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Rückblick auf das Weinjahr 2012 in Württemberg

Gesunde Trauben versprechen Spitzenweine

 

Karl Bleyer

Hanns-Christoph Schiefer

LVWO Weinsberg

 

Während in der EU mit einer unterdurchschnittlichen Ernte gerechnet wird haben sich die Erwartungen in Württemberg voll erfüllt. Nach zwei kleinen Ernten mit nur 75 Millionen 2010 und 100 Millionen 2011, konnte 2012 mit etwa 120 Millionen Liter ein Wunschjahrgang eingebracht werden. Dies entspricht dem zulässigen Hektarhöchstertrag von 110 hl/ha. Viele Keller sind leer, und so wird insbesondere Weißwein aus dem neuen Jahrgang schon vor Weihnachten in den Verkauf kommen.

 

Vegetation

Die Reben trieben Ende April, nur geringfügig nach dem langjährigen Mittel, aus. Von Winterfrostschäden verschont, begann das Rebenwachstum im warmen Mai mit voller Kraft und bereits Ende des Monats waren die ersten Triebe über den obersten Draht hinausgewachsen. Die Rebblüte lag bei der Rebsorte Riesling um den 4. Juni und damit 10 Tage vor dem Mittel der letzten 30 Jahre. Die Blüte zog sich durch regnerische und kühle Tage in die Länge. Wie erwartet, zeigten sich die Sorten und Klone als äußerst verrieselungsfest. In Zeiten ertragsregulierter Anlagen und kompakter Trauben hatten mache auf lockere, etwas verrieselte Trauben gehofft. Die Niederschläge waren bis Mai geringer als der langjährige Durchschnitt und sorgten für ein trockenes Frühjahr. Im Juni und Juli waren die Niederschläge meist ausreichend. Die Trauben zeigten ein gutes Wachstum und bereits jetzt wurde eine gute Ernte erwartet. Im trockenen und sehr warmen August wurden die Weinberge, wo immer möglich, mit zusätzlichem Wasser versorgt. Gleichzeitig sorgte die trockene Witterung für beste Traubengesundheit, da ein Abdrücken und Platzen durch rasch wachsende Beeren unterblieb. Der September sorgte mit seinen Niederschlägen wassermäßig für Entspannung, und der goldene Oktober verwöhnte mit einem Mix aus Sonne und gelegentlichem Regen.

 

Tückische Rebenperonospora

Im Gegensatz zu anderen Weinbaugebieten verlief es mit dem Peronosporapilz zunächst sehr ruhig. Die sehr trockenen Monate Februar bis Mai verhinderten lange die Keimbereitschaft der Oosporen. Auch im Juni gab es keine Niederschläge über der Norm. Erste Infektionsbedingungen waren ab Anfang Juni durch immer wiederkehrende kleinere Niederschläge gegeben. Ein flächendeckendes Gewitterereignis am 30. Juni und 1. Juli führte zu sehr starken Infektionsbedingungen nach der Blüte. Wo hier die Grundabdeckung nicht stimmte oder zu lange Spritzabstände dazwischen lagen, konnte es durchaus noch zu starken Schäden an den Trauben und somit auch zu Ertragsverlusten  kommen. Das zeigte sich deutlich in den Versuchsanlagen der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg. In der Regel waren in den Praxisbetrieben die Bestände aufgrund der notwendigen engen Oidiumspritzungen  gut geschützt. Permanente Infektionsbedingungen bis Ende Juli sorgten dafür, dass bis zur Abschlussspritzung auch noch die Rebenperonospora und nicht nur das Oidium im Auge behalten werden musste.

 

Durch Peronospora kann ein hoher Ertragsuafall enstehen

 

Oidium wiederum das Hauptproblem

Ausgangspotential für den echten Mehltau war durch das stellenweise starke Auftreten im Vorjahr gegeben. Wie 2011 lagen zudem ab Beginn der Vegetation witterungsbedingt sehr  günstige Voraussetzungen für den Oidiumpilz  vor. Der Beginn der Pflanzenschutzbehandlungen in Württemberg wurde 2012 wiederum durch den Oidiumpilz vorgegeben und wurde überwiegend ab Mitte Mai im 3-6 Blattstadium der Rebe durchgeführt. Der Oidiumindex und somit die Befallsgefahr für die Trauben stieg bereits um den 10. Mai kurz an, nahm jedoch aufgrund geringerer Temperaturen wieder ab, auch die Blüte ließ etwas länger als gedacht auf sich warten. Ab dem 18. Mai nahm witterungsbedingt die Befallsgefahr und somit auch der über OiDiag berechnete Index wieder deutlich zu und stieg bis zum 20. Juni  immer weiter an. Das Mehltaufenster zog sich in diesem Jahr durch die lang anhaltende Blüte fast über fünf Wochen, in welchen gegenüber anderen Jahren vier Spritzungen notwendig waren. Wie sich in Versuchen an der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg zeigte, führten bereits die idealen Bedingungen um den 20.-25. Mai, also schon einige Zeit vor der Blüte, zu sehr starken Infektionen. Auch aus der Praxis kamen bereits Mitte Juni, direkt nach der Blüte die ersten Mehltaumeldungen. Wurde der Rebenmehltau früh entdeckt und sofort bekämpft, waren die Chancen gut, der Epidemie Herr zu werden. Es wurden sehr viele „Stopp-Spritzungen“ mit Molke und potenten Oidium-Fungiziden durchgeführt. Der Erfolg war sehr unterschiedlich und dürfte vom  frühen ruhigen Beginn abhängig gewesen sein. Über die Gründe und Ursachen wird stark diskutiert. Spritzabstände oder der Einsatz falscher Mittel zum falschen Zeitpunkt, windige Verhältnisse sowie der Pilzdruck durch einzelne, sehr schlecht behandelten  Anlagen, kommen als Ursache hierfür in Frage. Oft sind es jedoch mehrere Faktoren, die zusammenkommen. In den meisten Vermarktungsorganisationen war es notwendig, Flächen zu begehen um die Anlieferung von mit Oidium befallenem Lesegut zu verhindern. In der Regel war überwiegend die empfindliche Rebsorte Blauer Trollinger betroffen. Wie im Vorjahr gab es überall und bei allen Sorten Spätbefall mit starker Kleistothecienbildung an den Blättern. Der Einfluss auf das Folgejahr ist schwer zu beurteilen. Wieder muss durch den diesjährigen Befall im kommenden Pflanzenschutzjahr mit erhöhtem Oidiumpotential gerechnet werden. Entscheidend werden aber die klimatischen Gegebenheiten des kommenden Jahres sein.

 

Befall einer Rebblüte durch Oidium

 

Auftreten der Roten Spinne zum Lesezeitpunkt

Wie im Vorjahr gab es keinen größeren Befall von Kräuselmilben und mit Eiern der Roten Spinne. Auch Knospenschädlinge hatten durch den zügigen Austrieb und das schnelle Wachstum Anfang bis Mitte Mai kaum eine Möglichkeit größere Schäden anzurichten. Die Falterfänge der Traubenwickler waren wie im Vorjahr bei beiden Generationen auf niedrigem Niveau, was eventuell auf eine relativ geringe Population aufgrund der langjährig angewandten Verwirrmethode schließen lässt. Es wurden lediglich vereinzelte Schäden durch den Sauerwurm beobachtet. Ende September und Anfang Oktober zeigte sich in sehr vielen Rebanlagen, beim W. Riesling besonders deutlich sichtbar, ein deutlicher Befall mit Roter Spinne. Eine Abhängigkeit des Befalls aufgrund unterschiedlicher Spritzfolgen konnte nicht festgestellt werden. Der Populationsaufbau wurde sicherlich durch die günstige trockene Witterung im August bis in den September begünstigt. In diesen Anlagen sollte die Ablage der Wintereier beobachtet werden, um gegebenenfalls eine Austriebsspritzung mit Öl und Schwefel einzuplanen.

 

Traumhafte Ernte

Die Lese begann um den 14. September und dauerte bis Ende Oktober. Die Ernte verlief dank einer stabilen Hochdruckwetterlage sehr entspannt. Die einzelnen Sorten und Lagen konnten entsprechend dem Reifefortschritt und dem Gesundheitszustand der Trauben abgeerntet werden. Durch die trockene Witterung und gute Befahrbarkeit der Weinberge, war die Ernte physiologisch reifer Trauben fast immer möglich. Nur beim Riesling war in einzelnen Weinbergen eine Vorlese notwendig. Bei den Burgundersorten musste nicht nur aufgrund der niedrigen Säurewerte, sondern auch aufgrund der sehr hohen Mostgewichte und der zu erwartenden sehr hohen Alkoholgehalte geerntet werden. Selbst der sonst durch seine Mengenleistung bestechende Trollinger erreichte Mostgewichte um 80 Grad Oechsle. Dank der sonnigen Oktobertage mit kühlen Nächten werden sehr sortentypische und fruchtige Weine erwartet.

 

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