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Zur Vermeidung von Schäden durch Glyphosat-haltige Herbizide

von Dr. Walter K. Kast, Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg

Der Wirkstoff Glyphosat ist in einer ganzen Reihe von modernen Weinbauherbiziden enthalten, z. B. Roundup Ultra, Swing, Durano, Touchdown, Rapir, Ustinex G-neu.

Bei dem Wirkstoff Glyphosat handelt sich um einen Aminosäureabkömmling. Der Wirkstoff zeichnet sich durch eine sehr geringe Giftigkeit für Menschen und Tiere, auch für Nützlinge aus. Er baut sich ausserdem relativ rasch und vollständig im Boden ab und belastet nicht das Grundwasser. Der Wirkstoff wird von Pflanzen ausschliesslich über die Blätter aufgenommen und zusammen mit Assimilaten auch in unterirdische Pflanzenteile transportiert. Behandelte Pflanzen sterben nicht schlagartig, sondern nur sehr langsam ab. Der Wirkstoff wird deshalb je nach Wachstumsphase in der Pflanze verteilt, entweder zur Triebspitze oder auch nach unten. Glyphosat verfügt über ein breites Wirkungsspektrum sowohl gegen einkeimblättige als auch gegen zweikeimblättige Pflanzen. Nur wenige Pflanzen sind mehr oder weniger resistent gegen den Wirkstoff z. B. die Gruppe der Weidenröschen, Mauerpfeffer und Fetthennearten sowie die Nelkenwurz– und Schachtelhalmarten. Auch Gehölze, natürlich auch die Rebe, können geschädigt werden, wenn grüne Blätter getroffen werden.

Da grüne Rebteile geschädigt werden, geben die Hersteller den Warnhimweis „grüne Rebteile dürfen nicht getroffen werden". Bereits Anfang der 80iger Jahre sind jedoch in Anlagen stärkere Schäden aufgetreten, in denen die Rebtriebe sorgfältig ausgebrochen wurden sind. In der Regel erfolgt dieses Ausbrechen kurz vor dem Einsatz des Herbizids. Die Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg untersuchte deshalb 1984 im Auftrag der Firma Monsanto die Zusammenhänge. Die Ergebnisse wurden nicht veröffentlicht, sonder sind in die Empfehlungen des Herstellers eingeflossen.

Hypothese

Folgende Hypothese wurde dabei zu Grunde gelegt:

Werden kurz vor dem Ausbringen des Herbizids grüne Rebteile entfernt, so entsteht am Gefässsystem der Rebe eine Öffnung. Da tagsüber im Gefässsystem (Xylem) ein Unterdruck herrscht, können bei einem kurz nach einer Verletzung erfolgten Aufbringen einer Herbizidlösung auf den Rebstamm Teile der Flüssigkeit in das Gefässsystem eingesaugt und in der Pflanze systemisch verteilt werden.

Folgender Versuch wurde deshalb mit je 20 Rebstöcken angelegt:
Die Behandlung wurde praxisüblich mit 10 l/ha in 600 l Wasser/ha während der Rebblüte durchgeführt.

Variante 1

Kontrolle

Variante 2

Ausbrechen der Prüfparzelle unmittelbar vor der Applikation des Herbizids

Variante 3

Applikation des Herbizids und nachträgliches Ausbrechen (max. 2 Stunden nach der Applikation )

Variante 4

wie Var. 3 jedoch Ausbrechen eine Woche nach der Applikation

Variante 5

wie Var. 3 jedoch Ausbrechen ein Monat nach der Applikation

Variante 6

kein Ausbrechen

Ergebnisse der Versuche

Variante 2 zeigte an 3 von 20 Rebstöcken nach 4 Wochen leichte Symptome an einzelnen grünen Rebteilen im oberen Bereich der Laubwand. Bei Variante 3 und 4 wurden keine Symptome beobachtet. Bei Variante 5 traten zunächst massive Symptome an den unmittelbar behandelten grünen Pflanzenteilen auf. Im oberen Bereich der Laubwand wurden keine Symptome beobachtet, auch im Folgejahr nicht. In Variante 6 traten dieselben Symptome wie in Variante 5 zunächst auf, die Triebspitzen der getroffenen Triebe starben teilweise ab, so dass nur einzelne Stummel mit den bereits ausgewachsenen Blättern übrigblieben. Im Folgejahr traten an Trieben, die aus den im Vorjahr getroffenen Zapfen austrieben, wiederum deutliche Symptome auf. Die anderen Teile der betroffenen Reben waren jedoch symptomfrei.

Folgerungen

Reben sollten bei einem geplanten Einsatz von Roundup entweder sehr frühzeitig vorher ausgebrochen werden (ca. eine Woche), so dass die Wunden ausreichend verschlossen werden können. Sind bei der Applikation eines glyphosatehaltigen Herbizids noch grüne Rebteile am Rebstamm vorhanden, so sollten diese mitbehandelt und anschliessend entfernt werden. Die Rückverlagerung des Glyphosatwirkstoffes in den Rebstamm war offensichtlich zu gering, um in der Rebe systemische Schäden auszulösen, auch wenn grüne Rebtriebe voll getroffen werden.

Die Untersuchungen wurden während der Rebblüte durchgeführt. Möglicherweise ist die Rückverlagerung in den Rebstamm bei späterem Einsatz größer. Bei einem Einsatz nach der Blüte besteht aber auch die Gefahr, dass herabhängende Triebe getroffen werden. Deshalb sind glyphosathaltige Herbizide vorzugsweise für frühe Einsätze bis zur Blüte sinnvoll. Sollte später ein Einsatz notwendig sein ist es sicherer, Glufosinat (Basta) zu verwenden.

 

 

 

 

 

 

Herbizidschäden nach Einsatz von Roundup an nicht ausgebrochenen Trieben

 

E-Mail: walter.kast@lvwo.bwl.de

 

 

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