Service-Navigation

Suchfunktion

Schwarzriesling-Klone im Vergleich

Karl Bleyer
LVWO Weinsberg
E-Mail:
karl.bleyer@lvwo.bwl.de

Ergebnisse aus der Klonenvergleichsprüfung der Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg

1. Einleitung

Die württembergische Rebsorte Schwarzriesling zählt zur Burgunder-Familie. Ihr offizieller Name ist Müllerrebe, welcher auf die stark filzigen und stark behaarten Blätter und Triebspitzen zurückzuführen ist. Weitere internationale Bezeichnungen sind: Auvergnat gris und Pinot Meunier in Frankreich, Postitschtraube in Österreich und Millers Burgundy in Australien. Nach neuesten genetischen Untersuchungen (REGNER 1999) ist der Blaue Spätburgunder, der weltweit einen sehr hohen Stellenwert genießt, aus dem Schwarzriesling hervorgegangen. Die Rebsorte nimmt mit 1.864 ha in Württemberg nach dem W. Riesling und dem Bl. Trollinger den drittgrößten Flächenanteil ein. Bundesweit sind dies 78 % der gesamten Schwarzriesling Anbaufläche. Eine größere Verbreitung hat die Rebsorte auch in Frankreich, mit ca. 10.000 ha in der Champagne, wo sie ein Verschnittpartner für die Cuvée des Champagnergrundweines ist. Kleinere Anbauflächen befinden sich an der Loire und im Elsaß.

Der Schwarzriesling wird seit 1910 erhaltungszüchterisch bearbeitet. Seit 1954 ist die Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau erhaltungszüchterisch tätig. Dies geschieht in enger Zusammenarbeit mit einer Selektionsgruppe für Schwarzriesling in Lauffen/N. 1968 wurden von einer Ausgangsklonzahl von 40 Klonen 7 Klone als Standardpflanzgut beim Bundessortenamt angemeldet. 1985 wurde von folgenden 10 Klonen die Eintragung beim Bundessortenamt beantragt, welche heute als Klone der LVWO Weinsberg angemeldet sind: We 10, We 36, We 37, We 108, We 163, We 177, We 266, We 271, We 273 und We 292.

Als weiterer Züchter ist der Württembergische Weinbauverband e.V. (WVW) tätig.

Der Schwarzriesling ist aufgrund seines relativ späten Austriebes und einer sehr gute Holzreife sehr frosthart. Seine etwas spätere Blüte verringert die Verrieselungsgefahr, so dass es im allgemeinen eine ertragsstabile Sorte ist. Aufgrund der sehr dichtbeerigen Trauben, die eine starken Botrytisneigung zur Folge hat und eines etwas „wilden Wuchses" liegen die heutigen Selektionsziele auf der Hand: Klone mit lockeren Trauben und etwas aufrechterem Wuchs.

Der Schwarzriesling neigt sehr stark zur Mutation, zu Stöcken, deren Blätter nicht mehr mit der starken Behaarung überzogen sind. Ein weiteres Ziel sind daher auch Klone mit geringerer Mutationsneigung.

Nachfolgend wird ein Schwarzriesling-Klonenvergleich auf einer Fläche des LVWO-Betriebes Gundelsheim mit den Ergebnissen aus sieben Versuchsjahren vorgestellt. In diesem Versuch sind fünf Klone des Weinbauverbandes Württemberg und zwei Klonenselektionen aus Frankreich berücksichtigt.

Ergebnisse über weitere, ältere Versuche von LVWO-Klone sind anschließend noch dargestellt, um ein abgerundetes Bild über die LVWO-Klone der Rebsorte Schwarzriesling zu erhalten.

2. Klonenversuch LVWO Gundelsheim

Versuchsbeschreibung und -durchführung

 

Versuch:

 

21 Varianten à zwei Wiederholungen; 28-34 Stock/Wdh. bei 2,0 x 1,3 m Pflanzabstand (Fläche 72,8 - 88,4 m ² /Wdh.)
 

 

Lage:

 

Gundelsheim, Wolkenstein; Südwesthang mit 27 % Steigung (190 - 213 m ü NN); tlw. Muschelkalk mit Lettenkeuper (sL) mit 20 % Skelettanteil

 

Pflanzjahr 1987; Unterlage 5 BB; Dauerbegrünung
 

 

Klone:

 

We 1, We 10*, We 36*, We 37*, We 235, We 266*, We 273*, We 282,We 290,

 

We 292*, We 293, We 488, We 472 (LVWO Weinsberg)

 

WVW 31 L*, WVW 32 L*, WVW 33 L*, WVW 35 L*, WVW 3043 (Weinbauverband Württemberg)

 

Pinot Meunier/Aube, Pinot Meunier/Marne (Selektionen aus Frankreich)
 

 

(* = beim Bundessortenamt eingetragene Klone)

In der Prüfparzelle wurden die Erntedaten erfasst. Es wurden die Trauben aller Stöcke gelesen und gewogen. Zur Ermittlung des Mostgewichtes, der Gesamtsäure und des pH-Wertes wurden von allen Stöcken eine repräsentative Anzahl an Beeren entnommen.
Innerhalb der einzelnen Jahrgänge wurde der Mittelwert der zwei Wiederholungen gebildet. Dargestellt werden die Durchschnittswerte aus den sieben Auswertungsjahren.
In einzelnen Versuchsjahren fand auch ein Weinausbau der einzelnen Klone im 20 l Glaskolben statt.

Ernteergebnisse

Die Ergebnisse (Ertrag in kg/a, Mostgewicht in °Oechsle, Mostsäure in g/l) sind in den Abbildungen 1 – 3 dargestellt. Zur besseren Differenzierung sind die Selektionen der einzelnen Züchter in verschiedenen Farben wiedergegeben.

Ertrag

Bei den Erträgen der einzelnen Klone ist in ein deutlicher Unterschied bezüglich der einzelnen Züchter sichtbar. Die Selektionen aus Frankreich sind die Klone mit den geringsten Erträgen, die des Weinbauverbandes Württemberg sind die Klone mit den höchsten Erträgen, während die Klone der LVWO Weinsberg sich dazwischen bewegen. Die LVWO-Klone mit den niedrigsten Erträgen sind mit den Selektionen aus Frankreich vergleichbar, diejenigen mit den höchsten Erträgen mit dem am geringsttragenden Klon des WVW. Insgesamt ließen sich auf diesem Standort deutliche Ertragsunterschiede von bis zu 30 % feststellen. Hochsignifikante Unterschiede mit einer Irrtumswahrscheinlichkeit von 1 % sind bei einer Differenz von 15,5 kg/a zwischen den Klonen gegeben.

Mostgewicht

Bei der Betrachtung des Qualitätsverhaltens bezüglich des Mostgewichtes ( ) kommt sehr deutlich eine Menge-Güte-Relation zum Ausdruck. Es gab ähnlich interessante Unterschiede bezüglich der verschiedenen Selektionen der einzelnen Züchter wie im Ertragsverhalten. Die Klone des WVW hatten hier mit die geringsten Werte, wobei sich kein Unterschied zwischen diesen fünf Klonen zeigt. Die französischen Pinot Meunier-Klone lagen über dem Versuchsdurchschnitt. Die LVWO-Klone streuten auch hier relativ stark. Bei ihnen war das geringste und auch das höchsten Mostgewicht zu finden. Die Differenz vom höchsten zum geringsten Mostgewicht lag bei 3,4 °Oechsle. Mit einer Irrtumswahrscheinlichkeit von 1 % sind auch hier die Unterschiede bei einer Mostgewichtsdifferenz von 1,65° zwischen den Klonen hochsignifikant.

Mostsäure

Deutliche Unterschiede gibt es auch in der Mostsäure, wobei diese jedoch unabhängig von Ertrag und Mostgewicht und den Selektionen der einzelnen Züchter sind. Wie aus ersichtlich gibt es einige Klone die einen deutlich geringeren Mostsäuregehalt aufweisen als die meisten anderen Klone. Ein absicherbarer Unterschied mit 5 % Irrtumswahrscheinlichkeit liegt bei einer Mostgewichtsdifferenz von 0,78 g/l Mostsäure vor.

Boniturergebnisse

Die Bonituren der verschiedenen Merkmale wurden nach der internationalen Boniturskala (OIV) von 1 bis 9 ausgeführt. Nachfolgende Tabelle zeigt die Bedeutung der Noten. Die Bonituren wurden zu zwei bis drei verschiedenen Zeitpunkten jährlich durchgeführt.

Boniturnoten

Merkmalsausprägung

1

sehr schwach; sehr lockerbeerig; sehr klein

3

schwach; lockerbeerig; klein

5

mittel

7

stark; dichtbeerig; groß

9

sehr stark; sehr dichtbeerig; sehr groß

Wüchsigkeit, Geiztriebbildung, Holzreife

Im Wuchs differierten die einzelnen Klone in den Boniturnoten von 6,1 bis 7,6 ( ) . Die Klone der LVWO haben ein recht unterschiedliches Wuchsverhalten, während die Selektionen aus Frankreich und die Klone des Württembergischen Weinbauverbandes fast durchweg eine relativ starke Wüchsigkeit aufweisen. Die Vitalität der WVW–Klone entspricht ihrem Ertragsverhalten, während die Selektionen aus Frankreich trotz ein starken vegetativen Wachstums relativ geringe Erträge aufweisen.
In der Geiztriebbildung sind die Unterschiede zwischen den Klonen gering. Allgemein zeigen Klone mit stärkerem Wuchs auch eine etwas stärkere Geiztriebbildung.
Die Holzreife der Klone differiert minimal. Alle Klone haben eine gute Holzreife, die zwischen 6,8 und 7,3 bonitiert wurde.

Gescheinsansatz, Blühfestigkeit, relative Trauben- und Beerengröße

Die Ausprägung dieser Merkmale soll zusammenfassend betrachtet werden , da sie eng mit der Ertragsleistung zusammenhängen kann. Wie aus den Abbildungen , und hervorgeht haben die ertragsstarken Klone des Württembergischen Weinbauverbandes den höchsten Gescheinsansatz, eine gute Blühfestigkeit und mit die größten Trauben und Beeren. Der Klon WVW 31 L, der den höchsten Ertrag hatte, fällt durch den höchsten Gescheinsansatz, die beste Blühfestigkeit und die größten Trauben auf.
Die ertragsschwächeren Selektionen aus Frankreich haben einen mittleren bis geringeren Gescheinsansatz, eine vergleichsweise durchschnittliche Blühfestigkeit und eine mittlere Trauben- und Beerengröße.
Im wesentlichen läßt sich auch bei den LVWO-Klonen ein Zusammenhang dieser Merkmale mit dem Ertrag finden. Beispielsweise hat der sich auf geringerem Ertragsniveau bewegende Klon We 266 im Vergleich eine gute Blühfestigkeit, dafür jedoch einen mittleren bis geringen Gescheinsansatz sowie kleinere Trauben und Beeren. Der Klon We 273 besitzt hat relativ große Trauben und Beeren; sein geringeres Ertragsverhalten ist durch den geringeren Gescheinsansatz und die geringere Blühfestigkeit zu erklären. Der Klon We 448, welcher von allen LVWO-Klonen den höchsten Ertrag erbrachte, ist im Gescheinsansatz und der Blühfestigkeit mit dem We 266 vergleichbar hat jedoch eindeutig größere Trauben und Beeren.

Botrytis und Traubenbeschaffenheit

Ein großes Problem bei der Rebsorte Schwarzriesling ist die Traubenbotrytis aufgrund der sehr dicht gepackten Trauben ( ). Die Darstellung dieser beiden Merkmale soll Aufschluss über die Botrytisempfindlichkeit der einzelnen Klone geben.
Während die Boniturnoten bei der Traubenbeschaffenheit nur von 7,5 bis 8,1 streuten, ist der Unterschied in der Botrytisbewertung mit 2,5 bis 4,7 größer.
Bei den Klonen We 36, We 266, Pinot Meunier/M sowie den WVW-Klonen 31 L, 35 L und 3043 ist aufgrund der etwas dichter gepackten Trauben auch der Botrytisbefall stärker. Klone, die insgesamt etwas lockerer sind, hatten folglich auch einen geringeren Botrytisbefall. Dies waren die LVWO-Klone We 1, We 37, We 235, We 290, We 448, und We 472.
Eine genetisch bedingt stärkere Botrytisanfälligkeit dürften die Klone haben, die bei weniger kompakten Trauben und trotzdem höheren Befall aufwiesen. Dazu gehören die Klone We 10 und WVW 32 L. Gegenteilig verhält es sich bei den Klonen We 273, We 292 und WVW 33L, welche trotz hoher Beerendichte einen relativ geringen Botrytisbefall zeigen. Sie sind als Botrytis-unempfindlicher einzustufen.

Sonstige Beobachtungen

Klone mit geringerem Ertrag zeigten im allgemeinen eine gleichmäßigere und einheitlichere Reife der Trauben ( ). Dazu gehörten die zwei Pinot-Meunier-Selektionen aus Frankreich und die Klone We 10, We 37, We 235, We 266, We 273 und We 292. Der Klon We 273 ist der Klon, bei dem die Traubenverfärbung am frühesten einsetzt.
Eine Bonitur der Geiztrauben fand nicht statt. Auffallend viele Geiztrauben hatten in einem Versuchsjahr die Klone We 1, We 235, We 266 und We 472. Dieses Merkmal muss in Zukunft etwas genauer, auch bezüglich der Qualitätsbeeinflussung, beobachtet werden.
Bezüglich der Aufspaltung zu "Grünlaubern" (= mutierende Stöcke, deren Triebspitzen nicht mehr mit einer starken Behaarung überzogen sind) müssen die Klone We 36, We 37 und der Klon We 273 etwas genauer beobachtet werden.
Einen sehr einheitliches Erscheinungsbild hinterließen die Klone We 10, We 266, We 292, WVW 32L und WVW 3043.

3. Langjährige Versuchsergebnisse von LVWO-Klonen

In den Abbildungen und sind verschiedene Ernteergebnisse über mehrere Jahre und mehrere Standorte dargestellt.

Abbildung 10 zeigt nochmals die Ernteergebnisse der Klone We 10, We 36, We 37, We 266 und We 273 von insgesamt 25 Ernten auf 2 Standorten. Die Ertragsunterschiede sind relativ gering. Der Klon We 266 hat den geringsten Ertrag, im Mostgewicht hebt er sich mit dem Klon We 273 etwas von den anderen ab. Die Klone We 36 und We 273 haben im Vergleich zu den anderen Klonen eine um ca. 1 g/l geringere Mostsäure, was sich immer wieder in verschiedenen Vergleichen bestätigte.
In einem weiteren Vergleich in Lauffen/N wurden die eingetragenen Klone We 108, We 163, We 177 und We 271 mit dem Klon We 266 verglichen. Die Ergebnisse sind in
Abbildung 11 dargestellt. Sie sollten jedoch nicht überbewertet werden, da die Auswertung nur über fünf Jahre und ohne Wiederholung durchgeführt wurde. Auch hier zeigt sich eine deutliche Menge–Güte-Relation bezüglich des Ertrages und des Mostgewichtes. Die Klone We 163 und We 177, die hier vergleichbare Ergebnisse mit dem Klon We 266 lieferten, werden erhaltungszüchterisch nicht mehr weiterverfolgt. Die vergangenen Jahre hat sich gezeigt, dass der Klon We 163 zur Aufspaltung von "Grünlaubern" neigt und der Klon We 177 im Wuchs und in der gleichmäßigen Traubenreife nicht befriedigt. Der Klon We 108 ist etwas schwächer im Wuchs, seine Trauben reifen mit denen des Klons We 266 am gleichmäßigsten. Der Klon We 271 hat ein sehr einheitliches Erscheinungsbild und wie der Klon We 266 einen starken Wuchs.

4. Weinbeurteilung von Schwarzriesling-Klonen

Der Weinbeurteilung kommt in der Gesamtbeurteilung von Klonen eine immer größere Bedeutung zu. Geprüft wurden, wie aus den grafischen Darstellungen ersichtlich ist, bereits verschiedene Jahrgänge seit 1992. Aufgrund der hohen Anzahl der Klone konnten nicht immer alle Klone in den Verkostungen berücksichtigt werden.
An den verschiedenen Vergleichsproben waren zwischen 23 und 43 Prüfer anwesend, die die Weine in Dreiecksproben verkosteten und nach dem 5 Punkte DLG-Schema bewerteten. Die Weine, die in einer Gruppe gegeneinander verkostet wurden sind im Diagramm immer zusammen dargestellt. In den Abbildungen 12 und 13 ist eine Zusammenfassung einiger Ergebnisse aus den Verkostungen dargestellt.
In
sind die durchschnittlichen Bewertungen verschiedener Probefolgen über 3 Jahrgänge dargestellt. Die Weine der Klone We 266, We 273 und WVW 35 waren in Wiederholung eingebaut Die Unterschiede zwischen den Klonen sind nicht groß. Die Klone We 37, WVW 3043 und WVW L 33 sind in der Bewertung etwas abgefallen. Die Klone We 266 und We 273, die aus weinbaulicher Sicht als Qualitätsklone einzustufen sind, fallen auch in diesem Verkostungsvergleich positiv auf. Gut bewertet wurden auch die Klone WVW L 31, WVW L 32 und WVW L 35.
Die Klone We 108, We 163, We 177 und We 271 wurden auf dem Standort in Lauffen/N mit dem Klon We 266 verglichen. In Abbildung 13 ist linksseitig das Ergebnis von zwei Jahrgängen dargestellt. Die Weine des Klons We 266 hinterließen auch in diesen Jahrgängen und auf diesem Standort einen guten Eindruck. Die Klone We 271 und We 108 fielen etwas ab. In neueren Verkostungen, zeigt sich auch bei diesen beiden Klonen, dass sie in der Weinqualität überzeugen.
Bewertungen der Weine der französischen Selektionen sind in
rechtsseitig dargestellt. In zwei Verkostungen wurden die Weine mit einem Klonengemisch der LVWO-Klone verglichen; sie wurden in diesen Jahrgängen deutlich schlechter bewertet als das Klonengemisch. In anderen Vergleichen, die nicht zusammengefasst aufgeführt sind, wurden sie ähnlich wie alle anderen Klonen bewertet.
Die Bewertungen der Weine des Klon We 292 sind hier nicht aufgeführt, wurden aber im Vergleich zu anderen Klonen durchschnittlich bewertet.

Zusammenfassend kann über die bisherige Weinbeurteilung gesagt werden, dass in der Weinqulität keine großen Unterschiede zwischen den einzelnen Klonen vorhanden sind. Auch zwischen den Weinen von den verschiedenen Selektionsrichtungen sind keine wesentlichen Unterschiede vorhanden. Nur wenige Klone sind in diesen Bewertungen abgefallen. Eine Bewertung hinsichtlich Geschmacksaromen mit einer beschreibenden Analyse fand bisher nicht statt.

5. Zusammenfassung der bisherigen Ergebnisse

Die Auswertung eines Klonenvergleichs bei Schwarzriesling ergab signifkante Unterschiede in Ertrag und Mostgewicht zwischen den einzelnen Klonen.
Die zwei aus Frankreich stammenden Selektionen konnten trotz sehr geringen Ertrages nur ein leicht überdurchschnittliches, aber kein sehr hohes Mostgewicht erreichen. Bei den bisherigen Verkostungen machte sich der geringe Ertrag auch nicht durch ein höheres Qualitätsniveau im Wein bemerkbar.
Die Klone des Württembergischen Weinbauverbandes hatten höhere Erträge und etwas geringere Mostgewichte. Die Weine dieser Klone wurden genauso gut bewertet wie die Klone der anderen Züchter.

Von den angemeldeten Klonen der LVWO Weinsberg können aufgrund der Ertragsergebnisse die Klone We 266, We 273 und We 292 als "qualitätsorientierte" Klone angesprochen werden. Sie sind durch geringere bis mittlere Erträge und überdurchschnittliche Mostgewichte aufgefallen. In der Weinbeurteilung konnten dies besonders der We 266 und We 273 bestätigen, ohne sich jedoch signifikant abzuheben. Die Klone We 108 und We 271, die aufgrund weinbaulicher Eigenschaften stark vermehrt werden, sollen in den kommenden Jahren gezielt auf ihre Leistungsfähigkeit und ihre Weinqualität geprüft werden.

Die Mostsäure ist bei den beim Bundessortenamt eingetragenen Klonen We 36, We 273 und WVW 32 L um 1 g/l geringer.
Hinsichtlich des Botrytisbefalls sind die Klone We 273, We 292 und WVW 33 L als etwas unempfindlicher einzustufen.

In Tabelle 1 ist eine Zusammenfassung über die Eigenschaften von den derzeit in der Vermehrung stehenden LVWO-Klonen wiedergegeben.

Tabelle 1: Eigenschaften der wichtigsten LVWO-Schwarzriesling-Klone

Klon

 

Leistung

Botrytis-
anfälligkeit

Wein-
qualität

Sonstige Anmerkungen

 

Ertrag

°Oechsle

Säure

We 108

mittel

mittel

mittel

stark

gut

nur auf wüchsige, nicht trockene Standorte

We 266

gering

hoch

mittel

stark

gut-sehr gut

rel. kleine Trauben und Beeren

We 271

mittel

mittel

gering

stark

gut

sehr gleichmäßiger Wuchs

We 273

gering

hoch

gering

mittel

gut-sehr gut

frühere Beerenverfärbung; Aufspaltertyp?

We 292

mittel

mittel

mittel

mittel

gut

kräftiger, gleichmäßiger Wuchs

Von den nicht eingetragenen Klonen, die in Gundelsheim in der Prüfung waren, könnte aufgrund verschiedener Eigenschaften der eine oder andere Klon nochmals in eine intensivere Prüfung aufgenommen werden.

4. Schlussbetrachtung

Den Winzern stehen viele praxistaugliche und leistungsstabile Klone zur Verfügung. Jeder Klon hat seine Vor- und seine Nachteile, die der Winzer abwägen muss. Es hat sich bestätigt, dass die Ertrags- und Mostgewichtsunterschiede auf dem vorhandenen Niveau keinen Einfluss auf die Weinqualität hat. Unterschiede mittels einer deskriptiven Analyse bleiben zu prüfen.

Wünschenswert wäre natürlich ein Klon mit lockerbeerigen Trauben. Es hat sich jedoch gezeigt, dass die Unterschiede zwischen den Klonen und die Aussichten auf solch einen Klon sehr gering sind.

Nur wenige der schon älteren und nicht mehr weiterverfolgten Klone könnten aufgrund der vorliegenden Ergebnisse nochmals genauer geprüft werden. Das zeigt auch, dass die beiden württembergischen Züchter in den zurückliegenden Jahren eine erfolgreiche Selektionszüchtung betrieben haben.

Fußleiste