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Maßnahmen nach Spätfrostschäden

Hanns-Christoph Schiefer und Peter Steinbrenner
LVWO Weinsberg

 

Spätfrostschäden sind in den letzen 30 Jahren zu einer Rarität geworden. Dass die Schäden an bereits ausgetriebenen Reben zu einer großen, existenzgefährdenden Situation des Weinbaus führen können, hat der 4. Mai 2011 gezeigt. Ein sehr früher Rebenaustrieb und arktische Kaltluft haben insbesondere in Franken und Württemberg große Schäden angerichtet.

 

Schäden
 

In Württemberg wurden 2011 nur etwa 90 Mio. Liter Wein (2010 nur 80 Mio. Liter) geerntet. Vor allem beim Weißwein gibt es jetzt Angebotslücken. Zum Teil waren die Weinberge so stark geschädigt, dass keine Trauben mehr geerntet werden konnten. Zum Teil konnte noch eine beachtliche Menge nachgetriebener Trauben in hervorragender Qualität geerntet werden, zum Teil war die Schädigung nur gering und die Erträge zufriedenstellend. Frost- und Hagelschäden hinterlassen nicht nur immense Schäden an den Kulturen, sondern sind auch meist ungleich verteilt.

 

Durch den Frost wurden an den jungen Trieben meist die Triebspitze und die Gescheine geschädigt. Durch das Fehlen der Triebspitze entwickelten sich zum Teil mehrere Achselknospen (Abbildung 1).  Dies hatte eine dichte Laubwand zur Folge. Da eine dichte Laubwand arbeitwirtschaftliche Nachteile und einen erhöhten Krankheitsdruck bringt ist es gängige Praxis, die Zahl der Neuaustriebe durch Rückschnitt der Gescheine zu begrenzen.

 

Fehlende Treibspitzen führen oft zu Austrieb mehrerer Achselknospen

Abbildung 1: Fehlende Treibspitzen führen oft zu Austrieb mehrerer Achselknospen

 

Versuch Cabernet Dorsa ohne Frostruten
 

An der Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg wurden am 10. Mai 2011 hierzu Versuche angelegt. Die mit Cabernet Dorsa bepflanzte Versuchsanlage liegt neben der Autobahn und ist als Frostlage bekannt. Der Anschnitt erfolgte 2011 mit einem längeren Schrägbogen. Die Triebe waren allesamt am 4. Mai erfroren. In Tabelle 1 sind die 7 Varianten des Versuchs dargestellt. Neben dem Vergleich in Variante 1 wurden in der 2. Variante alle Triebe auf der Bogrebe mit der Schere bis auf einen halben Zentimeter entfernt. Ein Wiederbegrünen war nur aus den schlafenden Augen möglich. Die Variante3 wurde auf Zapfen mit einem Auge, die Variante 4 mit 2 Augen zurückgeschnitten. Bei den Varianten 5 und 6 wurden die Bögen auf 4 Augen eingekürzt einmal wurden die Triebe belassen bei Variante 6 wurden die Triebe entfernt. Bei der Variante 7 wurden nur die Stockausschläge entfernt und sonst keinerlei Ausbrecharbeiten durchgeführt.

 

 

Am 8. Juni wurden die entscheidenden unterschiedlichen Ausbrecharbeiten durchgeführt. Die später durchgeführten Arbeit unterschieden sich nicht. Alle Rebstöcke waren inzwischen gut ausgetrieben, hatten jedoch so gut wie keine Gescheine. Bei den Varianten 1 und 2 wurde der starke Austrieb im Kopfbereich auf bis auf ca. 4 Triebe ausgebrochen. Bei den Varianten 3 und 4 war die Zahl der Kopftriebe deutlich höher und wurde ebenfalls bis auf 4 Triebe ausgebrochen (Abbildung 2). An den Bögen zeigten sich bereits erste Verdichtungen. Bei der Variante 5 mit der eingekürzten Rute entwickelten sich sehr viele Geiztriebe aus den Triebstummeln. Um dies zu korrigieren waren viele Stunden notwendig. Bei der Variante 6 mit der eingekürzten Rute und den entfernten Trieben waren die Laubarbeiten dank der Übersichtlichkeit rascher durchzuführen. In der unbehandelten Variante zeigten die Rebstöcke zu diesem Zeitpunkt bereits eine sehr dichte Laubwand.

 

Eine hohe Zahl an Kopftrieben wurde auf 4 Triebe ausgebrochen

 

Ergebnisse
 

Die Gesamtarbeitszeit und die Erträge sind in der Tabelle 1 in den Spalten 4 und 5 dargestellt. Mit einem sehr geringen Arbeitszeitaufwand (Nichtstun) lag die Variante 7 am mittleren Ertrag. Die Laubwand war sehr dicht und bei dieser Sorte Cabernet Dorsa noch akzeptabel. Auch aufgrund des Vorjahresbefalls zeigte sich an den Blättern ein enormer Befall mit Mehltau. Bei anderen Sorten hätte dieses Nichtstun zu sehr großen Verdichtungen und Traubenschäden geführt. Die Varianten 5 und 6 mit den eingekürzten Ruten brachten bei dieser Sorte keine Vorteile. Bei an dem abfallenden Bogen stärker treibenden und nicht so aufrechtwachsende Sorten wie zum Beispiel Kerner und Trollinger hätten durch diese Maßnahme Verdichtungen vermieden werden können. Die höchsten Erträge lieferten die Zapfenschnitte. Gleichzeitig zeigten diese aber auch die höchsten Verdichtungen. Die Variante 1, erst mal abwarten und dann den Kopf sauber ausbrechen zeigt sich als Vernunftvariante, in der mit vertretbarem Arbeitsaufwand ein unter diesen Verhältnissen optimaler Ertrag erzielt werden konnte. Beim Rebschnitt werden nur geringe Unterschiede erwartet, da an allen Rebstöcken  genügend Zielholz gewachsen ist. Die Verdichtungen in der Laubwand waren sortenbedingt und aufgrund der extremen Schädigung tolerierbar.

 

Versuch Riesling mit Frostruten
 

In der Tabelle 2 sind die Ergebnisse einer Rieslinganlage dargestellt.

 

Arbeitszeiten und Erträge beim Riesling 2011

 

Die Frostschäden waren extrem, das heißt, nahezu alle Triebe waren erfroren. In der Variante 1 wurde die Frostrute weggeschnitten. In Variante 2 wurde die Bogerebe gegen die Frostrute ausgetauscht. In der Variante 3 wurde die Frostrute, wie üblich, dazugebunden (Abbildung 3). Mit der zusätzliche Frostrute konnte der Ertrag von 20,5 auf 32.9 kg/Ar gesteigert werden. Dies steht nicht in Relation zu dem zu betreibenden Aufwand.
 

Das Dazubinden der Frostrute erhöht zwar den Ertrag, führt aber zu einem unwirtschaftlichen Mehraufwand

Abbildung 3: Das Dazubinden der Frostrute erhöht zwar den Ertrag, führt aber zu einem unwirtschaftlichen Mehraufwand

 

Fazit
 

Nach starken Spätfrostschäden können durch unterschiedliche Rückschnittmaßnahmen mit unterschiedlichem Arbeitsaufwand unterschiedliche Erträge erzielt werden. Geht es um die reine Ertragssicherung gibt es zur Frostrute oder dem Belassen möglichst vieler Triebe keine Alternative. Bei Erträge bis zu 30 kg/Ar bleibt die Rentabilität auf jeden Fall auf der Strecke.

 

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