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Das Esca-Syndrom, eine auffällige Erkrankung einzelner Rebstöcke

Von Dr. W. K. Kast
LVWO Weinsberg
E-Mail:
walter.kast@lvwo.bwl.de

 

Symptome

Esca gehört zu den Erkrankungen, die wie z. B. auch die Eutypiose (siehe KAST 1993) nur in älteren Anlagen auftreten. Durch die derzeitigen wirtschaftlichen Bedingungen wird das Alter der Rebanlagen stark steigen. Deshalb werden diese Symptome in Zukunft häufiger zu finden sein: Ab Juli, meistens jedoch im August und September fallen in älteren Rebanlagen einzelne Stöcke auf, an denen die Blätter vom Rand her gelb werden. Oft sind nur Teile des Stockes betroffen. Häufig führt dies zu einem frühzeitigen Laubfall.

 

Abb. 1: Symptome an Blättern

 

Abb. 2: Rebstock mit Esca-Symptomen

Die Trauben entwickeln sich oft äußerlich fast normal. Trotz sortentypischer Ausbildung der Farbe ist das Mostgewicht gering und der Geschmack fad. Manchmal bilden sich an Trauben auch braunviolette, kleine Flecken; die Beeren platzen in Regenperioden auf. Teilweise welken die Trauben verfärben sich violett und vertrocknen.

Abb. 3: Vertrocknete, violett verfärbte Traube

Gelegentlich kommt es zum plötzlichen Absterben von Stockteilen oder ganzer Stöcke während einer längeren Trockenphase, d. h. bei akutem Wassermangel. Die Rebstämme befallener Stöcke platzen häufig einseitig auf. Im Querschnitt findet man ringförmige Verbräunungen, teilweise auch ringförmige Vermorschungen. Wasserschosse an der Stammbasis entwickeln sich oft normal. Nach Feuchtperioden sind an den Rebstämmen die Fruchtkörper der Pilze zu finden.

 

Abb. 4: Aufgeplatzter Rebstamm mit gesundem Wasserschoß

 

Abb. 5: Ringförmige Verbräunung im Rebstamm

 

 

 

Abb. 6: Fruchtkörper und Vermorschung durch Pilzbefall an einem teilweise noch intakten Rebstock

 

Abb. 7: Fruchtkörper eines holzzerstörenden Pilzes nach Feuchteperiode

 

Abb. 8: Fruchtkörper an kleineren abgestorbenen Teilen

Ursachen

Die Symptome werden verursacht durch holzzerstörende Pilze. Verschiedene Pilzarten scheinen dabei eine Rolle zu spielen, wobei der genaue Beitrag einzelner Arten immer noch unklar ist. Erkrankungen, bei denen verschiedene Ursachen zum Teil gemeinsam die selben Symptome auslösen können, werden als Syndrom bezeichnet. Möglicherweise ist, das gemeinsame Vorkommen verschiedener Arten für eine stark Symptomausprägung erforderlich (Synergismus).

Im Zusammenhang mit Esca-Symptomen wurde in älteren Veröffentlichungen vor allen Dingen die Pilze Stereum hirsutum und Phellinus igniarius gefunden, (DUBOS. u. LARIGNON 1988). Diese Pilze befallen abgestorbenes Holz. 

Neuere Untersuchungen sehen das Krankheitsbild die beste Erklärung in der Folge einer gemeinsamen Infektion mit Fomitiporiapunctata (Basidiomycota) und Phaeomoniella chlamydospora (Ascomycota; früher Phaeoacremonium chlamydosporum) erklären. Fomitiporia punctata ist ein Weißfäuleerreger,

der hauptsächlich im Stammkopf auftritt, bzw. von dort ausgehend den Rebstamm besiedelt.

Phaeomoniella chlamydospora kommt in der Regel vom Unterlagenholz bis in den Stammkopf

durchgehend vor. Neben den genannten Pilzen können immer wieder auch andere Pilze isoliert

werden, deren Rolle bezüglich der Esca bisher nicht eindeutig geklärt ist. Hierzu müssen besonders

Vertreter aus der Gattung Phaeoacremonium gezählt werden.

Maßnahmen

Befallene Stöcke sollten bis kurz über dem Boden zurückgeschnitten werden und ein neuer Stamm aufgebaut werden. Ansonsten sind starke Rückschnitte mit großen Wunden möglichst zu vermeiden. Die befallenen Stämme sollen entfernt werden.

In Frankreich wird die Krankheit zum Teil mit Kalk-Arsen bekämpft. Dieses Mittel wird kurz nach dem Schnitt zur Unterdrückung der Ausbreitung gespritzt. Ein solches Mittel hat in Deutschland wohl kaum Chancen auf eine Zulassung. Ein derart hochgiftiges Mittel, zur Rettung einzelner Rebstöcke einzusetzen, ist auch kaum zu verantworten.

Literatur

DUBOS, B; LARIGNON, P. (1988): Esca and Black Measles. In: Pearson, R. C., Goheen, A. C.: Compendium of Grape Diseases. Amer. Phytop. Soc. p. 34-35

KAST, W. K. (1993): Eutypiose gewinnt zunehmend an Bedeutung. Rebe und Wein 46 (7), 228-229

 

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