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Ergebnisse zur Minimalschnitterziehung

Eine Zwischenbilanz

 

R. Fox und P. Steinbrenner, LVWO Weinsberg

 

Nach wie vor zwingt uns der steigende Kostendruck wie auch die stagnierende Erlössituation nach weiteren Rationalisierungsmöglichkeiten im Anbau zu suchen, um konkurrenzfähig zu bleiben. Daneben bietet uns der fortschreitende Klimawandel mittlerweile günstigere Bedingungen eben für Minimalschnittsysteme mit ihrer verzögerten Reife. Wird derzeit unter den Vorzeichen des Klimawandels bei Weißwein von zu hohen Mostgewichten, zu geringer Säure und untypischen Aromanoten diskutiert, so sprechen weitere Argumente für die Minimalschnitterziehung, um gerade die für deutsche Weißweine typischen Attribute Frische, Frucht, Säurespiel, Leichtigkeit und Aromafülle zu erhalten. Der durch die Reifeverzögerung mögliche spätere Lesetermin unterstützt gerade die für Weißwein gegebenen Standortvorteile gegenüber südlichen Regionen. Auch das durch den Klimawandel erhöhte Fäulnisrisiko wird durch spätere Reife bei dann niedrigeren Temperaturen sowie die lockere Traubenstruktur deutlich gemindert. Aus Umweltgesichtspunkten wäre die Minimalschnitterziehung (MSE) wegen des geringeren Energie- und Technikaufwandes ebenfalls eine interessante Alternative.

 

Ziel der Produktion muss es jedoch weiterhin bleiben gute Standardqualitäten bei ausgeprägter Sortentypizität zu erzeugen, um regionaltypische, authentische Weine anbieten zu können. Dieses Alleinstellungsmerkmal darf nicht einer möglichst kostengünstigen Produktion minderwertiger Weine geopfert werden. Dieses Marktsegment kann wohl auch in naher Zukunft noch von anderen Regionen kostengünstiger bedient werden.

 

Lage- und Sorteneignung, Umstellung oder Neupflanzung?, Drahtrahmen

Lage/Boden

Zunächst steht außer Zweifel, dass es sich um Direktzuglagen handeln sollte, da zumindest an der maschinellen Ernte kein Weg vorbei führt. Die verzögerte phänologische Entwicklung erfordert mindestens durchschnittliche Lagen bezogen auf die jeweilige Sorte, um auch in qualitätsschwachen Jahren eine ausreichende Reife von Trauben und Holz zu erzielen. Wenn auch leichte Spätfrostschäden wegen des ungleichen Austriebs zu vergleichbar geringeren Ernteverlusten führen, so scheiden ausgeprägte Frostlagen wegen längerem Ertragsausfall und hohem Aufwand für den Neuaufbau nach starken Winterfrösten mit Holzschäden wohl aus. Erwähnenswert ist auch die geringere Schadensquote bei Hagelschlag.

Wuchsschwächere Standorte mit geringen Niederschlägen dürften in Verbindung mit Zusatzbewässerung besser geeignet sein als zu tiefgründige, wuchskräftige Böden mit der Gefahr des zu üppigen Wachstums, Übererträgen und Qualitätsmängeln. Nach Erfahrungen mehrerer Versuchsansteller sowie eigenen Beobachtungen scheint die MSE trotz der frühzeitigen Entwicklung großer Laubflächen - siehe Abb. 1 - und damit zunächst höherer Verdunstung nicht trockenstressempfindlicher zu sein als die herkömmliche Normalerziehung (NE). Inwieweit hier ein anderes Wurzelsystem oder der ab ca.2 Wochen nach der Blüte nur noch minimale Laubzuwachs verantwortlich sind, muss zunächst offen bleiben. Zumindest kann davon ausgegangen werden, dass der relativ große Anteil 'alter' Blätter bei der MSE zu effizienterem und somit sparsamem Wasserverbrauch - bezogen auf die Stoffbildung - beiträgt.

 

Abb. 1: Laubflächenbildung am 22. 5. 2003 bei Minimalschnitt, unten rechts und Normalerziehung, oben links

 

Eine eventuelle Bewässerung auf Trockenstandorten oder in entsprechenden Jahren sollte sich wie bei NE ebenfalls auf das unbedingt nötige beschränken. Wird zuviel bewässert und damit die Vitalität stark gefördert, kann dies im Folgejahr wegen der enorm verbesserten Holzreife und Fruchtbarkeit zu Übererträgen führen - siehe Abb. 2, Lemberger 2004 nach Überkronenberegnung im Jahr 2003.

 

 

 

 

Sorteneignung

Sorten, die mit der Ausbildung kleinbeeriger lockerer Trauben reagieren, wie zum Beispiel der Riesling, Müller-Thurgau oder auch der Lemberger sind am besten geeignet. Hier ist auch eine bessere Selbstregulation des Ertrages gegeben. Dagegen scheiden Silvaner sowie alle Burgunderarten - zumindest was die Klone mit kompakten Trauben angeht - nahezu aus. Die natürliche Selbstregulation ist bei diesen Sorten geringer, was gerne zu Übererträgen und Qualitätsmängeln führt. Hauptproblem bei Sorten mit kompakten Trauben dürften jedoch die höhere Fäulnisanfälligkeit einschließlich der Essigfäule sein.

 

Bei schwachem Wuchs kam es bei unseren Versuchen mit dem Schwarzriesling zwar zu kleineren, nicht jedoch lockerbeerigen Trauben. Unter diesen Bedingungen war das Blatt/Fruchtverhältnis sehr ungünstig und die Qualität entsprechend unbefriedigend.

 

Ganz allgemein dürften unter unseren Klimabedingungen Weißweinsorten eher geeignet sein. Die spätere Reife bei kühleren Temperaturen führt zu fruchtigeren, duftigeren Weinen mit ansprechender Säure. Gerade der Riesling scheint nach bisherigen Erfahrungen besonders gut geeignet zu sein. Bei Rotweinsorten besteht besonders bei etwas stärkerem Wuchs die Gefahr mangelnder Farb- und Phenolbildung.

 

Umstellung alter Anlagen oder Neuanpflanzung?

In den meisten Fällen wurden sowohl im Versuch als auch in den Praxisbetrieben ältere Anlagen durch Rodung jeder zweiten Zeile und Drahtrahmenanpassung umgestellt. Vorteil älterer Anlagen ist dabei die meist geringere Wuchskraft, was diesem System mit seiner Gefahr der Laubglockenbildung entgegen kommt. Auch die höhere Stressfestigkeit älterer Anlagen ist als Vorteil zu nennen. Hauptvorteil dürfte die verlängerte Nutzungsdauer älterer Anlagen sein. Kann eine zwanzig bis fünfundzwanzigjährige Anlage mit zu schmaler Zeilung bei noch  ordentlichem Zustand der Unterstützungsanlage mit vertretbarem Aufwand umgestellt und danach mit minimalem Aufwand noch acht bis zehn Jahre bewirtschaftet werden, so kann dies eine echte Alternative zur Rodung darstellen. Eigene positive Erfahrungen liegen hierbei zu der Sorte Lemberger vor.

 

Bei der Neuanpflanzung sind Gassenbreiten ab 3 m bei Stockabständen von 70-90 cm sinnvoll. Die 'Hinführung' in das MSE-System muss hierbei wuchsangepasst erfolgen. Aufgrund eigener Erfahrungen ist dabei kein plötzlicher Übergang von geringer zu sehr hoher Stockbelastung/Anschnittlänge sinnvoll, sondern je nach Vitalität ein stufenweiser Übergang durch weniger starken Rückschnitt bis etwa zum dritten Standjahr. Über- und vor allem Unterbelastung ergibt Ungleichgewichte zwischen vegetativer und generativer Leistung und ist gleichermaßen ungünstig.

 

Drahtrahmen

Beim Drahtrahmen muss vor allem auf gute Tragfähigkeit und Stabilität geachtet werden. Engere Stickelabstände, genügende Einschlagtiefen, verstärkte Verankerungen sowie besonders in der oberen Drahtstation dickere Drähte bzw. Drahtpaare sind unabdinglich. Der untere Draht sollte wegen ausreichender Bodenfreiheit bei 1,1-1,2 m angeordnet sein, der obere bei ca. 2 m. Dazwischen sind 1-2 Stabilisierungsdrähte von Vorteil. In unseren Versuchen wurden die Ruten beim Aufbau der Erziehung nicht nur um den oberen Draht gewickelt, sondern je nach Länge auch um die Stabilisierungsdrähte. - siehe Abb. 3.

Dadurch entstanden mehrere Etagen mit jeweiligem Saftstau bei zunächst über die gesamte Höhe gleichmäßigerer Triebentwicklung.

 

Abb. 3. Aufbau der Minimalschnitterziehung mit Etagen im 2. Jahr nach der Umstellung

 

 

 

Kulturführung

Bodenpflege, N-Düngung

Der Bodenpflege wie auch der N-Düngung kommt im Hinblick auf eine systemangepasste Wuchsstärke eine Schlüsselrolle zu. Grundsätzlich ist eher schwächerer als zu starker Wuchs erstrebenswert um Glockenbildung wie auch Übererträgen vorzubeugen. Systemangepasstes - eher schwächeres - über den Gesamtbestand vor allem gleichmäßig harmonisches Wachstum ist wichtiger als bei herkömmlicher Erziehung, da kaum Korrekturen z.B. durch Laubarbeiten möglich sind. Von wenigen Ausnahmen abgesehen bietet sich deshalb das Bodenpflegesystem Dauerbegrünung an. Hier kann nötigenfalls durch mehr oder weniger starke Eingriffe in das System Boden ein gezielter Effekt in Richtung Wuchsförderung erreicht werden. In unseren Versuchen wurde u.a. durch späten Eingriff Ende Juli/Anfang August sowohl eine bessere Wasser- und N-Verfügbarkeit zur Reifezeit der Trauben als auch eine verbesserte Reservestoffeinlagerung und damit wie erhofft eine Vitalitätssteigerung im Folgejahr erzielt. Witterungs- und jahrgangsbedingt (2002) kam es dabei auch teils zu übermäßiger Wuchsförderung mit der Folge größeren Bodentraubenanteils. Deshalb muss mit äußerster Zurückhaltung vorgegangen werden. Gleiches trifft auch für die Stickstoffdüngung zu. Keinesfalls sind höhere sondern eher geringere Gaben als bei NE angebracht. Versuche mittels Wurzelschnitt übermäßiges Wachstum zu dämpfen, hatten - trotz Arbeitstiefen von 40-50 cm, beidseitiger Arbeitsweise sowie Messerführung im Abstand von lediglich 30 cm neben der Wurzelstange - keinen sichtbaren Erfolg. Spätere Wurzelausgrabungen bei der Rodung zeigten dann auch deutlich, dass lediglich maximal ein Drittel der Hauptwurzeln eingekürzt wurden.

 

Probleme mit untypischem Alterungston im Wein traten in unseren Versuchen mit Riesling trotz des sehr verhaltenen Wuchses und offensichtlich gestressten Reben nicht auf. Dies dürfte durch den in der Regel wesentlich späteren Lesetermin bedingt sein.

 

Laubschnitt, Rückschnitt

Generell wurde in unseren seit 2000 laufenden Versuchen sowohl auf Laubschnitt als auch auf Rückschnitt im Winter verzichtet. Lediglich bei der zu starkwüchsigen Schwarzrieslingsanlage erfolgte jeweils unmittelbar vor der Lese ein Rückschnitt zu tief hängender Triebe, um den Erntevorgang zu erleichtern. Bei Riesling und Lemberger wurden vereinzelt zu tief hängende Triebe samt Trauben etwa zum Reifebeginn mit der Heckenschere entfernt.

 

Kommt es bei Nord-Süd-Zeilung auf Dauer zu übermäßiger Asymmetrie der Laubwand - Schräglage nach Osten - so bietet es sich an auf der Ostseite mehr weg zu nehmen als auf der Westseite. Messerbalkenlaubschneider sind dafür auch im unbelaubten Zustand durchaus geeignet. Der 'Rückschnitt' kurz nach der Lese dürfte sich wegen des zu diesem Zeitpunkt noch weicheren Holzes anbieten. Bei starkem Wuchs sollte jedoch auf keinen Fall zurückgeschnitten werden. Schwächeres Wachstum bietet sich dagegen eher an und birgt die Chance das physiologische Gleichgewicht zwischen Wuchs und Ertrag zu verbessern. Hier kann auch etwas mehr als nur der periphere Bereich zurückgenommen werden. Inwieweit sich ein leichter Rückschnitt auch nach besonders ertragsschwachen Jahren anbietet, um Übererträgen im Folgejahr vorzubeugen, müssen weitere Versuche zeigen.

 

Pflanzenschutz

Der Pflanzenschutz erfordert - entgegen den Erwartungen - keine besonderen Aufwendungen. Wegen der raschen Blattflächenentwicklung muss jedoch von Beginn an mit erhöhter Mittel- und Wassermenge gearbeitet und jede Gasse gefahren werden. Im Sommer war in Folge des nur sehr geringen Laubzuwachses eine wesentlich geringere Peronosporaanfälligkeit zu verzeichnen. Probleme mit Oidium, Schwarzfleckenkrankheit wie auch tierischen Schädlingen traten bei den im Versuch stehenden Sorten Riesling, Lemberger und Schwarzriesling nicht auf. Dies traf mit Ausnahme des Schwarzrieslings auch für Botrytis zu. Bei letzterem trat wuchsbedingt sowie wegen der kompakten Trauben regelmäßig frühzeitig starker Botrytis- und vielfach auch Essigfäulebefall auf

 

Lesetermin

Bei Lemberger und Riesling war - bedingt durch die lockeren Trauben (Abb. 4) und damit besseren Gesundheitszustand - im Vergleich zur NE ein wesentlich späterer Lesetermin möglich. Ausnahme war das Jahr 2006, bei dem der Riesling auch bei MSE fäulnisbedingt relativ früh gelesen werden musste. Die hohen Niederschläge Anfang Oktober führten hier bei der Mehrzahl der Beeren zum 'Platzen' der Beerenhäute.

 

Abb. 4: Der Riesling entwickelt bei Minimalschnitt kleinbeerige, lockere Trauben

 

Vorteil des späteren Lesetermins war unter anderem auch die deutlich verbesserte physiologische Reife von Trauben und Rebstock. Die NE musste dagegen vielfach wegen der kompakten Trauben und stärkerer Fäulnis bereits deutlich vor dem Erreichen der physiologischen Reife gelesen werden. Wegen der verzögerten Reife ist ein späterer Lesetermin nicht nur möglich, sondern auch nötig um ausreichende Mostgewichte und harmonische Säuren zu erzielen. Auch vor diesem Hintergrund bietet es sich an bessere Lagen für die MSE auszuwählen, um in der Reifephase ein ausreichendes Energieangebot zu sichern. Der Klimawandel mit der Folge früheren Reifebeginns, höheren Energieangebotes in der Reifephase sowie späterem Vegetationsabschluss ist gerade für das MSE-System als Vorteil zu sehen beziehungsweise macht dieses System auch bei uns praktikabel. Die Reifung bei niedrigeren Temperaturen kommt gerade dem Rieslingtyp mit seinen ausgeprägten Fruchtaromen sehr zugute. Aus kellerwirtschaftlicher Sicht dürfte die spätere Lese bei niedrigeren Traubentemperaturen gerade in warmen Herbsten ein Vorteil sein.

 

Ertragssteuerung

Die Hoffnung auf eine weitgehende Selbstregulierung ist unter unseren wechselfeuchten Bedingungen nicht ausreichend in Erfüllung gegangen. Über die Steuerung der Vitalität durch Bodenpflege und N-Düngung, gegebenenfalls leichten Rückschnitt oder auch mehr oder weniger hohe Wassergabe auf Trockenstandorten, bestehen nur sehr begrenzte Möglichkeiten. Wie aus Abb. 2 ersichtlich ist, erbrachte der Riesling in Verbindung mit sehr später und geringer Wassergabe im Jahr 2003 noch über 160 kg/a. Stressbedingt fiel der Ertrag im Folgejahr auf ca. 80 kg/a ab und lag unter dem der NE. Die wohl durch den geringen Ertrag geförderte Reservestoffeinlagerung ließ die Ertragsleistung im Folgejahr auf über 200 kg/a ansteigen. Nachdem die Schwankungen wesentlich größer sind als bei NE, gilt es dies in den 'Griff' zu bekommen. Durch Gibberellinanwendung kurz nach der Blüte wurde deshalb im letzten Jahr versucht, den Gescheinsansatz und damit das Ertragspotential für das Folgejahr zu mindern. Inwieweit dies mehrjährig zu positiven Ergebnissen führt, und ob dies eine rechtliche Zulassung erhält, muss die Zukunft zeigen. Seit neuerem wird in verschiedenen Versuchen wie auch Praxisbetrieben die maschinelle Ertragsregulierung geprüft. Erste positive Ergebnisse liegen vor und eröffnen somit weitere Möglichkeiten der Kulturführung.

 

Bei der in unserem Versuch nunmehr dreißigjährigen Lembergeranlage wurde nach 'ausgeglichenen' Erträgen in den ersten beiden Jahren im Jahr 2003 in Verbindung mit Überkronenberegnung mit 150 kg/a ein relativ hoher Ertrag bei noch ausreichenden Mostgewichten erzielt - siehe Abb. 2. Die Vitalitätssteigerung sowie die wohl recht hohe Resrvestoffeinlagerung führte im Folgejahr zu einem extrem hohen Ertrag von 200 kg/a bei einem Mostgewicht von lediglich 70°Oe. Demnach ist selbst bei dieser alten Rebanlage die natürliche Selbstregulation unbefriedigend bzw. darf auch die Nachwirkung von Kulturmaßnahmen, wie beispielsweise die einer kräftigen Bewässerung, nicht außer Acht gelassen werden. Bei Schwarzriesling war dies ähnlich. Trotz jahrgangs - und ertragsbedingt schlechter Holzreife lag in allen Fällen ausreichende Winterfrostfestigkeit als auch Austriebspotential sowie Gescheinsansatz vor.

 

Ernteergebnisse

Riesling

Bei dieser Sorte wurden bei teils beachtlichen Jahrgangsschwankungen im Mittel bei MSE um ca. 20 kg/a höhere Erträge erzielt als bei NE - siehe Abb. 5. Im Mostgewicht liegt die MSE im Mittel von sieben Jahren bei 78,1 Oe, die NE bei 86,4°Oe. Die Säuren unterscheiden sich, bedingt durch den späten Lesetermin, mit 8.8 zu 8,9 g/l nur minimal. Mit dem schlechtesten Mostgewicht des Jahrganges 2004 von 71°Oe liegt in dieser mittleren Rieslinglage ein für Riesling in allen Jahren ausreichendes Mostgewicht für Basisqualitäten vor.

 

Lemberger

Auch bei dieser Sorte und Umstellung auf MSE nach fünfundzwanzigjähriger Standzeit übertrifft die MSE die NE deutlich im Ertrag - siehe Abb. 5. Das Mostgewicht unterscheidet sich um 9°Oe zugunsten der NE, während sich die Säure immerhin um 0,7 g/l unterscheidet. Mit 70°Oe in der MSE-Parzelle lag im Jahr 2004 ein für Lemberger grenzwertiger Reifegrad vor.

 

Abbildung 5

 

Schwarzriesling

Die im zwölften Standjahr auf MSE umgestellte Schwarzrieslinganlage auf der Unterlage 5BB  und tiefgründigem Boden erbrachte mit 160 kg/a im Mittel der Jahre ebenfalls vergleichsweise höhere Erträge als die NE. Im Mostgewicht betrug der Unterschied 12°Oe. zugunsten der NE. Die Ertragsschwankungen waren hier besonders groß. Versuche mittels Gibberellinanwendung den Behang zu steuern verliefen trotz erhöhter Aufwandmengen und teilweise zweimaliger Ausbringung bei guter Applikationsqualität absolut nicht zufriedenstellend. Trotz ganzflächiger Dauerbegrünung und mehrjähriger Nulldüngung bei Stickstoff kam es zu Laubglockenbildung, sehr kompakten Trauben und in der Folge starkem Botrytis- und vielfach auch Essigfäulebefall - siehe Abb. 6. In der Mehrzahl der Jahre war deshalb das Erntegut, unter anderem auch wegen mangelnder Farbstoffgehalte, für die Rotweinbereitung nicht geeignet. Der Schwarzriesling reagiert im Gegensatz zu Riesling und Lemberger bei Minimalschnitt selbst bei schwächerem Wuchs kaum in Richtung lockerbeeriger Trauben. Die Sorte muss deshalb derzeit unter den gegebenen Bedingungen des vorhandenen Klonenmaterials mit ausschließlich kompakten Trauben als für diese Erziehung nicht geeignet eingestuft werden.

Der Versuch wurde deshalb abgebrochen und der Bestand gerodet.

 

Abb. 6: Schwarzriesling wies bei Minimalschnitt wegen seiner kompakten Trauben häufig starken Botrytis- sowie Essigfäulebefall auf

 

Weinbewertung

Riesling

Wie aus Abb. 7 hervorgeht, wurden die Weine im Mittel der Jahre 2003 bis 2005 - was die Rangfolge angeht - zumindest gleichwertig eingestuft. In den für Riesling sortentypischen Attributen Zitrone und Apfel/Pfirsich liegen bei MSE bessere Bewertungen vor. Dies deckt sich mit den Ergebnissen anderer Versuchsansteller. Überraschend ist die gegenüber der NE bessere Einstufung der Nachhaltigkeit. In den Jahren 2000 bis 2002 war dies eher umgekehrt. Auch im Mittel aller Jahre ergibt sich bei MSE eine Rangfolge von 1,51 gegenüber 1,49 bei NE, was auf den Wein bezogen Gleichwertigkeit bedeutet. Die höhere Einstufung bei den sortentypischen Attributen des Rieslings spricht eher für die MSE, da gerade der leichtere duftigere Wein 'im Kommen' ist. Nachdem jugendliche Frische und Duftigkeit erfahrungsgemäß längerfristig nachlässt, versteht es sich von selbst, dass die Weine jung getrunken werden sollten.

 

Abbildung 7

 

Lemberger

Auch bei dieser Sorte liegt die MSE in der Weinbewertung mit Rang 1,56 im Mittel von 2002 bis 2005 überraschenderweise ebenfalls relativ nahe derjenigen aus der NE mit 1,44. Aufgrund der starken Ertragsschwankungen variierte die Einstufung der Weine aus der MSE von Jahr zu Jahr stärker als bei Riesling. Nachhaltigkeit, Farb- und Phenolgehalte ließen dabei - auch was die analytischen Daten angeht - gegenüber NE teils jedoch zu wünschen übrig, obwohl der relativ schwache Wuchs bei MSE weitgehend eine gute Traubenbelichtung ermöglichte - siehe Abb. 8. Wenn auch die Einstufung der Rangfolge langjährig nahezu gleichauf liegt, so ist bei Rotwein, wie zu erwarten, doch ein gewisses Manko bei Farb- und Phenolwerten gegeben. Dies zeigt eine Schwachstelle des Systems unter unseren Klimabedingungen in Verbindung mit Rotwein auf. Daraus kann unter anderem gefolgert werden, dass gerade in Verbindung mit Rotweinsorten ganz besonders auf begrenzten Wuchs bei guter Traubenbelichtung zu achten ist.

 

Abb. 8: Harmonischer Wuchs in umgestellter 30-jähriger Lembergeranlage ermöglichte selbst  bei Minimalschnitt gute Traubenbelichtung

 

Fazit

Die Minimalschnitterziehung kann mitbedingt durch die Klimaänderung nicht mehr mit Bausch und Bogen als ungeeignet abgetan werden. Im Gegenteil. Zumindest für Riesling eröffnen sich Chancen den seitherigen leichten fruchtigen Typ trotz Klimawandels weiterhin zu erhalten. Mittlere Rieslinglagen sollten jedoch die Grundlage sein um in weniger guten Jahren noch ausreichende Qualitäten zu erzielen. Bei einem Arbeitsaufwand von 50-70 h/ha liegen die Erträge bei beachtlichen Schwankungen im Mittel sogar über denjenigen der Normalerziehung. Die Weine wurden bei unseren Versuchen mit Riesling und Lemberger trotz deutlich geringerem Mostgewicht als gleichwertig eingestuft. Ein gewisses Problem bezüglich der qualitätsgerechten Bezahlung dürfte zumindest bei Genossenschaften bestehen, da die Mostgewichte hier ein dominantes Kriterium darstellen. Die Sorte Schwarzriesling mit ihren kompakten Trauben und hoher Botrytisanfälligkeit kann aufgrund unserer Erfahrungen trotz ihrer frühen Reife als nicht geeignet eingestuft werden.

 

Für die Praxis bietet die Umstellung älterer Bestände mit noch ausreichend stabiler Unterstützungsvorrichtung eine echte Alternative zur Rodung, sofern es sich um brauchbare Sorten und Lagen handelt. Inwieweit sich das Problem Ertragssteuerung durch maschinelle Ertragsregulierung lösen lässt müssen weitere Versuche zeigen.

 

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