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Solche Schlagzeilen müssen nicht sein

Eine weitere Senkung der Pflanzenschutzmittelrückstände ist mit geringem Aufwand möglich

 

Von Dr. Walter K..Kast,

Staatliche und Versuchsanstalt für Wein - und Obstbau, Weinsberg

 

Ende März und Anfang April 2008 berichteten sehr viele Tageszeitungen über  „Gift im Wein". Teilweise waren diese Artikel unseriös und reißerisch im Bild-Zeitungs-Stil aufgemacht. Einzelne Redaktionen bemühten sich um eine sachliche Darstellung des Sachverhalts. In keinem Fall der vorgelegten Untersuchung war die für Keltertrauben geltende zulässige Höchstmenge des betreffenden Pflanzenschutzmittels erreicht oder überschritten worden. Die bei einem Württemberger Trollinger beispielsweise gefundenen Rückstandswerte muss man eigentlich als Ultraspuren ansprechen. Der einzige wirkliche Skandal war der gefundene Rückstandswert eines französischen Bioweins. Der dort gefundene Rückstandswerte eines Botrytismittels kann ohne eine gezielte Anwendung des betreffenden Mittels, z.B. alleine durch Abdrift nicht zustande gekommen sein. Trotzdem wirken sich solche Publikationen negativ auf das Image des ganzen Weinbaus als Berufsstand und insbesondere auf das Image unseres Produkts Wein aus. Unabhängig von der Einhaltung der Grenzwerte ist es deshalb im Interesse aller Winzer, wenn die Rückstandswerte nicht ohne zwingenden Grund höher ausfallen als unbedingt notwendig. Durch einige, wenige und einfache Maßnahmen wäre es möglich, in solchen Untersuchungen optisch wesentlich günstiger auszusehen.

 

Die Untersuchung der Weine wurde von der P. A. N., einer Organisation die  gegen alle Pflanzenschutzmittel kämpft,  gezielt zur Erreichung politischer Ziele eingesetzt. Auffällig an dieser Studie ist vor allen Dingen, dass in den deutschen Weinen hauptsächlich Wirkstoffe der folgenden Botrytismittel nachgewiesen werden konnten: Boscalid, Pyrimethanil, Cyprodinil, Fludioxonil und Fenhexamid. Des weiteren sind auffällige Rückstände bei Iprovalicarb und Dimethomorph,  beides Mittel gegen Rebenperonospora, gefunden worden.Jedoch lagen diese Werte deutlich unter den für Keltertrauben geltenden Höchstmengen. Bei dieser gesamten Mittelpalette ist eine bedeutende Reduktion der Rückstandsmengen ohne Nachteile für die Reben und die Weinqualität möglich.

 

Die Belastungen mit Botrytiziden entstehen hauptsächlich durch die Anwendungen dieser Mittel im August. Die Botrytismittel haben teilweise eine sehr kurze Wartezeit und können deshalb auch ohne Überschreitungen der Höchstmengen auf reife Trauben ausgebracht werden. Sie haben in dieser Phase allerdings nur eine sehr begrenzte Wirkung, die in den meisten Fällen lediglich kosmetischer Natur ist. In Versuchen der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt in Weinsberg, wurde durch Anwendung nach Reifebeginn zwar der Botrytisbefall vermindert, die Weinqualität war jedoch eher schlechter. Ursache dürfte die vermehrte Entwicklung anderer Schimmelpilze sein, die wesentlich massivere Schäden für die Weinqualität auslösen können. Für die Weinqualität förderlich sind immer die früheren Anwendungen gegen Ende der Blüte und vor allen Dingen kurz vor Traubenschluss. Bei diesen Anwendungsterminen ist nicht nur die Wirkung sicherer, sondern auch die Rückstandssituation wesentlich günstiger. Besonders unter dem Gesichtspunkt der Vermarktung von Wein und zur Vermeidung von Image-Schäden sollte auf den Einsatz von Botrytismitteln ab Ende Juli grundsätzlich verzichtet werden.

 

Auch die Belastung der Weine mit Rückständen von Peronospora-Mitteln kann durch einfache Maßnahmen noch deutlich reduziert werden. Dies ist möglich durch die gezielte Anwendung der Mittel in den Bereichen, in denen der Peronosporapilz bei der Abschlussspritzung noch Schäden verursachen kann. Dies ist die obere Hälfte der Laubwand, in der sich noch neue Geiztriebblätter entwickelt haben. Die Trauben sind bei der Abschlussspritzung bereits extrem widerstandsfähig und brauchen deshalb in der Regel gegen Peronospora und Oidium nicht behandelt werden. Eine gezielte Behandlung der oberen Laubwandhälfte ergibt insgesamt eine bessere Wirkung der Spritzung und führt zu geringeren Rückständen in den Trauben. Durch einfaches Abstellen der unteren Düsen kann die Rückstandsbelastung der Trauben also drastisch reduziert werden.

 

Sicherlich können auch solche Maßnahmen Rückstände nicht absolut ausschließen. Mit entsprechendem Aufwand lassen sich in Zukunft zumindest bei einzelnen Wirkstoffen noch geringere Rückstandsmengen erreichen.

Unseriöse Journalisten werden auch in Zukunft auf Sensationen versprechende, geschickt lancierte Meldungen hereingefallen, aber man muss es Ihnen ja nicht unbedingt besonders leicht machen.

 

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