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Urlaubsziel Wein

So macht sich Württemberg fit für Weintouristen

 

Evelyn Schmidt

Marketing und Tourismus

Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg

 

 

Wer heute Urlaub in einer deutschen Weinregion verbringt, wird von dem hochwertigen und vielfältigen Angebot, das ihm begegnet, überrascht sein. Weinbaubetriebe und Weinregionen haben die Zeichen der Zeit erkannt und in den Tourismus investiert. Neue Erlebnisangebote und Dienstleistungen entstehen und erfreuen sich bei Gästen wie Einheimischen größter Beliebtheit. Weintourismus in Deutschland entwickelt sich zu einem stark wachsenden Markt – nicht zuletzt, weil er eine ganz neue Qualität annimmt.

 

Auch in Baden-Württemberg kommt Dynamik auf. Die Tourismusorganisationen haben das Potenzial des Weintourismus längst erkannt. Regionen wie die Ortenau, der Kaiserstuhl, das Heilbronner Land oder das Remstal rücken den Wein seit jeher in den Mittelpunkt ihrer Tourismusstrategie und überzeugen mit attraktiven Urlaubsarrangements. Auch das Bundesland Baden-Württemberg setzt einen klaren Schwerpunkt bei den Themen Wein, Genuss und Kulinarik.

 

Wein ist Trend und moderner Lebensstil. Da überrascht es nicht, dass er auch in Freizeit und Urlaub für viele Menschen ganz selbstverständlich dazu gehört. Weinregionen bieten herrliche Landschaften, mildes Klima, feine Lebensart, Weinkultur und Kulinarisches und damit beste Voraussetzungen für attraktive Reiseerlebnisse. Hinzu kommt ein anhaltender Trend zum Urlaub im eigenen Land. Der Deutschlandtourismus boomt und auch die Weinregionen profitieren von dieser Entwicklung, insbesondere im Bereich der Kurz- und Tagesreisen.

 

Die Weinwirtschaft freut's. Ist die Vermarktung doch mittlerweile zu einer der zentralen Aufgaben im Weinbaubetrieb geworden. Die beste Flasche Wein ist bekanntlich die, die ab Hof verkauft wird. Tourismus kann dazu viel beitragen. Er bietet neue Wege, Menschen zu begeistern und zu emotionalisieren und sich damit erfolgreich von anderen abzuheben. Tourismus holt Gäste in die Regionen und neue Kunden in die Weinbaubetriebe und steigert damit die Bekanntheit und das Image beider. Das erfordert von den Akteuren aber auch Mut, zu investieren und die Bereitschaft, mit anderen zu kooperieren.

 

Viele Weingüter und Weingärtnergenossenschaften investieren in ambitionierte Neu-, An- und Umbauten an ihrem Standort und entwickeln den Betrieb damit zu mehr als nur einer Produktionsstätte. Moderne, zeitgemäße, teils auffällige Weinarchitektur verbindet Produktion, Präsentation und Genuss und macht Weinbaubetriebe seit Jahren zu Anziehungspunkten und Ausflugszielen für Gäste und Touristen. Neue Verkaufs- und Veranstaltungsräume und besondere Designs entstehen. Innovative Besucherkonzepte werden integriert. Wein braucht ein attraktives Umfeld. Architektur ist ein wichtiger Baustein, um stilvolle Rahmen für das Produkt, Ambiente und Räume zum Wohlfühlen und Genießen zu schaffen.

 

Für viele ist der Tourismus zu einem zweiten Standbein geworden. Sie bieten mit Ferienwohnungen und Gästezimmern Urlaub auf dem Winzerhof, betreiben eine eigene Gastronomie, Besenwirtschaft oder ein Hofcafé oder etablieren sich erfolgreich im Event- und Veranstaltungsbereich – insbesondere auch in der Vermietung von Räumlichkeiten. Neue Standbeine bringen neue Herausforderungen, aber auch Synergieeffekte.

 

Die Erfolge geben den Betrieben recht. Weintouristen legen großen Wert auf den direkten und persönlichen Kontakt zum Winzer. Für viele Gäste ist der Urlaub auf dem Winzerhof daher der Inbegriff für Weinurlaub. Auslastungsraten von über 65% sind nicht selten.

 

Auch die Besenkultur boomt. Typische Besen- und Heckenwirtschaften und Hofcafés erfreuen sich bei Touristen wie Einheimischen größter Beliebtheit. Die Verbindung von selbsterzeugten Weinen, regionaltypischer Küche und unkompliziertem, geselligem Ambiente entspricht den Reisewünschen.

 

Aber auch hier ist Qualität gefragt. Touristen sind anspruchsvoll, legen Wert auf Stil, Komfort und Service – auch und gerade bei der Unterkunft. Qualitätszeichen wie „Urlaub auf dem Winzerhof“ weisen in Ergänzung mit der Auszeichnung von Sternen im 1- bis 5-Sterne-Bereich den Weg zu ausgezeichneten Unterkünften. Zudem ist in den Regionen eine Vielzahl von Qualitätszeichen entstanden, um Touristen eine Orientierung zu geben. In Württemberg werden seit einigen Jahren beispielsweise Besenwirtschaften und Weinfeste zertifiziert. Dabei müssen die Betriebe bestimmte Anforderungen und Standards unter anderem in den Bereichen Glaskultur, Servicekompetenz und Ambiente erfüllen.

 

Die Weinprobe ist für Weintouristen zentrales Element beim Aufenthalt in der Weinregion und wird als Reisebestandteil vorausgesetzt. Das Angebot an weintouristischen Dienstleistungen ist vielfältig. Viele Betriebe bieten regelmäßig thematische und kulinarische Weinverkostungen, kreative Wein-Events und Kulturveranstaltungen, geführte Weinwanderungen und Kellerführungen. Sie sind zudem gefragte Locations für Privat- und Firmenveranstaltungen. Viele bieten mit den Räumlichkeiten für Tagungen, Hochzeiten und Feiern eine All-Inclusive-Betreuung mit Catering, Service, Technik usw. an.

 

Kellerführungen sind beliebt

 Führung im Sektkeller der LVWO Weinsberg

 

Ein klares Reiseziel von Weintouristen ist der Weineinkauf. Auch hier reagieren die Betriebe. Die Öffnungszeiten für den Weinverkauf passen sich an die Bedürfnisse der Gäste an, die vorrangig an den Wochenenden in die Gebiete reisen. In einigen Städten und Gemeinden gibt es bereits Vinotheken, die ein Sortiment an regionalen Weinen anbieten und darüber hinaus auch als touristische Informationsstelle für Gäste fungieren. Diese werden privat geführt, von den Kommunen oder von mehreren Weinbaubetrieben der Region betrieben. Gebietsvinotheken sind beliebte Anlaufstellen für Touristen, um die Weine einer Region zu probieren und kennenzulernen.

 

Auch in der Gastronomie tut sich was. Eine gute und funktionierende Gastronomie ist neben dem Wein das wichtigste Kriterium für erfolgreichen Weintourismus. Weintouristen begeistern sich für kulinarische Reiseerlebnisse, wollen neue Speisen und regionale Küche erleben und kennenlernen. Regionaltypische Weine werden zudem in Hotels und Gastronomie vorausgesetzt. In Baden-Württemberg gibt es mit den „Häusern der Baden-Württemberger Weine“ genau die Art von Gastronomie, die für Weinkompetenz und Regionalität steht und auf die richtigen Qualitätsstandards setzt.

 

Weinberge allein reichen nicht, damit potenzielle Touristen ihren Urlaub in der Region verbringen. Um den Reisewünschen zu entsprechen, bedarf es einer funktionierenden Freizeitinfrastruktur. Moderate Aktivitäten wie Wandern und Rad fahren und der Mix aus Natur, Kunst, Kultur und Architektur sind bei Weintouristen gefragt. In Württemberg existieren mittlerweile zahlreiche Weinwander- und Radwanderwege und Routen. Die ausgeschilderten Wege in den Weinbergen haben sich bei Spaziergängern, Wanderern, Joggern, Mountainbikern und Nordic-Walkern fest etabliert. Thematische Wege führen an Weinbaubetrieben, Gastronomie, herrlichen Landschafts- und Aussichtspunkten oder auch Kunstwerken vorbei. Aktuelles Kartenmaterial ist bei den Tourismusorganisationen erhältlich. Diese bündeln, koordinieren, vermarkten und vermitteln das Tourismusangebot der Region, sind wichtigste Schnittstelle im Urlaubsgebiet und damit zentraler Ansprechpartner für Gäste.

 

Zu Attraktionen und beliebten Plätzen für Ausflügler und Einheimische haben sich auch die Ausschankhütten in den Weinbergen entwickelt. Viele Betriebe bieten hier insbesondere an den Wochenenden ihre Weine sowie kleine Speisen an.

 

Zur Freizeitinfrastruktur gehören auch Angebote an buchbaren Gästeprogrammen und Führungen. Weinerlebnistouren werden bei Weintouristen zunehmend beliebter. Die Qualifizierung von weinkompetenten Gästeführern ist daher ein weiterer wichtiger Baustein in der Entwicklung des Weintourismuskonzeptes in Württemberg.

 

Seit 2008 wird in Zusammenarbeit mit dem Weininstitut Württemberg und der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg die Ausbildung zum/zur Weinerlebnisführer/in Württemberg durchgeführt. Insgesamt 50 weinkompetente Gästeführer gibt es bereits in Württemberg. Aktuell läuft ein weiterer Ausbildungsgang. Die Weinerlebnisführer Württemberg werden für die Organisation und Durchführung von weinbezogenen Gästeprogrammen, Weinerlebnistouren und Degustationen speziell geschult und ausgebildet. Die Ausbildung dauert 25 – 30 Tage über einen Zeitraum von acht Monaten. Themenschwerpunkte sind Weinbau, Kellerwirtschaft, Sensorik, Ökologie, Flora, Fauna, Weinbaulandschaften, Didaktik, Kommunikation und Marketing. Neben Seminaren stehen Workshops, Exkursionen und praktische Übungen auf dem Programm. Der Lehrgang richtet sich an Städte-, Gäste-, Natur- und LandschaftsführerInnen aus den Gemeinden und Regionen sowie Unternehmen und Beschäftigte der Weinwirtschaft. Hoch qualifizierte Dozenten der Weinbauschule Weinsberg, vom Deutschen Weininstitut, der Hochschule Heilbronn, den regionalen Tourismusverbänden und aus Betrieben der Weinwirtschaft gestalten den Lehrplan. Alle Weinerlebnisführer absolvieren im Rahmen Ihrer Ausbildung eine Prüfung und qualifizieren sich als kompetenter Ansprechpartner für Wein und Region.

 

 

Die weinkompetenten Gästeführer sind im Weinerlebnisführer Württemberg e.V. organisiert. Eine gemeinsame Veranstaltungsreihe heißt „Sonntags in Württemberg“. Jeden Sonntag erwartet Gäste und Einheimische ein spannendes Weinerlebnis – immer mit neuen Themen und in anderen Regionen. Vertreten sind Gemeinden und Städte in allen württembergischen Regionen.

Es gibt Weinerlebnisführer, die in Weingärtnergenossenschaften arbeiten und dort das Thema Führungen und Veranstaltungen betreuen. Einige haben einen eigenen Weinbaubetrieb oder ein eigenes Weingut und bieten hier eine Vielzahl an weintouristischen Dienstleistungen an. Andere arbeiten selbstständig als Städteführer, Weinberater oder Gastronom und bieten in Zusammenarbeit mit regionalen Weinbaubetrieben Gästeprogramme und Weinerlebnisse für Touristen. Für wieder andere ist die Tätigkeit als Weinerlebnisführer eine Ergänzung zum Berufsleben oder Rentnerdasein. Partner sind hier Weinbaubetriebe, Gastronomie und touristische Einrichtungen. Der Erfolg ist enorm. Einige Weinerlebnisführer waren im vergangenen Jahr bereits ausgebucht.

 

Weinerlebnisführer bieten innovative, zielgruppenorientierte und buchbare Angebote, ohne die Weintourismus nicht funktioniert. Von Erlebnisprogrammen, Weinverkostungen, geführten Weinberg- und Kellerführungen, Weinseminaren, Weinevents bis hin zu Weinreisen, Gruppen- und Busbegleitungen. Von der klassischen Weinwanderung bis hin zu Weinerlebnisprogrammen mit Kanu, E-Bike oder Planwagen ist alles dabei. Kombiniert werden die Angebote mit Weinproben, kulinarischen Genüssen und Landschaftserlebnissen. Es gibt spezielle Angebote für Gruppen- und Individualreisende.

 

Weinerlebnisführer sind unverzichtbare Partner der lokalen und regionalen Tourismuseinrichtungen und Dienstleister für Weinbaubetriebe und Winzer. Sie arbeiten eng mit Gastronomie, Hotellerie und Freizeit- und Kultureinrichtungen zusammen und sind Mittler zwischen Gästen, Weinregion und Winzern. Aber auch dieses Netzwerk funktioniert nur, wenn die touristische Infrastruktur in den Regionen stimmt. Damit Weinerlebnisführer gute Angebote entwickeln können, brauchen sie offene Weinbaubetriebe, offene und regionale Gastronomie, die Unterstützung der Gemeinden und Tourismusorganisationen sowie Weinwanderwege, Ausschankhütten, Unterstellplätze, Transportmittel usw.

 

Weinerlebnisführer gibt es mittlerweile in fast allen deutschen Anbaugebieten. Das Deutsche Weininstitut bietet unter www.deutscheweine.de viele weintouristische Informationen, unter anderem auch über die Weinerlebnisführer Deutschlands.

 

Erfolgreicher Weintourismus ist eine Gemeinschaftsleistung, an der mehrere Leistungsträger und Akteure beteiligt sind. Touristen nehmen den Aufenthalt in einer Weinregion immer als ein Gesamterlebnis wahr. Qualität, ganzheitliche Konzepte und unverwechselbare Angebote sind Schlüssel zum Erfolg. Wein allein macht noch keinen Weintourismus. Weinregionen müssen für Gäste erlebbar gemacht, Infrastrukturen geschaffen und flächendeckend neue begehrte Angebote entwickelt werden. Weinbaubetriebe allein können das nicht leisten. Sie brauchen Partner. Dazu gehören Gästezimmer, Gastronomie, Freizeit- und Kultureinrichtungen, Vinotheken, Touristinformationen und Weinerlebnisführer genauso wie Taxiunternehmen, der Einzelhandel und die Städte und Gemeinden.

  

Interessante Links: 

Alle Weinerlebnisführer und viele spannende Angebote gibt es unter www.weinerlebnistour.de
Alles rund um das Urlaubsland Baden-Württemberg gibt es unter www.tourismus-bw.de

 

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