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Konkurrenz ausschalten: einheitliche Himbeerbestände und stabile Erträge

 

Gunhild Muster,

LVWO Weinsberg

 

Unter dem Begriff Rutenmanagement versteht man das Entfernen der Jungruten im Laufe der Vegetationsperiode.

 

Ziele im intensiven Himbeeranbau sind hohe und regelmäßige Erträge bei maximaler Fruchtqualität. Bezüglich der Fruchtqualität spielt die Fruchtgröße eine entscheidende Rolle, da damit auch die Pflückleistung beeinflusst wird. Des weiteren wird die Pflückleistung von der Gleichmäßigkeit und Vitalität des Himbeerbestandes beeinflusst. Aufgrund der Fruchtqualität dominieren die Sorten Tulameen und Glen Ample den intensiven Himbeeranbau. Glen-Ample-Pflanzen sind ertragreich, wachsen mittelstark, und weisen eine gute Regeneration auf. Die Fruchtqualität ist gut.

Tulameen-Pflanzen sind oft nur in einzelnen Jahren ertragreich, deshalb ist die Ertragssicherheit geringer. Die Fruchtqualität ist hervorragend. Die Ruten sind sehr dick und lang, die Regeneration nur mäßig.

Deshalb kann das Rutenmanagement besonders bei dieser Sorte interessant sein.

 

Sommerhimbeeren haben einen 2-jährigen Wachstumsrhythmus. Dieses Wuchsverhalten führt zur Konkurrenz zwischen Jung- und Altruten, zur Behinderung der Ernte, geringerer Pflückleistung, zu mehr Krankheiten u.a.

 

Im folgenden Bericht sollen Versuchsergebnisse zum Wuchsverhalten von Ruten und zum Jungrutenmanagement aus dem Versuchsgut Heuchlingen der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg vorgestellt und Folgerungen für die Praxis abgeleitet werden.

 

 

Abbildung 1: Kumulierte Internodienlänge bei Tulameen an unterschiedlichen Terminen der Jungrutenentfernung (Jahr 2007, Mittel aus jeweils 5 Ruten)

Die Jungruten wurden entweder Anfang, Mitte oder Ende Mai entfernt. Am 24.7.2007 wurden die Rutenlängen erfasst sowie die Zahl Nodien und Internodienabstände gemessen.

Die Internodienabstände sind bei allen Ruten bei den unteren 10 bis 20 Nodien am größten. Bei später Entfernung Ende Mai wurde nur eine Wuchshöhe von 175 cm gemessen.

 

 

Bei den ersten 10 bis 20 Nodien ungefähr beträgt die Länge der Internodien ca. 6 bis 10 cm, bei den übrigen Nodien überwiegend 2 bis 4 cm. Es wurden ca. 45 Knospen gebildet bei einer frühen Jungrutenentfernung. Dagegen ist die Anzahl Nodien bei einer Entfernung der ersten Generation Jungruten Ende Mai reduziert. Jedoch ist es nicht allein entscheidend, wie viele Knospen gebildet werden, sondern wie viele Knospen austreiben  und wo die Nodien an der Rute inseriert sind.

 

Abbildung 2 zeigt beispielhaft an einer Rute, dass die unteren Knospen meist nicht austreiben. Außerdem treiben zwischen sehr vitalen Lateralen auch oft einzelne Knospen nicht aus. Insgesamt trieben bei diesen Ruten ca. 74% der angelegten Nodien aus, am besten war der Austrieb mit 84% (Mittel aus 3 Ruten) in der Variante entfernen der Ruten "Mitte Mai".

 

 

Abbildung 2: Austriebsqualität der Lateralen einer zufällig ausgewählten Rute. Sehr deutlich zeigt sich, dass nicht alle Nodien bis Anfang Mai ausgetrieben sind (braune Markierung und vermutlich dunkelgrüne Markierung). Im unteren

Bereich der Rute ist der Austrieb deutlich geringer als im oberen Rutenbereich.

 

 

Angestrebt wird eine Rutenlänge von ca. 200 cm, damit einerseits der obere Rutenteil eine ausreichende Rutenstärke aufweist und andererseits ein Anschnitt erfolgen kann. Mit dem Anschnitt soll der Austrieb angeregt werden und die Möglichkeit bestehen, beschädigte oder erfrorene Knospen zu entfernen.

 

Im Versuchsgut werden seit 2005 verschiedene Versuche, vor allem bei Tulameen aber auch bei Glen Ample, zum Entfernen der Jungruten durchgeführt. Der Heuchlinger Versuchstandort ist normalerweise durch Sommertrockenheit gekennzeichnet, abkühlende Gewitterregen fehlen weitgehend. Es wird betriebsüblich über Tropferleitungen bewässert.

 

Wie Tabelle 1 zeigt, war das Wachstum der nachwachsenden Jungruten in den einzelnen Jahren sehr unterschiedlich. Bei Glen Ample zeigen die Ergebnisse aus den Jahren 2005 und 2006, dass es auf dem Heuchlinger Standort in diesen Jahren nicht möglich war, eine optimale Rutenlänge von rund 200cm zu erreichen.

 


 in trockeneren Jahren wie 2007 und 2008 waren zusätzliche Maßnahmen notwendig.

 

 

Bei Tulameen ist das Längenwachstum der Ruten umso stärker, je früher (vor der Blüte) die erste Generation Jungruten entfernt wird. Das Wachstum ist umso geringer, je später (mit oder nach der Vollblüte) die Jungruten entfernt werden, bzw. wenn sie mehrmals entfernt werden. Dann waren auf dem Heuchlinger sommertrockenen Standort zusätzliche Maßnahmen notwendig.

 

Den Einfluss auf die Rutenstärke und die Anzahl Ruten zeigt Tabelle 2.

 

 

Je später oder häufiger die Jungruten entfernt werden, desto weniger Ruten werden gebildet.

Nur in diesem Frühjahr hat sich das mehrmalige Entfernen der Jungruten deutlich auf die Rutendicke

 ausgewirkt. Ein Zusammenhang zwischen Blühtermin und Wuchsverhalten ist erkennbar.

 

 

Dabei handelt es sich um Mittelwerte aus 2 bis 4 Wiederholungen, die aber nicht statistisch verrechnet wurden. Bei Tulameen unterscheidet sich die Rutenstärke in den einzelnen Jahren und Varianten kaum. Lediglich die Daten aus 2010 scheinen einen deutlichen Unterschied zwischen der Variante "Ende April 09" und dem zweimaligen Entfernen der Jungruten "Ende April und Mitte Mai" zu zeigen. Dagegen scheint die Anzahl Ruten (alle Ruten, die im Frühjahr vor dem "Vereinzeln" vorhanden sind) in den Jahren 2008 bis 2010 vom Termin beeinflusst zu sein. Ein spätes Entfernen der Jungruten, also nach der Vollblüte, oder ein zweimaliges Entfernen der Jungruten reduziert die Zahl der neu austreibenden Jungruten. Bei 8 Ruten pro laufenden Meter besteht keine Auswahl mehr.

 

Der Flächenertrag und die Fruchtgröße hängen sehr stark von der Vitalität der Pflanze, der Anzahl der Ruten, der Rutenlänge und –stärke, der Anzahl Fruchttriebe, der Zahl Früchte pro Fruchttrieb und der Fruchtgröße ab. Da es in den Wiederholungen der einzelnen Varianten große Schwankungen gab, sind die bisherigen Ergebnisse in weiteren Versuchen zu sichern. Bei der Fruchtgröße gab es keine Unterschiede.

 

                                                                                    

Jungrutenmanagement – Konkurrenz

 

Wie oben beschrieben führt das gleichzeitige Wachstum von generativen Organen (Fruchtbildung) und  Jungruten (vegetativ) zu einer Konkurrenzsituation (Abbildung 3).

 

Abbildung 3: Werden die Jungruten nicht im Frühjahr entfernt, können sie bis zur Ernte bereits

höher sein als die Fruchtruten. Dann ist der Bestand sehr dicht und die Ernte wird behindert.

 

  

Deshalb scheint es interessant zu sein, wenn beide Rutensysteme nacheinander wachsen, also mit Hilfe des Jungrutenmanagements die Jungruten erst so spät wachsen, dass sie keine Konkurrenz zu den Altruten mehr bilden. Das wirkt sich positiv auf den Ertrag und die Fruchtgröße aus, wie Ergebnisse aus dem einjährigen Anbau zeigen. Außerdem haben dann die Jungruten mehr Licht und Luft. Damit könnten die Knospen vitaler sein, ein höherer Prozentsatz der Knospen würde möglicherweise austreiben und es würden eventuell weniger Krankheiten auftreten. Am Heuchlinger Standort hat sich gezeigt, dass bei einmaligem Entfernen vor der Blüte, die Rutenlänge bis zum Ernteende in den Jahren 2007 und 2009 schon 200cm betrug. In anderen Jahren (siehe Tab.1) oder nach spätem Termin war die Rutenlänge Ende Juli zu kurz, sodass zusätzlich fertigiert wurde. Je nach Witterung, insbesondere je nach Feuchtigkeit scheint es sehr schwierig den Termin für das Entfernen der Jungruten so zu bestimmen, dass tatsächlich die gewünschte Rutenlänge während der Reifephase erreicht wird.

 

Jungrutenmanagement – Begrenzung der Rutenlänge

 

Je nach Witterung beginnt das Jungrutenwachstum im April. Da Tulameen sehr lange Ruten bildet, scheint es sinnvoll, um keine Assimilate zu "verschwenden", das Längenwachstum zu begrenzen. Wie Tabelle 1 zeigt, verlief dieses in den verschiedenen Versuchsjahren sehr unterschiedlich. Während in den Jahren 2005, 2006 und 2008 das Wachstum unzureichend war, waren die Jahre 2007 und 2009 wüchsiger. Im Juli 2007 und 2008 wurde fertigiert, um das Wachstum zusätzlich anzuregen. Eine Alternative ohne Düngergabe  könnte auch eine Überkronenberegnung sein.

 

Bei Glen Ample zeigen die Ergebnisse aus den Jahren 2005 und 2006, dass es auf dem Heuchlinger Standort, zumindest ohne zusätzliche Maßnahmen nicht möglich war eine optimale Rutenlänge von rund 200cm zu erreichen.

Je nach Standort und Sorte ist es möglich mit einem gezielten Eingreifen das Längenwachstum zu begrenzen. Termine zur Blüte oder nach der Blüte sind als kritisch anzusehen, wenn keine zusätzlichen Kulturmaßnahmen möglich sind.

 

Jungrutenmanagement – Krankheiten

 

Durch das Entfernen der Jungruten erhofft man sich eine Verringerung der Rutenstärke. Tulameen Ruten sind oft 9 bis 12mm dick. Solche Ruten bekommen leicht Wachstumsrisse und platzen auf. Das sind dann Eintrittspforten für die Erreger der verschiedenen Rutenkrankheiten. Tulameen ist besonders empfindlich für Botrytis. Rutenkrankheiten sind durch Farbveränderungen (meist Verbräunungen) an der Rinde erkennbar. Aber der Pilz wächst auch in die Rute hinein und ist beim Aufschneiden durch das verbräunte Mark erkennbar. Die Vitalität der Rute wird vermindert, sodass nur kurze Laterale gebildet und der Ertrag und vor allem die Fruchtqualität reduziert werden. Im Extremfall kommt es zum Ausfall der Rute vor oder zur Erntezeit.

Durch ein Entfernen der Ruten bis zur Blüte, findet ein erneuter verzögerter Austrieb statt. Die Phase, in der Jung- und Altruten nebeneinander den Bestand bilden ist damit verkürzt. Der Infektionsdruck wird verringert, da der Bestand nicht so dicht ist (bessere Durchlüftung und Abtrocknen) und die Phase bis zum Ernteende, ab dem dann auch wieder die Rutenkrankheiten bekämpft werden können , ist verkürzt. Eine drastische Reduktion der Rutenstärke auf beispielsweise nur 7mm konnte in den Heuchlinger Beständen nicht beobachtet werden (Tab. 2).

Visuell wird jährlich die Größe und Zahl der Verbräunungen an der Rute bonitiert und nach dem Boniturschema 1 bis 9 festgehalten. Während im ersten Standjahr die Boniturnote 3 (gering) vergeben wird, wurde in den folgenden Jahren immer die Stufe 6 bis 7 notiert. Anhand dieser Bonitur kann nicht auf eine Verringerung des Befalls mit Rutenkrankheiten geschlossen werden.

 

Besonders viele kleine dünne Jungruten im Bestand deuten auf eine Infektion mit dem Erreger der Phytoplasmose Rubus Stauche hin. Diese Krankheit kann nur eingedämmt werden durch sofortiges Entfernen von Jung- und Altruten. Das Rutenmanagement bietet eine gute Gelegenheit darauf zu achten.

 

Jungrutenmanagement – Spätfrost

 

Es hat sich gezeigt, dass der Austrieb der Jungruten, auch wenn weniger als 5cm zu sehen sind, durch Spätfröste geschädigt werden kann. Meistens sind keine Verbräunungen erkennbar und die Jungrute wächst scheinbar normal weiter. Im Folgejahr zeigt sich der Spätfrostschaden dadurch, dass die Jungruten zögerlich oder gar nicht austreiben, kurze Laterale bilden, und dann während der Ernte zusammenbrechen. Von solchen Ruten kann keine optimale Menge an Früchten geerntet werden und die Fruchtgröße ist zu klein.

Findet ein Spätfrostereignis statt, sollte diese Generation an Jungruten unbedingt entfernt werden.

 

Jungrutenmanagemant – Durchführung

 

Manuell können Jungruten unabhängig von der Wuchshöhe entfernt werden. Diese Methode ist wegen ihrem hohen Handarbeitsaufwand sehr kostenintensiv.

Mit dem Produkt shark, das eine Genehmigung nach §18a Pflanzenschutzgesetz hat, können die Jungruten einmal im Jahr chemisch entfernt werden. Da shark nur auf die grünen Pflanzenteile wirkt, dürfen die Jungruten nicht zu hoch sein.

Bei einer Unkrautbekämpfung mit Basta im Mai werden auch die Jungruten abgetötet.

Eine maschinelle Entfernung durch Einsatz eines Stammputzers ist ebenfalls möglich (Abildung 4). Dabei werden auch nur die krautigen Pflanzenteile optimal entfernt. Nachteilig ist, dass die rotierenden Gummischlägel nur die Jungruten am Rand erfassen. Die Jungruten, die zwischen den Fruchtruten wachsen, müssen per Hand entfernt werden.

 

 

Abbildung 4: Maschinell können Jungruten bei einer Höhe bei 10 bis 15 cm

am Rand gut mit dem Stammputzer entfernt werden. Der Handarbeitsaufwand

 wird dadurch reduziert, da nicht alle Jungruten manuell entfernt werden.

 

 

Fazit

 

Das Entfernen von Jungruten bei Sommerhimbeeren (besonders Tulameen) kann sinnvoll sein, wenn

ein Spätfrostschaden eingetreten ist,

die Rutenlänge (Behinderung zur Erntezeit, Pflückleistung),

die Rutenstärke (Wachstumsrisse, Rutenkrankheiten), oder

die Konkurrenzsituation Jungruten - Altruten (Ertrag, Fruchtgröße)

verringert werden soll.

 

Durch das einmalige Entfernen von Jungruten bis zur Blüte ist es möglich, die Rutenlänge zu reduzieren. Die Rutenqualität ist ausreichend für einen optimalen Ruten- und Flächenertrag.

Ein spätes Entfernen der Jungruten zur Zeit der Vollblüte oder direkt danach (Ende Mai / Anfang Juni) oder ein mehrmaliges Entfernen führte in den Versuchen zu einem deutlich geringeren oder zu geringen Längenwachstum, etwas reduzierter Rutenstärke und geringerer Anzahl an Ruten.

Auf sommertrockenen Standorten scheint es sinnvoll das Wachstum bei spätem oder mehrmaligen Entfernen der Jungruten im Juli durch Fertigation oder Überkronenberegnung anzuregen (Achtung: Triebabschluss wichtig für Blütenindikation und Winterhärte).

Ein Einfluss auf den Befall mit Rutenkrankheiten konnte in den Versuchen bislang nicht festgestellt werden.

 

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