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Querterrassierung an der Weibertreu in Weinsberg 

Von der Handarbeit zum Direktzug

 

Hanns-Christoph Schiefer

LVWO Weinsberg

 

Im Jahr 2010 ging die Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg (LVWO) das Projekt Querterrassierung an. Dies wurde zu einem Vorzeigeobjekt zur Erhaltung historischer Weinberge, die anderweitig nicht mechanisierbarer sind.

 

Bereits vor drei Jahren wurden die Dornfelder Rebstöcke auf der Westseite der Weibertreu gerodet.

 

Nach Rodung der Muskatellerreben nach dem Herbst 2010, wurde die Fläche unterhalb der Burgruine Weibertreu auf befahrbare Querterrassen umgestellt und die Weinbergsbearbeitung mit Traktoren auf diesem steilen Hang möglich. Eine Besonderheit dieser Maßnahme ist die Einbeziehung der bestehenden ökologisch wertvollen Mauern in das Verfahren.

 

Das weithin sichtbare Wahrzeichen Weinsbergs ist die Burgruine Weibertreu. Die Weibertreu ist die Ruine einer wahrscheinlich im frühen 11. Jahrhundert erbauten Burg. Bekannt ist die Burg durch die namengebende "Treu-Weiber-Begebenheit" vom 21. Dezember 1140. Nach der Kapitulation der belagerten Burg retteten die Frauen ihre Männer vor der Hinrichtung, indem sie diese auf dem Rücken den Berg hinuntertrugen. Die Burg liegt nordwestlich und oberhalb des Stadtkerns auf dem Burgberg, der heute fast vollständig für den Weinbau genutzt wird.

 

Weinsberg liegt am Rand der Keuperstufe der Löwensteiner Berge, deren Ausläufer sich bis nach Neckarsulm und Öhringen erstrecken. Der Burgberg und der Schemelsberg sind Zeugenberge, die Sulm und Stadtseebach vom restlichen Gebirgsstock abgetrennt haben. Beide haben eine Schicht aus Schilfsandstein, der auch zum Bau der 1000 Jahre alten Burg und der im frühen 13. Jahrhundert erbauten evangelischen Johanneskirche verwendet wurde. Am Burgberg wurde von 1811 bis 1867 Gips abgebaut. Das Loch, das der Gipsabbau im Berg hinterlassen hatte, wurde in den 1950er-Jahren wieder zugeschüttet und in Weinberge der Weinbauschule umgewandelt.

 

Die Weinberge am Burgberg sind steil, zum großen Teil terrassiert und meist in der Falllinie angepflanzt. Direkt unter der Burgruine werden die Reben horizontal von der LVWO bewirtschaftet. Die stützenden Trockenmauern folgen ringartig abgestuft in engem Abstand der äußeren Befestigungsmauer der Ruine. Auf der knapp 80 Ar großen Fläche wurden 1974 und 1975 Muskateller und Dornfelder gepflanzt und nach nun 26 bzw. 23 Jahren gerodet. Die Ausrichtung der Fläche reicht von Süden über Westen bis nach Norden in einem Halbkreis um die Burg. Die Rebflächen wurden im Querbau bewirtschaftet. Eine Mechanisierung war nur in äußerst geringem Umfang durch Einsatz von handgeführten Kleingeräten möglich.

 

Die Flurstücke befinden sich innerhalb des Landschaftsschutzgebietes Burgberg. Im Gebiet des Weibertreuberges sind Vorkommen der Mauereidechse und der Schlingnatter nachgewiesen. Ein Vorkommen weiterer Reptilienarten ist nicht auszuschließen. Bei den Trockenmauern handelt es sich um einen überwiegend kartierten Biotopkomplex. Veränderungen bedürfen in diesem Gebiet zudem einer denkmalschutzrechtlichen Genehmigung. Nach oben werden die Flächen durch die Burgmauer und nach unten durch eine umlaufende, etwa 230 Meter lange, Weinbergsmauer begrenzt. In der Fläche laufen zwei weitere, fast die ganze Fläche durchziehende Mauern. An zwei Stellen befinden sich kleine Teilbereiche der Mauer, die vertikal zur bestehenden Ringmauer verlaufen. Diese verhindern ein Abrutschen von Erde auf die tieferliegende Fläche.

 

Da die LVWO bestrebt ist, das historische Trockenmauersystem unterhalb der Burgruine Weibertreu aufgrund dessen ökologischen und kulturhistorischen Werts langfristig in seinem Bestand zu sichern und zu erhalten, wurde nach Möglichkeiten gesucht, die Rebfläche weiterhin, jedoch mit geringerer Arbeitsbelastung zu bewirtschaften. Dies wurde durch die Umstellung auf mit Weinbergtraktoren befahrbare Querterrassen unter Einbeziehung der bestehenden Mauern erreicht. Dies ist ein Novum, da bei vergleichbaren Anlagen von Querterrassen normalerweise dem Gestaltungsspielraum keine Grenzen durch Mauern, und damit durch Kleinbiotope gesetzt werden. Um die Bewirtschaftung der Rebflächen durch einen Zugang mit Maschinen und die Unterhaltung der Mauern zu erleichtern, müssen die beiden kleinen vertikal verlaufenden Mauern in die horizontale Richtung umgesetzt, an den beiden Ende Wende- bzw. Zufahrtswege geschaffen und die Flächen zwischen den Mauern terrassiert werden (Abbildung 1).

 

Neben dem Umsetzen der Mauern und dem Terrassieren der Flächen, mussten Wende- und Zufahrtswege gebaut werden

Abbildung 1: Neben dem Umsetzen der Mauern und dem Terrassieren der Flächen,
mussten Wende- und Zufahrtswege gebaut werden

 

Nach Vorliegen der naturschutzrechtlichen und denkmalrechtlichen Genehmigung, dem Kauf eines benachbarten Grundstückes zum Bau der Zufahrten zu den Terrassen sowie der Bereitstellung der erforderlichen finanziellen Mittel durch das Land Baden-Württemberg,  wurde die Umgestaltung im Herbst 2010 durchgeführt. Mit Hilfe von zwei Kleinbaggern hat die beauftragte Baufirma die Terrassen entsprechend den Vorgaben der Planung gestaltet und verdichtet (Abbildung 2).

 

Die Terassen wurden mit Kleinbaggern modelliert und verdichtet

Abbildung 2: Die Terassen wurden mit Kleinbaggern modelliert und verdichtet

 

Die Mauern wurden von den Mitarbeitern der LVWO, wo notwendig, geändert und instandgesetzt.

 

Die Maßnahmen konnten im Wesentlichen bis zum Einbruch des Winters beendet werden. Durch den Zukauf eines Nachbargrundstückes konnten die Zufahrtswege zu den Terrassen und eine Wendeplatte großzügig angelegt werden (Abbildung 3).

 

Zufahrtsweg zu den Terassen

Abbildung 3: Zufahrtsweg zu den Terassen

 

Die Wasserableitung erfolgt an einer Stelle über alle Terrassen (Abbildung 4).

 

Wasserableitung aller Terrassen an einer Stelle

Abbildung 4: Wasserableitung aller Terrassen an einer Stelle

 

Die Böschungen wurden sofort nach der Planie eingesät und mit Kokosmatten gegen Erosion gesichert. An der breitesten Stelle entstanden 9, an der schmälsten 3 Querterrassen. Die Breite dieser Kleinterrassen mit 2 Metern entspricht der üblichen Zeilenbreite im Direktzug. Dadurch können die Terrassen mit dem Schmalspurschlepper befahren werden. Gepflanzt wurde eine Reihe an der Außenkante der Terrasse. Die Böschungspflege kann an der Innenseite maschinell durchgeführt werden. Die Zeilenlängen schwanken zwischen 30 und 290 Meter, der Pflanzabstand beträgt 1,2 Meter. Der Drahtrahmen wurde für die Schrägbogenformierung erstellt und mit einer Tropfbewässerung ausgestattet. Auf der Süd- und Westseite wurde wieder die Rebsorte Muskateller, auf der West- und Nordseite die Rebsorte Sauvignon blanc gepflanzt. Von jeder Rebsorte konnten 650 Reben gepflanzt werden.

 

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