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Pflege nach Winterfrostschäden - 
Worauf jetzt achten?

R. Fox 
LVWO Weinsberg
E-Mail:
Rudolf.Fox@lvwo.bwl.de

Wie zu Jahresbeginn aufgrund von Knospenschnitten ermittelt, ist regional von recht unterschiedlichen Winterfrostschäden auszugehen. Die Bandbreite geht je nach Standort (Tiefsttemperatur) und Sorte von Null bis nahezu 100% Knospenschäden mit allen Übergängen von Weinberg zu Weinberg oder auch innerhalb einzelner Flächen. Bei stärkerem Schädigungsgrad der Anlagen waren auch große Unterschiede von Stock zu Stock sowie von Rute zu Rute zu verzeichnen. Wenn auch bis zu etwa 70% Knospenschäden kaum mit Stammschäden zu rechnen ist und über einen längeren Anschnitt ein gewisser Ausgleich möglich ist, so liegen doch vereinzelt höhere Schädigungsgrade und damit auch Stammschäden vor.

Teilgeschädigte Stämme neu aufbauen

Wie die Fröste 1985 und teils auch 1987 erwiesen, ist es auf jeden Fall auf Dauer sinnvoll, selbst nur teilgeschädigte Stämme zu ersetzen. Sichtbar wird diese Schädigung vielfach bereits vor dem Austrieb indem die Stämme in mehr oder weniger begrenzten Bereichen (Schnee-Luftzone) „bluten", also „feucht" werden, ohne dass Schnittwunden vorliegen. Die Gefahr der Besiedlung durch Eutypa, Esca oder auch durch Ungleichen Holzbohrer, sowie Kapuzenförmigen Holzbohrer ist dadurch recht groß, was das Hinarbeiten auf einen raschen Stammersatz nahe legt. Auch das Auftreten von Mauke wird bekanntlich bei Wundgewebebildung ausgelöst und spricht seinerseits für baldigen Neuaufbau der Stämme. Eine Teilschädigung ist auch zu vermuten, wenn die Triebe am Stammende oder dem einjährigen Holz schwach treiben, Wasserschosse aus dem Veredlungskopfbereich jedoch stark wachsen.

Um hier eine ausreichende Beurteilungsmöglichkeit zu haben, sollte in stärker geschädigten Beständen nicht zu früh ausgebrochen werden. Muss der Stamm neu aufgebaut werden, bietet es sich an, etwa 3-5 Triebe vom Veredlungskopf ausgehend aufzubinden. Dabei sollten die Triebe möglichst verteilt rings um den alten Stamm verteilt sein. Werden lediglich auf einer "Seite" neue Triebe hochgezogen, besteht die Gefahr, dass die gegenüber liegende Seite keilförmig weit nach unten "abstirbt". Das schafft Pforten für Schädlinge und Pilze.

Der alte Stamm kann als Pflanzpfahlersatz dienen und sollte deshalb nicht gleich im Jahr nach dem Winterfrostschaden entfernt werden. Um jedoch die Gefahr von Schwarzfleckeninfektionen, ausgehend vom Stammende mit seinem - bei anfälligen Sorten in der Regel vorhandenen - hohen Sporenpotenzial zu mindern, kann es sinnvoll sein, die alten Stämme mit einer Astschere auf ca. 2/3 ihrer Länge einzukürzen. Hiermit ist die Funktion als Pflanzpfahlersatz noch gegeben, die Infektionsgefahr der hochwachsenden Wasserschosse jedoch erheblich gemindert. Wird dies versäumt,  tropft bei Regen sporenhaltiges Wasser permanent auf die hochempfindlichen jungen Triebspitzen. Nachdem die Schwarzfleckenkrankheit unter anderem die Leitbahnen verstopft, sind befallene Triebe alles andere als ideal zur späteren Stammbildung. Neben dieser indirekten Bekämpfung ist es bei anfälligen Sorten und entsprechenden Witterungsbedingungen auch überlegenswert durch gezielte Pflanzenschutzmaßnahmen den Schwarzfleckenbefall auf ein Minimum zu begrenzen.

Hohe Infektionsgefahr an Bodentrieben

Neben erhöhter Schwarzfleckeninfektionsgefahr ist auch die Infektionsgefahr der Bodentriebe durch Primärsporen der Peronospora bekanntlich besonders hoch. Es ist deshalb im gegebenen Fall wegen der hohen Anfälligkeit der meist üppig wachsenden Wasserschosse ein konsequent vorbeugender Pflanzenschutz notwendig. Das länger anhaltende vegetative Wachstum (Stöcke ohne oder mit nur wenigen Trauben) kann zusätzlich einen späteren Spritzabschluss erfordern. Daneben ist durch üppiges Wachstum sowie die verstärkt auftretenden Geize die Oidiumanfälligkeit des Laubes und der Triebe selbst bis in den Spätsommer erhöht und erfordert ebenfalls eine konsequente Bekämpfung bis zur Abschlussspritzung. Insbesondere, um eventuellen Zeigertrieben im Folgejahr durch Knospenbesiedlung vorzubeugen.

Zum Aufbau eines gesunden, wundfreien neuen Stämmchens gehört auch das Ausgeizen bis etwa Stammhöhe. Im weiteren Verlauf sollten jedoch die Geize, soweit es keine übermäßigen Verdichtungen gibt, belassen werden. Dies "fängt" die Wuchskraft der Stöcke auf und fördert die Holzreife sowie die Fruchtbarkeit für das Folgejahr. Die Wasserschosse sind möglichst locker aufzubinden und fächerförmig im Drahtrahmen zu verteilen. Dies mindert die Pilzanfälligkeit, verbessert die Belichtung und Belüftung, steigert die Assimilitationsrate und somit die Holzreife.

Bodenbearbeitungsintensität und N-Düngung herunterfahren

Nachdem die Reben infolge der hohen Bodenfeuchte im vergangenen September generell hohe Nährstoffreserven einlagern konnten und bei starken Frostschäden die Anzahl der Sommertriebe relativ gering ist, ist gerade in den stärker geschädigten unteren Lagen mit recht üppigem Wachstum der Wasserschosse zu rechnen. Dem kann durch geminderte mechanische Bodenbearbeitung entgegengewirkt werden. So bietet es sich an, im Gassenbereich z.B. die Winterbegrünung nicht umzubrechen, sondern zunächst lediglich zu mulchen und erst, wenn es vom Wasserhaushalt her unbedingt nötig wird, flach umzubrechen. Auch die Mulchhäufigkeit der Dauerbegrünung kann reduziert werden, um einen möglichst ausgeglichenen Wuchs - physiologisches Gleichgewicht - der Reben zu erzielen, bzw. übermäßigen Wuchs nicht noch zusätzlich zu fördern. Auf die Stickstoffdüngung sollte in stärker geschädigten Anlagen ganz verzichtet werden, um die Ausbildung master Triebe für den Stammneuaufbau möglichst nicht noch zu fördern.

Im Unterstockbereich ist rechtzeitig d.h., möglichst vor Austrieb für Bewuchsfreiheit durch Bearbeitung mit dem Flachschar oder auch dem Einsatz von Vorauflaufherbiziden, oder besser noch Kombinationspräparaten, zu sorgen. Müssen die Stöcke neu durch Wasserschosse aufgebaut werden, so ist der Herbizideinsatz nach dem Rebaustrieb praktisch nicht mehr möglich. Beim Einsatz mechanischer Unterstockpflegegeräte - Flachschar, Mulcher - kommt es durch die Tasterstäbe oder die Werkzeuge selbst zu erheblicher Schädigung oder zum Abbrechen der "glasigen" Wasserschosse, weshalb der Einsatz allenfalls im Sommer oder erst Spätsommer bei ausreichender mechanischer Widerstandsfähigkeit der neu hochgezogenen Triebe praktikabel ist. Eine frühzeitige, konsequente Unkrautbekämpfung im Unterstockbereich ist bei starken Frostschäden und notwendigem Stockneuaufbau auch aus der Sicht guter Belichtung und Belüftung der Bodentriebe wichtig und mindert ihrerseits die Pilzgefährdung.

Junganlagen neu aufbauen

In Junganlagen sind teilgeschädigte junge Stämmchen auf Dauer absolut ungeeignet. Nachdem gerade junge Stöcke besonders frostempfindlich sind, ist hier vielfach eher mit Holzschäden zu rechnen als bei älteren Anlagen. Zusätzlich kommt es hier sehr gerne zum Auftreten der Mauke, was ebenfalls den Stammaufbau nahe legt.

Treiben die grünen Triebe an den jungen Stämmchen, z.B. in Bodennähe, gut aus,  jedoch in der Übergangszone Schnee-Luft schlecht, so ist dies ein Zeichen für Holzschäden und ein konsequenter Rückschnitt sinnvoll. Im konkreten Fall sollten einige Stämmchen "scheibchenweise" durchgeschnitten und auf Schäden(Bräunungen) hin beurteilt werden. Ein etwas späterer Ausbrechtermin erlaubt jedoch auch eine recht gute Beurteilung von außen. Im Zweifel sollte immer für den Neuaufbau entschieden werden. Bei vorjährig stark gewachsenen Stöcken sollten dabei wegen möglichst harmonischem Wuchs 3-4 Triebe , statt nur 2 belassen werden.

Fazit

Situationsbezogenes Vorgehen ist besonders nach starken Winterfrostschäden angezeigt, um mit möglichst geringem Aufwand gesunde neue Stämme mit guter Holzreife, Frostfestigkeit, sowie guter Fruchtbarkeit für das Folgejahr zu erzielen.

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