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Neue Möglichkeiten der Oidiumbekämpfung mit Naturstoffen

 

Von Stefan Kerner (Erlenbach) und Dr. Walter K. Kast (Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt Weinsberg)

 

Schwefel spielt sowohl im ökologischen als auch im konventionellen Weinbau seit annähernd 150 Jahren eine wesentliche Rolle bei der Bekämpfung des Rebenmehltaus. Durch seine vielfältigen Wirkungsmechanismen besteht keine Gefahr der Entwicklung von Resistenzen.  Bei zu häufigen und späten Anwendungen ist jedoch die Gefahr den Entwicklung von Fehlaromen ( "Böcksern") stark erhöht. Außerdem ist dieser Wirkstoff ein starker Allergieauslöser und schädigt vor allem bei häufiger Anwendung und bereits bei einer einmaligen Überdosierung (> 3,6 kg/ha) viele Nützlinge, insbesondere auch Raubmilben.

 

In Australien werden seit 1999 erfolgreich Versuche zur Odiumbekämpfung mit Molkeprodukten  durchgeführt. In Kalifornien werden Bazillus-subtilis-Präparate bereits erfolgreich in der Praxis  zur Oidiumbekämpfung eingesetzt.

Ziel einer Diplomarbeit an der Nürtinger Hochschule war es, die  Produkte unter den hiesigen Bedingungen  zu testen. Wichtig war es auch die Auswirkung auf Raubmilben zu ermitteln, da diese natürlichen Antagonisten der Kräusel- und Spinnmilben und Thripse für den Weinbau unverzichtbar sind.

 

Versuche in Weinsberg

 

In Vorversuchen im Gewächshaus wurde die Wirkung an Topfreben getestet. Freilandversuche wurden in einer Silvaneranlage der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt am Schemelsberg mit 4-facher Wiederholung durchgeführt. Silvaner gilt als relativ  stark anfällig gegenüber dem Schaderreger des Echten Mehltaus. In der Anlage herrschte von Beginn an ein starker Mehltaudruck, weil in den Vorjahren ein großer Teil der Fläche als unbehandelte Trennreihen der Mehltauversuche der LVWO genutzt wurde. Die Behandlungen wurden mit einem Tunnelspritzgerät ausgebracht. Die Prüfparzellen bestanden aus einer Rebzeile, die zwischen 2 unbehandelten Reihen stand. Die Präparate wurden in Abständen von ca. 8 Tagen eingesetzt, die Varianten 5 + 12 abweichend davon 14-tägig.

Tabelle 1: Versuchsplan

Nr.

Variante

Produkt

Konzentration

1

Unbehandelt (ohne Wasser)

 

 

2

Kontrolle ( mit Wasser)

 

 

3

Standard

Vento

0,025%

4

Molke

Molke

4%

5

Molke  14-tägig

Molke

4%

6

Rapsöl

Micula

2%

7

Molke+ Rapsöl

Molke+ Micula

3% + 1%

8

Bacillus subtilis

Serenade Max

0,313%

9

Molke

Molke

2%

10

Molke+ Rapsöl

Molke+ Micula

2% + 2%

11

Netzschwefel

Kumulus WG

v.Bl 0,6%/n.Bl 0,2%

12

Netzschwefel 14-tägig

Kumulus WG

v.Bl 0,6%/n.Bl 0,2%



Resultate

 

In den Vorversuchen im Gewächshaus zeigten sowohl Molke als auch Bacillus subtilis (Handelspräparat "Serenade Max") eine gute Wirkung.

 

Das Wetter war im Jahr 2005 für den Echten Mehltau relativ ungünstig, lediglich vom 13.06.05 - 23.06.05 herrschten sehr gute Infektionsbedingungen. Während des ganzen Juli und August sorgten immer wieder Tiefdruckausläufer für kühlere und niederschlagsreiche Bedingungen. Erst Ende August und Anfang September setzte sich eine Hochdruckwetterlage durch. In diesem Zeitraum war die Anfälligkeit der Trauben nur noch sehr gering. Für einen späteren Blattbefall waren die Bedingungen jedoch wieder günstig.

 

 

 

Abbildung 1: Befallsstärke der Trauben mit Oidium an 2 Boniturterminen

 

 

Zum ersten Boniturtermin zeigten sich nur geringe Unterschiede innerhalb der Varianten.

Lediglich bei den Varianten 8 und 12 zeichneten sich erhöhte Befallsstärken ab.

Zum zweiten Termin, am 22.09.05, fiel die Variante 8 (Bacillus subtilis) insbesondere bei der Wirkung auf den Traubenbefall ab.  Bei einem 14-tägigem Spritzabstand war die Anwendung von Molke (Variante 5) deutlich besser als der Einsatz von Netzschwefel (Variante 12). Molke hat eine deutlich bessere kurative Wirkung auf Oidium, so dass sie die während der kritischen Phase ("Oidiumfenster" in den Stadien kurz vor der Blüte bis Schrotkorngröße) nicht abgewehrten Oidiuminfektionen stärker reduzieren konnte als Netzschwefel . Die beste Wirkung hatte die Kombination von Molke mit Rapsöl ("Micula")  (Variante 7).

 

 

  Abbildung 2: Befallsstärke der Blätter mit Oidium an 2 Boniturterminen

 

Zum ersten Boniturtermin am 02.09.05 wies Variante 2 eine signifikant höhere Befallsstärke auf als alle behandelten Varianten. Bei relativ niedrigen Befallsstärkewerten unterschieden sich die behandelten Varianten nur unwesentlich.

 

Am zweiten Boniturtermin kam es wegen des Hochdruckwetters Anfang September noch zu Befallssteigerungen.

Innerhalb der behandelten Varianten zeigte die 7-malige Schwefelapplikation (Variante 12) den stärksten Befall auf.

Beim Vergleich von Variante 12 (Netzschwefel) mit Variante 5 (Molke), in denen nur alle 14 Tage behandelt wurde, wird deutlich dass Molke eine bessere Wirkungsdauer mit sich bringt.

Den geringsten Befall an den Blättern erbrachte Variante 7 ( 3% Molke und 1 % Micula).

 

     

Abbildung 3: Einfluss der Spritzfolgen auf den Raubmilbenbesatz der Blätter

   

Schwefel reduzierte die Raubmilbenpopulation deutlich. Die Spritzfolgen mit Vento und Serenade Max reduzierten den Besatz dieses Nützlings ebenfalls signifikant. In der Versuchsreihe konnte dagegen gezeigt werden, dass die Molke-Varianten in verschiedenen Konzentrationen und in Mischungen mit Micula kaum Auswirkung auf die Raubmilbendichte hatten.

 

Fazit

 

Für die weinbauliche Praxis sind  Molkepräparate interessante Pflanzenstärkungsmittel. Erforderlich ist aber eine dem Mittel angepasste Applikationstechnik. Zu feine Düsen können verstopfen. Auch ein gutes Rührwerk in der Spritze  ist wichtig. Das Mittel ist nicht zuletzt besonders  für den Anwender ungefährlich .Das Produkt erwies sich als nützlingsschonend und brachte keinerlei Geschmacksbeeinträchtigungen im Wein. In Kombination mit Öl ergab sich ein homogenes Gemisch welches eine noch größere Wirkungssicherheit mit sich brachte.

Bezüglich der optimalen Anwendungskonzentration sind noch weitere Erfahrungen erforderlich.

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