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Tagung der OILB/IOBC Arbeitsgruppe
"Integrierter Weinbau" in Volos (Griechenland)
vom 18. - 23.03.2003

Wichtigste Erkenntnisse im Rebschutz

Von Dr. Walter K. Kast
LVWO Weinsberg


Wichtigstes Thema: Rebenperonospora

Auf der Tagung in Volos (Griechenland) tauschten Forscher aus allen europäischen Weinbauländern ihre neuesten Versuchsergebnisse auf dem Gebiet des integrierten und biologischen Rebschutzes aus. Am Rande der Tagung wurden neue, gemeinsame Projekte abgesprochen. Größte Bedeutung hatten natürlich die Beiträge zur Rebenperonospora (Plasmopara viticola), da dieser Schadpilz in den meisten europäischen Weinbauländern das Hauptproblem des Rebschutzes ist. In den letzten Jahren wurden durch internationale Großprojekte bei diesem Schaderreger wesentliche, neue Erkenntnisse erzielt. Daneben spielte auch die Esca-Symptomatik, Botrytis und der Rebenmehltau eine wichtige Rolle.

 

Die beteiligten Wissenschaftler aus allen europäischen Weinbauländern

Auswirkungen des Peronosporabefalls

Die Schweizer Forscher Jermini, Blaise und Gessler untersuchten über mehrere Jahre die Auswirkungen des Peronosporabefalls auf Ertrag und Qualität der Weine. Sie behandelten Versuchsparzellen mehrere Jahre mit einer Minimalstrategie, die die größten Schäden durch den Pilz in den frühen Rebstadien verhinderte, aber letztendlich einen eher starken Blattbefall zuließ. Die Auswirkungen auf die Weinqualität waren bei dieser Strategie sehr gering. Jedoch ging der Gehalt an Reservestoffen (Stärke) im Rebstamm und den Wurzeln deutlich zurück. Dieser Rückgang an Reservestoffen reduzierte das Wachstum, insbesondere der Geiztriebe. Die Zahl der Trauben/Trieb ging zwar nicht zurück, jedoch waren die Traubengewichte geringer und dadurch der Ertrag deutlich reduziert. Diese Ergebnisse entsprechen den Erfahrungen der LVWO Weinsberg im ehemals ökologischen Versuchsbetrieb Burg Wildeck. Der dort verstärkt auftretende Peronosporabefall bewirkte in den meisten Fällen eher eine Ertragsreduktion. Die Auswirkungen auf die Weinqualität waren dort eher in extremen Befallssituationen, wie im Jahr 2002 beobachtet worden war.

Neue Erkenntnisse zur Biologie des Peronosporapilzes

Beim Peronosporapilz existieren verschiedene Quellen für die Ausbreitung. Die für die Vermehrung und Ausbreitung verantwortlichen Sporangien können zum einen von Dauersporen (Oosporen) entwickelt werden. Zum anderen können sich Sporangien an den befallenen, grünen Rebteilen, an Sporangiophoren (Sporenträgern) bilden. Oosporen sind über viele Jahre im Boden lebensfähig. Sie werden im Spätsommer in befallenen Blättern gebildet und sind in Rebböden immer in großer Zahl vorhanden. Bei geeigneter Witterung, d. h. in Niederschlagsperioden mit anhaltender Bodenfeuchte, keimen sie und entwickeln Sporangien. Dabei findet eine Meiose statt, so dass die sich entwickelnden Sporen alle genetisch unterschiedlich sind. An befallenen, grünen Rebteilen entwickeln sich Sporangien ausschließlich nachts unter feucht-warmen Bedingungen (mindestens 13° C, 4 Std. Blattnässe). Diese Sporangien ("Sekundärsporangien") werden über mitotische oder vegetative Vermehrung gebildet. Die neuen, aus den Sporangien freigesetzten Sporen sind deshalb alle genetisch untereinander und mit dem Myzel der Mutter-Befallsstelle identisch.

In Kooperation mit sehr vielen europäischen Kollegen, auch der LVWO Weinsberg wurde der Tatbestand der genetischen Variabilität der Oosporen-bürtigen Infektionen und der genetischen Identität der Sekundärsporangien von der Schweizer Forschergruppe Gobbin/Gessler genutzt. Peronospora-Befallsstellen wurden in großer Zahl mit molekulargenetischen Methoden (PCR- und Mikro-Satelliten-Technik) genetisch charakterisiert. Dabei wurden sehr wichtige, neue Erkenntnisse möglich:

1. Sehr viele aus Oosporen entstandenen Infektionen breiten sich nur wenig, teilweise sogar überhaupt nicht im Sekundärzyklus aus. Diese Ergebnisse stimmen auch mit den Beobachtungen der LVWO Weinsberg überein. Sehr viele in Weinsberg gesammelten Isolate sind nur unter optimalen Bedingungen am Leben zu erhalten und zu vermehren. In Zusammenarbeit mit der FH Heilbronn wurde an der LVWO bereits 1989 festgestellt, dass erstaunlicherweise die genetische Variabilität im Laufe der Vegetationsperiode abnimmt und daraus gefolgert wird, dass einzelne Genotypen sich durchsetzen, andere aussterben.

2. Europaweit stammen im Schnitt ca. 60 % der Infektionen direkt von Oosporen ab, nur zu 40 % ist die Sekundärausbreitung die Infektionsquelle. Praktisch bedeutet das, dass die Schadwirkung der Oosporen-bürtigen Infektionen bisher krass unterschätzt und die Gefahr von Sekundärinfektionen überschätzt wurde. Die bisher genutzten Prognosesysteme dürften nur deshalb so gut funktioniert haben, weil bei den für die Oosporen-bürtigen Infektionen notwendigen Regenperioden fast immer gleichzeitig geeignete Witterungsbedingungen für Sekundärinfektionen auftreten.

3. Die Ausbreitung des Peronosporapilzes ist sehr kleinräumig. Die Masse der mit der Mutterinfektion identischen Neuinfektionen wurde im Umkreis von wenigen Metern um die Quelle der Infektionen gefunden.

Rebenperonospora, der wichtigste Krankheitserreger im Weinbau

Wachstumsmodelle zur Bestimmung der Spritzabstände bei Peronospora

Die Wirksamkeit der Fungizide ist im Weinbau wesentlich länger als die praxisüblichen Spritzabstände. Ursache hierfür ist der starke Blattfleckenzuwachs, der sich nach der Spritzung entwickelt und ohne schützenden Fungizidbelag ist. Es ist deshalb naheliegend, die Spritzabstände nach dem Neuzuwachs zu richten. Die Freiburger Gruppe Bleyer/Huber/Kassemeyer schlagen dafür die Nutzung eines in Geisenheim entwickelten Wachstumsmodells für Reben vor.

Blüte - wichtigste Periode für die Bekämpfung des Rebenmehltaus (Oidium)

Die Weinsberger Arbeitsgruppe Kast/Stark-Urnau hatte bereits früher die extreme Empfindlichkeit der Gescheine in der Phase kurz vor, während und der jungen Trauben bis ca. 14 Tage nach der Blüte nachgewiesen und daraus gefolgert, dass dies die Schlüsselperiode in der Bekämpfung des Oidium-Erregers sein müsste. In mehrjährigen Freilandversuchen konnte dies jetzt bestätigt werden. 3 Behandlungen in dieser Phase hatten nahezu denselben Effekt wie 7 Behandlungen über die ganze Vegetationsperiode. Wird in dieser kritischen Phase eine Spritzung versäumt, so ist dies durch die nachfolgenden Behandlungen nicht mehr wett zu machen.

Resümee

Die Tagung ergab für die Beratung in Baden-Württemberg äußerst wichtige Erkenntnisse, die in den nächsten Jahren gezielt in der Praxis umgesetzt werden müssen.

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