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Klonenzüchtung beim Blauen Spätburgunder

Ergebnisse aus einer Klonenvergleichsprüfung der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg 

Karl Bleyer
LVWO Weinsberg
Referat Rebenzüchtung
E-Mail:
Karl.Bleyer@lvwo.bwl.de

1. Einleitung

In den Jahren 1965 und 1967 wurde jeweils von Dr. H. Schleip in der Lage "Sternhalde" der EFA Wädenswil, Schweiz, eine Einzelstockselektion vorgenommen. Daraufhin wurden die ersten Einzelstöcke der lockerbeerigen Spätburgunder aus der Schweiz im damaligen LVWO-Referat Rebenzüchtung und Rebenveredlung in Lauffen vermehrt. Die Klonenbezeichnung We M... deutet noch auf die ursprüngliche Bezeichnung "Klon Mariafeld" hin. Seither wurde an der LVWO Weinsberg bei den We M-Klonen ein systematischer Klonenaufbau durchgeführt. Gleichzeitig erfolgte eine erhaltungszüchterische Bearbeitung dieser Klone. Seit 1985 ist die LVWO Weinberg für den Klon We M 1 beim Bundessortenamt eingetragen; 1989 erfolgte für fünf weitere We M-Klone die Registrierung als Erhaltungszüchter und im November 1999 kam mit dem We M 171 ein weiterer lockerbeeriger Klon hinzu.

Da diese Selektionsrichtung bezüglich Reifeentwicklung, Traubenbeschaffenheit und Botrytisfestigkeit von den bisherigen Klonen deutlich differiert, wurden seit 1991 die lockerbeerigen LVWO-Klone mit kompakten französischen Pinot-Klonen verglichen. Letztere umfassten die als Qualitätsklone eingestuften Klone 113, 114 und 115 (INRA), den eher als ertragreich eingestuften Pinot 292 (ENTAV) sowie den aufrecht wachsenden Pinot droit. Von den LVWO-Klonen wurden We M 1, We M 242, We M 819, We M 838, We M 847 und We M 848 geprüft. Zusätzlich wurde der Klon We M 1 auf drei verschiedenen Unterlagen gepflanzt.

Im vorliegenden Beitrag wird über die wichtigsten Ergebnisse dieses Versuches berichtet. Anschließend wird noch ein Überblick über die Spätburgunder-Klone gegeben, welche derzeit in Deutschland verfügbar sind und auf die Bedeutung des Bl. Spätburgunders in Württemberg eingegangen.

2. Versuchsbeschreibung und –ergebnisse; LVWO Gundelsheim

2.1 Versuchsbeschreibung

Lage: Gundelsheim, Wolkenstein; Pflanzjahr 1987
Südwesthang mit 28 % Steigung (203 - 220 m ü NN)
geschobener Löß-Lehm mit 5 % Skelettanteil
Dauerbegrünung

Versuchsaufbau:

13 Varianten à 2 Wiederholungen (7 Klone auf SO 4, 6 Klone auf 5 BB)
5 Varianten à 4 Wiederholungen (5 lockerbeerige Klone auf SO 4)
3 Varianten à 2 Wiederholungen (We M 1 auf 3 verschiedenen Unterlagen)
je 23-30 Stock/Wdh bei 2,0 x 1,3 m Pflanzabstand (Fläche 59,8 – 78,0 m 2 )

2.2 Ergebnisse des Klonenvergleichs

2.2.1 Ernteergebnisse

Die Ergebnisse der einzelnen Klone auf den jeweiligen Unterlagen sind in Abb. 1 - Abb. 3 dargestellt. Die Klone We M 1 und Pinot noir 113 wurden sowohl auf SO 4 als auch auf 5 BB geprüft.

Die lockerbeerigen Bl.Spätburgunder-Klone konnten aufgrund ihrer späteren Reife und ihrer geringeren Botrytis cinerea-Empfindlichkeit in den acht Versuchsjahren 7 bis 14 Tage später als die traditionellen, kompakten Klone gelesen werden.

Die Ertragsunterschiede (Abb. 1) zwischen den Weinsberger Klonen und den französichen Klonen waren geringer als erwartet. Die Pinot noir-Klone 113 und 114 hatten auf der Unterlage SO 4 einen um ca. 13 - 25 kg/a geringeren Ertrag.

Abbildung 1: Ertragsunterschiede zwischen verschiedenen Spätburgunderklonen

Auf der Unterlage 5 BB zeigte sich zwischen den beiden LVWO-Klonen und dem Pinot 113 und 115 ein ähnliches Verhältnis. Der aufrecht wachsende Pinot droit ist in seinem Ertragsverhalten mit dem Klon We M 242 vergleichbar. Der Ertrag des Pinot noir 292 war wesentlich höher; er ist gegenüber den anderen Klonen auf 5 BB - mit Ausnahme des We M 1 - statistisch absicherbar.

Im Mostgewicht (Abb. 2) hob sich der Klon We M 1 auf beiden Unterlagen von den anderen Klonen ab. Auf der Unterlage SO 4 waren die Klonenunterschiede eher gering. Statistisch abgesichert werden konnte lediglich das Ergebnis des We M 1 gegenüber den anderen Klonen. Hingegen sind bei dem Vergleich auf 5 BB die Werte bei einer Differenz von 0,8 ° Oechsle signifikant unterschiedlich, so dass die LVWO-Klone We M 1 und We M 242 an diesem Standort und in diesen Versuchsjahren ein abgesichert höheres Mostgewicht haben als die französischen Klone.

Abbildung 2: Vergleich der Mostgewichte verschiedener Spätburgunderklone

Die Mostsäurewerte (Abb. 3) unterscheiden sich beim Vergleich auf SO 4 bei einer Differenz von 1,0 g/l, beim Vergleich auf 5 BB bei einer Differenz von 0,6 g/l signifikant.

Abbildung 3: Vergleich der Mostsäurewerte verschiedener Spätburgunderklone 

In beiden Vergleichen wird deutlich, dass die französischen Klone 113, 114 und 115 eine wesentlich geringere Mostsäure haben als die lockerbeerigen LVWO-Klone. Der We M 1 und der We M 838 erbrachten in diesem Versuch innerhalb der We M-Klone die höchsten Mostsäuren. Die bekanntermaßen hohe Mostsäure des We M 1 wird somit im Versuch bestätigt, genauso wie die geringere Mostsäure der Klone We M 242 und We M 819. Alle Mostsäuren der We M-Klone auf SO 4 sind statistisch absicherbar höher als die der französischen Klone auf dieser Unterlage. Beim Vergleich auf 5 BB unterscheiden sich die Klone Pinot 113 und Pinot 115 von allen Klonen, die Klone We M 242, Pinot 292 und Pinot droit gegenüber dem We M 1 signifikant.

Im Vergleich der LVWO-Klone untereinander (4 Wiederholungen auf SO 4) ergaben sich prinzipiell die gleichen Relationen: geringfügige Ertragsunterschiede, abgesichert höheres Mostgewicht beim We M 1 und signifikant höhere Mostsäurewerte beim We M 1, We M 838 und We M 847.

Die Ergebnisse sind nicht extra aufgeführt, da sie mit den Erntedaten dieser 5 Klone in den Abbildungen 1-3 vergleichbar sind.

2.2.2 Boniturergebnisse

Die Bewertung der verschiedenen Merkmale wurden nach der internationalen Boniturskala von 1 bis 9 ausgeführt. Nachfolgende Tabelle zeigt die Bedeutung der Noten, welche jährlich zu zwei bis drei verschiedenen Zeitpunkten erfasst wurden.

Boniturnoten

Merkmalsausprägung

1

sehr schwach; sehr lockerbeerig; sehr klein

3

schwach; lockerbeerig; klein

5

mittel

7

stark; dichtbeerig; groß

9

sehr stark; sehr dichtbeerig; sehr groß

Wuchs, Geiztriebbildung, Holzreife

In ihrem Wuchsverhalten auf der Unterlage SO 4 unterschieden sich die Klone kaum. Lediglich der Klon We M 848 hatte gegenüber den anderen Klonen einen stärkeren Wuchs. Auf 5 BB zeigte der Klon We M 1 gegenüber den anderen Klonen eine deutlich stärkere Wüchsigkeit. Auffallend war, dass der We M 1 auf SO 4 einen schwächeren Wuchs hatte als der französische Klon 113, während auf 5 BB der We M 1 den stärkeren Wuchs hatte.

Die Geiztriebbildung ist bei den kompakten französischen Klonen etwas stärker, beim aufrecht wachsenden Pinot droit etwas geringer.

Die Holzreife der Klone differierte minimal; alle Klone besitzen eine gute Holzreife.

Gescheinsansatz, Trauben- und Beerengröße

Klone mit einem etwas höheren Ertrag haben im allgemeinen auch einen höheren Gescheinsansatz. Entscheidender für die Ertragsunterschiede sind jedoch die Trauben- und Beerengrößen der einzelnen Klone (Abb. 4). Vergleicht man diese grafische Darstellung mit den Ertragsleistungen (Abb. 1), so vermittelt sie ein ähnliches Bild: die Pinot-Klone 113, 114 und 115 fallen durch eindeutig kleinere Trauben und Beeren auf, was sich im geringeren Ertrag, jedoch nicht in einer höhen Mostgewichtsqualität auswirkt. Der ertragreichere Klon 292 hat sowohl einen hohen Gescheinsansatz als auch große Trauben.

Abbildung 4: Trauben- und Beerengröße von Spätburgunderklonen

Blühfestigkeit, Traubenbeschaffenheit und Botrytis

Die Blühfestigkeit ist bei den kompakten Klonen etwas höher als bei den lockerbeerigen Klonen. Ob dies nur durch die optische Wirkung entsprechend der Beerendichte der Fall ist, könnte durch einen genaueren Versuch mit Auszählung von Einzelblüten pro Geschein und Beeren pro Traube geklärt werden.

Der Botrytisbefall der einzelnen Klone wurde zum jeweiligen Lesezeitpunkt visuell bonitiert. Es zeigt sich deutlich, dass die Trauben der lockerbeerigen Klone auch zum späteren Lesezeitpunkt aufgrund ihrer besonderen Traubenbeschaffenheit kaum vom Botrytis-Pilz befallen waren (Abb. 5). Bild 1 zeigt die botrytisbefallenen Trauben des Klon Pinot 114, Bild 2 die gesunden Trauben des Klon We M 1 zum selben Zeitpunkt am16.Oktober 1996.

Abbildung 5: Botrytisanfälligkeit verschiedener Spätburgunderklone

 

 

Bild 1: Klon Pinot 114 mit Botrytisbefall

 

Bild 2: Klon We M1 gesund

 

Gleichmäßige Reife der Klone

Die gleichmäßige Reife und somit ein Maß für die Durchfärbung der Beerenhaut ist in Abb. 6 dargestellt. Die Bonituren wurden jeweils zu einem Zeitpunkt durchgeführt, an dem die Trauben fast durchgefärbt waren. Die französischen Pinot-Klone 113, 114 und 115 zeigten vermutlich aufgrund des geringeren Ertrages und der kleineren Trauben und Beeren eine gleichmäßigere Reife. Auch eine etwas frühere Reife könnte eine Rolle spielen. Ein recht gutes Ergebnis erzielte auch der Klon We M 1 auf der Unterlage SO 4. Der ertragsstärkere Klon Pinot 292 und der Pinot droit fielen dagegen recht deutlich ab. Nach dem Reifezustand müssten diese beiden Klone auch etwas später gelesen werden, die Botrytisanfälligkeit ist jedoch der begrenzende Faktor, da diese Klone sehr dichtbeerig sind.

Abbildung 6: Unterschiedlicher Reifezustand von Spätburgunderklonen

Innerhalb der lockerbeerigen LVWO-Klone reiften We M 1 und We M 242 am gleichmäßigsten, aber auch diese erreichten zur Boniturzeit nicht eine solch gleichmäßige Ausfärbung wie die kleinbeerigeren französischen Klone. Die lockerbeerigen Klone können aber dafür nach der Lese der kompakten Klone noch etwas länger reifen.

Die Bonitur dieses Merkmals scheint im Nachhinein etwas problematisch, da die Verfärbung der Beeren der einzelnen Klone beim Bl. Spätburgunder doch recht unterschiedlich einsetzt. Es scheint daher sinnvoll zu sein, die Reifebonitur zu verschiedenen Zeitpunkten durchzuführen.

2.3 Ergebnisse des Unterlagenvergleichs mit dem Klon We M 1

2.3.1 Ernteergebnisse

Auf den Unterlagen 5 BB und SO 4 zeigt der Klon We M 1 ein deutliches Menge-Güte-Verhältnis. Er erzielte auf SO 4 einen geringeren Ertrag und ein höheres Mostgewicht (Abb. 7). Auf der 26 G, die aufgrund der Reblausproblematik nicht mehr als Unterlage verwendet wird, hat der Klon einen mit der 5 BB vergleichbaren Ertrag, fällt jedoch im Mostgewicht deutlich ab, was auf die Trockenheit in manchen Versuchsjahren zurückzuführen sein könnte. In der Mostsäure gab es nahezu keine Differenzen.

Abbildung 7: Unterlagenvergleich beim Spätburgunderklon We M 1

2.3.2 Sonstige Beobachtungen

Ansonsten waren die größten Unterschiede in der Stärke des Wuchses festzustellen, welche von der 5 BB über die SO 4 zur 26 G abnahm. Die Trauben reiften auf der SO 4 gleichmäßiger. Generell hinterließ der Klon We M 1 auf der SO 4 und auf der 5 BB einen guten Eindruck.

2.4 Weinbeurteilung der Klone

Im Folgenden werden einige Verkostungsergebnisse dargestellt. Aufgrund der Klonenvielfalt wurden nicht immer alle Klone ausgebaut und verkostet. Die Verkostungen der verschiedenen Jahrgänge wurden von 30 bis 60 Personen durchgeführt. Die Weine der einzelnen Klone wurden in Dreiecksproben gegeneinander verkostet. Bewertet wurde nach DLG-Punkten und nach dem „Spätburgunder-Typ". Über den „Spätburgunder-Typ" wollten wir eine Aussage über die oft umstrittene Akzeptanz der lockerbeerigen Klone im Vergleich zu den kompakten Klonen bekommen.

In Abb. 8 ist die Bewertung nach DLG-Punkten wiedergegeben. Die Klone der ersten sechs Weine stammen aus der SO 4-Unterlagenvariante, die Klone der folgenden Weine aus der 5 BB-Unterlagenvariante. Die Weine standen bei den Verkostungen in der Dreieckskonstellation, wie sie in der Abbildung dargestellt ist.

Abbildung 8: Sensorischer Vergleich verschiedener Spätburgunderklone

Die Bewertung der ersten sechs Weine zeigt deutlich, dass in der Beurteilung zwischen den lockerbeerigen und den französischen kompakten Klonen in diesen drei Jahrgänge und auf diesem Standort praktisch keine Unterschiede in der Weinqualität vorhanden waren. Auch die Weine des Klons We M 1 wurden gegenüber den anderen lockerbeerigen Klonen nicht besser bewertet, fanden jedoch eine etwas größere Akzeptanz im "Spätburgunder-Typ" (Abb. 9). Die Klone Pinot 115 und Pinot 292 fielen in der qualitativen DLG-Bewertung etwas ab, dennoch hatte der Pinot 115 eine sehr hohe „Spätburgunder-Akzeptanz". Generell zeigte sich, dass der Unterschied hinsichtlich des „Spätburgunder-Typs" relativ gering ist. Die Pinot-Klone wurden insgesamt als etwas „typischer" bewertet, was sich jedoch bei der Beurteilung nach DLG-Punkten nicht bemerkbar machte. Eine genauso hohe Akzeptanz der lockerbeerigen Klone war auch in anderen, hier nicht aufgeführten Probefolgen vorhanden.

Abbildung 9: Entsprechen best. Spätburgunderklone dem Spätburgundertyp? 

3. Blauer Spätburgunder in der Klonenzüchtung

3.1 Klonentypen des Blauen Spätburgunders in Deutschland

Der beschriebene Versuch wurde bereits 1987 gepflanzt. Zu dieser Zeit war mit dem We M 1 der einzige lockerbeerige Klon des Bl. Spätburgunders beim Bundessortenamt eingetragen. Im Jahre 2000 weist die „Beschreibende Sortenliste" des Bundessortenamtes für Reben insgesamt 52 Klone des Blauen Spätburgunders auf. Tabelle 1 gibt einen Überblick über Klonenzüchter und Klonentypisierung.

Mittlerweile sind 23 lockerbeerige Spätburgunder-Klone eingetragen. Damit übertreffen diese zahlenmäßig die klassisch kompakten Klone (20 Stück). Sechs Klone werden eher als kleinbeerige Typen und drei Klone als aufrechte Wuchstypen beschrieben. Der in Württemberg beheimatete Klon Samtrot wurde hier dem kleinbeerigen Typ zugeordnet, er könnte auch zwischen dem traditionellen und dem kleinbeerigen Typ eingeordnet werden.

Tabelle 1: Verschiedene Spätburgundertypen und deren Züchter

Züchter

traditionell

kleinbeerig

lockerbeerig

aufrecht

LVWO Weinsberg

 

Samtrot

We M1, We M171, We M 242, We M 819, We M 838, We M 847, We M 848

 

WBI Freiburg

FR 52-86, FR 52-78,
FR 54-102

FR 10, FR 11

FR 12 L, FR 13 L

 

FA Geisenheim
Institut für Rebenzüchtung

2 Gm, 13 Gm, 15 Gm, 17 Gm, 18 Gm, 19 Gm, 20 Gm

20-13 Gm, 20-15 Gm, 20-19 Gm

1-1 Gm, 1-3 Gm, 1-6 Gm, 1-9 Gm, 1-11 Gm, 1-44 Gm, 1-47 Gm, 1-53 Gm, 1-58 Gm, 1-81 Gm, 1-84 Gm, 1-86 Gm

2-2 Gm, 2-6 Gm, 2-9 Gm

SLVA Ahrweiler*

AW 6/38

 

 

 

Frank, R.;
Nordweil*

F 104, F 105, F106, F 105 Super, F 105 Carisma, F Classic

 

 

 

Freund, K.-G.;
DÜW

5/6

 

 

 

Kimmig, M.;
Obersülzen*

 

 

A 2107, A 1522

 

Weis, H.;
Leiwen/Mosel*

70 Wm, 82 Wm

 

 

 

* = Aktionsgemeinschaft zur Erhaltung von Rebsorten e.V.

3.2 Blauer Spätburgunder in Württemberg

In Württemberg gelten als traditionelle Rotweinsorten Bl. Trollinger, Bl. Limberger und Schwarzriesling. Mit diesen drei Sorten ist nahezu die Hälfte der württembergischen Rebfläche bestockt; Bl. Spätburgunder als solcher hat hier nie einen größeren Stellenwert eingenommen. Allenfalls haben in Württemberg mehr die Burgunderspezialitäten Samtrot und Clevner eine qualitativ hochwertige Bedeutung.

Der Samtrot wurde 1928 vom Klonenzüchter Schneider als eine Schwarzriesling-Mutation gefunden und selektioniert. Er ist seit 1958 als Klon des Bl. Spätburgunder beim Bundessortenamt eingetragen und zugelassen, da die vom Bundessortenamt herangezogenen morphologischen und physiologischen Merkmale nicht hinreichend differenzieren. Dennoch sind Unterschiede augenfällig: so hat der Samtrot gegenüber dem Bl. Spätburgunder ein etwas glänzenderes und stärker gelapptes Blatt. Der Traubenansatz ist geringer als beim Bl. Spätburgunder und beim Schwarzriesling. Er ist blüteempfindlicher, wodurch die Trauben oft jungfernfrüchtige und kleine Beeren haben. Die Trauben sind klein, walzenförmig und dichtbeerig. Der Ertrag des Samtrot ist niedriger, das Mostgewicht liegt im allgemeinen über dem des Bl. Spätburgunder und um etwa 10 °Oe höher als das des Schwarzriesling. Die Weine sind fruchtig und etwas samtiger als die des Bl. Spätburgunder. Der Samtrot nimmt heute mit 212 ha ein Viertel der gesamten Spätburgunder-Anbaufläche ein, 1995 war es noch annähernd die Hälfte.

Die zweite regionale Burgunderspezialität, der Clevner, wird fälschlicherweise als Bl. Frühburgunder bezeichnet. Schon die Tatsache, dass der Lesezeitpunkt des Clevners mit dem der traditionellen Spätburgunder-Klone zu vergleichen ist, zeigt dass es sich bei dieser Sorte nicht um einen Bl. Frühburgunder handelt. Gegenüber diesem unterscheidet sich der Clevner hauptsächlich durch seinen aufrechten Wuchs, der vergleichbar mit dem französischen Pinot droit ist. Weiterhin unterscheidet er sich gegenüber dem traditionellen Spätburgunder durch eine kleinere, ungeschulterte Traube und etwas kleinere Beeren. Die Trauben sind auch sehr kompakt. Seine Erträge sind geringer, die Mostgewichte höher, so dass aus dieser Sorte im allgemeinen hohe Weinqualitäten erzeugt werden. Die Weine des Clevners werden als "reif" und "weich" bezeichnet.

Der Clevner wird von einer Selektionsgruppe in Heilbronn erhaltungszüchterisch bearbeitet und wird auf einer Fläche von 19 ha in Württemberg angebaut.

In Abb. 10 sind Ertragsergebnisse des heute nicht mehr aktuellen Klon Stuber als Stellvertreter der traditionellen Spätburgunder-Klone im Vergleich zum We M 838 als Vertreter der lockerbeerigen Klone, zum Samtrot und dem aufrecht wachsenden Clevner aufgeführt. Aus dieser Abbildung gehen deutlich die Unterschiede bezüglich der Ernteleistungen hervor.

Abbildung 10: Ertrags-, Mostgewichts- und Mostsäurevergleich von Spätburgunder, Clevner und Samtrot

Wie bereits erwähnt ist für die Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg mit dem We M 171 ein weiterer lockerbeeriger Klon 1999 vom Bundessortenamt eingetragen worden. Dieser Klon hat gegenüber dem We M 1 bei annähernd gleichem Ertrag ein um etwa 3 °Oechsle höheres Mostgewicht und eine etwas geringere Mostsäure. Die Trauben dieses Klones färben etwas früher, sind weniger geschultert, aber dafür etwas kompakter und somit leicht botrytisempfindlicher. Die Weine des We M 171 haben gegenüber dem We M 1 eine um 1 g/l höheren zuckerfreien Extrakt und wurden bisher in Verkostungen insgesamt etwas besser als der We M 1 bewertet.

4. Zusammenfassung der Ergebnisse und Schlussbetrachtung

In einem Klonenvergleich an der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg wurden von 1992-1999 lockerbeerige Spätburgunder-Klone der LVWO Weinsberg untereinander sowie mit Pinot noir-Klonen aus Frankreich verglichen. Die Ertragsleistung der LVWO-Klone war wie erwartet höher als die der französischen Klone, jedoch nicht so hoch wie angenommen. Auch die Mostgewichtsleistung der lockerbeerigen Klone war höher, was auf die spätere Lese zurückzuführen ist. In der Mostsäure liegen die geprüften lockerbeerigen Klone höher. Die spätere Lese ist durch eine spätere Reife und eine wesentlich geringere Anfälligkeit gegenüber Botrytis cinerea möglich.

Ein großer Unterschied zeigte sich in der Trauben- und Beerengröße. Die französischen Klone hatten deutlich kleinere Trauben und Beeren.

Auf die Weinqualität wirkten sich diese Unterschiede bei dem gegebenen Ertragsniveau nicht aus, es waren nur geringe Differenzen vorhanden. Die lockerbeerigen Klone wurden in diesen Jahrgängen genauso gut beurteilt wie die in Frankreich als Qualitätsklone eingestuften Pinot noir-Klone. Da die Bewertung nach DLG-Punkten keine wesentlichen Unterschiede hergibt, könnte hinsichtlich der „Weinqulität" in Zukunft vielleicht detailliertere Aussagen bezüglich Geschmacks- und Geruchsrichtung durch eine beschreibende Analyse gemacht werden. Weine können in der Qualität sicherlich gleich gut sein und trotzdem eine ganz andere Geschmacksrichtungen haben. Haben die Weine eines Klones mehr Brombeer-, andere mehr Kirscharomen? Dies sollte vielleicht gerade in der Klonenverkostung mehr das Thema sein.

Im Vergleich der lockerbeerigen LVWO-Klone untereinander hob sich der We M 1 gegenüber den anderen We M-Klonen in der Mostgewichtsleistung ab.

Ein Vergleich des Klons We M 1 auf verschiedenen Unterlagen zeigte, dass der Klon We M 1 auf diesem Standort auf der Unterlage SO 4 einen geringeren Ertrag und ein höheres Mostgewicht als auf der 5 BB hatte.

Aufgrund der vorliegenden Ergebnisse dieses Versuches kann gesagt werden, dass die lockerbeerigen Spätburgunder-Klone in jeder Hinsicht eine gute Alternative zu den kompakten Klonen darstellen und eine gute Adaption an die württembergischen Lageverhältnisse beweisen. Mit Sicherheit gibt es Jahrgänge mit wenig Botrytis, in denen man auch farbkräftige und reintönige Rotweine mit kompakten Spätburgunder-Klonen erzeugen kann, in manchen Jahren können jedoch nur geringe Prozentanteile dieser Trauben zur Rotweinbereitung genutzt werden. In solchen Jahrgängen ist das gesunde Lesegut der lockerbeerigen Klone des Blauen Spätburgunders für die Kellermeister von besonders großer Bedeutung.

Ein anderer Aspekt ist ist die Betriebswirtschaft; eine maschinelle Lese ist mit lockerbeerigen und gesunden Trauben möglich, während diese Art der Lese mit botrytisbefallenen Trauben sehr problematisch ist. Der umweltschonende Pflanzenschutz, welcher mit den lockerbeerigen Klonen ohne Botrytizide durchzuführen ist, sollte mitberücksichtigt werden.

Abschließend wurde auf die derzeitige Situation in der Züchtung beim Blauen Spätburgunder in Deutschland und auch in Württemberg eingegangen. Am Beispiel Württemberg wird gezeigt, dass es regionale Burgunder-Spezialitäten gibt.

Es gibt keine Sorte, bei der wir eine solche Vielfalt an Mutanten vorliegen haben. Die Nachfrage nach verschiedenen Klonen seitens der Praxisbetriebe ist sehr groß. Es verdeutlicht wie differenziert die Nachfragen und somit auch die Wünsche der einzelnen Betriebe sein können. Kleinbeerigkeit für bessere Aromenausbildung, Lockerbeerigkeit gegen Botrytis, aufrechter Wuchs aus arbeitswirtschaftlichen Gründen.

Die Züchter und die Praxis wären froh, wenn auch andere Sorten diese Vielfalt des Blauen Spätburgunders zu bieten hätten.

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