich:

·        Nackt-bewurzelte Grünpflanzen (ungetopfte Setzlinge)

·        Topfgrünpflanzen

 

Frigopflanzen:

Diese Setzlingsart ist für die Frühjahrspflanzung (April bis Juni/Juli) vorgesehen sowie für Terminkulturen. Frigopflanzen sind eine in Kalifornien entwickelten spezielle Setzlingsart, da dort die Winter meist zu warm sind, um die Winterruhe vollständig zu brechen und damit die Wuchsleistung unbefriedigend ist.

 

Die Frigomutterpflanzen werden im Frühjahr in Mutterquartiere gesetzt. Nach dem Anwachsen werden die Blütenknospen entfernt, um die Reproduktion der Pflanzen zu verbessern. Über die Sommermonate bildet die Mutterpflanze Ausläufer, die sich im Boden verankern. Während der Vegetationsruhe von November bis Mitte Februar werden die Ausläuferpflanzen gerodet, geputzt (altes Laub entfernt) und bei - 1,5 bis - 2,0 °C gelagert. Im Unterschied zu den Grünpflanzen ist bei Frigosetzlingen die Blütendifferenzierung bereits abgeschlossen, da die Pflanzen während Kurztagsbedingungen im Freiland waren und dadurch die Induktion und Differenzierung von Blüten bereits eingesetzt hat. Einige Tage vor dem Setzen wird eine Warmwassertauchung durchgeführt oder werden bei + 4,0 bis + 8,0 °C aufgetaut. Die aufgetauten Pflanzen beginnen rasch auszutreiben und sollten daher nicht mehr gelagert werden. Die Wurzeln und das Rhizom enthalten die für den Austrieb notwendigen Reservestoffe. Die Wurzeln dürfen bei der Pflanzung nicht eingekürzt werden. Frigosetzlinge erlauben bezüglich des Pflanztermins mehr Flexibilität als Grünpflanzen. Ab Ende April können Frigos gepflanzt werden und können bereits im Pflanzjahr Früchte tragen. Damit sie im Jahr nach der Pflanzung jedoch gleiche oder höhere Erträge bringen als Grünpflanzen, müssen sie mindestens 4 Wochen vor den Grünsetzlingen ausgepflanzt werden (Ende Juni/ Anfang Juli). Das vegetative Wachstum ist bei Frigopflanzen gegenüber den Grünpflanzen verstärkter, welches die Bestockung und Blütenbildung hemmt. Dies führt zu stärkeren Ausläuferbildung, deren Entfernung einen höheren Arbeitsaufwand mit sich bringt. Jedoch kann diese Eigenschaft bei Sorten mit schwacher Belaubung von Vorteil sein (Bsp: Elvira). Die restlichen Ausläufer sind in die Reihe zu ziehen. Zusätzliche Arbeitsstunden sind für das Entfernen der Blütenstände nötig. Durch die längere Flächenbelegung muss die Fläche über einen längeren Zeitraum unkrautfrei gehalten werden. Nachteilig ist an diesem Pflanzmaterial die Winterfrostempfindlichkeit aufgrund des stärkeren Wachstums und dadurch späteren Entwicklungsstopp. Auch zeigen sie erhöhte Anfälligkeit für die Rhizomfäule und Herbizidempfindlichkeit.

Verschiedene Qualitätsstufen werden angeboten. Abhängig von der Setzlingsstärke, die am Rhizomdurchmesser festgemacht werden, wird unterteilt in A+, A und B. Je höher die Zahl der angelegten Blüten, desto größer ist der Rhizomdurchmesser. Bei sogenannten A+-Pflanzen handelt es sich um besonders starke Frigosetzlinge, die bis zur Rodung im Winter je nach Sorte bereits 2 bis 3 Blütenstände angelegt haben. Sie sind für eine späte Pflanzung (Juni) geeignet. Diese Kulturen können noch im Pflanzjahr beerntet werden. Zwischen Pflanzung und Ernte liegen 8 Wochen.  Bereits im Mai gepflanzte A+-Pflanzen liefern ab Mitte Juli eine erste Ernte. Normale Setzlinge (A) sind für den Pflanztermin Mitte April bis Mitte Mai passend. Die Verwendung von schwächeren Qualitätsstufen (B) ist nur für sehr frühe Pflanztermine (Anfang April) geeignet. Sie bringen im Pflanzjahr noch keine Ernte. A- und B-Ware muss zuerst die generative Phase durchlaufen, um im Folgejahr einen guten Ertrag zu bringen. Im Pflanzjahr können die erscheinenden Blütenstände ausgebrochen werden, um den Pflanzen eine kräftige Pflanzenentwicklung zu ermöglichen und die Bestockung und Blütenknospenbildung für das nächste Erntejahr zu fördern.

Der Vorteil gegenüber den Grünpflanzen ist die gute Lager- und Transportfähigkeit, sowie die zu jeder Zeit mögliche Pflanzung.

Frigo-Pflanzen

 

Frigowartebeetpflanzen:

Die im Sommer gebildeten und angewurzelten Ausläufer der Frigomutterpflanzen werden bereits im Spätsommer (August/September) gerodet und in Wartebeete gepflanzt. In den Wartebeeten werden die Pflanzen vorkultiviert und im Januar/Februar gerodet. Die Ernte findet ca. 7 bis 9 Wochen nach der Pflanzung statt. Diese vorkultivierten Frigosetzlinge ermöglichen über die Wahl des Pflanzzeitpunkts eine Terminierung der Ernte und wird daher für Terminkulturen und Substratkulturen verwendet. Eine Pflanzung deutlich später als Anfang Juli ist dabei nicht sinnvoll, da große Hitze während der Anfangsentwicklung der Pflanzen die Erträge mindert und später im Jahr die Wärme und die Sonnenscheinstunden zur Ausbildung wohlschmeckender Früchte fehlen. Die Kosten liegen bei 0,30 €/Stück.

 

Traypflanzen:

Es handelt sich hierbei um kräftige Topffrigos. Im Juli werden die im Sommer gebildeten Ausläufer von den Mutterstöcken entfernt und in Topfplatten mit Substrat gesteckt. Anschließend kommen die Setzlinge in einen Folientunnel oder Gewächshaus. Unter Sprühnebel wurzeln sie im Substrat. Während des Winters werden sie wie gewöhnliche Frigos in Kühlräume eingelagert (- 1,5 bis - 2,0 °C). Traypflanzen weisen nach der Pflanzung bessere Startbedingungen als gewöhnliche Wartebeetpflanzen mit nackten Wurzeln auf. Auch Im Vergleich zu den Wartebeetpflanzen bringen sie bessere Fruchtqualitäten und höhere Erträge. Da der Preis von Traypflanzen hoch ist (0,40 bis 0,45 €/Stück), werden diese nicht für das Freiland, sondern ausschließlich für Substratkulturen in Gewächshäusern oder Folientunnels verwendet.

 

Nackt-bewurzelte Grünpflanzen:

Die wurzelnackten Grünpflanzen sind frische, gut bewurzelte Ausläufer, die im Juli bis August direkt aus dem Vermehrungsquartier gerodet werden. Diese grünen Jungpflanzen trocknen sehr schnell aus, da die jungen Wurzeln nackt und noch sehr empfindlich sind. Daher müssen diese binnen weniger Stunden nach der Rodung gepflanzt werden. Auch lange Transportwege sind zu vermeiden. Am günstigsten ist eine Pflanzung in den Abendstunden. Die Folgen der reduzierten Vitalität sind schlechtes Anwachsen und hohe Ausfallsraten. Um gute Erträge zu erzielen, sollte die Pflanzung Ende Juli bis spätestens Mitte August erfolgen. Jede weitere Verzögerung wirkt sich deutlich ertragsmindernd aus. Nach der Pflanzung muss eine gute Wasserversorgung gewährleistet werden. Die Überkronenbewässerung bringt neben der eigentlichen Wasserlieferung auch einen Kühleffekt für den Pflanzenbestand, da die Pflanzen nach der Pflanzung Hitzebelastungen schlecht ertragen. Ein großer Nachteil der Grünpflanzen ist ihre späte Verfügbarkeit.

Grünpflanzen 

 

Topfgrünpflanzen:

Die Ausläufer, die im Sommer gebildet wurden, werden im Ende Juni bis Mitte Juli von den Mutterpflanzen entfernt und in Topfplatten mit Substrat pikiert. Die Ausläufer sollten mindestens 2 bis 3 Blätter aufweisen und Wurzelansätze sichtbar sein. Die Ranke wird auf einen 2 bis 3 cm langen Stummel eingekürzt. Wie die Traypflanzen kommen sie in einen Folientunnel oder Gewächshaus, wo sie ca. 10 Tage zur Bewurzelung unter Sprühnebel im Substrat stehen. Im Anschluss an die Bewurzelungsphase müssen die Jungpflanzen im Halbschatten abgehärtet werden und bedarfgerecht bewässert werden. Vernässung, auch durch Niederschläge, müssen verhindert werden. Die gesamte Dauer vom Pikieren bis zum pflanzfertigen Setzling beträgt 4 bis 5 Wochen. Die Auspflanzung erfolgt gleich wie bei nackt-bewurzelten Grünpflanzen. Vor der Pflanzung ist darauf zu achten, dass die Topfballen gut befeuchtet werden. Getopfte Ware kann auch noch später als die Grünpflanzen gepflanzt werden. Aufgrund des Topfballens ist diese Setzlingsart länger haltbar, leicht transportierbar, gut lagerbar und hat eine größere Speicherkapazität. Durch die Verwendung von Kultursubstrat wird jeder Bodenkontakt vermieden und somit wird der Verbreitung von wurzelbürtigen Krankheiten vorgebeugt.

 

Vergleich: Frigopflanzen - Grünpflanzen:

 

  Frigopflanzen Grünpflanzen
Pflanzarbeiten hohe Flexibilität geringe Flexibilität
Bewässerung zur Pflanzung fakultativ obligatorisch
vegetatives Wachstum verstärkt unbeeinflusst
Flächenbedarf längere Flächenbelegung bei 1-jähriger Kultur hoch
Anfälligkeit erhöht gg. Wurzelfäulenempfindlicher gg. Winterfrösteerhöhte Herbizidempfindlichkeit  
Arbeitsaufwand erhöht durch AusläuferentfernungEntblütenUnkrautbekämpfung Bewässerung

 

Ob sich die Anzucht der einzelnen Setzlingsarten für den einzelnen Betrieb lohnt, hängt von der Betriebsstruktur und vom Vorhandensein der notwendigen Einrichtungen, wie Sprühnebelanlage, Anzuchtkästen, Folientunnels, ab.

Ulrike Strobel

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