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Erste Ergebnisse zur Minimalschnitterziehung
aus Württemberg

R. Fox und P. Steinbrenner
LVWO Weinsberg

Der internationale Weinmarkt Deutschland führt nicht nur zu steigender Konkurrenz bezüglich Qualität, sondern auch zu enormem Preisdruck. Werden z. B. in Australien mit geringstem Aufwand erzeugte Weine mit hohem Qualitätsniveau bei uns zu Preisen unter 5 € angeboten, muss dies hellhörig machen. Es gilt, nach weiteren Rationalisierungsmöglichkeiten im Anbau zu suchen, um konkurrenzfähig zu bleiben. Bei dieser Entwicklung kann auch die Prüfung neuer Erziehungssysteme kein Tabu bleiben. Inwieweit es uns unter hiesigen klimatischen Bedingungen gelingt, Minimalschnittsysteme, wie sie in Australien und teils in Nordamerika unter den dortigen sommertrockenen Klimaverhältnissen praktiziert werden, in eine harmonische Entwicklung zu bringen, können nur langjährige Versuche aufzeigen. „Konzessionen" bezüglich Weinqualität dürfen hierbei sicher nur insoweit gemacht werden, als es gesichert ist, dauerhaft „ordentliche" Qualitäten zu erzielen. Eine möglichst kostengünstige Produktion minderwertiger Weine unter unseren Kostenverhältnissen ist dagegen abzulehnen, da in diesem Marktsegment andere Regionen mit Sicherheit noch günstiger produzieren können.

Aufbau und Charakteristika von Minimalschnittsystem

Wie aus den Abbildungen 1 bis 3 hervorgeht, handelt es sich um eine Art Hecke, die längerfristig lediglich im peripheren Bereich austreibt und fruchtet. Im Frühjahr entstehen rasch hohe Blattflächen, die im Sommer bei stagnierendem Wachstum kaum noch zunehmen. Die vielen kurzen Triebe tragen kleinere, je nach Sorte recht lockere Trauben. Die Steuerung von Ertrag und Qualität erfolgt in den Ursprungsregionen mittels gezielter Tropfbewässerung. Dies ist wegen der relativ hohen, natürlichen Niederschläge bei uns ungleich schwieriger. Als Risiken von Minimalschnittsystemen wird deshalb auch von S c h w a b (1) die Gefahr zu hoher Erträge sowie die fehlende Möglichkeit der direkten Ertragsregulierung angeführt.

Abbildung1: Minimalschnitterziehung Pflanzabstand 3,2 - 3,5 m x 0,7 - 1,2 m

In trockenen, heißen Gebieten Nordamerikas/Australiens bei 50 - 70 Akh/ha

Der maschinelle Schnitt erfolgt lediglich im peripheren Bereich der Hecke im Winter oder besser  kurz vor der Lese

Die Steuerung von Ertrag und Qualität erfolgt durch unterschiedliche Wasserregime und auch den Lesetermin

Es entstehen im Frühjahr rasch geschlossene Laubwände mit vielen kurzen Trieben.

Die Beeren bleiben extrem klein und erlauben bei guter Belichtung eine hohe Farb-, Phenol- und Aromaausbeute

Die Ernte muss maschinell erfolgen.

Unter unseren Klimabedingungen erreichen die Reben deutlich später ihre physiologische Reife.

 

Abbildung 2: Recht gleichmäßiger Austrieb der in den Drahtrahmen eingeflochtenen Triebe

 

Abbildung 3: In den ersten beiden Jahren nach der Umstellung wurden längere Triebe in die Drähte/Etagen eingeflochten

Abbildung 4 beschreibt in Kurzform die charakteristischen Punkte bei Minimalschnitt-Erziehung. Hierbei sind die positiven Aspekte mit einem Plus (+) gekennzeichnet - z. B. günstiges Beerenhaut-/ zu Beerenvolumenverhältnis. Dass dieses System, gerade was die Traubenstruktur angeht, auch erhebliche Vorteile gegenüber den seitherigen Erziehungen haben kann, haben die vergangenen drei Jahre mit ihrer erheblichen Botrytisproblematik aufgezeigt. So war der Botrytisbefall beispielsweise bei Riesling in Verbindung mit Minimalschnitt wesentlich geringer als bei Normalerziehung und erlaubte einen deutlich späteren Lesetermin. Auch die enorm ökonomischen Vorteile sowie der geringe Energiebedarf dieser Systeme sind wesentliche, positive Kriterien.

Problematische Aspekte, wie der höhere Wasserbedarf, sind mit Minus (-) gekennzeichnet. Gerade in dieser Hinsicht sind noch mehrere Versuchsjahre erforderlich, um die Grenzen von Trockenstress, Ertragshöhe, Reservestoffhaushalt und insbesondere die Auswirkung auf die Weinqualität zu erforschen.

Die in Abbildung 4 mit Null (o) gekennzeichneten Aspekte können als neutral, die mit Fragezeichen dagegen als offene Fragen angesehen werden. Insbesondere auch, was die Sortenfrage sowie den Anspruch an die Traubenverarbeitung angeht. Zentrale Fragestellung ist die Steuerung von Wuchs, Ertrag und Qualität unter unseren recht wechselnden Jahrgangsbedingungen. Im Hinblick auf befriedigende Mostgewichte ist dabei auch von Anfang an klar, dass bei diesen Systemen mit ihrer verzögerten phänologischen Entwicklung bei Blüte und Reife klimatische Grenzlagen ausscheiden.

Abbildung 4: Charakteristische Punkte von Minimalschnittsystemen

+

schnelle Blattflächenentwicklung und damit hohe Assimilationsleistung bereits im Frühjahr

-

hohe Blattfläche = hoher Wasserverbrauch, stärkere Neigung zu Trockenstress (UTA bei Weißwein?)

+

lockere- und kleinbeerige Trauben (sortenabhängig)

o

sehr viele kleine Trauben über die ganze Laubwand verteilt

o

Vollerntereinsatz erforderlich, Unterstützung anpassen

+

geringere Botrytisanfälligkeit, extrem späte Lese möglich/nötig

-

Penetration von Pflanzenschutzmitteln in die Laubwand ist reduziert, frühzeitig große Zielfläche (angepasste Mittelmenge)

+

günstiges Beerenhaut-/ : Beerenvolumenverhältnis (Aroma, Phenole, Farbstoffe), anderer Weintyp

-

Übererträge in den Anfangsjahren können zu erheblichen Qualitätsmängeln führen

-

Ertragssteuerung sowie Abschätzung sehr schwierig

Drahtrahmen/Formierung

In unseren seitherigen Versuchen wurden bestehende Anlagen umgestaltet, indem jede 2. Zeile gerodet - die Holzpfähle gegen 3 m lange Stahlpfähle ausgetauscht - und die Drähte ergänzt wurden. Abbildung 5 zeigt am Beispiel des Rieslings die praktizierte Anordnung auf. Hierbei sind wegen der enormen Belastung des Drahtrahmens geringe Pfahlabstände (ca. 3,5 m), ausreichende Einschlagtiefe (mindestens 80 cm) sowie stabile Drähte, zumindest in der oberen Station (3,1 mm) äußerst wichtig. Die Bodenfreiheit von etwa 1 m bis zum ersten Draht, auf dem der alte Bogen aufgelegt wird, ist wegen der späteren maschinellen Ernte ebenfalls mindestens einzuhalten. Die obere Höhe des Drahtrahmens wird durch die „lichte Weite" der Erntemaschine vorgegeben und sollte wegen des natürlichen „Aufbaues an Altholz" über den Drahtrahmen hinaus nicht mehr als ca. 2,10 m betragen.

Abbbildung 5: Minimalschnitt/Drahtrahmen

Weinsberg Ranzenberg Riesling, verschiedene Unterlagen, Pflanzjahr 1993, Umstellung 2000, mittlerer bis starker Wuchs, Gassenbreite 4 m, Stockabstand 1,25 m

Drahtrahmen:
Biegdraht         1,0 m (3,1 mm)         West
Einzeldraht       1,4 m (2,2 mm alt)    West
Einzeldraht       1,8 m (2,2 mm alt)    Ost
Einzeldraht       2,1 m (3,1 mm)         Ost

Alten, unteren Biegdraht bei 0,7 m belassen. Stämme sind hier angebunden, eventuell um Tropfbewässerung befestigen zu können

Stahlstickel 3 m, ca. 85 cm im Boden

Formierung:
Alten Schrägbogen auf Biegdraht (1,0 m) aufgelegt. Bei 1,4 m einjährige Triebe teilweise an Draht entlang geführt (Saftstau), 2. Etage. Bei 1,8 m ebenfalls vereinzelt Triebe entlang geführt/gewickelt. Folgejahr nochmals Triebe an Drähten - auch oberer Etage - entlang geführt

Wie aus Abbildung 2 und 3 ersichtlich, haben wir das einjährige Holz im ersten Jahr der Umstellung in den Drahtrahmen "eingeflochten". Dies sollte zu gewisser Etagenbildung und Saftstau führen und somit einen gleichmäßigen Austrieb und Wuchs unterstützen. Auch im 2. Jahr wurden nochmals gezielt längere Triebe am oberen Draht oder in „Lücken" der Laubwand/Hecke entlang geführt, um gleichmäßige, geschlossene Laubwände/Hecken zu erzielen. Lücken oder nicht ausreichend eingeflochtene einjährige Triebe in der Hecke führen nicht nur dazu, dass ganze Bereiche im Spätsommer/Herbst in Folge ihres Gewichtes aus dem Drahtrahmen "herausrutschen", sondern auch zu Problemen beim Erntevorgang. Löcher in der "Hecke" führten bei uns, gerade beim Erntevorgang, gern zum Zusammenschieben der Triebe in Fahrtrichtung und damit Vergrößerung der "Löcher". Gleichmäßige Hecken/Laubwände ermöglichen eine bessere Einstellung des Ernters auf das System und damit eine geringst mögliche "Trennenergie".

Versuchsparzellen und Sorten

Nachdem im württembergischen Weinbau die Sorte Schwarzriesling, aber auch der Riesling meist in direktzuggängigen Parzellen steht, bot es sich an, hier Versuche anzulegen. Nach einem Tastversuch aus den Jahren 1997 bis 2000 in einer ehemaligen Lenz-Moser-Zeile - Pflanzjahr 1976 - bei Riesling, wurde im Jahr 2000 eine 8-jährige Anlage mit 3 verschiedenen Unterlagen auf Minimalschnitt (MS) umgestellt. Die Lage kann von der Klimagunst her als gute Rieslinglage eingestuft werden. Der Boden besteht aus tiefgründigem, tonreichem Gipskeuper mit hohem Todwasseranteil. Die Bewirtschaftung erfolgte teils mit ganzflächiger, permanenter Dauerbegrünung sowie in anderen Teilbereichen mittels Eingriff in die Begrünung, um unterschiedliche Vitalitätsstufen zu provozieren.

Bei Schwarzriesling erfolgte die Umstellung in einer 13-jährigen Anlage auf der Unterlage 5BB und tiefgründigem Boden mit hohem Lössanteil und hohem Wasserspeichervermögen. Beide Anlage waren auf 2 m Gassenbreite und 1,25 m bzw. 1,3 m Stockabstand ausgezeilt. Durch Rodung jeder 2. Gasse entstanden Zeilenbreiten von 4 m.

Im Jahr 2001 wurde zusätzlich eine 25-jährige Parzelle der Sorte Lemberger, der pflanzenphysiologisch bezüglich Traubenaufbau ähnlich wie Riesling reagiert, auf MS umgestellt. Hier ergab sich eine Zeilenbreite von 3,6 m bei 1,4 m Stockabstand.

In der Erwartung gesteigerten Wachstums nach Umstellung wurde in allen Parzellen von Anfang an mittels Dauerbegrünung und gezügelter Stickstoffdüngung versucht, ein harmonisches Wachstum herbeizuführen. Dies ist mit Ausnahme von Schwarzriesling bisher auch nahezu optimal gelungen. Das starke Wachstum der Schwarzrieslingparzelle - Abbildung 6- verursachte gerade in Verbindung mit den „frühen, feuchten Herbsten" der vergangenen 3 Jahre erhebliche Probleme mit der Traubengesundheit. Durch Wurzelschnitt mittels eines Parapfluges nach der diesjährigen Lese wird versucht, eine Zügelung des Wachstums herbeizuführen.

Abbildung 6: Geschlossen, jedoch zu dichte Laubwand bei Schwarzriesling im 3. Jahr nach der Umstellung

Leistungsdaten und Beobachtungen

Riesling

Wie aus Abbildung 7 ersichtlich, konnte in der 25-jährigen Rieslinganlage im 4. Jahr nach der Umstellung bei harmonischer Wuchsentwicklung und angepasstem Lesetermin eine nahezu gleiche Ertrags- und Qualitätsleistung wie bei herkömmlicher Erziehung erzielt werden.

Abbildung 7: Minimalschnitt (MS), Schemelsberg Riesling, 1976 gepflanzt als LM, 1997 umgestellt 

 

Lesetermin

kg/a

°Oe

g Säure/l

2000
4. Jahr

Vergleich 1

05.10.

127,8

83,5

9,0

Vergleich 2

05.10.

141,7

80,8

9,3

MS

26.10.

142,4

80,5

8,0

Vergleich 1 = 6 Augen/m² plus Entblätterung und Ausdünnung, Halbbogen
Vergleich 2 = 8 Augen/m², Pendelbogen 

Die Leistungsdaten der 2000 umgestellten Anlage gehen aus Abbildung 8 hervor. Erträge, Mostgewichte und Säuren unterscheiden sich nur relativ wenig und bewegen sich bei beiden Erziehungen auf einem „jahrgangsgeprägten" Niveau. Anders sieht es mit dem Gesundheitszustand/Botrytisbefall und dem daraus folgenden Lesetermin aus. So konnte die Parzelle MS in allen Jahren gegenüber dem Vergleich mit Schrägbogen erheblich später gelesen werden. Die kleinbeerigen, sehr lockeren Trauben waren weit in den Herbst hinein gesund und „faulten" erst kurz vor der Ernte. Gegenüber der Normalerziehung ist mit einer zeitlich erheblich verzögerten physiologischen Reife von Traube und Rebstock zu rechnen. Starke Stürme kurz vor der Lese im Jahr 2002 verursachten bei MS immerhin etwa 30 kg /a Bodentrauben, in dem viele, schwache Triebe samt Trauben einfach abbrachen.

Der in dieser Parzelle teils praktizierte Eingriff in die Begrünung mit der Folge stärkeren Wuchses führte jedoch dort auch prompt zu gewissem Anteil an Stiellähme im Jahr 2001.

Abbildung 8: Minimalschnitt (MS); Ranzenberg Riesling, 4 m Gassenbreite, 1993 gepflanzt, 2000 auf MS umgestellt, verschiedene Unterlagen

 

Lesetermin

kg/a

°Oe

g Säure/l

2000
1. Jahr

Vergleich SB

07.10.

159,8

88,3

9,5

MS

17.10.

173,1

80,4

10,1

2001
2. Jahr

Vergleich SB

19.10.*

138,3

84,9

9,7

MS

30.10.**

123,8

82,5

9,7

2002
3. Jahr

Vergleich SB

09.10.

181,2

78,6

10,8

MS

23.10.

206,0

77,6

10,0

* Vergleich am 01.10. vorgelesen (69,3 kg/a), 19.10. bereits erneut "alles" faul (68,9 kg/a)
** Bei Lese ca. 30% faul sowie etwas Stiellähme und Bodentrauben
2002 in SB bereits am 30.09. Vorlese nötig (52,7 kg/a), Lese 09.10. wegen Fäulnis
2002 in MS 30,7 kg/a Bodentrauben nach Sturm. Diese sind im Gesamtbetrag einbezogen.

Schwarzriesling

Im Gegensatz zum Riesling liegen in der sehr wüchsigen Schwarzrieslinganlage - Abbildung 9 - bei MS im ersten Jahr nach der Umstellung extrem hohe Erträge bei erheblich geringeren Mostgewichten vor. In den Jahren 2001 und 2002 wurde etwa Ertragsgleichheit bzw. sogar ein geringerer Ertrag bei jeweils deutlich geringeren Mostgewichten erzielt. In allen 3 Jahren waren zwar kleinere, aber dennoch recht kompakte Trauben zu verzeichnen, die witterungsbedingt sowie bedingt durch die starke Verdichtung und Glockenbildung frühzeitig zu faulen begannen und im Jahr 2000 auch erheblichen Essigfäulebefall aufwiesen. Lediglich im Jahr 2002 konnte die Lese hier bei MS gegenüber dem Vergleich mit Flachbogen um gut eine Woche hinausgeschoben werden. Inwieweit durch gezügelten Wuchs in Zukunft bessere Ergebnisse erzielt werden können, müssen weitere Versuchsjahre ergeben. Trotz der relativ schlechten Holzreife bei MS im Jahr 2001 und Tiefsttemperaturen im Winter 2001/2002 von nahezu -20°C traten praktisch keine Frostschäden auf. Auch in den übrigen Jahren bzw. bei den anderen Sorten, scheint die Reservestoffeinlagerung bei diesen Erziehungssystemen durchaus ausreichend gewesen zu sein, denn Austrieb und Fruchtbarkeit waren jeweils gut.

Kurz vor der maschinellen Ernte erfolgte, soweit erforderlich, ein mechanischer Laubschnitt, in dem mit einem Messerbalkengerät schräg in Richtung Zeile gefahren und somit die zu tief hängenden Triebe leicht eingekürzt bzw. abgeschnitten wurden. Dies verbessert die Erntequalität und stellt gleichzeitig eine Art Schnitt sowie die Regulation der Laubwandsymmetrie dar, denn die Triebe werden durch die vorherrschende Westwindrichtung nach Osten "verschoben".

Abbbildung 9: Minimalschnitt (MS); Wolkenstein (Gundelsheim) Schwarzriesling, 4 m Gassenbreite, 1987 gepflanzt, 2000 auf MS umgestellt, Unterlage 5BB

 

Lesetermin

kg/a

°Oe

g Säure/l

2000
1. Jahr

Vergleich FB

20.09.

79,6

81,6

10,1

MS

25.09.

222,8

64,7

10,2

2001
2. Jahr

Vergleich FB

05 .10.*

105,3

79,3

11,3

MS

05.10.

106,1 **

71,9

11,1

2002
3. Jahr

Vergleich FB

02.10.

135,9

85,2

9,0

MS

11 .10.

80,1

80,4

10,1

* Vergleich Ende September vorgelesen (31,4 kg/a)
** ca. 10 -15 % nicht von Erntemaschine erreicht
2002 Vergleich bereits am 17.09. Vorlese nötig (5,3 kg/a)
MS bei Ernte ca. 30 % Faulanteil. Wuchs noch zu stark.

Lemberger

Die Ergebnisse bei Lemberger - hier nicht direkt als Zahlen dargestellt - sind bisher zufriedenstellend bis gut. Es wurden bereits in den ersten beiden Jahren bei ausgeglichenem Wuchs dieser 26-jährigen Parzelle nahezu vergleichbare Erträge und Mostwerte erzielt. Wie erwartet, kam es zu ähnlicher pflanzenphysiologischer Reaktion wie bei Riesling, d. h. zu lockeren, kleinbeerigen Trauben und damit zu verbessertem Verhältnis Schale zu Fruchtfleisch. Gerade bei Rotwein ist dies im Hinblick auf Farbe und Phenole hoch interessant. In Verdichtungsbereichen kam es zu etwas mehr Verrieselung und Stiellähmebefall, was für diese Sorte typisch ist, und anzeigt, wie wichtig harmonisches Wachstum ist.

Um eventuelle, spätere Qualitätsprobleme im Wein besser deuten zu können, wurden die in Abbildung 10 wiedergegebenen Daten aus den Mosten gewonnen. Wie aus den Daten von Riesling ersichtlich, unterscheiden sich die verglichenen Erziehungen hierbei nur wenig. Bei Schwarzriesling lagen dagegen bei Ferm N und Ammonium deutlich geringere Werte in Verbindung mit MS vor. Inwieweit dies lediglich auf den schlechteren Reifegrad - geringere Mostgewichte, ungenügende physiologische Reife - oder auch das Erziehungssystem zurückzuführen ist, muss zunächst offen bleiben.

Abbildung 10: Minimalschnitt (MS) Ranzenberg Riesling, 4 m Gassenbreite1993 gepflanzt, 2000 auf MS umgestellt, verschiedene Unterlagen

 

Weinsäure [g/l]

Äpfelsäure [g/l]

ferm N

Ammonium [mg/l]

Kalium [mg/l]

2000 1. Jahr

Vergleich SB

---

---

17

44

---

MS

---

---

17

63

---

2001 2. Jahr

Vergleich SB

7,9

4,0

27

73

1770

MS

7,5

4,5

31

73

1618

2002 3. Jahr

Vergleich SB

3,4

4,9

18

58

556

MS

4,0

5,1

26

72

918

Weinqualität

Bereits der im 3. Jahr nach der Umstellung 1999 erstmals ausgebaute Riesling mit lediglich 67° Oechsle bei hohem Ertrag, wies eine außerordentlich fruchtige Note auf und wurde trotz seiner schlanken Art nicht schlechter beurteilt als der Wein aus der Vergleichsparzelle. Auch S c h u l t z (2), Geisenheim, beschreibt die Weine aus der Minimalschnittparzelle gegenüber der Normalerziehung als „Aroma intensiver im Geruch, aber weniger füllig im Geschmack" .Im 4. Jahr nach der Umstellung erbrachte die in Wuchs und Ertrag ausgeglichene 24 Jahre alte Parzelle bei späterem Lesetermin höherwertigere Weine als die Vergleichsparzelle, die botrytisbedingt früher gelesen werden musste. Die Weine aus der 2000 umgestellten jüngeren Parzelle waren ebenfalls stark von Duft und Frucht und weniger vom Körper geprägt. Sie wurden in größeren Gruppen jeweils als anders, aber nicht als geringwertiger eingestuft. Die zunächst befürchteten UTA-Noten traten bisher nur in einem Jahrgang unterschwellig auf.

Der Lemberger wurde im ersten Jahr nach der Umstellung schlechter eingestuft, was bei dem doch etwas höheren Ertrag sowie geringeren Mostgewichten nicht verwundert.

Die Schwarzrieslingweine aus der MS-Parzelle befriedigten bisher nicht. Sie fielen wohl nicht nur wegen des geringeren Reifegrades der Trauben, sondern insbesondere wegen dem hohen Fäulnisanteil deutlich ab und wären, was die Jahre 2000 und 2001 angeht, wohl kaum verkäuflich. Ähnliche Probleme mit Botrytis und Essigfäule konnten auf anderen Standorten bei Spätburgunder persönlich beobachtet werden.

S c h u l t z (3) stuft die Neigung zur Kleinbeerigkeit von Spätburgunder deutlich geringer ein als bei Riesling und Müller-Thurgau.

Fazit

In unseren Versuchen hat sich bis jetzt der Riesling als durchaus interessant erwiesen. Selbst bei Lemberger sind die Ergebnisse aus der 25-jährigen Anlage mit ihrer von Beginn an harmonischen Wuchsentwicklung sowie normalem Ertragsverhalten, insbesondere was den Wein angeht, bisher ermutigend. Bei Schwarzriesling konnten im 3. Versuchsjahr zwar normale Erträge und Mostgewichte erzielt werden, aber der Gesundheitszustand der zwar kleineren, aber dennoch kompakten Trauben, war wiederum unbefriedigend. Es gilt, über weitere Versuchsjahre die optimale „Kulturführung" für jede Sorte/Parzelle zu entwickeln, um ausgeglichene Wuchs-/Ertragsverhältnisse bei möglichst gesunden Trauben zu erzielen. Inwieweit die etwas geringeren Mostgewichte tatsächlich der Weinqualität Abbruch tun, müssen weitere Versuchsjahre zeigen. Das neue System scheint vor allem für Sorten geeignet, die lockere Trauben entwickeln, wie z. B. Riesling, Lemberger, Müller-Thurgau und Bacchus. Dagegen scheinen Burgunderarten, Silvaner und Portugieser weniger geeignet, denn sie bilden zwar kleinere , aber dennoch kompakte Trauben.

Literatur

(1) Schwab, A. et al (2002): Minimalschnitterziehung - Erste Versuchsergebnisse aus Franken
Rebe und Wein (2001), Heft 11, 19 - 23
(2) Schultz, H. R. (2001):Können Minimal - oder Nichtschnittsysteme in Deutschland erfolgreich sein?
Der Deutsche Weinbau (1999), Heft 25/26, 22-27
(3) Schultz. H. R. (2001) Minimalschnitt - Eine Alternative zu bestehenden Produktionssytemen
Der Deutsche Weinbau (2001) Heft,11, 30-34

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