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Leistungsstarke und gesunde Strauchbeeren -  Welchen Einfluß haben Standort, Düngung und Bewässerung ?

 

Dr. D. Rupp, LVWO Weinsberg

Bodenstruktur und Bodenart

Ein wichtiger Standortfaktor für den Beerenobstanbau ist im wahrsten Sinn des Wortes der Boden. Zur Erhaltung gesunder und leistungsfähiger Bestände müssen die Bodeneigenschaften den Ansprüchen der Kultur gerecht werden. So soll der Boden Nährstoffe und Wasser verfügbar speichern, durchwurzelbar sein und mit guter Struktur eine ausreichende Durchlüftung haben. Flachgründigkeit, Staunässe oder ein kalkreicher Unterboden können dagegen die Wurzeln von Obstkulturen bei ihrer Ausbreitung stark behindern.

Böden mit genügend Porenraum erwärmen sich leicht. Finden sich zusätzlich ausreichende Humusgehalte und ein passender Säuregrad, so ist in solchen Böden auch der Befallsdruck von Wurzelfäulen vermindert.

Zusammen mit Gefügeeigenschaften wirkt sich die Bodenart (schwerer Tonboden, mittelschwerer Lehm oder leichter Sandboden) auf die Wasserführung und Durchlüftung aus. Eine Bodenvernässung bei verdichtetem, tonreichem Material kann die normalerweise förderliche Stoffabscheidung der Wurzeln nachteilig verändern und beim Absterben von Wurzelteilen zugleich Eintrittspforten für Fäulniserreger eröffnen.

Andererseits kann durch das Zusammenleben von bestimmten Pilzen und der Gehölzwurzel (Mykorrhiza) die Abwehr von Schaderregern verbessert werden.

Abbildung: Der Boden als Standortfaktor für das Beerenobst (von links nach rechts: Erdbeere, Johannisbeere, Himbeere). Belebte und unbelebte Prozesse nehmen Einfluß auf das Wachstum von Wurzeln und Sproß (Zeichnung Dr. Rupp)

Der Säuregrad entscheidet

An den Säuregrad des Bodens stellen einige Kulturen ganz spezielle Ansprüche (Tabelle). Sehr deutlich zeigt sich dies am Beispiel der Heidelbeere. Sie ist auf humosen Standorten neben dem Zusammenleben mit Mykorrhizapilzen zwingend auf einen niedrigem pH-Wert des Bodens angewiesen. Der Säuregrad des Bodens nimmt andererseits Einfluß auf die Nährstoffverfügbarkeit. Zu kalkige Böden verursachen Mangelerscheinungen. Schlecht verfügbares Eisen ergibt hier eine Blattvergilbung (Chlorose). Eine verringerte Kaliumaufnahme schwächt die Reservestoffbildung und mindert damit die Frosthärte.

Tabelle : Optimale pH-Bereiche für Beerenobstkulturen

Obstart

optimaler pH-Bereich

Erdbeere

5,0 - 7,0

Johannisbeere

6,2 - 6,5

Himbeere

5,7 - 6,0

Heidelbeere

4,5 - 5,2

Deutliche pH-Absenkungen sind jedoch im Obstbau nur langfristig über die natürliche Bodenversauerung und mit physiologisch sauer wirkender Düngung (z.B. Ammoniumsulfat) zu erreichen. Eine Ausbringung starker Säuren oder andere Eingriffe in den Bodenchemismus sind weder wirtschaftlich noch ökologisch vertretbar. Vor allem bei tonigen Böden hätte eine unnatürliche pH-Absenkung die Freisetzung von wurzelschädigenden Aluminium-Ionen zur Folge. Als sinnvolle Alternative bietet sich auf Problemstandorten ein Anbau als Dammkultur (Holzhäcksel, Rinde) an. Für den Hausgarten ist die Pflanzung im Torfsack eine gute Alternative.

Schnell wirksam: Wasser und Stickstoff

Im Gegensatz zu Gründigkeit, Körnung und Säuregrad eines Bodens läßt sich die Nährstoff- und Wasserversorgung von Beerenkulturen kurzfristig verbessern.

Aufschluß über den optimalen Stickstoffversorgungsgrad bei Himbeere sowie Roter und Schwarzer Johannisbeere ergaben langjährige Versuche der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt Weinsberg. Bis zu einer bestimmten Düngermenge steigerten vermehrte Stickstoffgaben insbesondere den Ertrag bei Roten Johannisbeeren und die Fruchtgröße bei Himbeeren. Effekte fanden sich neben Wuchsmerkmalen beim Verrieselungsgrad sowie den Zucker- und Vitamingehalten der Früchte. Während der Vegetation im Boden verfügbare Stickstoffmengen von mehr als 120 – 150 kg N/ha Pflanzstreifenfläche hatten eher nachteilige Wirkungen. Damit sind Düngermengen von mehr als 60 kg N/ha Anbaufläche ohne Nutzen.

Kaum beeinflußbar war das Wuchs- und Ertragsverhalten der Schwarzen Johannisbeere. Erhöhte Stickstoffgaben führten hier zu verstärktem Mehltaubefall.

Bodenabdeckungen haben ausgleichende Wirkung

Einen wichtigen Beitrag zu Stickstoffversorgung von Beerenkulturen geht von der Art der Streifenabdeckung aus. Die dadurch verbesserte Bodendurchfeuchtung unterhalb einer Abdeckung ergibt gute Mineralisationsbedingungen und damit eine nachhaltige Lieferung von Stickstoff aus dem Bodenvorrat. Eine zusätzliche, übermäßige Freisetzung aus stickstoffhaltigen Abdeckungen hat einen mastigen Wuchs und speziell bei Himbeeren starke Rutenausfälle zur Folge. Dienen stickstoffarme Materialien (z.B. Holzhäcksel, Stroh) nicht als Abdeckung, sondern werden in den Boden eingearbeitet , so ist andererseits eine Stickstofffestlegung nicht auszuschließen.

Wassergaben sind in ihrer Wirkung abhängig vom jahreszeitlichen Entwicklungsstadium der Beerensträucher. Während intensiver Zellteilungsvorgänge in den jungen Früchten wirkt sich eine optimierte Wasserversorgung in diesem Zeitraum positiv auf den Ertrag und Fruchtgrößen aus. Wassergaben bei fortschreitender Reife führen bei den dann bereits zuckerhaltigen Beeren ebenfalls zu einer Zunahme des Gewichtes. Allerdings geht dies einher mit einer zwangsläufigen Verdünnung der Beereninhaltsstoffe. Positiv für den nächstjährigen Ertrag kann eine gute Wasserversorgung während der Blütendifferenzierung sein. Gute Assimilationsleistungen sind in diesem Zeitraum die Voraussetzung für eine ausreichende Reservestoffausstattung der Knospen und der überdauernden Triebe. Auch hier gilt es jedoch, das rechte Maß zu halten und den Triebabschluß nicht zu verzögern

Der optimale Boden für Beerenobst

Der optimale Boden für Beerenkulturen ist schnell dränend, gut durchwurzelbar, humos und besitzt je nach Bodenart einen pH-Wert von 5 - 6,5.

Schlechte physikalische Eigenschaften oder ein ungünstiger pH-Wert des Bodens können durch eine Dammkultur mit Zusatzbewässerung ausgeglichen werden. Reihenabdeckungen sind einfache Hilfen zur Verbesserung des Bodenwasserhaushalts und zur Erhöhung der Stickstoffverfügbarkeit. Bei Düngergaben muß die Düngerform auf den pH-Wert des Bodens und die Kultur abgestimmt werden. Ist eine Stickstoffdüngung nötig, so soll auf neutralen bis alkalischen Standorten die Ammoniumform den Vorzug erhalten.

E-Mail: dietmar.rupp@lvwo.bwl.de

 

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