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Was zeigt uns die Schnittholzmenge an?

R. Fox, LVWO Weinsberg
E-Mail:
rudolf.fox@lvwo.bwl.de

Wer zur Zeit durch die geschnittenen Rebanlagen geht und aufmerksam in die Bestände hineinschaut, kann erhebliche, meist bewirtschaftungsbedingte, Unterschiede am Schnittholz bereits mit dem bloßen Auge erkennen. Für den erfahrenen Praktiker ist der Holzanfall ein wertvoller Hinweis bezüglich der Vitalität der Anlage insgesamt. So deutet eine hohe Holzleistung auf starke Wuchskraft, hohe, nachhaltige Ertragsfähigkeit, aber auch eventuell hohe N-Düngung sowie zu hohe Bodenpflegeintensität hin. Geringe Holzmengen zeigen dagegen schwachen Wuchs, Ertragsüberlastung, schlechtes Blatt-/Fruchtverhältnis (BFV) sowie Stressprobleme einschließlich Mängeln in der späteren Weinqualität, vor allem bei Weißwein, an.

Beim Rebschnitt ist die Wuchskraft bzw. Holzleistung des Einzelstockes seit jeher ein wertvoller Indikator für eine möglichst individuelle Stockbelastung bzw. Anschnittlänge, um langfristig physiologisch ausgeglichene Anlagen mit ausgewogenem BFV zu erhalten.

In anderen Kulturen, wie. z. B. im Kernobstanbau, wird gerade der oben angeführten physiologischen Ausgeglichenheit große Beachtung geschenkt, um stärkere Ertragsschwankungen (Alternanz) von Jahr zu Jahr zu vermeiden. Auch im Weinbau sollte der Vitalität der Bestände im Hinblick auf Traubengesundheit, Ertragssteuerung sowie insbesondere der Qualität von Trauben sowie späterem Wein mehr Beachtung geschenkt werden. Die an sich nicht neuen Erkenntnisse eines optimalen BFV bzw. optimalem Verhältnis von Fruchtertrag zu Holzertrag von 4 - 8 : 1 unterstreichen dies ebenso wie die Erfahrungen der frühen 90er Jahre mit mangelnder Holzleistung und Qualitätsdefiziten im späteren Wein in Folge von Trockenstress. Die Jahre 2000 und 2001 mit ihren reichlichen Niederschlägen führten dagegen vielfach zu recht üppigem Wachstum, sehr kompakten Trauben und erhöhtem Botrytisbefall.

Schnittholzmenge unterliegt vielen Einflussfaktoren

Ganz allgemein sind in der Literatur Zahlen ab ca. 10 dt/ha bis über 40 dt/ha Schnittholzfrischsubstanz zu finden. So ermittelten Seiter und Riedel (1) in einem kombinierten Bodenpflege- und N-Düngungsversuch bei Silvaner Frischholzmengen von minimal 7 dt/ha bis maximal 28 dt/ha. Die niedrige Schnittholzmenge führte neben unzureichendem Anschnittholz zu drastischem Ertrags-, aber auch Qualitätsabfall (UTA) im späteren Wein. Als Normalbereich stuften sie Frischholzgewichte von 22 - 28 dt/ha ein. Hierbei lagen die Erträge bei der Sorte Silvaner zwischen 150 - über 200 kg/a, was einem Verhältnis von Frucht zu Holz von 6 - 7 : 1 entspricht.

Fischer (2 und 3) gibt Zahlen von 20 bis über 40 dt/ha Frischsubstanz an. Nach seinen Untersuchungen liegen jahrgangs- sowie insbesondere standraumbedingte Unterschiede vor. Werden 50 % Wassergehalt zugrunde gelegt, so werden dem „Kreislauf" bei Belassen des Rebholzes im Weinberg, wie heute üblich, ca. 10 - 20 dt/ha organische Trockensubstanz jährlich zugeführt.

Nach Kiefer (4) fiel der Holzertrag bei Riesling auf 5BB bei gleicher Augenzahl/m² mit zunehmendem Standraum/Stock (3 m² bis 7,5 m²) und Kordonschnitt von 36,4 auf 25,6 dt/ha ab. Er stuft im 21-jährigen Mittel dabei 25 dt/ha Holzfrischmasse als noch ausreichend ein, wobei die Erträge langjährig nahe 100 kg/a lagen.

Bäder (5) zitiert Ergebnisse des Institutes für Weinbau Geisenheim, wonach bei Riesling im Rheingau ein Holz-/Frucht-Verhältnis von ca. 1 : 4 (30 kg/a Holz zu 120 kg/a Trauben) als günstig zu beurteilen seien. Durch überhöhte Erträge oder extreme Trockenheit könne die Holzleistung stark abfallen. Dies wirke sich negativ auf die Nachhaltigkeit der Erträge bzw. Anlagen aus. Nach seinen Untersuchungen kam es je nach Jahr, Standort und Sorte bei langjährigen Anschnittversuchen zu einem viel zu weiten Holz-/Frucht-Verhältnis. Die Ertragsüberlastung führte teils zu starkem Rückgang der vegetativen Entwicklung und in der Folge teils bei längerem Anschnitt sogar zu geringeren Erträgen. Der Holzertrag schwankte von lediglich 4,4 dt/ha bei einem überlasteten Silvaner bis über 36 dt/ha bei Spätburgunder. Dabei schwankte das Holz-/Frucht-Verhältnis von unter 1 : 4 bis über 1 : 27.

In unseren Versuchen konnten Frischholzmengen von 15 bis nahezu 40 dt/ha ermittelt werden - siehe Tabelle 1. Hierbei lagen die größten Unterschiede in Abhängigkeit der Bodenpflegevarianten (Lemberger) aber auch z.B. als "Nachwirkung" unterschiedlicher Rigoltiefen vor. Erst danach rangiert der Einfluss unterschiedlicher N-Düngung - siehe Tabelle 1. Die Kombination von Dauerbegrünung und langjähriger Nulldüngung ergab, wie zu erwarten, die geringste Holzmenge. Die Erhöhung der N-Düngung von Null auf 50kg/a ergab bei der Variante "Dauerbegrünung" einen starken anstieg der Holzleistung. In den vitalen Parzellen "Winterbegrünung" hatten die N-Düngungsstufen dagegen nur einen geringen Effekt bezüglich der Schnittholzmenge.

Wie aus Tabelle 1 noch hervorgeht haben auch die Unterlagen einen bedeutsamen Einfluss auf die Vitalität bzw. Schnittholzmenge. Das hierbei die 5BB an der Spitze liegt, bestätigt frühere Untersuchungen sowie die Erfahrungen aus der Praxis.

Tabelle 1: Schnittholzmengen in dt/ha

Lemberger; Bodenpflege- und N-Düngungsversuch; Mittel aus 1999 und 2000, 5. + 6. Standjahr 
(4,5 Augen/m²)

N-Düngung

Bodenpflege

Winterbegrünung

Winter-/Dauerbegrünung

Dauerbegrünung

Æ

0 kg/ha

25,3

21,0

16,4

20,9

50 kg/ha

26,1

23,0

20,3

23,1

100 kg/ha

27,6

23,5

21,2

24,1

Æ

26,3

22,5

19,3

 

Riesling; N-Düngung und Unterlagen; Mittel aus 1998 - 2001, 11. bis 13. Standjahr (8,5 Augen/m²)

N-Düngung

Bodenpflege

5 BB

26 G

SO4

Binova

Æ

60 kg/ha

34,9

29,8

29,0

28,4

30,6

48 kg/ha

29,5

26,2

23,5

25,4

26,2

0 kg/ha

29,7

26,5

20,8

22,0

24,7

Æ

31,4

27,5

24,4

25,3

 

Riesling; Riegoltiefen und Unterlagen; Mittel aus 1995 - 1999, 2. bis 6. Standjahr (4,5 Augen/m²)

Unterlagen

Rigoltiefe

0 cm

60 cm

90 cm

Æ

SO4

22,6

25,6

25,3

24,5

26G

21,7

25,3

24,4

23,8

Börner

23,7

26,1

25,9

25,3

Æ

22,7

25,7

25,2

 

Auch die Jahreswitterung (Niederschlagshöhe und Verteilung) , der Standraum und die Sorte sowie das Alter haben einen Einfluss auf den Schnittholzanfall . Im Jugendstadium der Anlagen - 2. + 3. Standjahr - lagen extreme Unterschiede in Abhängigkeit verschiedener Bodenpflege- und Düngungsvarianten vor. So wurden im 2. Standjahr (1996) bei 7 dt/ha Holzleistung ca. 40 kg/a Traubenertrag und bei 24 dt/ha Holzgewicht ca. 100 kg/a Ertrag ermittelt. Im 3. Standjahr waren bei 10 dt/ha Holz ca. 60 kg/a sowie bei 30 dt/ha Holzleistung ca. 150 kg/a Traubenertrag zu verzeichnen. Die jeweils geringere Holz- bzw. Ertragsmenge stammte aus Parzellen mit Dauerbegrünung sowie Nulldüngung, während die hohen Zahlen bei Winterbegrünung mit ca. 50 kg N/ha ermittelt wurden. Dies unterstreicht die Erfahrung, nach der gut gepflegte Junganlagen rascher ins Vollertragsstadium kommen und sich der Aufwand meist lohnt.

In einem Standweitenversuch bei der Sorte Schwarzriesling auf der Unterlage 5BB, gleicher Düngungsstufe und hoher Bodenpflegeintensität wurden bei einem Anschnitt von 8,5 Augen/m² in den Jahren 1976 - 1979 die in Tabelle 2 ersichtlichen Holzmengen ermittelt.

Tabelle 2: Schnittholzmengen in Abhängigkeit des Standraumes bei Schwarzriesling auf der Unterlage 5BB und 8,5 Augen/m²

Variante

Standraum

Ø 1976 - 79

1

2 x 0,8 m (1,6 m²)

35,4 dt/ha

2

2 x 1,2 m (2,4 m²)

29,8 dt/ha

3

2 x 1,6 m (3,2 m²)

27,0 dt/ha

Wie aus den Daten hervorgeht, lag die Variante mit 3,2 m² Standraum in der Holzleistung am niedrigsten, während der geringste Standraum mit der doppelten Stockzahl/ha sowie der halben Stockbelastung über 35 dt/ha Frischholzmasse ergab. Letzteres war zu üppig und führte teils zu höherer Verrieselung. In einem Anschnittversuch - ebenfalls bei der Sorte Schwarzriesling auf 5BB - mit 6 - 15 Augen/m² konnten in den Jahren 1976 bis 1978 jahrgangsabhängig recht unterschiedliche Schnittholzmengen ermittelt werden. So lagen im Mittel aller Anschnittstufen im Trockenjahr 1976 25 dt Holzfrischmasse vor, während im Jahr 1977 mit seinen ausreichenden Niederschlägen und relativ hohem Energieangebot 36 dt ermittelt wurden. Im Jahr 1978 mit seinem insgesamt geringen Energieangebot, jedoch hohen Niederschlägen, wurden dagegen lediglich 28,2 dt ermittelt, was auf die geringere Gesamtstoffproduktion durch die ungünstigeren Assimilationsbedingungen hinweist. In Übersicht 1 sind die wichtigsten Einflussfaktoren auf die Schnittholzmenge zusammengefasst.

Übersicht 1: Einflussfaktoren auf die Schnittholzmenge

Interessante Beziehungen zwischen Schnittholzmenge, Traubengewicht, Ertrag, Chlorophyll, Säure, Mostgewicht sowie weiteren Parametern

Die engsten Beziehungen lassen sich zwischen der Schnittholzmenge und dem Traubengewicht errechnen - siehe Abbildung 1.

Abbildung 1: Bodenpflege und N-Düngungsversuch bei Lemberger; Traubengewicht und Schnittholzertrag 1998 - 2001

So stiegen die Traubengewichte bei einem Bodenpflege- und N-Düngungsversuch bei der Sorte Lemberger und einem Anschnitt von etwa 4,5 Augen/m² im mehrjährigen Mittel von rund 120 g bei 13 dt/ha Holzfrischgewicht bis auf rund 325 g bei 27 dt/ha Holzfrischgewicht. Ähnlich enge Beziehungen ergaben sich naturgemäß dann auch bei der Gegenüberstellung von Ertrag und Schnittholzgewicht - siehe Abbildung 2.

Abbildung 2: Bodenpflege- und N-Düngungsversuch bei Lemberger; Ertrag und Schnittholzertrag 1998 - 2001

Hieran wird deutlich, dass die Vitalität in einer Anlage einen erheblichen, wenn nicht teilweise sogar dominanten Faktor für die langjährige Ertragsleistung darstellt. Daraus lässt sich folgern, dass mittels Beeinflussung der Wuchskraft ein erheblicher Beitrag zur Ertragssteuerung geleistet werden kann. Hierbei wirkt sich, wie aus den Abbildungen 3 und 4 ersichtlich, die Bodenpflege über ihren direkten und indirekten Einfluss auf die Wasser- und Nährstoffverfügbarkeit stärker aus, als die verschiedenen N-Düngungsstufen. Dies wiederum lässt die Folgerung zu, dass über variierte Bodenpflege langfristig mehr Einfluss auf Wuchs und Ertrag genommen werden kann als über eine mehr oder weniger hohe N-Düngung. Ziel des Winzers muss es dabei sein, durch eine standort-, vitalitäts- und jahrgangsangepasste Bodenpflegeintensität in Verbindung mit sachgerechter N-Düngung, einschließlich organischer Düngung, auf eine sortenspezifisch mittlere Schnittholzleistung bei mittleren Erträgen hinzuwirken. Dies bedeutet im Falle hoher Schnittholzmengen einzelner Parzellen, dass hier mit der Bodenpflegeintensität "zurückgefahren" werden kann. So könnte bei ganzflächiger Dauerbegrünung auf einen Eingriff in die Dauerbegrünung im laufenden Jahr verzichtet werden. Bei wechselweiser Bewirtschaftung mit Dauer- und Winterbegrünung in jeder 2. Gasse wäre beispielsweise ein späterer Umbruch der Winterbegrünung in Verbindung mit reduzierter N-Düngung geeignet, die Wuchskraft der Reben auf das gewünschte Maß zu reduzieren. In schwachwüchsigen Beständen mit in der Regel geringerer Einlagerung von Stickstoffreserven in Holz und Wurzeln und demnach erhöhter Stressanfälligkeit sollte dagegen durch rechtzeitigen Eingriff in die Dauerbegrünung oder im Extremfall Umbruch der Dauerbegrünung eine Minderung der Konkurrenz um Wasser und Nährstoffe herbeigeführt werden, um das Wachstum zu fördern. Wie die Erfahrungen zeigen, reicht es bei extrem schwachem Wuchs nicht aus, lediglich die N-Düngung zu erhöhen, sondern es muss über einen Eingriff in den Boden und damit Verbesserung des Wasserhaushaltes die Verfügbarkeit der Nährstoffe erhöht werden.

Abbildung 3: Bodenpflege- und N-Düngungsversuch bei Lemberger Ertrag im Mittel der Jahre 1995-2001

 

Abbildung 4: Bodenpflege- und N-Düngungsversuch bei Lemberger Schnittholzertrag im Mittel der Jahre 1995-2001

Abbildung 5 zeigt Beziehungen zwischen der Schnittholzmenge und dem Chlorophyllgehalt auf. Auch hier liegen gesicherte Beziehungen vor und die Holzmenge steigt mit zunehmendem Blattgrüngehalt deutlich an. Dies bestätigt die langjährigen Beobachtungen, nach denen dunkelgrüne Laubfarbe in wüchsigen Beständen mit hohen Holzmengen, aber auch besonders großen kompakten Trauben und erhöhter Botrytis- und Stiellähmegefahr in Kombination auftreten. 

Abbildung 5:Bodenpflege- und N-Düngungsversuch bei Lemberger Schnittholzertrag und Chlorophyll 1998 - 2001

Die in Abbildung 6 dargestellte Beziehung Säure und Schnittholzertrag ist in der Praxis weniger bekannt, jedoch nachvollziehbar. So ist bei steigender Schnittholzmenge von dichteren Laubwänden, verbunden mit geringerer Belichtung der Trauben und somit geringeren Beerentemperaturen, auszugehen. Dies führt letztlich zu weniger intensivem Abbau der Äpfelsäure, insgesamt höherer und "unreiferer" Säure. Durch übermäßige Wuchskraft kommt es daneben zusätzlich zu verzögertem Reifebeginn, was seinerseits zu höheren Säurewerten bei der Lese führen kann. Umgekehrt kann es bei schwachem Wuchs und intensiver Traubenbelichtung zu übermäßigem Säureabbau kommen. Dies ist zumindest bei frühreifen, weißen Sorten nicht erwünscht.

Abbildung 6: Bodenpflege- und N-Düngungsversuch bei Lemberger Säure und Schnittholzertrag 1996 - 2001

Zwischen Schnittholzmenge und Mostgewicht ergeben sich ebenfalls gesicherte Beziehungen, die jedoch vom Ertrag "überlagert" sind. Wie aus Abbildung 7 hervorgeht, ist bei zunehmender Holzleistung mit abfallenden Mostgewichten (negative Korrelation) zu rechnen und umgekehrt. Nachdem die Erträge mit zunehmender Holzleistung steigen, ist dies vor allem vom höheren Ertrag und damit der Menge-/Gütebeziehung überprägt. Umgekehrt steigen die Mostgewichte bei geringerer Holzleistung infolge sinkender Erträge. Daneben kann davon ausgegangen werden, dass es durch bessere Belichtung der insgesamt kleineren Blattfläche zu erhöhter Effizienz der Assimilationsfläche kommt. Dies unterstützt die Forderung einer mittleren Holzleistung bzw. Wüchsigkeit bei noch ausreichend guter Belichtung der vorhandenen Blattfläche.

Abbildung 7: Bodenpflege-und N-Düngungsversuch bei Lemberger Schnittholzertrag und Mostgewicht 1997 - 2001

Berechnungen aus unseren Versuchen mit extrem unterschiedlichen Schnittholz- bzw. Ertragsmengen ergaben keine eindeutigen Hinweise auf einen engen Optimalbereich bezogen auf den Qualitätsparameter Mostgewicht, was das Schnittholzgewicht bzw. Holz-/Fruchtverhältnis angeht. Nachdem das Mostgewicht jedoch nur ein Qualitätsparameter von vielen ist, lässt sich alleine anhand dieser Korrelationen kaum eine ausreichende Definition eines Optimalbereiches für die Schnittholzmenge erzielen. Für die Praxis ist deshalb die Folgerung zu ziehen, mittlere Schnittholzleistung zu erstreben, um neben optimaler Belichtung der Assimilationsfläche auch eine ausreichende Belichtung der Beeren selbst zu erzielen. Dies sichert einerseits eine hohe Assimilatbereitstellung zur Trauben- und Holzreife sowie andererseits den „Umbau" der bereitgestellten Energie in die wertgebenden Inhaltsstoffe wie beispielsweise Aroma, Phenole und Farbstoffe. Nachdem gerade bei Rotweinsorten der Farbe, dem Phenolgehalt sowie dem besondere Bedeutung als Qualitätsfaktoren zukommen, ist die Schnittholzproduktion durch geeignete Maßnahmen auf geringerem Niveau zu halten, um den Stoffwechsel in die gewünschte Richtung zu lenken. Bei Weißweinsorten ist aufgrund der Gefahr von untypischem Alterungston auf etwas höhere Vitalität hinzuarbeiten. Gefahren zu geringer bzw. zu hoher Holzleistung sind in Übersicht 1 und Übersicht 2 zusammengefasst.

Folgerungen für die Bestandsführung

Ziel sollte eine sortenspezifisch mittlere Holzleistung sein. Dies garantiert lockere Laubwände und damit gut belichtete Blätter sowie in der Folge eine hohe Assimilationseffizienz der vorhandenen Blattfläche. Gleichzeitig ist eine ausreichende Belüftung und Belichtung der Trauben gegeben, was Vorteile bezüglich Traubengesundheit und Bildung wertgebender Inhaltsstoffe angeht. Standort-, wuchs- und jahrgangsangepasste Bodenpflegeintensität und N-Düngung stellen geeignete "Werkzeuge" zur Wuchssteuerung bzw. Bestandsführung dar. Über sinnvolle Maßnahmen in der kommenden Vegetationsperiode kann bereits die anfallende Schnittholzmenge wertvolle Hinweise geben.

Ob geringe oder große Schnittholzmenge - aus ihr lassen sich weinbauliche Maßnahmen für die folgende Vegetationsperiode ableiten

Literatur

(1) Seiter, P. und Riedel, M. (2001): Bodenpflege und Stickstoff(N-)Düngung eines humusarmen Standortes;
Das Deutsche Weinmagazin, 26, 24 -27

(2) Fischer, A. (1982): Verwertung von Rebholz - konventionell oder alternativ? ; Der Deutsche Weinbau 11, 486 - 490

(3) Fischer, A. (1984): Alternative Verwertung von Rückständen aus dem Weinbau; Der Deutsche Weinbau 6, 255 - 260

(4) Kiefer, W. et al (1976): Auswirkungen einer unterschiedlichen Stockbelastung auf die Leistung bei der Rebsorte Riesling;
Der Deutsche Weinbau 25, 944 - 946

(5) Bäder, G. (1979): Einfluss des Anschnittes auf Menge und Güte des Ertrages bei den wichtigsten Rebsorten auf 128 Standorten der deutschen Weinbaugebiete ; Dissertation Universität Gießen

 

lesen Sie auch den Artikel Zur Problematik der Menge-Güte-Relation

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