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Erfahrungen mit der Verwirrmethode

 

 

Von Hanns-Christoph Schiefer
Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt
für Wein- und Obstbau Weinsberg

Pheromon-Ampulle 

 

Die Verwirrmethode wurde 1985 in den Weinbau eingeführt. 1986 wurde in Württemberg eine Fläche von 100 ha mit Pheromonen behandelt. Die Fläche hat sich ständig vergrößert und lag im vergangenen Jahr 1999 bei etwa 8000 ha, dies entspricht ca. 75 % der württembergischen Gesamtrebfläche (Abb. 1). Eine weitere Zunahme der Verwirrflächen ist kaum mehr zu erwarten.

 

Mit Pheromonen behandelte Rebfläche

Abbildung 1: Entwicklung der mit Pheromonen behandelten Rebfläche in Württemberg

 

Bereits 1988 wurde die Verwirrmethode mit 50 DM je ha im Rahmen einer Projektförderung unterstützt. Mit der Einführung von RAK 1+, das die Pheromonmenge für beide Generationen des Einbindigen Traubenwicklers enthält, stieg der Betrag auf 80 DM je ha an. Ab dem Jahr 1994 wurden die Ampullen RAK 1+2, die sowohl gegen den Einbindigen als auch gegen den Bekreuzten Traubenwickler wirken, mit 150 DM je ha unterstützt. Seit dem Jahr 1998 ist die Pheromonförderung in das EU-kofinanzierte MEKA-Programm eingebunden und der Förderbetrag liegt jetzt bei 200 DM, sowohl für RAK 1 Neu, wie das RAK 1+ inzwischen heißt, als auch für RAK 1+2 (Abb. 2).

 

Förderung der Verwirrmethode

Abbildung 2: Förderung der Verwirrmethode in Baden-Württemberg

 

An den auf Burg Wildeck ermittelten Ergebnissen wird der starke Befall des Jahres 1999 deutlich. Sowohl beim Heuwurm- als auch beim Sauerwurmbefall lagen die Werte deutlich höher als im Vorjahr. Der Befall beim Sauerwurm lag in der nicht verwirrten Kontrollparzelle bei 42 %. Die mit RAK 1+ behandelte Fläche lag bei 11 % und damit doppelt so hoch wie die Schadschwelle, Die mit einem Versuchspräparat behandelte Fläche zeigte einen Befall von 22 % (Abb. 3). Ein Sauerwurmbefall von 10 %, und noch etwas darüber, war für viele Flächen des Jahres 1999 typisch und damit deutlich höher als in anderen Jahren. In der Praxis fielen die Bohrstellen des Sauerwurms aufgrund der trockenen Herbstwitterung, die eine Fäulnisbildung verhinderte, kaum auf. Die Witterung, insbesondere die des Frühjahrs, war für die Entwicklung des Traubenwickler besonders günstig. Hohe Nachttemperaturen und häufig über dem Durchschnitt liegende Tagesmittelwerte hatten zu einer hohen Population geführt.

 

Heu- und Sauerwurmbefall

Abbildung 3: Heuwurm- bzw. Sauerwurmbefall der Jahre 1997 -1999 auf Burg Wildeck

 

Aus den Fangergebnissen mit Mottenfallen außerhalb der Verwirrverfahren konnte kein Rückschluß auf ein erhöhtes Auftreten des Traubenwicklers gezogen werden (Abb. 4). Dies bestätigt unsere Auffassung, dass die Pheromonfallen ein geeignetes Instrument zur Kontrolle des Flugverlaufes sind, eine Aussage über Befallsstärke oder gar die Bekämpfungswürdigkeit jedoch nicht gezogen werden kann.

 

Wicklerflug 1999

Abbildung 4: Mottenflug des Traubenwicklers 1999 auf der Gemarkung Heilbronn

 

In ganz Württemberg ist der Einbindige Traubenwickler immer noch der Hauptschädling. Aufgrund der in den Verwirrverfahren aufgehängten Kontrollfallen kann jedoch eine stärkere Ausbreitung des Bekreuzten Traubenwicklers festgestellt werden. Darin liegt, zwar auf Einzelfälle begrenzt, neben der optimalen Witterung eine weitere Erklärung für den starken Befall im vergangen Jahr. Ein Vergleich zwischen verwirrten Flächen und nicht verwirrten Flächen konnte für Württemberg nicht angestellt werden. Aus der Schweiz ist jedoch bekannt, daß dort in verwirrten Flächen ein geringerer Befall festgestellt wurde als in mit Insektiziden behandelten Flächen. Ein teilweise erhöhter Befall in verwirrten Flächen ist somit keinesfalls auf die schlechte Wirkung der Verwirrungstechnik selbst zurückzuführen, sondern auf die stärkere Vermehrung der Traubenwickler oder auf das Einwandern der Bekreuzten Art in nur gegen den Einbindigen Traubenwickler verwirrte Flächen.

Nach fast 15-jährigem praktischem Einsatz hat sich die Organisation in den einzelnen Verwirrgemeinschaften eingespielt und ist weitestgehend zur Routine geworden. Fast jährlich finden in der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau in Weinsberg Veranstaltungen zum Austausch von Erfahrungen der Bekämpfungsgemeinschaften aus Württemberg und den angrenzenden Gebieten statt. Bei der Veranstaltung in diesem Winter stand das starke Auftreten des Traubenwicklers im Jahr 1999 im Mittelpunkt. Insgesamt war die Zufriedenheit mit dem Verwirrverfahren unter den teilnehmenden Organisationsleitern trotzdem sehr groß. Nach einer Umfrage wurden in etwas mehr als 25 % der RAK 1+ Verfahren Traubenwicklermotten oder Würmer der Bekreuzten Art festgestellt, meist jedoch nur als Einzelfälle. Der Flächenanteil mit Traubenwicklerbefall überhaupt lag meist unter 10 %. Eine Insektizidzusatzbehandlung wurde auf nur ganz wenigen kleinen Flächen durchgeführt.

Der Traubenwicklerbefall in den Verwirrflächen wurde meist im Randbereich festgestellt. Dies legt die Vermutung nahe, daß neben der optimalen Witterung auch verfahrensbedingte Einflußfaktoren für das starke Auftreten vorhanden waren. So wurden in den letzten Jahren aufgrund der geringen Befallszahlen die Ampullendichten im Randbereich, an Wegeinmündungen und zu Brachflächen hin ständig reduziert. Auch mindert eine Ausdünnung der Ampullendichte in der Fläche die gleichmäßige Abdeckung mit dem Pheromon. Starke Populationen, aber auch Lücken in den Pheromonwolken fördern die Anzahl von zufälligem Aufeinandertreffen von männlichen und weiblichen Faltern und deren Begattung.

Für die kommende Saison wurde empfohlen, die Aufwandmenge von 500 Ampullen pro Hektar unbedingt einzuhalten, denn nur durch eine gleichmäßige Pheromonwolke wird die Duftspur der Weibchen überdeckt. Ein weiteres unbedingtes Muß ist eine sorgfältige und ausreichende Randbehandlung. Beim Auftreten von Bekreuztem Traubenwickler muß in diesen Gewannen auf das teurere Verfahren RAK 1+2 umgestellt werden. Die Zuverlässigkeit der Verwirrmethode ist längerfristig nur gewährleistet, wenn die Populationsdichte gering bleibt. Zur Kontrolle des Erfolgs sind unbedingt Fallen in den Verwirrflächen auszuhängen und zu kontrollieren. Als optimal wird hier 1 Falle pro 10 Hektar angesehen. Bei einer Fängigkeit von mehr als 10 Faltern pro Falle ist der Verfahrenserfolg in Frage gestellt und es muß nach den Ursachen gesucht werden. In Verfahren mit RAK 1 Neu müssen unbedingt auch Fallen für den Bekreuzten Wickler aufgehängt werden. Die Bonituren auf Heu- bzw. Sauerwurmbefall müssen zuverlässig durchgeführt werden. Der Umfang soll mindestens 2 x 50 Gescheine pro ha beim Heuwurm betragen, wobei die Wicklerart unbedingt zu bestimmen ist. Wird hier ein erhöhter Befall festgestellt (Einbindiger > 10 %, Bekreuzter > 5 %), so ist eine gezielte Bekämpfung des Sauerwurms einzuplanen.

Da auf den meisten Flächen in Württemberg der Befall im vergangen Jahr unter der Schadschwelle lag, ist davon auszugehen, dass die Traubenwicklerpopulation bei sorgfältiger Verfahrensabwicklung mit der Verwirrmethode gut kontrolliert werden kann.

 

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