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Hohes Fruchtbarkeitspotenzial macht Ertragsregulierung notwendig

Termingerechtes Ausdünnen wirkt sich sehr qualitätsfördernd aus

R. Fox
LVWO Weinsberg
E-Mail:
rudolf.fox@lvwo.bwl.de


Nach den hohen Vorjahreserträgen war zunächst nicht mit überdurchschnittlicher Fruchtbarkeit gerechnet worden. Die günstige Witterung bei der Ausbildung der Winterknospen im Jahr 1999, die relativ hohen Mostgewichte sowie die nachfolgend gute Holzreife ließen jedoch eine mindestens durchschnittliche Fruchtbarkeit erwarten. Der vollständige, gleichmäßige Austrieb bei nahezu optimalen Bedingungen führte dazu, dass die "Ausdifferenzierung" der angelegten Blütenprimordien ebenfalls optimal verlief.

Wenn auch in den letzten Wochen infolge des schlagartigen Witterungsumschwunges vor allem in Abhängigkeit der Sorten aber auch der Vorjahreserträge Chlorosesymptome auftraten (Schwächechlorose, "Wachstumschlorose") so ändert dies nichts an der Tatsache, dass nunmehr überdurchschnittliche Gescheinszahlen vorliegen - siehe Tabelle 1. Daneben ist die Fruchtbarkeit - ähnlich wie im Vorjahr - bereits an den basalen Trieben relativ hoch. Auch die Gescheinsgröße ist überdurchschnittlich. Dies trifft ganz besonders für vitale Bestände sowie vorjährig ausgedünnte Anlagen zu. Nachdem der Blüteverlauf je nach Sorte und Lage recht unterschiedlich war, liegen nunmehr sowohl einzelne verrieselte Bestände aber auch viele mit übermäßigem Behang vor. Die derzeitige Wasserknappheit dürfte zwar das Beerenwachstum eher hemmen, wo jedoch seither wasserschonend bearbeitet wurde ist kaum ein Engpaß zu erwarten.

Tabelle 1: Gescheinszahlen/Trieb in den Jahren 1990-2000 bei verschiedenen Rebsorten

 

Gescheinszahl/Trieb

Sorte/Jahrgang

90

92

93

94

95

96

97

98

99

00

Mittel

Trollinger

1,19

1,66

0,97

1,11

1,28

1,22

1,11

1,38

1,39

1,47

1,28

Lemberger

1,71

1,75

1,6

1,62

1,67

1,64

1,31

1,89

1,92

1,92

1,70

Schwarzriesling

1,89

1,99

1,63

1,68

1,57

1,67

1,64

1,91

1,92

2,00

1,79

Riesling

2,17

2,32

2,25

2,23

2,21

2,22

2,12

2,47

2,26

2,46

2,27

Kerner

1,71

1,89

1,73

1,78

1,85

2,1

1,76

2,04

1,98

2,17

1,90

Müller-Thurgau

1,74

1,8

2,42

2,06

2,22

2,33

1,75

1,95

1,99

2,28

2,05

Dornfelder

-

-

-

-

-

-

-

-

1,78

1,79

1,79

Silvaner

-

-

1,81

1,99

1,86

1,73

1,87

1,99

2,1

2,29

1,96


Ertragsregulierung zur Sicherung der Weinqualität notwendig

Entsprechend den o. a. Gegebenheiten ist damit zu rechnen, dass auch im Jahr 2000 ausgedünnt werden muss. Wer in den nächsten Wochen bei den Laubarbeiten durch Entfernung von Schwachtrieben eine gewisse Reduktion des Behanges einleitet, wird später weniger eingreifen müssen. Daneben sollte aus jetziger Sicht jede Förderung der Beerengröße durch zu intensive Bodenbearbeitung oder zu frühen bzw. zu starken Laubschnitt vermieden werden. 

Der Sicherung ausreichender Wasser- und Nährstoffverfügbarkeit ist jedoch aus Gründen der Qualität - besonders bei Weißweinbeständen - ausreichende Aufmerksamkeit zu widmen. Bei Rotweinsorten hingegen wirkt sich Wasser- und Nährstoffstress äußerst selten negativ auf die Weinqualität aus. Kleine Beeren infolge Trockenstress ergeben sogar ein günstigeres Verhältnis von Beerenhaut zu Beerenfleisch und somit farbkräftigere Rotweine.  

Termin der Ausdünnung 

Nach den Erfahrungen der zurückliegenden Jahre wirkt sich frühe Ausdünnung - insbesondere wenn stark ausgedünnt wird - stark fördernd auf die verbleibenden Trauben aus, d. h. diese werden größer und kompakter. Bei zu später Ausdünnung haben sich besonders bei überhangenen, gestressten Beständen sowie bei nachfolgend ungünstigen Witterungsbedingungen kaum noch Mostgewichtsverbesserungen erzielen lassen. Als optimaler Termin ist deshalb ca. der Bereich drei Wochen vor Weichwerden/Verfärben zu nennen. Eine "Feinkorrektur" zum Stadium "Weichwerden/Verfärben" durch Wegnahme weniger gut entwickelter Trauben wirkt sich nochmals qualitätsfördernd aus. Aus untenstehender Übersicht gehen zusammenfassend die Empfehlungen zur Ausdünnung hervor. 

Wenn auch der derzeitige Entwicklungsvorsprung durchaus ordentliche Qualitäten erwarten lässt, so ist es nicht nur bei Weißwein sonder auch bei Rotweinsorten unter den gegebenen Bedingungen angebracht, den Behang auf ein sinnvolles Maß zu reduzieren. Damit lassen sich übermäßige Erträge mit mangelnder Qualität s. 1992 sowie 1999 vermeiden, neben dem Mostgewicht die innere Qualität sichern und eine ausreichende Reservestoffeinlagerung für den Rebstock selbst erzielen.  

Louis Pasteur: "Der Wille öffnet die Türen zum Erfolg".

Empfehlungen zur Ausdünnung

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Die Ausdünnung bietet sich insbesondere zur Sicherung der Weinqualität an. Dabei kann durch Ausdünnung an überhangenen Stöcken ein gezielt positiver Effekt für den Stock selbst sowie die Weinqualität erreicht werden. 

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Nachdem das Blatt/Fruchtverhältnis besonders gegen Bogrebenende hin zunehmend ungünstiger wird, kann durch Eingriff in diesem Stockbereich am ehesten mit einer Qualitätssteigerung gerechnet werden. 

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Bei Sorten mit besonders hoher Fruchtbarkeit und damit besonders ungünstigem Blatt/Fruchtverhältnis gegen Bogrebenende hin wie z. B. Müller-Thurgau und Kerner, bietet es sich aus arbeitswirtschaftlicher Sicht im Einzelfall an, einen oder gar beide vorderen Bogenteile ganz abzuschneiden. 

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In wüchsigen Beständen eher etwas später sowie genügend stark reduzieren, da verbleibende Trauben besonders groß werden. 

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In schwachwüchsigen, gestressten Beständen bzw. bei Sorten/Stöcken mit größerem Anteil an Schwachtrieben ist durch Entfernung dieser ein besonders deutlicher Qualitätszuwachs zu erzielen. Ein "Mengenausgleich" durch bessere Entwicklung der verbleibenden Trauben ist unter diesen Bedingungen kaum zu erwarten. 

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Bei Sorten mit besonders großen Trauben reicht die Ausdünnung auf eine Traube/Trieb in besonders ertragreichen Jahren s. 1992 und 1999 und/oder bei starkem Wuchs nicht aus, das Ertragsniveau unter die Höchstertragsgrenze zu senken. 

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Wird auf eine Traube/Trieb eingestellt, so ist in der Regel die untere zu belassen. 

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Zu früh Mitte Juli ergibt bei weiterhin günstigen Wachstumsbedingungen und/oder in wüchsigen Beständen einen weitgehenden Ertragsausgleich durch Ausbildung größerer Beeren. Wird auf eine Traube/Trieb ausgedünnt, ist der Ertragsausgleich besonders ausgeprägt wenn diese Maßnahmen früh (vor Anfang August und/oder in wüchsigen Beständen) durchgeführt wird. 

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Zu spät - einige Zeit nach Reifebeginn - ergibt besonders in weniger günstigen Jahren/Lagen sowie bei frühreifen Sorten nicht die gewünschte Mostgewichtssteigerung sowie auch keine Verbesserung der übrigen wertgebenden Inhaltsstoffe. 

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In Jahren mit früher Blüte (wie in diesem), guten Lagen, spätreifenden Sorten sowie in wüchsigen Beständen nicht zu früh - nicht vor Ende Juli ausdünnen. 

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Wird aus Risikogründen zum Termin drei Wochen vor Weichwerden nicht zu stark reduziert oder wurde das Ertragspotenzial unterschätzt, so bietet sich bei Reifebeginn bis ca. 10 Tage danach evtl. nochmals eine "Feinregulierung" durch Entfernung von weniger reifen Trauben an.

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Zur Erzeugung von Spitzenqualitäten sollte termingerecht auf eine Traube/Trieb ausgedünnt weitgehend alle Schwachtriebe und eingekürzte Triebe entfernt sowie die Traubenzone ausgelichtet werden.

 

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