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Fehlstellen in Rebflächen

Fehlstellen im Weinberg führen oft zu Qualitätsverlusten

Dr. Walter K. Kast,

Staatliche Lehr und Versuchsanstalt für Wein und Obstbau Weinsberg/Germany

 

Einleitung

 

Ältere Weinberge gelten als besonders geeignet für die Produktion von Premiumqualitäten. Durch ihr tief reichendes Wurzelsystem überstehen ältere Rebstöcke lange Trockenphasen wesentlich besser als junge Rebstöcke. Da ältere Reben in der Regel in den Wurzeln und im Rebstamm große Reservestoffmengen (Assimilate und Nährstoffe) eingelagert haben, reagieren sie auch weniger auf kurzfristige Schwankungen des Nährstoffhaushalts, insbesondere Schwankungen in der Stickstoffversorgung. Sie sind deshalb besonders geeignet zur Erzeugung komplexer, stoffiger Weine.

Mit zunehmendem Alter eines Rebbestands steigt die Zahl der durch Holzkrankheit (Esca und Eutypiose) geschädigten oder zum Absterben gebrachten Stöcke. Vielfach leiden die älteren Rebstöcke auch unter den mechanischen Belastungen (Abbildung 1), denen sie in hoch technisierten Weinbaubetrieben ausgesetzt sind. Dadurch entstehen in den Weinbergen Fehlstellen. Diese werden vielfach nicht als Problem angesehen, weil das Ertragsniveau dieser Weinberge unter Berücksichtigung der gesetzlichen Ertragsbegrenzung immer noch ausreichend bleibt. Durch die für Reben in Mitteleuropa sehr günstige Veränderung des Klimas in den letzten Jahren, leiden viele Betriebe unter zu hohen Erträgen und sehen fehlende Stöcke als  positiven Faktor bei der Ertragreduzierung an. Bei der statistischen Verrechnung von Versuchsergebnissen wurden in diesem Zusammenhang jedoch andere Probleme aufgedeckt.

 

Rebstamm - beschädigt durch Bodenpflegegerät

Schaden an einem Rebstamm, der durch

ein Bodenpflegegerät entstanden ist

Verhalten nicht regelgerecht

 

An der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt in Weinsberg werden in Versuchen die fehlenden Rebstöcke ausgezählt, um durch eine Korrektur der Ertragsdaten präzisere Versuchsergebnisse zu erzielen. Um möglichst exakt rechnen zu können, wird nicht versucht, die Fehlstellen in den Versuchen durch einen Kordon oder durch einen längeren Anschnitt der Nachbarstöcke auszugleichen. Eine statistische Verrechnung der Versuchsdaten ergab jedoch erstaunlicherweise, dass in vielen Fällen die Fehlervarianz, die eine Maßzahl für die Exaktheit des Versuchs ist, durch diese Korrektur sogar erhöht wurde.

Dies legt nahe, dass die vorgenommene Korrektur fehlerhaft ist. In kleineren Versuchen (mit weniger als 25 Parzellen) können solche Verhältnisse durchaus  auftreten, da in diesem Fall die Schätzung der Fehlervarianz sehr ungenau wird. Um dieses Phänomen abzuklären, wurden die umfangreichen, an der LVWO zur Verfügung stehenden Versuche, einer genaueren Analyse unterzogen. Dazu wurden die Kovarianzen zwischen der Zahl der Fehlstellen je Prüfparzelle und dem Ertrag, sowie entsprechende Korrelationen und Regressionen errechnet.

Auffällig bei dieser genaueren Analyse war, dass in keinem Fall eine signifikante Beziehung zwischen dem Ertrag und der Zahl der Fehlstellen vorhanden war. Unter diesen Bedingungen kann eine Korrektur nur zu größeren Fehlern führen. Die verbleibenden Rebstöcke hatten den fehlenden Ertrag offensichtlich weitgehend kompensiert. Bereits vor längerer Zeit wurde die Licht-abhängigkeit der Knospen- und Gescheinsentwicklung belegt (Alleweldt, 1964; Alleweldt und Balkema (1965), Wagner (1966). Vermutlich steigt die Zahl und Größe der entwickelten Gescheine der an die Fehlstelle angrenzenden Rebstöcke durch die bessere Belichtung an.

In mehreren Fällen wurden in diesen Versuchen aber signifikante Einflüsse der Fehlstellen auf den Zuckergehalt (Grad Öchsle) gefunden. Mit zunehmender Anzahl von Fehlstellen war das Mostgewicht tendenziell schlechter. Insgesamt ist die Korrelation zwischen Fehlstellen und Zuckergehalt deutlich  enger als zwischen Fehlstellen und Ertrag.

Offensichtlich führen die Lücken im Bestand tendenziell zu einer Überlastung der an die Fehlstelle angrenzenden Stöcke innerhalb der Rebzeile und auch auf den Nachbarzeilen. Ältere Bestände, in denen allmählich immer mehr Lücken durch holzzerstörende Pilze, wie zum Beispiel Esca und Eutypa lata (Eutypiose) entstehen, können nur dann überdurchschnittliche Qualitäten liefern, wenn die Fehlstellen konsequent beseitigt werden.


Literatur
Alleweldt,G. (1963): Einfluss von Klimafaktoren auf die Zahl der Infloreszenzen bei Reben. Wie.Wiss. 18; 61-70.

Alleweldt,G und Balkema, G. H. (1965): Über die Anlage von Infloreszenzen- und Blütenprimordien in den Winterknospen der Rebe. Zeitschr. F. Acker- und Pflanzenbau 123, 59-74.
Wagner, R (1966): Effets d’un éclairage d’appoint sur la fertilité des bourgeons de la vogne. Comptes rendus de l’Academie d’Agriculture de France 53; 670-673.



 

 

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