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Bor - ein wichtiges Spurenelement

R. Fox
Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg
E-Mail:
rudolf.fox@lvwo.bwl.de

 

Die gezielte, bedarfsgerechte Düngung auf der Grundlage von Bodenuntersuchungen ist düngemittelrechtlich vorgeschrieben. Wie die Bodenuntersuchungen zeigen, liegen die Hauptnährstoffe vielfach in überhöhten Mengen mindestens in der Nähe des optimalen Versorgungsbereiches und nur in Ausnahmen darunter vor. Sind demnach ausreichend Hauptnährstoffe vorhanden, gelangen Spurennährstoffe - insbesondere auch das Bor - eher ins Minimum. Im Einzelfall kann Bor somit als wichtigster Spurennährstoff neben Eisen als leistungsbegrenzender Faktor in Erscheinung treten. Neben Raps und Rüben sind gerade Reben besonders borbedürftig. Auf den meisten Rebenstandorten ist Bor vom Ursprungsgestein her jedoch nicht in genügendem Umfang vorhanden bzw. schlecht verfügbar. Bodenuntersuchungen auf diesen Nährstoff weisen deshalb in der Regel auch Gehaltswerte im unteren Versorgungsbereich oder gar Mangel aus. Nachdem bei Standarduntersuchungen Bor noch nicht generell miterfasst wird, ist bei der Probeabgabe ausdrücklich die Untersuchung auf diesen Nährstoff anzugeben. Gerade bei blüteempfindlichen Sorten oder bei ungünstigem Blütewetter, kann eine unharmonische Vorversorgung - Mangel wie auch Überschuss - zu stärkerer Verrieselung führen und damit zum leistungsbegrenzenden Faktor werden. Die Praxis hat dies erkannt und misst inzwischen der Vorversorgung zunehmend Bedeutung bei, wobei jedoch die Dosierung wegen der notwendigen geringen Mengen Schwierigkeiten bereitet. So konnten in den letzten Jahren im württembergischen Weinbaugebiet parzellenweise Borüberdüngungsschäden beobachtet werden. Dies ist problematischer zu beurteilen als Mangel, da eine Abreicherung nur in äußerst geringem Umfang stattfindet und im Extremfall deshalb ein Bodenaustausch notwendig werden könnte.

Bor im Boden

Wie oben angeführt, ist Bor auf den meisten Weinbaustandorten in Deutschland nur in Spuren von Natur aus vorhanden bzw. schlecht verfügbar. Auf schweren Böden mit ihrem in der Regel hohen pH-Wert sowie Tongehalt wird Bor zudem leicht an Kalk gebunden und damit festgelegt. Die Festlegung auf feinerdereichen, bindigen Böden wird bei Trockenheit begünstigt, weshalb hier auch von Trockenfixierung gesprochen wird. Auf skelettreichen oder sandigen, durchlässigen Böden hingegen wird Bor leicht ausgewaschen, weshalb hier die natürlichen Vorräte noch geringer sind als auf schweren Böden. So muss auf solchen Standorten mit einer jährlichen Auswaschung von 20 - 100 g/ha und Jahr gerechnet werden. Auf schweren Böden ist die Auswaschung äußerst gering und deshalb zu vernachlässigen. Anzuführen ist noch, dass auch im Humusanteil des Bodens relativ wenig Bor gespeichert wird. Nachdem der Entzug je nach Kultur pro Hektar und Jahr lediglich bei 50 - 500 g liegt, sind entsprechend geringe Düngergaben in g/ha Reinnährstoff als jährliche Erhaltungsdüngung erforderlich. Durch die Rebe werden insgesamt jährlich ca. 200 g/ha entzogen. Mit den Trauben selbst werden lediglich etwa 100 g/Jahr aus dem "System" herausgenommen. Dies macht deutlich, dass Gaben in Höhe von 100 - 200 g/ha Reinnährstoff im langjährigen Mittel als Erhaltungsdüngung ausreichen.

Bor in der Pflanze

Bor ist in der Pflanze schwer rückverlagerbar und zum erheblichen Teil in Zellwänden und anderen Strukturen fest eingebaut. Deshalb ist eine kontinuierliche Aufnahme durch die Pflanze, d. h. Nachschub aus dem Boden, erforderlich. In den Wachstumszentren sowie den Blütenorganen ist der Borbedarf am größten. Bor ist beteiligt am Kohlenhydratstoffwechsel bzw. am Transport von Kohlehydraten. Daneben ist Bor wichtig für den ungestörten Ablauf der Gewebedifferenzierung sowie den Aufbau der Feinstruktur der Zellwände. Darüber hinaus fungiert Bor als Aktivator bzw. auch Inaktivator von Wuchsstoffen/Hormonen und ist damit von großer Bedeutung für viele Steuerungsvorgänge in der Pflanze. Mangel, aber auch Überschuss, führt entsprechend der aufgezeigten Funktionen demnach zu Störungen bei der Gewebedifferenzierung und entsprechenden Missbildungen, vor allem an den Wachstumszentren. Es kann im Extrem zum Zusammenbruch von Zellwänden und damit ganzer Gewebepartien kommen. Eine unharmonische Borversorgung führt auch zur Störung des Hormonhaushaltes, was sich besonders in schlechterer Furchtbarkeit der Pflanzen bemerkbar macht.

Symptome unharmonischer Borversorgung an Reben

Wie bereits oben erwähnt, führt sowohl Mangel als auch Überschuss zu Störungen in der Entwicklung der Pflanzen. Wegen der schlechten Rückverlagerbarkeit ("Sekundärverlagerung") von Bor in der Pflanze, führt eine unharmonische Versorgung zuerst zu Schäden in den Wachstumszentren. So zeigt Abb. 1 stark ausgeprägte Missbildungen an den Triebspitzen, jungen Blättern sowie Ranken. 

Abbildung 1: Missbildungen an der Triebspitze, jungen Blättern und Ranken bei unharmonischer Borversorgung


Abb. 2 zeigt durch Borüberschuss verursachte Blattranddeformationen sowie Nekrosen sowohl am Blattrand als auch im Bereich der Blattspreiten. 

Abbildung 2: Blattranddeformationen sowie Nekrosen am Blattrand und im Bereich der Blattspreiten bei Borüberschuss


Nachdem die Entwicklung der Triebspitzen gestört ist, kommt es verstärkt zur Geiztriebbildung und einer Art Besenwuchs - siehe Abb. 3.

Abbildung 3: Unharmonische Borversorgung führt unter anderem zu verstärkter Geiztriebbildung und zu Besenwuchs - auch hier sind deutlich Blattdeformationen zu erkennen


Die Wuchsstörungen führen auch zu unregelmäßig verkürzten Internodien, zu verdickten Nodien (Knoten) sowie zunächst zu Missbildungen und Absterbeerscheinungen an den Ranken - siehe Abb. 4. 

Abbildung 4: Unregelmäßige Internodien, verdickte Nodien und Absterbeerscheinungen an Ranken durch Bormangel oder -überschuss


Liegt nur ein schwacher bzw. verdeckter Mangel vor, so wird durch die Festlegung bei Trockenheit diese Unterversorgung durch Schäden an den Ranken erst sichtbar. Nachdem auch die Knospen sowie das Kambium Teilungsgewebe darstellen, treten auch hier Störungen in Form von Gewebeschäden bis hin zu Austriebsausfall von Knospen im folgenden Frühjahr auf. An den Blüten der Rebe führt eine unharmonische Borversorgung zu verminderter Keimfähigkeit des Pollens sowie zu einem verlangsamtem Pollenschlauchwachstum. Die Folge ist eine gestörte Befruchtung und Verrieselung, was sich insbesondere auch in vielen kleinen Beeren neben wenigen großen zeigt - Abb. 5.

Abbildung 5: Unharmonische Borversorgung führt zu Verrieselung und unregelmäßigen Beerengrößen wegen Befruchtungsstörungen


Besonders bei ungünstiger Blütewitterung führt eine unharmonische Borversorgung zu verstärkter Verrieselungsgefahr. Kommt es häufiger zu einer überdurchschnittlichen Verrieselung einzelner Anlagen, ist es deshalb angebracht, über eine gezielte Bodenuntersuchung, u. a. auf Bor, den Ursachen auf den Grund zu gehen.

Bordüngung

Es dürfte jedem klar sein, dass sich nur über eine gezielte Bodenuntersuchung der Versorgungsgrad eines Standortes ermitteln lässt. Als Optimalbereich gelten im Weinbau Werte von 0,6 - 1,0 mg/kg Boden. Zu beachten dabei ist, dass es sich nicht um mg je 100 g, wie bei Hauptnährstoffen, handelt, sondern um mg je 1000 g (kg) Boden, d. h. also um einen zehnfach geringeren Gehaltswert. Darüber hinaus ist der angegebene Optimalbereich sehr eng und wird bei entsprechender Düngung deshalb rasch überschritten. Für eine eventuelle Aufdüngung sind demnach auch nur sehr geringe Mengen in kg (!)/ha notwendig. Ist bei den Hauptnährstoffen ca. 1 kg Reinnährstoff erforderlich, um den Nährstoffgehalt je cm Krume und ha um 1 mg/100 g Boden zu erhöhen, sind hier nur 100 g - also ein Zehntel - zur Anhebung um 1 mg/kg Boden erforderlich. Um Überdüngungen auch lokal zu vermeiden, sollten deshalb Gaben von 50 kg/ha Borax - 11 % Bor - als einmalige Gabe nicht überschritten werden. Hierbei ist besonders auf eine gleichmäßige Verteilung zu achten. Erst nach erneuter Untersuchung empfiehlt sich, entsprechend dem Ergebnis vorzugehen.

Liegen Borwerte im Optimalbereich vor, reichen Gaben von 100 - 200 g/ha Reinnährstoff im langjährigen Mittel völlig aus. Diese geringen Mengen lassen sich praktisch nicht auf 1 ha verteilen, weshalb Bor bestimmten Volldüngern sowie Phosphat- und Stickstoffdüngern "beigemischt" ist. Die Gehaltswerte an Bor schwanken in diesen Düngern zwischen 0,02 - 0,5 %. Wird z. B. jährlich 1 dt Borammonsulfatsalpeter/ha ausgebracht, so werden damit 200 g/ha Bor verabreicht. Dies erübrigt eine separate Bordüngung. Werden borhaltige Volldünger verwendet, ist ebenfalls eine ausreichende Borversorgung gesichert.

Ebenfalls Blattdünger, insbesondere die Blattvolldünger, enthalten neben anderen Spurennährstoffen Bor. Daneben gibt es reine "Borblattdünger", wie z. B. Solubor (17,4 % Bor) oder Librel-Bor (10 % Bor). Bei Anwendung reiner Borblattdünger empfiehlt es sich zur Vermeidung von Schäden, unbedingt die auf den Anwendungshinweisen angegebenen Konzentrationen sowie Aufwandmengen in kg/ha einzuhalten. Nachdem die Rebe um die Blüte besonders empfindlich reagiert, sollte während dieser Zeit auf die Ausbringung von Bor gänzlich verzichtet werden.

Auch Trester ist als guter Bordünger zu betrachten. So kann mit einer Gabe von 1 m³/a im 3-jährigen Turnus der Borbedarf etwa gedeckt werden. Um auch hier lokal Borüberdüngung durch "Einwaschung" zu vermeiden, sollte der Trester jedoch nicht zu lange am Weinbergsrand liegen bleiben, sondern bald verteilt werden. In anderen organischen Düngern ist der Borgehalt relativ gering, weshalb hier kaum eine Borwirkung angerechnet werden kann.

Liegt trotz aller gebotenen Vorsicht einmal eine Borüberversorgung vor, kann durch eine Kalkdüngung ein Teil des Bors in schwerlösliche Formen überführt werden. Generell empfiehlt sich hier jedoch die Rücksprache mit Fachleuten.

Zusammenfassung

Bor kann bei allgemein optimaler Nährstoffversorgung zum Minimumfaktor werden. Die gezielte Bodenuntersuchung auf diesen wichtigen Spurenährstoff ermöglicht eine Optimierung auch dieses Wachstumsfaktors. Zur Aufdüngung ist bei extrem niedrigen Gehaltswerten Borax in Höhe von maximal 50 kg/ha als einmalige Gabe geeignet. Die jährliche Erhaltungsdüngung wird am günstigsten in Form von borhaltigen Voll- oder Einzeldüngern, z. B. Borammonsulfatsalpeter, ausgebracht.

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