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Untersuchungen zu Alternativen für den Einsatz kupferhaltiger Mittel gegen Rebenperonospora im ökologischen Weinbau

Dr. Walter K. Kast
LVWO Weinsberg
E-Mail: walter.kast@lvwo.bwl.de

Ziele des Projektes:Prüfung und Entwicklung neuer Methoden als Alternativen zum Einsatz von Kupfer im ökologischen Weinbau.

Prüfung antifungaler Naturstoffe, anorganischer und organischer Substanzen in Labor-, Gewächshaus- und Freilandversuchen.

1. Problemstellung
Die Anwendung kupferhaltiger Präparate zur Bekämpfung der Rebenperonospora (Plasmopara viticola) ist im ökologischen Anbau nur bis 31.03.2002 zulässig. Gegen den Einsatz von Kupfer sprechen folgende Argumente:

Kupfer als Schwermetall reichert sich in den Böden behandelter Rebflächen an (Folge: Chlorosen, Hemmung der mikrobiellen Stoffkreisläufe, Schädigungen von Regenwürmern und Veränderung der Biozönose).

Oberflächengewässer werden durch den Eintrag von Kupfer belastet, da Kupfer toxisch für Fische und Fischnährtiere ist.

Kupfer reichert sich im Sediment von Gewässern an.

Als Alternative stehen im ökologischen Anbau nur aluminiumhaltige Gesteinsmehle zur Verfügung, die teilweise als Pflanzenstärkungsmittel registriert sind (Mykosin, Ulmasud). Diese haben eine geringe Regenbeständigkeit und schädigen bei häufigem Einsatz die Rebe sowie wichtige Nützlinge, z. B. Raubmilben.

Ziel des Vorhabens war deshalb die Prüfung und Entwicklung neuer Bekämpfungsmethoden durch antifungale Naturstoffe, anorganische und organische Substanzen.

2. Methodik

2.1 Extrakte

Ausgangsmaterial

Luzerne: Entnahme von einem Gründüngungsschlag am Burgberg. 24h Trocknung bei 40°C im Trockenschrank. Verwendung der gemahlenen Blätter.

Hafer: Aussaat in 20l-Containern. Kultur im Gewächshaus bei 20°C und ca. 70% relativer Feuchte. Entnahme 6 Wochen nach Auflauf. 24h Trocknung bei 40°C im Trockenschrank. Verwendung der gesamten gemahlenen Pflanze.

Andere Drogen: Bezug über Fa. Caesar & Loretz GmbH, Herderstr. 31, 40721 Hilden.

Extrakte in Laborversuchen

1.

Alkoholischer Auszug
7,5g pflanzliche Substanz wurde mit 150ml 70% Ethanol 4h bei 60°C (Wasserbad) im Rundkolben mit Rücklaufkühlung extrahiert und durch ein Vlies abgefiltert. Der Extrakt wurde unter Zugabe von 10ml Aquademin im Rotationsverdampfer eingeengt und anschließend unter Zusatz von 0,0125% Tween 20 mit Aquademin auf 150ml aufgefüllt.

2.

Alkoholischer AC-Auszug
7,5g pflanzliche Substanz wurde mit 150ml 70% Ethanol 4h bei 60°C (Wasserbad) im Rundkolben mit Rücklaufkühlung extrahiert und durch ein Vlies abgefiltert. Der Extrakt wurde unter Zugabe von 10ml Aquademin im Rotationsverdampfer eingeengt und anschließend unter Zusatz von 0,0125% Tween 20 mit 10%igem Aceton auf 150ml aufgefüllt.

3.

Wässriger Auszug
7,5g pflanzliche Substanz wurde mit 150ml Aquademin 4h bei 60°C (Wasserbad) im Rundkolben mit Rücklaufkühlung extrahiert und durch ein Vlies abgefiltert. Es wurde 0,0125% Tween 20 zugesetzt und mit Aquademin auf 150ml aufgefüllt.

4.

Wässriger AC-Auszug
7,5g pflanzliche Substanz wurde mit 150ml 10%igem Aceton 4h bei 60°C (Wasserbad) im Rundkolben mit Rücklaufkühlung extrahiert und durch ein Vlies abgefiltert. Es wurde 0,0125% Tween 20 zugesetzt und mit Aquademin auf 150ml aufgefüllt.

Die Auszüge sind in braunen Glasflaschen bei 4°C mindestens eine Woche lagerfähig.

Extrakte in Freilandversuchen

5.

Wässriger Auszug
500g pflanzliche Substanz wurde mit 2.000ml Aquademin 4h bei 60°C (Trockenschrank) in 5l-Weckgläsern unter gelegentlichem Umschütteln extrahiert und durch ein Vlies abgefiltert. Es wurde 0,0125% Tween 20 zugesetzt.

6.

Alkoholischer Auszug
500g pflanzliche Substanz wurde mit 2.000 ml 70%igem Ethanol 4h bei 60°C (Trockenschrank) in 5-l-Weckgläsern unter gelegentlichem Umschütteln extrahiert und durch ein Vlies abgefiltert. Es wurde 0,0125% Tween 20 zugesetzt.

Die Einstellung der gewünschten Konzentrationen erfolgte kurz vor Anwendung am Versuchsort.

Konzentrationen

Die jeweilige Extraktkonzentration ergibt sich als Masse der extrahierten pflanzlichen Trockensubstanz [g] pro Volumen des Lösungsmittels [ml].

2.2 Blattscheibenversuche

Versuchsanstellung und Bonitur orientierte sich an der Standardmethode der LVWO.

In einer Wiederholung wurden pro Präparat und Variante 16 Blattscheiben berücksichtigt.

Konzentration der Präparate: 5%, wenn nicht anders angegeben

Varianten:
Termin A: Behandlung 48 h vor Inokulation
Termin B: Behandlung 4 h vor Inokulation
Termin C: Behandlung 24 h nach Inokulation

Erregerstamm: We 03/7; Suspensionsdichte: 20.000 Sporangien/ml.

Angabe von Wirkungsgraden nach
ABBOTT W (1925) A method for computing the effectiveness of an insecticide. J Econ Entomol 18: 265-267.

2.3 Topfrebenversuche

Pro Präparat und Variante wurden fünf Wiederholungen (je 1 Topfrebe) durchgeführt.

Konzentration der Präparate: 5%

Varianten:
A: Behandlung 48h vor Inokulation
B: Behandlung 4h vor Inokulation
C: Behandlung 24h nach Inokulation

Pflanzen: Im Alter von 10 Wochen (9-12 Blätter).

Kultur: 14h Belichtung (6000lx), 20°C, 70% Luftfeuchte.

Applikation der Präparate erfolgte tropfnass mit Handsprühflasche.

Inokulation: Blattunterseite mit Handzerstäuber.
Erregerstamm: We 03/7; Suspensionsdichte: 20.000 Sporangien/ml.

Bonitur: Pro Pflanze wurden die Unterseiten von fünf Blätter nach Befallsstärke bonitiert. Die Bonitur erfolgte nach Richtlinie PP 1/31(2) der European and Mediterranean Plant Protection Organization (in gleichen Schritten von 0 bis 10, 0 bis 100% Befall entsprechend, Schema nächste Seite).

Angabe von Wirkungsgraden (Relationswerten) nach
ABBOTT W (1925) A method for computing the effectiveness of an insecticide. J Econ Entomol 18: 265-267.

2.4 Freilandversuche

2.4.1 Freilandversuch 1999

Versuchsanlage

Wildeck, Beet 44
Spätburgunder u. Samtrot

Reihenabstand [m]:

2

Pflanzweite [m]:

1,4

Wiederholungen

Anzahl

4

 

Stöcke pro Parzelle:

20

 

Parzellenfläche [ha]:

0,0056

Varianten

Nr.

Präp.

Konzentration

Zusatz 1

Zusatz 2

Zusatz 3

1

Kontrolle

 

+ N§

 

 

2

Mykosin

1,00%

+ N

 

 

3

Salicylsäure

0,20%

+ N

 

 

4

Mykosin

1,00%

+ N

Salicylsäure 0,20%

 

5

Mykosin

1,00%

+ N

Phosphorige Säure 0,10%

 

6

  

  

+ N

Phosphorige Säure 0,10%

  

7

Kupfer 450FW

0,04%

+ N

 

 

8

Mykosin

1,00

+ N

Phosphorige Säure 0,05%

Salicylsäure 0,2

9

Kupfer 450FW

0,02%

+ N

Phosphorige Säure 0,10%

 

10

Kupfer 450FW

0,02%

+ N

Salicylsäure 0,20%

 

11

Kurative*

 

+ N

Phosphorige Säure 0,10%

 

§Zusatz 1 ("N"): Netzschwefel 0,6%, ab Blütestadium 0,2%.
*
3 Behandlungen nach Prognosesystem Adcon am 14.6., 29.6. und 6.7.

Bemerkungen:

Ausbringung mit rückentragbarem Sprühgerät.
9 Behandlungstermine im 10tägigen Abstand ab 15.05.2000 bis 10.08.2000.
ausschließlich natürliche Infektionen.

2.4.2 Freilandversuch 2000

Versuchsanlage

Wildeck, Beet 44
Spätburgunder u. Samtrot

Reihenabstand [m]

2

Pflanzweite [m]

1,4

Wiederholungen

Anzahl

4

 

Stöcke pro Parzelle

10

 

Parzellenfläche [ha]

0,0028

Varianten

Nr.

Präp.

Extrakt

Konz.

Zusatz 1

Zusatz 2

Zusatz 3

1

Kontrolle

 

 

+ N

 

 

2

Kupferkalk 15/18

 

0,10%

+ N

 

 

3

Schlüsselblume, Wurzel

wässriger Auszug

2,00%

+ N

 

  

4

Weidenrinde

wässriger Auszug

2,00%

+ N

 

 

5

Enzianwurzel

alk. Auszug

2,00%

+ N

 

 

6

Faulbaumrinde

alk. Auszug

2,00%

+ N

 

 

7

Goldrutenkraut

alk. Auszug

2,00%

+ N

 

 

8

Kontrolle

 

 

+ N

pS

 

9

Kupferkalk 15/18

 

0,10%

+ N

pS

 

10

Schlüsselblume, Wurzel

wässriger Auszug

2,00%

+ N

pS

 

11

Weidenrinde

wässriger Auszug

2,00%

+ N

pS

 

12

Enzianwurzel

alk. Auszug

2,00%

+ N

pS

 

13

Faulbaumrinde

alk. Auszug

2,00%

+ N

pS

 

14

Goldrutenkraut

alk. Auszug

2,00%

+ N

pS

 

15

Kontrolle

 

 

+ N

 

Sap

16

Kupferkalk 15/18

 

0,10%

+ N

 

Sap

17

Schlüsselblume, Wurzel

wässriger Auszug

2,00%

+ N

 

Sap

18

Weidenrinde

wässriger Auszug

2,00%

+ N

 

Sap

19

Enzianwurzel

alk. Auszug

2,00%

+ N

 

Sap

20

Faulbaumrinde

alk. Auszug

2,00%

+ N

 

Sap

21

Goldrutenkraut

alk. Auszug

2,00%

+ N

 

Sap

22

Kontrolle

 

 

+ N

pS

Sap

23

Kupferkalk 15/18

 

0,10%

+ N

pS

Sap

24

Schlüsselblume, Wurzel

wässriger Auszug

2,00%

+ N

pS

Sap

25

Weidenrinde

wässriger Auszug

2,00%

+ N

pS

Sap

26

Enzianwurzel

alk. Auszug

2,00%

+ N

pS

Sap

27

Faulbaumrinde

alk. Auszug

2,00%

+ N

pS

Sap

28

Goldrutenkraut

alk. Auszug

2,00%

+ N

pS

Sap

Zusatz 1 ("N"): Netzschwefel 0,6%, im Blütestadium 0,2%.
Zusatz 2 ("pS"): Phosphorige Säure (50%ig); 0,1%+ NaOH (50%ig); 0,1%.
Zusatz 3 ("Sap"): Saponin; 0,1%.
Kupferkalk von Spieß-Urania.

Bemerkungen:

Ausbringung mit Kolbenrückenspritzgerät. Hohlkegeldüse.
9 Behandlungstermine im 10tägigen Abstand ab 15.05.2000 bis 07.08.2000.
Künstliche Plasmoparainfektion (ein Blatt pro Parzelle in Augenhöhe) am 24.06.2000, 20-22 Uhr.

2.5 Rückstandsuntersuchungen

Von den Varianten 02, 06 und 11 des Freilandversuches 1999 wurden Trauben- und Mostproben gezogen sowie in 2 Wiederholungen zu Wein ausgebaut. Traubenmost und Weinproben wurden auf die Gehalte an Phosphoriger Säure analysiert. Mit den Analysen wurde beauftragt:

RCC Ltd., Environmental Chemistry & Pharmaanalytics, CH-4452 Itingen/Schweiz.

3. Bisherige Arbeiten

3.1 Untersuchungen zur Wirkung von Salicylsäure

Salicylsäure ist als naturidentische Substanz preiswert im Handel erhältlich. Sie wird als Abwehr-assoziierte Substanz diskutiert und hatte in Freilandversuchen der LVWO bei 0,2 %iger Anwendung als Suspension teilweise eine deutliche Befallsminderung gezeigt, teilweise waren die Behandlungen aber wirkungslos. Ziel dieses Teils der Untersuchungen war die Prüfung der Wirkungscharakteristik und Kombinationsmöglichkeiten. Dazu wurde 1999 ein Labortest durchgeführt und ein Freilandversuch angelegt.

3.3.1 Laborversuch (Blattscheibentest)

Ziel: Wirkungscharakteristik und Wirkungsdauer

Methodik: Blattscheibentest (Termine A, B, C, siehe 2.2), 3 Wiederholungen

Varianten:
01 Kontrolle
02 Mykosin 1,0 %
03 Ökofluid-P 1,0 % (enthält ca. 10 % phosphorige Säure)
04 Saylicylsäure 0,2 %

Tabelle 1: Relationswerte (Wirkung in %) im Blattscheibentest

Variante

Termin A

Termin B

Termin C

02 Mykosin

87,6

95,6

24,4

03 Ökoflud-P

92,9

86,1

41,6

04 Salicylsäure

47,2

77,8

24,7

GD 5 %

8,6

10,4

8,8

Salicylsäure zeigt die beste Wirkung, wenn sie sehr kurz vor der Infektion appliziert wird. Bereits nach 2 Tagen ist die Wirkung reduziert. Der kurative Effekt ist gering und weitgehend durch eine verstärkte Vergilbung der Blätter (toxischer Effekt) zu erklären. Bei einer Resistenzinduktion durch Salicylsäure wäre zu erwarten, dass die Wirkung bei Applikation 48 Stunden vor der Infektion am größten ist. Die gefundenen Werte sprechen eher gegen eine Resistenzinduktion.

3.1.2 Freilandversuch 1999

Ziele:
  Prüfung von Kombinationen mit Salicylsäure und Phosphorige Säure

  Prüfung des gezielten Einsatzes von Phosphoriger Säure (kurativ nach Prognosen)
  Bewertung der Rückstände nach dem Einsatz von Phosphoriger Säure

Methodik: Freilandversuche (siehe 2.4.1)

Ergebnisse:

Tabelle 2: Peronosporabefall der Varianten mit Salicylsäure im Freilandversuch 1999

Nr.

Variante

Befall Juli

Befall September

Blatt*

Traube**

Blatt*

Traube**

1

Kontrolle

32,8

2,7

99,2

15,3

2

Mykosin

10,7

0,3

36,7

2,1

3

Salicylsäure

23,3

1,1

99,2

8,3

4

Salicylsäure + Mykosin

4,8

0,1

36,3

2,5

10

Salicylsäure + Kupfer

10,3

0,3

61,2

4,7

  

GD 5 %

7,7

0,7

11,3

5,7

* Befallshäufigkeit %; ** Befallsstärke %

Salicylsäure bewirkte im Juli eine signifikante Befallsminderung (um 29 - 59 %). Im September war der Blattbefall in der Salicylsäurevariante auf fast 100 % angestiegen, der Traubenbefall aber noch um die Hälfte geringer. Vermutlich ist die Wirkungsdauer zu kurz. Der Zusatz von Salicylsäure zu Mykosin ergab nur anfänglich (im Juli) eine geringfügige Wirkungsverstärkung.

3.2 Untersuchungen zur Wirkung und Rückstandssituation bei Phosphoriger Säure

Phosphorige Säure (P. S.) kommt in Spuren natürlich in Pflanzen vor. Als anorganische Substanz könnte sie eventuell als Ersatz für Kupfer in Frage kommen. In bisherigen Versuchen hatte P. S. während der Hauptwachstumsphase eine mit konventionellen Fungiziden vergleichbare, insbesondere auch kurative, Wirkung gezeigt. An älteren Blättern ist die Substanz nahezu unwirksam. Sie baut sich allerdings in der Pflanze nur extrem langsam ab. Ziel dieser Teiluntersuchungen des Freilandversuchs 1999 (siehe 2.4.1) war die Überprüfung der Wirkung und Rückstände bei gezieltem Einsatz nach Prognosesystemen während der Blüte und in Kombinationen mit Kupfer und Gesteinsmehlen (Mykosin).

Methodik: Freilandversuch (siehe 2.4.1), Rückstandsanalytik (siehe 2.5).

Ergebnisse:

Tabelle 3: Peronosporabefall und Rückstände der Varianten mit Phosphoriger Säure im Freilandversuch 1999

Nr.

Variante

Befall Juli

Befall September

Rückstände mg/kg H3PO3

Blatt*

Traube**

Blatt*

Traube**

Traube§

Most§

Wein

1

Kontrolle

32,8

2,7

99,2

15,3

2,0

3,1

3,4

6

Phosphorige Säure

2,3

0,2

93,8

1,5

13,0

13,0

10,6

5

Phosphorige Säure + Mykosin

8,2

0,1

27,7

1,6

-

-

  

9

Phosphorige Säure + Kupfer

2,0

0,4

39,8

2,6

-

-

  

11

Phosphorige Säure kurativ

1,0

0,2

96,5

6,1

9,2

8,1

7,6

  

GD 5 %

7,7

1,1

11,3

5,7

4,0

4,0

4,0

* Befallshäufigkeit %, ** Befallsstärke %, § bei Ernte

Der Befall durch Peronospora während der Hauptwachstumsphase im Juni und Juli (Auswertung Juli) konnte durch den Einsatz von Phosphoriger Säure (P.S.), insbesondere durch gezielte kurative Spritzungen, hervorragend kontrolliert werden. Danach nahm der Befall in den P.S.-Varianten besonders an den Blättern drastisch zu. Dies bestätigt ältere Versuchsergebnisse der LVWO, nach denen P.S. an älteren Blättern fast wirkungslos ist. Ein ausreichender Schutz während der gesamten Vegetationsperiode kann nur durch Kombinationen, insbesondere mit Gesteinsmehlen (Mykosin) oder auch Kupfer erreicht werden. In der Praxis dürfte die gleichzeitige Ausbringung von Mykosin (oder Kupfer) und P.S. weniger interessant sein. Besser wäre ein Einsatz von P.S. bis zum Rebstadium „Schrotkorngröße der Beeren", gefolgt von Spritzungen mit Mykosin. Interessant ist auch, dass die Rückstandssituation in dieser Variante (3 x kurativ) sehr günstig aussieht. Allerdings hinterlassen auch frühe Einsätze in der Vegetationsperiode nachweisbare Rückstände. Vermutlich wird bei frühem Einsatz P.S. relativ stark in die Beeren verlagert und baut sich dort kaum ab. Die Daten von Trauben, Most und Wein belegen ältere Ergebnisse der LVWO, nach denen sich P.S. weder in der Pflanze noch bei der Weinbereitung nennenswert abbaut.

3.3 Untersuchungen zu naturnahen chemischen Substanzen

In einem Blattscheibenversuch (siehe 2.2) sowie einem Versuch mit Topfreben (siehe 2.3) wurden chemische Substanzen ihrer Wirkung an den Terminen A, B und C geprüft, bei denen vermutet wurde, dass sie resistenzinduzierend, pflanzenstärkend und/oder fungizid wirksam sein könnten. Bei dem Präparat „Anti-Blight" handelt es sich nach Angaben des Herstellers um ein Präparat, das 8 % P2O5, 21 % K2O, 20 % Saponin, 11 % Calcium, 2,5 % Katechol, 6 % Alkaloide und 7 % Pflanzenöle enthält. „Ökofluid-P" enthält (ohne nähere Angaben) nach Angaben des Herstellers ca. 7 % Phosphorige Säure sowie Gesteinsmehl, Soja-Lecithin, Kräuterextrakte und Humusextrakte.

Ergebnisse:

Tabelle 4: Wirkung naturnaher chemischer Substanzen gegen Peronospora im Blattscheibentest

 

Substanzen

angew. Konz.

mittlerer Wirkungsgrad [%]

Termin A

Termin B

Termin C

1

Mycosin (Standard)

1%

97

96

41

2

Aqua demin (Kontrolle)

 

 

 

 

3

3-Aminobuttersäure

20 mmol

86

80

1

4

"Anti-Blight"

2%

32

38

-5

5

ÖkofluidP

1%

94

90

39

6

Canavanin

1000 ppm

94

96

93

7

Chitosan**

1000 ppm

67

88

5

8

Cholsäure

1000 ppm

32

15

-3

9

Flavon

1000 ppm

61

69

7

10

Gallensäure-Na-Salz

1000 ppm

33

31

7

11

Linolsäure

10 mmol

92

97

20

12

Methyljasmonat

10 mmol

58

83

32

13

Parthenolid

1000 ppm

84

90

13

14

Saccharin

10 mmol

64

82

-5

15

Salicylsäure

1000 ppm

76

89

-1

16

Salicylsäure

500 ppm

41

79

5

17

Saponin

1000 ppm

84

84

29

Zusatz: Tween 20 (0;125%) zu allen Varianten

**in Essigsäure (60%) erhitzt; pH mit NaOH auf 6,2 eingestellt

Bemerkungen:
8
Cholsäure: leichte Verbraunungen
10
Gallensäure-Na-Salz: leichte Verbraunungen
11
Linolsäure: sehr feine, gesprenkelte, braune Lokalläsionen, Adern gelb-rot verfärbt
12 Methyljasmonat: flächige Braunfärbungen mit schwarz-grünen Höfen
14 Saccharin: leichte Verbraunungen
15 Salicylsäure: flächige Braunfärbungen

 

Tabelle 5: Wirkung naturnaher chemischer Substanzen gegen Peronospora im Topfrebenversuch

Substanzen

angew. Konz

mittlerer Wirkungsgrad [%]

Termin A

Termin B

Termin C

1

Mycosin

1%

94

92

25

2

Aqua demin

 

 

 

 

3

3-Aminobuttersäure

20 mmol

80

74

4

4

"Anti-Blight"*

2%

30

28

-8

5

ÖkofluidP

1%

95

88

35

6

Canavanin

1000 ppm

95

94

95

7

Chitosan

1000 ppm

63

85

-6

8

Cholsäure

1000 ppm

34

9

5

9

Flavon

1000 ppm

58

65

3

10

Gallensäure-Na-Salz

1000 ppm

35

27

16

11

Linolsäure

10 mmol

90

91

15

12

Methyljasmonat

10 mmol

53

78

15

13

Parthenolid

1000 ppm

81

82

24

14

Saccharin

10 mmol

69

75

-15

15

Salicylsäure

1000 ppm

68

75

14

16

Salicylsäure

500 ppm

35

64

12

17

Saponin

1000 ppm

81

74

17

Zusatz Tween 20 (0;125%)

Signifikante kurative Effekte ergaben nur das Präparat Ökofluid-P sowie insbesondere die Nicht-Protein-Aminosäure Canavanin. Alle Substanzen reduzierten den Befall signifikant, wenn sie 4 Tage vor der Infektion angewandt wurden. Cholsäure hatte erst nach 2-tägiger Einwirkung einen signifikanten Effekt, was auf Resistenzinduktion hindeutet. Bei Salicylsäure und Methyljasmonat, einem Signalstoff der pflanzlichen Resistenzreaktion, war mit zunehmendem Abstand zwischen Applikation und Infektion ein deutlicher Wirkungsabfall zu erkennen. Bei allen anderen Substanzen waren die Unterschiede zwischen den vorbeugenden Behandlungsterminen unbedeutend.

3.4 Voruntersuchungen zu Pflanzenextrakten

Für einen Vortest wurden von 23 Pflanzen (Tabelle 6) wässrige, wässrige AC, alkoholische und alkoholische AC-Auszüge hergestellt (siehe 2.1) und in einem Blattscheibentest 48 und 4 Stunden vor sowie 24 Stunden nach der Infektion appliziert (siehe 2.2).

Tabelle 6: Untersuchte Kräuterextrakte

Nr.

Extrakt aus

botanische Bezeichnung

Bezeichnung der Droge

1

Efeublätter

Hedera helix

Folia Hederae helicis

2

Eichenrinde

Quercus spec.

Cortex Quercus plv. sbt.

3

Eisenkraut

Verbena offizinalis

Herba Verbenae

4

Enzianwurzel

Gentianas pec.

Radix Gentianae plv. gross

5

Faulbaumrinde

Rhamnus frangula

Cortex Frangulae plv. sbt.

6

Goldrutenkraut

Solidago spec.

Herba Solidagenis

7

Hafer

Avena sativa

  

8

Holunderblüten

Sambuca nigra

Flores Sambuci

9

Kastanienblätter

Aesculus hippocastanum

Folia Hippocastani conc.

10

Luzerne

Medicago sativa

Alfalfa

11

Mistelkraut

Viscum album

Herba Visci albi plv. sbt.

12

Rhabarberwurzel

Rheum rhabarbarum

Rhizoma Rhei sinensis

13

Ringelblumenblüten

Calendula officinalis

Flores Cal. sine Calycibus minut. conc.

14

Rosmarin

Rosmarinus officinalis

 

15

Salbeiblätter

Salvia officinalis

Folia salviae

16

Sauerampfer

Rumex acetosa

Herba Rumicis acetosae conc.

17

Schafgarbe, Blüte

Achillea millefolium

Flores Millefolii

18

Schafgarbe, Kraut

Achillea millefolium

Herba Millefolii

19

Schlüsselblume, Wurzel

Primula veris

Radix Primulae

20

Sesamschrot

Sesamum indicum

Semen Sesami

21

Stiefmütterchen

Viola tricolor

Herba Violae tricoloris conc.

22

Rainfarn

Tanacetum parthenium

 

23

Weidenrinde

Salix spec.

Cortex Salicis

 

Tabelle 7: Wirkung von Pflanzenextrakten gegen Peronospora im Blattscheibentest

  Nr.

Extrakt aus

mittlerer Wirkungsgrad [ %]

Termin A

Termin B

Termin C

AAC

ALK

WAC

WAS

AAC

ALK

WAC

WAS

AAC

ALK

WAC

WAS

1

Efeublätter

93,4

96,0

94,8

98,8

92,0

86,3

90,7

97,1

15,1

15,1

8,2

15,1

2

Eichenrinde

89,0

93,8

71,9

74,0

92,3

86,4

49,5

41,0

-5,7

-2,9

8,6

-8,6

3

Eisenkraut

71,0

76,9

54,7

57,9

80,8

81,1

60,4

63,1

31,9

20,8

6,9

6,9

4

Enzianwurzel

87,8

91,0

39,1

35,3

93,9

74,4

65,6

69,7

5,0

7,5

10,0

-25,0

5

Faulbaumrinde

91,1

93,1

69,5

67,5

92,0

86,3

88,9

95,2

37,0

35,6

30,1

35,6

6

Goldrutenkraut

25,2

32,7

45,8

40,2

67,0

66,1

67,0

59,6

10,1

14,7

-1,8

-4,6

7

Hafer

50,6

32,3

30,9

27,1

56,4

44,7

45,0

49,1

4,3

-6,5

8,7

6,5

8

Holunderblüten

65,2

60,4

59,2

75,4

57,5

62,6

69,3

85,8

7,6

14,8

13,3

13,3

9

Kastanienblätter

73,7

71,8

70,5

76,5

73,9

70,7

68,8

61,1

-2,8

9,6

2,6

10,9

10

Luzerne

81,6

71,3

68,4

69,0

88,9

79,4

68,7

59,3

13,4

6,0

8,8

3,5

11

Mistelkraut

64,3

65,0

71,0

70,3

59,6

55,0

56,0

54,4

6,5

0,0

4,1

14,4

12

Rhabarberwurzel

76,9

64,9

88,0

87,2

90,0

82,4

94,2

94,2

3,4

8,7

11,5

5,6

13

Ringelblumenblüten

74,0

74,0

39,9

77,4

69,3

74,7

69,0

85,2

-4,4

7,0

-7,6

-0,8

14

Rosmarin

67,7

95,5

18,6

17,2

79,7

93,5

49,8

41,7

7,2

12,3

8,6

7,3

15

Salbeiblätter

78,4

95,0

58,1

51,2

92,1

95,3

78,2

67,8

15,4

0,6

9,8

2,1

16

Sauerampfer

85,1

79,0

51,4

65,7

80,7

79,6

47,8

48,5

-1,2

6,1

11,9

5,9

17

Schafgarbe, Blüte

17,8

22,2

59,0

52,7

20,5

14,4

68,8

73,7

17,7

13,0

2,0

9,8

18

Schafgarbe, Kraut

41,5

34,2

69,9

83,3

39,3

58,9

63,7

73,8

0,4

8,5

4,4

-7,0

19

Schlüsselblume,
Wurzel

92,4

80,9

92,8

99,0

84,3

72,1

88,5

91,6

12,5

15,7

37,2

32,4

20

Sesamschrot

-5,1

2,0

9,1

2,6

-1,6

-1,0

9,2

7,5

6,4

-2,8

13,3

-4,3

21

Stiefmütterchen

55,6

34,9

56,9

78,5

37,5

32,1

57,5

66,1

-6,7

-3,9

7,0

-5,6

22

Rainfarn

44,1

41,0

52,2

49,9

52,9

56,4

70,8

72,3

4,1

1,8

2,4

-2,0

23

Weidenrinde

93,3

91,8

92,8

91,8

91,1

87,2

86,0

88,4

12,2

18,4

13,1

17,2

AAC = Alkoholischer AC-Auszug
ALK = Alkoholischer Auszug
WAC = Wässriger AC-Auszug
WAS = Wässriger Auszug (siehe 2.1)
Termin A = 42 Std. vor Infektion
Termin B = 4 Std. vor Infektion
Termin C = 24 Std. nach Infektion

Ergebnisse:

Kurative Effekte (Termin C) wurden nur in wenigen Fällen in begrenztem Umfang, insbesondere bei Extrakten der Faulbaumrinde und Schlüsselblumenwurzel, festgestellt. Besonders hohe Wirkungsgrade erzielten alle vier Extrakte der Efeublätter und der Schlüsselblumenwurzel sowie Weidenrindenextrakte. Nur in wenigen Fällen, insbesondere bei Rosmarin, war die Wirkung deutlich von der Extraktionsmethode abhängig. Bei Rosmarin scheinen im Wesentlichen alkoholische Extrakte zu wirken.

3.5 Topfrebenversuch mit Kräuterextrakten

Da im Vorversuch keine nennenswerten kurativen Effekte gefunden wurden, wurden im Topfrebenversuch (Methodik siehe 2.3) die Pflanzenextrakte nur 48 und 4 Stunden vor der Infektion angewandt und auf einen Test auf kurative Wirkung verzichtet.

Ergebnisse:

Die Wirkungsgrade, die an Topfreben ermittelt wurden, entsprechen weitgehend den Ergebnissen, die auch im Blattscheibentest bereits festgestellt wurden.

Tabelle 8: Wirkung von Pflanzenextrakten gegen Peronospora im Topfrebenversuch

 

Extrakt aus

mittlerer Wirkungsgrad [%]

Termin A

Termin B

AAC

ALK

WAC

WAS

AAC

ALK

WAC

WAS

1

Efeublätter

87,9

89,5

92,7

82,6

76,2

76,4

83,7

92,1

2

Eichenrinde

73,0

87,3

60,2

62,1

85,9

85,4

45,8

39,4

3

Eisenkraut

59,0

62,5

44,5

49,4

71,5

68,8

56,3

60,6

4

Enzianwurzel

71,7

75,9

34,9

30,1

81,7

65,3

65,1

67,9

5

Faulbaumrinde

80,3

81,7

57,3

66,9

84,5

70,0

74,1

92,4

6

Goldrutenkraut

23,1

26,7

41,5

38,9

64,1

59,4

62,3

54,0

7

Hafer

48,2

26,1

24,9

24,9

47,0

40,7

37,6

45,3

8

Holunderblüten

58,7

58,6

47,9

63,1

55,7

57,9

57,5

81,4

9

Kastanienblätter

61,9

69,1

61,3

62,5

68,1

62,8

58,6

55,8

10

Luzerne

78,6

69,3

56,6

64,7

86,0

67,7

63,6

57,3

11

Mistelkraut

54,2

64,5

68,9

69,3

58,9

48,7

54,4

50,0

12

Rhabarberwurzel

76,8

53,4

82,6

86,2

81,6

82,2

91,5

92,3

13

Ringelblumenblüten

59,4

63,3

37,0

76,0

59,2

63,9

60,1

69,3

14

Rosmarin

56,4

76,5

18,0

17,1

77,0

91,8

47,2

39,8

15

Salbeiblätter

63,7

88,9

50,4

41,9

88,9

78,1

69,4

61,7

16

Sauerampfer

72,8

78,5

43,6

61,8

67,8

67,9

40,2

44,9

17

Schafgarbe, Blüte

15,4

18,4

57,1

45,5

19,6

13,5

60,9

62,4

18

Schafgarbe, Kraut

34,7

33,6

61,9

76,5

37,1

52,7

53,5

65,5

19

Schlüsselblume, Wurzel

89,7

68,1

85,9

87,1

70,5

63,7

76,2

82,5

20

Sesamschrot

-4,6

1,9

7,3

2,4

-1,4

-1,0

8,6

7,1

21

Stiefmütterchen

47,6

33,7

48,3

76,6

37,4

28,8

46,2

61,3

22

Rainfarn

39,4

33,1

51,6

44,0

43,6

45,3

65,6

67,3

23

Weidenrinde

79,3

77,5

84,4

77,1

76,3

86,5

82,9

73,1

AAC = Alkoholischer AC-Auszug
ALK = Alkoholischer Auszug
WAC = Wässriger AC-Auszug
WAS = Wässriger Auszug (siehe 2.1)
Termin A = 42 Std. vor Infektion
Termin B = 4 Std. vor Infektion
Termin C = 24 Std. nach Infektion

 

Abbildung: Bei den untersuchten Kräuterextrakten erreichten Efeublätter mit die höchsten Wirkungsgrade

3.6 Untersuchungen zur Dosis-Wirkungsbeziehung bei Kräuterextrakten

In einem Verdünnungsversuch wurde die jeweils wirksamste Auszugsvariante der vier verschiedenen Auszugsmethoden geprüft. Dabei sollte ermittelt werden, inwieweit die Konzentration ohne allzu großen Wirkungsabfall vermindert werden kann (Grenzkonzentration). Dazu wurde mit 21 Extrakten ein Blattscheibentest (siehe 2.2) mit Konzentrationen zwischen 1 und 5 % durchgeführt.

Ergebnisse:

Tabelle 9: Wirkung von Pflanzenextrakten in Abhängigkeit von der Konzentration

Nr.

Extrakt aus

Termin

Auszug

mittlerer Wirkungsgrad [%]

Konzentration

1%

2%

3%

4%

5%

1

Efeublätter

B

WAS

75,3

83,7

88,7

92,1

94,0

2

Eichenrinde

A

ALK

58,3

64,8

74,3

82,9

89,0

3

Eisenkraut

B

ALK

58,8

74,8

78,8

87,9

93,1

4

Enzianwurzel

A

ALK

64,8

74,6

89,6

90,4

91,5

5

Faulbaumrinde

A

ALK

76,9

85,2

92,9

94,4

95,4

6

Goldrutenkraut

A

ALK

39,5

58,4

77,1

85,0

87,9

7

Hafer

ausgesondert

8

Holunderblüten

B

WAS

66,0

62,5

66,7

63,2

81,1

9

Kastanienblätter

A

AAC

3,9

38,1

59,9

66,1

70,8

10

Luzerne

A

AAC

59,7

64,4

78,7

79,5

82,9

11

Mistelkraut

A

WAS

58,9

62,1

66,3

69,3

67,4

12

Rhabarberwurzel

B

WAC

77,5

84,7

89,9

91,7

94,5

13

Ringelblumenblüten

B

WAS

60,6

74,5

86,1

86,9

88,0

14

Rosmarin

A

ALK

50,0

79,5

92,4

96,4

98,7

15

Salbeiblätter

A

ALK

51,4

69,3

83,7

93,0

96,8

16

Sauerampfer

A

ALK

49,2

64,3

70,0

84,2

85,9

17

Schafgarbe, Blüte

B

WAS

43,8

53,8

66,7

85,3

76,9

18

Schafgarbe, Kraut

A

WAS

9,6

44,4

69,3

73,5

80,2

19

Schlüsselblume, Wurzel

A

WAC

74,9

90,5

96,6

98,4

98,4

20

Sesamschrot

ausgesondert

21

Stiefmütterchen

A

WAS

29,2

49,3

80,3

82,0

87,7

22

Rainfarn

B

WAS

30,3

51,2

53,2

58,8

77,6

23

Weidenrinde

A

WAC

68,3

68,0

80,3

89,9

93,3

AAC = Alkoholischer AC-Auszug
ALK = Alkoholischer Auszug
WAC =
Wässriger AC-Auszug
WAS =
Wässriger Auszug (siehe 2.1)
Termin A =
42 Std. vor Infektion
Termin B = 4 Std. vor Infektion
Termin C = 24 Std. nach Infektion

Während einzelne Varianten mit zunehmender Verdünnung stark in der Wirkung abfielen (z. B. Schafgarbe und Kastanienblätter), reagierten Weidenrinden-, Schlüsselblumen-, Enzian- und Faulbaumrindenextrakt weniger auf eine Absenkung der eingesetzten Menge.

Tabelle 10: Wirkung der Kräuterextrakte und Zusätze gegen Peronospora
im Freilandversuch 2000

 

Variante

Mittelwerte der Zusätze bzw. Kräuterextrakte

Blattbefall im September (Mittel)

Nr

Extrakt

Häufigkeit %

RW%

Stärke %

RW%

01

Kontrolle

71,6

  

4,3

 

02

Kupferkalk 15/18

17,2

75,9

0,6

86,0

03

Primula

59,8

16,4

2,8

34,9

04

Salix

57,9

16,4

2,5

41,9

05

Gentiana

54,1

24,4

2,7

37,2

06

Rhamnus

58,1

18,9

2,9

32,6

07

Solidago

62,2

13,1

2,8

34,9

GD 5%

7,5

  

0,8

  

ohne Zusatz

56,3

  

2,7

  

Phosporige Säure

51,5

8,5

2,1

22,2

Saponin

60,3

-7,1

3,7

-37

Phos.Sr. + Saponin

49,5

12,1

2,0

25,9

GD 5%

5,7

  

0,6

  

3.7 Freilandversuch 2000

Im Jahr 2000 wurde die Wirkung von Kräuterextrakten in einem Freilandversuch überprüft (siehe 2.4.2). Alle Varianten wurden auch in Kombination mit Phosphoriger Säure und mit Zusatz von Saponin sowie in einer Dreierkombination geprüft.

Im Jahr 2000 trat Peronospora zunächst nicht auf. Deshalb wurden Ende Juni künstliche Primärinfektionen im Versuch getestet. An den Blättern breitete sich während der extrem hohen Niederschläge im Juli der Erreger deutlich aus. Trauben wurden nicht mehr befallen. Trotz regelmäßiger Anwendung von Netzschwefel in 10-tägigem Abstand trat ein relativ starker Spätbefall des Echten Rebenmehltaus auf. Dies deutet darauf hin, dass die Applikationstechnik (Rückenspritze) möglicherweise ungenügend war.

Anfang September waren in der unbehandelten Kontrolle ca. 70 % der Blätter von Peronospora befallen. Die Anwendung von Kupferkalk 0,1 %ig (1/10 der zugelassenen Aufwandmenge) reduzierte die Befallsstärke im Mittel über die Zusatz-Varianten um 80 %. Die Kräuterextrakte reduzierten den Befall um ca. 35 %, wobei sich alle geprüften Kräutervarianten nicht signifikant unterschieden (Tabelle 11).

Der Zusatz von Phosphoriger Säure verbesserte die Wirkung nur wenig. Phosphorige Säure wirkt bekanntlich im Wesentlichen an jungen Blättern. Da sich Peronospora erst im Juli und August weitgehend an älteren Blättern ausbreitete, war dieses Ergebnis zu erwarten.

Der Zusatz von Saponin, das im Blattscheibentest den Befall deutlich reduziert hatte, bewirkte im Freilandversuch einen teilweise signifikant höheren Befall als in der Kontrolle (Tabelle 11).

Die beste Wirkung erzielte die Kombination Kupfer + Phosphorige Säure.

Tabelle 11: Wirkung der Kräuterextrakte und Zusätze gegen Peronospora
im Freilandversuch

Einzelwerte

Variante (siehe 2.1 + 2.4.3)

Blattbefall im September

Nr

Extrakt

Zusatz

Häufigkeit %

RW%

Stärke %

RW%

01

Kontrolle

ohne

64,3

 

3,8

 

02

Kupferkalk

ohne

22,7

61,6

0,7

78,15

03

Primula

ohne

55,8

5,4

2,4

22,93

04

Salix

ohne

71,2

-20,6

3,5

-13,98

05

Gentiana

ohne

63,0

-6,8

3,4

-10,72

06

Rhamnus

ohne

59,0

0,0

3,1

0,00

07

Solidago

ohne

58,3

1,1

2,3

25,51

08

Kontrolle

Phosporige Säure

69,2

-17,2

3,4

-9,63

09

Kupferkalk

Phosporige Säure

12,2

79,4

0,3

90,09

10

Primula

Phosporige Säure

53,7

9,0

2,2

27,82

11

Salix

Phosporige Säure

45,2

23,4

1,5

49,66

12

Gentiana

Phosporige Säure

51,2

13,3

1,8

40,98

13

Rhamnus

Phosporige Säure

55,7

5,6

1,9

39,08

14

Solidago

Phosporige Säure

73,5

-24,6

3,7

-21,98

15

Kontrolle

Saponin

72,5

-22,9

6,3

-104,48

16

Kupferkalk

Saponin

16,2

72,6

0,7

78,15

17

Primula

Saponin

69,7

-18,1

4,4

-41,79

18

Salix

Saponin

61,0

-3,4

2,3

24,02

19

Gentiana

Saponin

59,5

-0,8

3,7

-19,13

20

Rhamnus

Saponin

77,5

-31,4

5,1

-66,49

21

Solidago

Saponin

65,2

-10,5

3,2

-3,26

22

Kontrolle

Phospor. Sr +Saponin

80,7

-36,7

3,5

-13,30

23

Kupferkalk

Phospor. Sr +Saponin

17,7

70,1

0,6

81,55

24

Primula

Phospor. Sr +Saponin

60,0

-1,7

2,1

32,84

25

Salix

Phospor. Sr +Saponin

54,3

7,9

2,4

22,39

26

Gentiana

Phospor. Sr +Saponin

42,0

28,8

1,9

37,31

27

Rhamnus

Phospor. Sr +Saponin

40,0

32,2

1,3

57,26

28

Solidago

Phospor. Sr +Saponin

51,8

12,1

1,9

37,45

GD 5%

15,0

 

1,5

 

4. Personelles

Am 01.06.1999 wurde Herr Derik Propfe als wissenschaftlicher Angestellter (½ BAT 2) angestellt. Herr Propfe beendete sein Arbeitsverhältnis kurzfristig am 31.05.2001 aus persönlichen Gründen.

Seit 01.06.2001 arbeitet Herr Philipp Koessler als Diplomand im Rahmen einer Diplomarbeit der FH Geisenheim (Kooperationsprojekt mit Professor Dr. R. Kauer, FH Geisenheim) im Projekt mit.

5. Weitere Arbeiten

Im Sommer 2001 wird ein Freilandversuch mit wässrigem Efeu-Extrakt durchgeführt. Der Versuch wird mit optimaler Applikationstechnik (Parzellensprühgerät) und unter kontinuierlich hohem Befallsdruck (künstlich Anfang Juni infizierte Trennreihen) in Weinsberg durchgeführt. Weiterführende Untersuchungen sind voraussichtlich durch das kurzfristige Ausscheiden von Herrn Propfe nicht möglich.

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